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389 mal angesehen
04.01.2013, 18.11 Uhr

meine erste "richtige " Elchjagd

ja, ja, auch das ist schon viele Jahre her...

Es gab eine Zeit, in der die jährlichen Elchstrecken in Schweden Jahr für Jahr in die Höhe schossen, bis sie bei über 170 000 Stück m. E. den Höhepunkt überschritten.

Ich saß in einem norddeutschen Forstamtsbüro und mußte mich mit Landeshaushaltsordnung und Dienstwohnungsvorschrift befassen.... und träumte gelegentlich von einer Jagd in Skandinavien. Jagen nur in Moor, Heide und Wald - ohne irgenwelche Zivilationsgeräusche und -beeinträchtigungen, das müßte schön sein, aber mein Telefon blieb stumm!!!

Durch die vergangenen Orkankatastrophen waren in Norddeutschland etliche Millionen Festmeter Holz geworfen oder gebrochen worden und nur durch Hilfe der fortschrittlichen skandinavischen Lohnunternehmen war eine Aufarbeitung dieser Massen überhaupt möglich. So ergaben sich Verbindungen in den Norden und der eine oder andere Kollege aus dem Außendienst hatte es auf einmal ganz wichtig, im Oktober noch schnell eine Woche Urlaub zu machen!

Ja, aber mein Telefon blieb stumm! Also wurde regelmäßig in die neuesten WuH geschaut, und richtig: irgendwann in einem Spätsommer fand ich dort eine Anzeige: "1 Woche Elchjagd komplett mit Unterkunft und Verpflegung in Öster-Götland" zu einem mir als Junggeselle zusagenden Preis. Also Anruf in Hamburg - :"ja, Du kannst mitkommen!" Mein Einwand, daß ich vor Monaten gelesen hätte, daß man Waffen nur nach vorherigem Genehmigungsverfahren einführen dürfe, wurde so beschieden: "ne, ne, das machen wir dann morgens in Trelleborg beim Zoll wie jedes Jahr!" Ein bisschen Skepsis blieb bei mir zwar, aber so ein erfahrener Schwedenfahrer wird`s schon wissen.

Die Wochen verflogen und dann stand ich Sonnabends abends am Skandinavienkai in Travemünde mit Rucksack und geschultertem Drilling. Schnell fand man sich zusammen und die Fahrt ging los. Die Guppe bestand aus mehreren Jägern aus dem Südharz (davon ein Zahnarzt, der schon einige Male sein Waidmannsheil versucht hatte, bislang allerdings immer ohne Erfolg, aber diesmal nun den Dachgepäckträger auf seinen Daimler geschraubt hatte, da die zu erwartende Trophäe einfach nicht in den Kofferrraum passen würde.) Ich kam mir ein wenig klein in dieser Gruppe von ca. 8 Jägern vor.

Am frühen Morgen legte dann die Fähre in Trelleborg an und die, die ihre Waffen rechtzeitig angemeldet hatte, waren rasch mit den Zollabfertigungen fertig, doch bei mir und 2 weiteren Gästen blieb der Zoll stur und ließ uns nicht mit den Waffen passieren. Es wurde stundenlang gewartet und am Sonntagmorgen mit Malmö telefoniert, aber alles ohne Erfolg. Ich war fürchterlich enttäuscht und drauf und dran, mit dem nächste Kahn zurückzufahren, bis dann ein Telefonat mit Öster-Götland erbrachte, daß man dort 3 Leihwaffen für und bereithalten würde. Also rein in die Autos und die verlorene Zeit aufholen!

Dort angekommen - das Übliche - Atzung und dann Probeschießen. Ich bekam eine Schwedenmauser in 6,5 x 55 mit variablem Glas bis 12fach!!
Auf meinem Drilling war ein 4faches Glas montiert - es war für mich ein Schießen wie in einer anderen Welt! Natürlich saßen die 2 oder 3 Schüsse wirklich absolut Fleck!!

Am nächsten Morgen gings dann auch wirklich früh los, man saß 3 Stunden auf seinem Stand, kein Elch kam, kein Schuß unterbrach die wunderbare Stille! Na ja, wie Elchjagd nun mal so ist!

Nachmittags wurde ich auf einem Kahlschlag abgesetz und auf ca 150 m lag so ein kleiner Querrücken, der mit Nadelbäumen bestanden war. Dahinter erhob sich auf knapp 400 m ein Felskegel und nachdem ich mich eingerichtet hatte, sah ich , wie sich dort auf diesem Kegel mein Nachbar einrichtete.

Ich sah ihn dort noch rumkrabbeln, als ich plötzlich auf dem Kamm des Querrückens eine Bewegung bemerkte! Ich nahm sofort das Glas hoch und konnte das anwechselnde Stück als eine geringen Bullen ansprechen. Den Rucksack und die Büchse ausrichten war natürlich eins, aber dann den Bullen in dieses Superpräzionsglas zu kriegen war natürlich nicht ganz so einfach!! Als ich dann einmal kurz einen hellen Vorderlauf im Glas hatte, suchte ich das Blatt und ließ fliegen!! Die Reaktion war, daß der Elch nicht mehr zu sehen war, daß kurz ein stöhnendes Geräusch zu hören war und daß eine Fichte für einen Moment wackelte! Ich wollte es erst selbst nicht glauben, aber es schien ja nicht geträumt zu sein, am 1. Tag auf Elchjagd und schon einen Bullen geschossen!! Daraufhin gab ich die 3 vereinbarten Signalschüsse für ein erwachsenes Stück ab - handy`s gab`s ja noch nicht!!

Kurze Zeit später kamen die schwedische Gastgeber, ließen sich berichten, einweisen, fanden den Gabler und wünschten Waidmannsheil!

Am nächsten Morgen wurde dann noch ein ungerade Achter gestreckt und dann hatte man das Gefühl, daß das Elchwild sich wohl verzogen hatte, denn die Jagdfläche war meiner Erinnerung nach nur ca. 1400 ha groß. Nachmittags und am nächsten Vormittag kam dann auch kein Elchwild mehr vor und man hatte daß Gefühl, auf einen Stand gebracht zu werden, der am Vortage auch schon mal besetzt war. Da insgesamt nur 3 erwachsene Stücke und 3 Kälber frei waren, waren die Chansen auf den großen Schaufler nun doch erheblich gesunken!

Am 3. Nachmittag saß ich wieder auf einer Kahlfläche, das Gelände hinter mir fiel ab und war mit 6 - 8 m hohen Nadelbäumen bestanden, und darüber war ein felsiges Hochtal, was aber bestimmt 250 - 350 m entfernt war. Nach mehr als einer Stunde hörte ich plötzlich ein merkwürdig nasale Geräusch von dort oben und als ich das Glas hob, erkannte ich dort ein Stück Kahlwild im flotten Troll dieses Hochtal herunterkommen. Es verhoffte in dem Moment, als die Fichtenspitzen von unten schon seine Läufe abdeckten. Schon war der Zielstachel auf dem Blatt und der Schuß raus!! Als repetierte, sah ich erst, auf welche Entfernung ich mich hatte verführen lassen!! Das Stück verhoffte dann noch einmal auf sicher 280 m und ich hielt über dem Stück an und sah daraufhin die Felsen über dem Stück wegspritzen! Jetzt ersteinmal nachladen und die 3 Signalschüsse abgeben, damit die Freigabe nicht überzogen wurde! Natürlich kam jetz der große Flatterman und die Selbstvorwürfe!! Aber ist die Kugel erst einmal aus dem Lauf.....

Nun haderte ich doch ganz gewaltig mit mir, als mein Blick mal wieder in das Hochtal geht und was seh ich da? da kommt da doch im flotten Troll ein ungerader Sechser genau auf der Fährte des Schmaltieres, verhofft am 1. Anschuß, zieht zum 2. Anschuß und ist dann hinter den Fichten verschwunden! Nie war ich so glücklich, nicht schießen zu dürfen!! Nach 1- 2 Minuten dort oben wieder eine Bewegung! Der Bulle kommt zurück, verhofft, zieht zögerlich weiter, verhofft wieder, bis er dann endgültig verschwindet!! Mensch, das war eben Elchbrunft, schoß es mir durch den Kopf - heute sieht man das ja alle paar Tage im Fernsehen, damals war man eben noch ein greenhorn!!

Nach einiger Zeit tauchten 2 schwedische Jäger auf und: "Du schon wieder?" "Ja, ja, aber ich habe Mist gebaut" "Wo hast Du geschossen?" "Ja nicht hier vorne, sondern da oben!" "Oh, je! Show me the place!"
Er machte sich auf den Weg, als plötzlich am 2. Anschuß der Elchhundeführer auftauchte, aber auch gleich wieder verschwand. Kurze Zeit später fiel dort 1 Schuß und der 2. Schwede meinte dann nur, daß wohl alles in Ordnung sei. War auch nur noch ein Signalschuß.

Meine Mitjäger waren alle nicht so sehr erfreut und es hagelte Vorwürfe. Als am nächsten Vormittag dann doch noch ein Kalb geschossen wurde, wurden mittags die Sachen gepackt und unter Übertretung der Höchstgeschwindigkeit gen Trelleborg gesaust, was die Jagdkosten noch einmal erheblich hätte in die Höhe hätte treiben können.

Aber von da an hatte mich das Elchfieber gepackt!!









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Hamsterdorfer

Hamsterdorfer

Alter: 71 Jahre,
aus Großhansdorf
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Kommentare

04.01.2013 19:09 Krico700
schöne Geschichte...in welchem Jahr war es denn
nu ?

WMH
04.01.2013 21:47 hoghunter
Krico700 schrieb:
schöne Geschichte...in welchem Jahr war es denn
nu ?

WMH

auf jeden fall bevor es handys gab,ich sage mal so mitte der siebziger....schön geschrieben
wmh
06.01.2013 14:18 Hamsterdorfer
Krico700 schrieb:
schöne Geschichte...in welchem Jahr war es denn
nu ?

WMH

Nach meiner Erinnerung müßte das 1982 oder 1983 gewesen sein.
War wie beschrieben mit vielen Höhen und Tiefen!!
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