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Wollt ein Jägerlein jagen

Erlebnisse eines jungen Jägers (4 Einträge)

Beim Angehen
1215 mal angesehen
31.12.2012, 20.37 Uhr

Einfacher gehts nicht

Es ist der 30. Dezember 2012, abends. In den letzten Wochen haben die Sauen in der Wintergetreidesaat gewütet, weil darunter aus dem Sommer Maiskolben untergepflügt sind. Es sieht aus, als ob eine Granatenübung stattgefunden hätte. Jede Menge Krater, 30 Zentimeter tief und einen dreiviertel Meter im Durchmesser, bedecken das Feld. Dieser Mond hat bisher keinen Erfolg gebracht, weshalb meine Eltern und ich es noch einmal probieren wollen.
Ich will die fahrbare Kanzel besetzen, die am Rand in dieser Mondlandschaft steht, meine Eltern werden Kanzeln an den Hin- und Rückwechseln nehmen. Meine Kanzel heißt Erntewagen, weil sie auf einen alten Miststreuer gebaut ist. Zum Sauen-Ernten. Mit dem Auto anfahren kann man sie nicht, sie steht mitten auf dem Acker. Wir lassen das Auto am Bauernhof stehen und ich marschiere los.
Ich habe mir überlegt, die Kanzel in einem Bogen über eine in einer Senke liegende Weide anzugehen, um zu vermeiden, mitten über den Acker laufen zu müssen. Einerseits ist dann meine Fährte nicht auf dem Acker, andererseits will ich auch nicht mit jedem Schritt zwei Zentimeter wachsen und zehn Kilo Dreck in die Kanzel tragen.
Der Erntewagen steht links von meinem Weg auf einer Kuppe, sehen kann ich ihn aus der Senke aber nicht, weil dahinter ein Streifen Wald steht und die Silhouette der Kanzel verschluckt. Als ich nach vorne auf den Horizont der Wiese schaue, traue ich meinen Augen nicht: Da flüchtet eine Rotte Sauen, die mich wohl mitbekommen hat. Mit mir selbst und dem Wind hadernd, der zu Beginn meines Marsches für die Kanzel günstig stand, nun aber so gedreht hat, dass er mir auf der Kanzel im Nacken stehen würde, gehe ich weiter. Ich verabschiede mich von meinem Plan, die Kanzel im Bogen zu umgehen, weil ich dann genau auf den Wechsel der getürmten Rotte kommen würde - vielleicht kommt diese ja nochmal zurück. Stattdessen will ich parallel zum Ackerrand bis auf Höhe der Kanzel gehen und dann direkt auf diese zu.
Ich habe mich aber etwas verschätzt, was den Standort der Kanzel angeht und so komme ich gut 50 Meter oberhalb von dieser heraus, die ich erst sehen kann, als ich auf gleicher Höhe mit ihr bin.
Als ich genauer in Richtung Erntewagen gucke, muss ich stutzen - waren da dunkle Punkte hinter der Kanzel? Ich nehme die Büchse von der Schulter und schaue durchs Zielfernrohr, um mich zu vergewissern. Tatsächlich, da sind vier dunklere Flecken auf dem Acker – Sauen! Erstaunlich, dass die mich noch nicht mitbekommen haben, müsste sich doch meine Silhouette deutlich gegen den Himmel abzeichnen. Aber der Wind steht günstig. Vorsichtig pirsche ich mich näher, halte die Kanzel zwischen mir und den Sauen, um meine Bewegungen zu verdecken.
Schließlich komme ich an der Kanzel an, die Sauen stehen nur gut 25 Meter entfernt im Gebräch und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Ich komme um die Kanzel herum bis an die Leiter. Schießen kann ich von hieraus aber nicht, ich müsste hangabwärts schießen, was mit dem Kugelfang nicht hinhaut, zumal die Kanzel meiner Mutter ungefähr in der Schussrichtung liegt. Also bleibt nur eines: Versuchen, auf die Kanzel zu kommen. Vorsichtig lasse ich den Rucksack von den Schultern und zu Boden gleiten, nur mit der Waffe erklimme ich Stufe um Stufe die Leiter. Hoffentlich knarrt nichts! Aber Diana ist immernoch auf meiner Seite, die Leiter gibt keinen Mucks von sich. Zu versuchen, in die Kanzel reinzukommen, brauche ich aber nicht, das würden die schwarzen Gesellen garantiert mitbekommen, auch wenn sie bisher nichts geschnallt haben. Ich setze mich also vorsichtig auf das Podest vor der Kanzeltüre und streiche am Leiterholm an.
Als ich durchs Zielfernrohr blicke, kann ich die Sauen zum ersten Mal genauer ansprechen. Es sind kleinere Stücke. Überläufer oder Frischlinge ohne Bache, alle etwa gleich groß, nur eine scheint mir ein wenig größer zu sein.
Dummerweise ist der Himmel bedeckt, das Absehen verschwimmt mit den schwarzen Klumpen, die selbst nur vage auszumachen sind. Ein Blick zum Himmel zeigt mir aber ein Loch in den Wolken, durch das jeden Moment der Mond kommen müsste. Und tatsächlich, da ist das Licht. Nur die Sauen spielen nicht mit: Bis auf die größere, die ich schonen will, stehen alle spitz. Es dauert einen Moment -ich rechne schon mit der nächsten Wolke, die sich vor den Mond schiebt- bis sich eine der kleineren breit stellt. Sofort ist das Absehen auf dem Blatt.
Laut hallt der Schuss über den leeren Acker, gefolgt vom Ritsch-Ratsch des Repetierens und einem kurzen Klagen der Sau. Diese liegt am Platz, schlegelt nur noch. Die anderen Sauen sind währenddessen getürmt, verhoffen aber nach 50 Metern noch einmal. Scheinbar haben sie nicht begriffen, was passiert ist. Schießen kann ich dahin aber nicht, in der Verlängerung der Schusslinie stehen Häuser.
Ich warte bis die Sau still liegt, dann rufe ich meinen Vater an. "Du bist verrückt", ist seine Antwort, als ich "Sau tot" melde. Wir beschließen, noch eine halbe Stunde sitzen zu bleiben und auf die anderen Sauen zu warten, falls diese zurückkommen sollten. Den Gefallen tun sie uns aber nicht, sie bleiben verschwunden.
Als ich schließlich zu der Sau gehe, stehe ich vor einem Frischling, den ich auf etwa 35 Kilo schätze. Ich binde ihm einen Strick um den Hals und ziehe ihn über den Acker auf die Wiese, wo mein Vater mich mit dem Geländewagen einsammelt. Nach dem Aufbrechen zuhause zeigt die Waage 31 Kilo.
Beim Angehen der Kanzel eine Sau geschossen- einfacher gehts nun wirklich nicht.
Dies ist die dritte Sau, die ich dieses Jahr strecken konnte. Aber keine einzige klassisch nach stundenlangem Harren an Kirrung oder Maisacker, immer lief irgendwas anders. Aber ich bin glücklich darüber. Solche einzigartigen Erlebnisse machen die Jagd für mich zu dem, was sie ist!
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Cobra

Cobra

Alter: 26 Jahre,
aus Raum Köln/Bonn

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Kommentare

31.12.2012 22:01 IGOR82
WMH!!!
Mit Mutter und Vater jagen ist aber auch selten.
01.01.2013 07:58 Wuidsau47
WaiHei
Warum ist das selten?Bis zum Tode meines Vaters habe ich mit meinen Eltern auch immer zusammen gejagt.Das ist 5 Jahre her und da war ich 43 Jahre.Von der Erfahrung der "Alten" kann man lernen.Bin mit meinen Eltern seit meinem 5.LJ zur JAgd gegangen.
Alles Gute fürs Jahr 2013 Cobra und auch den anderen
01.01.2013 10:31 Isegrim
WAIMANNSHEIL zur SAU
Die Sicherheit immer im Blick - so soll es sein
Gruß und weiter so
ISE
01.01.2013 14:46 loennie
Waidmannsheil....tolles Erlebnis..
01.01.2013 19:29 hawe
Waidmannsheil! und eine tolle Geschichte.
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