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18.12.2012, 11.09 Uhr

Wer will, der muss...

Schönster Schnee, kalte Luft, Wind berechenbar – was will man mehr…? Ach ja, Sauen vielleicht…? Aber genau daran haperte es, seit es bei uns Schnee gab. Die Füchse hielten sich auch massiv zurück, hatten augenscheinlich doch noch ganz schön unter Räude und Staupe der letzten beiden Jahre zu kämpfen.
Rehwild und auch Rotwild waren bereits zu.
Was also tun? Den Schnee wollte ich unbedingt noch mal genießen. Vor allem, weil ja massiv Tauwetter angedroht wurde. Und endlich, meine Wildkamera an der Kirrung zeichnete endlich Sauen auf – um 03:30 Uhr…
In der nächsten Nacht standen sie 23:30 Uhr an der Kirrung. 5 Frischlinge und 3 Überläufer waren im Bild. Gerade das richtige Maß, das die Wutze hatten! Also sollte es am nächsten Abend raus gehen. Schon ziemlich früh zog es mich raus, obwohl das Wetter bereits umzuschlagen begann. Ein wenig Tauwetter am Tage und der nachmittags wieder einsetzende Frost mit der verharrschenden vorher angetauten Schneedecke ließen mich vorsichtig sein und auf Zeitreserve spielen. Als ich dann 19:00 Uhr das Auto nur etwa 50 Meter von der Kirrung entfernt abstellte, war ich mir nicht sicher, dass ich wirklich so lange bleiben könnte, bis die Sauen vielleicht gegen 22:00 Uhr oder gar später erscheinen würden. Zwischenzeitlich wurde es sehr windig, Schnee fiel und schon auf dem Herweg waren die Wege mit dem nassschweren Schnee zugeweht…
Aber ich wollte es probieren, stieg aus dem Auto, zog mir die megawarmen Plünnen an, schnappte mein Gerödel und schloss das Auto ab. Als die Zentralverriegelung schloss erleuchtete der weiße Winterwald in „heimeligem“ orangem Licht der Blinklichter des Autos – Scheiß Partybeleuchtung! Aber ich war ja zeitig hier…
Ich hatte keine drei krachenden Schritte im Schnee gemacht, als von der Kirrung vor mir deutlich das zänkische Gequike von Sauen zu hören war… Ich konnte es gar nicht glauben, versuchte durch den Jungwuchs etwas zu erkennen. Fehlanzeige. Ich prüfte noch einmal den Wind. Dieser machte ein direktes Anpirschen unmöglich, ich musste einen Umweg nehmen, um vorsichtshalber von der gegenüberliegenden Seite zum Ansitzbock zu gelangen. Aber bei dem verharrschten und laut krachenden Schnee konnte das nicht funktionieren…
Was also tun…?
Es blieb mir nix übrig, als Stiefel auszuziehen und barfuß den beschwerlichen Umweg in Angriff zu nehmen. Und das gestaltete sich sehr schwierig. Ich musste quer durch den Bestand und barfuß fand ich hier zahlreiche Äste, Brombeeren, die im etwa 40 cm hohen Schnee versteckt waren, Stubben… Angenehm ist jedenfalls anders. Aber der Schnee war dadurch vergleichsweise leise zu durchpirschen, wenn auch die Füße ganz schnell ganz kalt wurden. Denn mit zügigem Vorankommen war da nix. Jeder Schritt wurde vorsichtig ertastet, um weder einen Ast zu brechen noch die Füße einem unnötigen Verletzungsrisiko auszusetzen. Aber wenn man vor einem im Gebräch stehende Sauen haben will, muss man eben Opfer bringen…
Irgendwann, mir schien es eine Ewigkeit zu dauern, bekam ich die Sauen in Anblick. Aber es dauerte noch, ehe ich eine passable Position erreichte. Ich fror fürchterlich an den Füßen, sonst aber dampfte ich aus allem Poren.
Als ich schließlich so weit war, dass ich an einem Baum anstreichen konnte, war ich eigentlich breit. Aber ich konnte auch nicht mehr lange rumfackeln – die Sauen hatten die Kirrung längst abgeräumt und schickten sich an, die Bühne zu verlassen. Quasi im letzten Moment konnte ich auf einen trödelnden Frischling noch die 30.06 loswerden. Ich ahnte in dem Moment noch nicht, dass das Spiel hier noch lange nicht vorbei war…

Ein Teil der Rotte, darunter auch der beschossene Frischling stürmten nach links, der andere Teil nach rechts. Das war mir nun gar nicht recht. Der Frischling stürmte also über die Reviergrenze in das Nachbarrevier…
Problematischer aber war noch, dass ich ein Zeichnen des Stückes nicht wahrgenommen hatte. Was hatte ich da nur fabriziert…? Mit bösen Vorahnungen ging ich zunächst zu meinen Stiefeln, um endlich die Füße aus dem nasskalten Schnee zu bekommen. Dann inspizierte ich den Anschuss und fand…nix.

Ich zitterte am ganzen Körper, und das sicher nicht nur, weil ich so jämmerlich fror. Ich umschlug zunächst den Anschuss und fand endlich in der Fluchtfährte auch Schweiß, zahlreiche feine Tropfen, wie aus einer Sprühpistole, wobei die Menge mit jedem Meter Fluchtweg zunahm. 10 Meter hinter dem Anschuss dann fand ich ein Stück, das ich zunächst kurz für ein Stück Leber hielt, es aber bei genauerem Betrachten doch als Milz identifizierte. Klasse, das brauchte ich jetzt noch.

Ein Anruf beim Nachbarpächter erbrachte die Freigabe zur Nachsuche und gegebenenfalls Bergung des Stückes. Ich aber beschloss, hier nix weiter zu unternehmen, als einen Dickungskomplex, der ein paar Hundert Meter in Fluchtrichtung lag einfach nur zu umschlagen und auf dem Quergestell nachzusehen, ob das Stück noch darüber hinaus weitergeflüchtet ist, oder ob es etwa im Dickungskomplex im Wundbett lag. Ich fand keine Wundfährte hinter der Dickung. So brach ich ab und fuhr nach Hause. Sollte das Stück erst einmal richtig krank werden. Am nächsten Morgen wollte ich dann mit einem bestätigten Schweißhundeführer zum Anschuss zurückkehren und die Nachsuche durchführen (lassen).

Der Nachbarpächter gab unkompliziert grünes Licht für alles, was nötig wäre. Zumindest das erleichterte mich schon mal gewaltig. Zu Hause angekommen versuchte ich einen anerkannten Schweißhundeführer zu bekommen – und scheiterte jämmerlich. Es gibt ein Nachsuchegespann mit einem DK und zwei mit RT. In Anbetracht der Situation wollte ich vor allem den DK haben, damit der im Zweifel den Frischling stellen könnte. Das traute ich den Teckeln in dem Waldbestand eher nicht zu…

Aber nach erfolglosen Anrufversuchen am Abend blieb selbst eine Hilferuf-SMS an den DK-Führer bis zum nächsten Morgen unbeantwortet. Und auch die Teckelführer erreichte ich nicht. Am nächsten Morgen herrschte massiv Glatteis… Mein erster Schritt aus der Haustür endete mit einem schmerzhaften Sturz. Aber ich blieb unverletzt.
Was nun tun. Ich entschied mich in Abstimmung mit dem betreffenden Nachbarpächter zunächst erst einmal die Fichtendickung noch einmal auf ein späteres Auswechseln des angebleiten Frischlings zu kontrollieren. Sollte dies nicht erfolgt sein, hoffte ich darauf, dass der Frischling verendet wäre und wollte dann mit meinem Wachtel die Wundfährte arbeiten.

Mein Auto musste ich wegen der Extremwitterung im Dorf stehen lassen (die Waldwege waren so spiegelglatt, dass man unweigerlich in die Gräben rutschen würde) und ging dann zu Fuß etwa 1 km zur Dickung, umschlug sie und fand keinen Hinweis darauf, dass Frischling die Dickung verlassen hätte. Also ab zum Anschuss und Kiro zur Fährte gelegt. Kiro war natürlich begeistert und arbeitete die Fährte erstaunlich gelassen. Wenig später fanden wir den längst verendeten knapp 40 kg schweren Frischling im Wundbett. Er hatte versucht, die am Tag vorher wohl von seiner Rotte genutzten Kessel aufzusuchen und sich in einem der Kessel einzuschieben.

Die Erleichterung war grenzenlos. Die Bergung des Frischlings dagegen eine Tortur. 40 Kilo am Bergehaken, Repetierer auf der Schulter, Hund am Strick etwa 1 km Rückweg zum Auto… ich war breit!

Nachmittags kontrollierte ich noch mal den Anschuss. Ich hatte am Vorabend den Frischling auf 40 Meter beschossen. Und obwohl ich extra darauf geachtet hatte, einen mir bekannten Himbeerhorst nicht zu durchschießen, hatte ich noch am Rand zwei Ruten erwischt, die wohl das Geschoss dann doch noch etwas abgelenkt hatten.
Bei dem Treffersitz war ich heilfroh, das Stück verendet vorgefunden zu haben. Da hätte ich locker damit gerechnet, dass das Stück auch am nächsten Morgen noch lebt. Und für den Fall hätte ich sofort abgebrochen und solange versucht, bis ich einen bestätigten Schweißhundeführer gehabt hätte, denn die Grenze zum nächsten Jagdnachbarn ist nicht mehr weit gewesen…

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Rapsjaeger

Rapsjaeger

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Kommentare

18.12.2012 15:26 Waldlaeufer7x64
Schön geschrieben, spielt sich genau vor dem inneren Auge ab Aber was witzig ist, ich bekomme Anfang nen Wachtelrüden und den will ich genau so nennen wie deiner heißt Ich bin bald vom Hocker gefallen, als ich den Namen von deinem Hund gelesen habe...
18.12.2012 15:31 Rapsjaeger
Waldlaeufer7x64 schrieb:
Schön geschrieben, spielt sich genau vor dem inneren Auge ab Aber was witzig ist, ich bekomme Anfang nen Wachtelrüden und den will ich genau so nennen wie deiner heißt Ich bin bald vom Hocker gefallen, als ich den Namen von deinem Hund gelesen habe...


Tja, was ein richtiger Wachtel ist, der heißt eben Kiro...!

Ach ja, wenn Nomen Omen ist, dann mach dich mal bereit...!
18.12.2012 15:35 Waldlaeufer7x64
Rapsjaeger schrieb:
Tja, was ein richtiger Wachtel ist, der heißt eben Kiro...!

Ach ja, wenn Nomen Omen ist, dann mach dich mal bereit...!


Oha ja ich bin gespannt
18.12.2012 15:38 Rapsjaeger
Waldlaeufer7x64 schrieb:
Oha ja ich bin gespannt


Das darfst du auch sein, aber neben dem Verbrecher ist zumindest meiner auch ein total liebenswürdiger Kuschelfritze - bis es eben wieder Ernst wird und es nach Sau oder Katze riecht...
18.12.2012 16:56 Kija
zum Erleben und zur inneren Ruhe, den Frili nicht in einer Nachtsuche haben zu wollen - das geht oftmals schief, richtig schief.
Gruß Kija
18.12.2012 17:01 Rapsjaeger
Kija schrieb:
zum Erleben und zur inneren Ruhe, den Frili nicht in einer Nachtsuche haben zu wollen - das geht oftmals schief, richtig schief.
Gruß Kija


Danke! Hinterher gehe ich davon aus, dass es auch in der Nacht nicht schief gegangen wäre. Das aber konnte ich zu dem zeitpunkt nicht wissen. Und allein die Gefahr, ich könnte ihn noch mal aufmüden - dass muss nicht sein, dem Frili gegenüber, dem potentiellen folgenden Nachsucher gegenüber auch nicht...

Manchmal muss man sich auch mal zurücknehmen können, auch wenn die Nacht selbst eine Schei..nacht war...
18.12.2012 20:01 Kija
das mit der Sch..nacht kenne ich auch - auch jetzt, denn auch für mich gilt das, was ich Anderen empfehle.
Gruß Kija
21.12.2012 17:54 esau
Oh jeh! Sockenpirsch durch Wald und Dornen,bei Eis und Schnee.......
Langeweile ist was anderes!
Schön,dass hinterher die Besonnenheit belohnt wurde!
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