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Lübecker Elch 1970
509 mal angesehen
01.12.2012, 20.48 Uhr

meine allererste Elchjagd

Im Spätsommer 1970 ist es gewesen...

Ich war zu der Zeit Revierförster-Anwärter (so hieß das damals) beim Stadtforstamt Lübeck und wohnte bei einem jungen Kollegen und dessen Familie in einer Försterei zwischen Lübeck und Travemünde. Zu dessen Revier gehörte ein dicht an der Innenstadt gelegener Revierteil mit einem an die Trave angrenzenden großen Schilfgebiet, dem "Schellbruch", der inzwischen schon lange als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

In der Nähe des "Schellbruch`s" stand damals ein ca. 30 m hoher Gasometer der Lübecker Stadtwerke, von dem man sicher einen phantastischen Blick über diese riesige Schilfwüste hatte. Drei Mitarbeiter der Stadtwerke genossen gerade diesen wunderbaren Blick, als einer von ihnen plötzlich von sich gab: "Ich glaub, ich seh``nen Elch!" Seine beide holsteiner Kollegen sahen ihn sicher etwas zweifelnd an, aber er blieb stur, denn er war aus Ostpreußen, und da gab es ja bis Kriegsende welche.

Die Nachricht kam dann vormittags in der Försterei an und man brach natürlich sofort auf, nach dem Fabeltier zu suchen, aber das war natürlich nicht mehr zu finden. Wo war der denn nun bloß hergekommen?? Als Blinder Passagier mit der TT-Linie aus Schweden?? War wohl auszuschließen! Die damalige "Zonen-Grenze" sollte doch eigentlich unüberwindlich sein! War sie dann wohl doch nicht so ganz!!

Jedenfalls blieb der Elch dann für einige Tage verschwunden, bis eine Blumengeschäftsinhaberin frühmorgens auf der vierspurigen Travemünder Allee beinahe einen Zusammenstoß mit einem "P f e r d" hatte. Gott-sei-Dank hatte sie noch einmal Glück und der Elch kam mit dem Schrecken davon!!

Inzwischen war in der Försterei der Teufel los, etliche Zeitschriften wollten ein Bild von ersten westdeutschen Elch mit der dazugehörigen Story bringen, aber ersteinmal war für einige Tage wieder Funkstille. Bis eines Morgens dann das Telefon klingelte und die Polizei mitteilte, daß der Elch in einem Vorort im Garten stünde und dort die Sauerkirschbäume verbeisse. Der Forstamtsleiter wurde aus dem Bett geklingelt und ein Wildparkbetreiber mit Narkosegewehr alarmiert. Bis der dann nach 3 Stunden endlich eintraf, war der ganze Vorort durch das Polizeiaufgebot auf den Beinen. Endlich konnte die erst Injektion abgefeuert werden, was den Elch natürlich zur Flucht veranlaßte. In einem baumbestandenen Lärmschutzstreifen an der Travemünder Landstraße wurde er dann aber langsamer und tat sich nieder... Ja, bis dann irgendein Du.......l brüllte: "Hier liegt er ja!!!" Darauf kam der Elch wieder auf die Läufen und flüchtete durch die Siedlung, nicht ohne ein Garagentor und einen PKW zu demolieren! Daraufhin wurde in Kiel um eine Abschußgenehmigung gebeten, die aber verweigert wurde!

Nachdem doch noch eine zweite Injektion angebracht werden konnte, brach der Elch dann mittaags endlich im Rosenbeet einer Reihenhaussiedlung zusammen, konnte fixiert werden und sollte dann ins Wiesentgehege nach Fredeburg bei Ratzeburg gebracht werden.

Ich bekam vom FAL den Auftrag, Weidenzweige zu schneiden, die ich dann nach Fredeburg bringen sollte; denn, wenn der Elch wach würde, würde er sicher einen Mordshunger haben!

Als ich dann mit meinem Pritschenwagen in Fredeburg von der Bundesstraße abbog, sah ich ca. 250 m entfernt die Forstwirte im Kreis stehen und sich unterhalten. Ich dachte: "Die müssen doch eigentlich jetzt alle am Zaun stehen und gucken, ob der mal mit den Ohren wackel!" Als ich dann mit dem Wagen ran war, riefen sie mir schon zu: "Den Kram kannst Du gleich wieder wegfahren, der ist t o t !" Tatsächlich hatte er den Streß nicht überstanden und bewegte sich nicht mehr! Nun war guter Rat teuer! Da zu der Zeit ja handy`s noch nicht erfunden waren, entschied ich, den Elch auf den Anhänger des Unimogs zu laden und damit die nette Kaffeerunde des FAL`s zu unterbrechen. Leider will so ein Elch, auch wenn er nicht mehr lebt, nicht auf so einen 1,50 m hohen Anhänger, auch wenn 4-5 Mann alles geben. Da half dann nur die Technik! Die Seilwinde vom Unimog gelöst, das Seil über den Anhänger gezogen und den Elch hinter den Blättern in die Schlinge und dann langsam anziehen!! Ging doch!!

Wer aber schon mal einen Elch geschossen hat und wer erlebt hat, wie ein Elchhund sich an daran austoben kann, weiß, daß Elchhaar sehr locker sitzt. Jedenfalls bekam diese etwas rauhe Behandlung der Unterseite im Bereich des Blattes dem Elch überhaupt nicht gut; sie war blank - was zu großen Spekulationen und letztendlich nur einem Schulterpräparat für das Lübecker Naturkundemuseum führte!!

PS.: der 1975 über die Grenze gekommene Elch schaffte es nur bis zur A1 bei Bad Oldesloe, wo er einen schweren Verkehrsunfall verursachte, der andere, der durch die gesamte Lüneburger Heide wanderte, starb dann in NRW auf der Autobahn.




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Hamsterdorfer

Hamsterdorfer

Alter: 72 Jahre,
aus Großhansdorf

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Kommentare

02.12.2012 08:08 Oceans
Das Bild ist köstlich - wenn auch ein trauriger Anlass.... der Versuch den Elch mit Sauerstoff zu versorgen
Danke
04.12.2012 11:02 hanseat7777
so also haben damals die Förster ausgesehen.....
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