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Strecke aus dem Wald gezerrt
1284 mal angesehen
20.11.2012, 13.11 Uhr

Unverhofft kommt oft

Seit drei Jahren bin ich Pächter eines ca 500 ha großen Revieres im Westen Oberbayerns, viel Feld, wenig Wald (ca 25%), allerdings landschaftlich wunderschön, wenig Straßen, viel Landwirtschaft, kein Gewerbe, überwiegend Bauern im Nebenerwerb.

Vor zwei Generationen war es wohl ein absolutes Traumrevier: >> 1000 ha zusammenhängender Wald, direkter Anschluß an den Lech, dadurch Wasserwild. Die meisten der älteren Jäger schwärmen davon, in früheren Zeiten hier im besten Revier des Landkreises ihren ersten Bock zur Strecke gebracht zu haben.

Allerdings wurde über die Jahrzehnte durch agressive Ankäufe von Wald durch die Stadt und das dadurch entstehende Eigenjagdrevier der hinzugehörige Waldanteil zusehends weniger, bei der Neuverpachtang an mich fielen erneut 30 ha bester Einstand aus der bejagbaren Fläche raus.

Als ich das Revier übernahm war die Situation, nennen wir es, "suboptimal": die wenigen jagdlichen Einrichtungen waren vollkommen marode, in allen Himmelsrichtungen eingekesselt durch die Stadt und den Staat ("Wald vor Wild"), der wenige eigene Wald in der Hand der BaySF, 80 % dieser Flächen gezäunt.

Allerdings zeigte sich damals, als ich mir das Revier anschaute, in der Neue, daß es viel Fuchs, Dachs, ein paar Hasen, und doch das ein oder andere Stück Rehwild zu erwarten gab. Auch lockten die seitens der Jagdgenossenschaft angepriesenen hunderten Gänse.

Kurzum, man wurde sich einig. Gemeinsam mit befreundeten Jägern wurde das Revier erkundet, jagdliche Einrichtungen in Zusammenarbeit mit der Jagdgenossenschaft erstellt, und gejagt. So schlecht wie es geredet wurde war das Revier gar nicht. Im Laufe der Zeit hat man sich mit dem Nachbarn zusammengerauft, Zäune wurden abgebaut, dadurch verbesserte sich das Biotop spürbar.

Wie überall in Oberbayern tauchte in den vergangenen Jahren auch hier sehr, sehr unregelmäßig der ein oder andere Schwarzkittel auf. Immer mal wieder ein paar Quadratmeter Wiese umgedreht, dann monatelang nichts mehr.

Wie erwartet häuften sich in diesem Jahr die Schäden, nachdem in den umliegenden Landstrichen die Maisfelder abgeerntet worden waren. Da die Bauern an Wildschäden durch Sauen noch nicht gewohnt sind, stand das Telephon nicht still. Die am Telephon in den schillernsten Farben beschriebenen "massiven Wildschäden", waren zumeist ein paar oberflächlich gestocherte Quadratmeter, nichts wildes.

Nach der letzten Mondphase dann doch ein massiver Schaden, mehrere Hektar umgewühlt, flächendeckend im Revier, zurecht verärgerte Bauern. Allerdings war im Wald nichts zu spüren. Die Überzeugung war, "die Sauen liegen bei der Stadt", somit nichts zu machen.

Um die Bauern ruhig zu stellen, nahm ich dann das Telephon, und rief ein paar der "schnellen Eingreiftruppe", alles ausgezeichnete Schützen, an, man kennt sich aus dem Schießkino und von der gemeinsam geschossenenen Keilernadel.

Man verabredet sich ohne Erwartung eines Erfolges zum gemeinschaftlichen, bewaffneten Waldspaziergang, der Jagdvorstand trommelt ein paar Bauern zusammen, mehr zur Gaudi. Vielleicht tritt man ja einen Fuchs raus. Elf Schützen, vierzehn Bauern als Treiber, ein Dackel. Lagebesprechung, Sicherheitseinweisung, Absperren des Waldes. verkehrsrechtliche Maßnahmen zur Reduktion der Geschwindigkeit auf der hindurchführenden, extrem wenig befahrenen Straße.

Um eins wird bei strahlendem Sonnenschein und um die Null Grad nach bestem Wissen und Gewissen angestellt, wirkliche Erfahrung hinsichtlich der Wege der Sauen, der Fernwechsel etc. fehlen ja noch.

Die Treiber gehen los. Bereits nach wenigen Minuten fällt der erste Schuß. Wow, was war das, Fuchs? Klang nach Richtung Erwin, der steht am Bau, hat an der Stelle letztes Jahr auch nen Fuchs gehabt. Kurzer Anruf: ÜL-Keiler, ca 60kg, liegt. Mehrere Sauen konnten nicht beschossen werden, die Sauen gingen genau durch die Treiber. Ein Keiler >> 100 kg ist dabei. Huch, was ist denn hier los?!?

Ein Stück Rehwild, Kitz, schleicht sich an meinem Sitz vorbei, 10 m. Okay 9,3x62, 18,5g TM, die Erfahrung lehrt, auf die Entfernung kann ich schlechtestenfalls nachher einen Fußball durch das Loch schießen. Lauf weiter.

Bumm, Bumm, wieder Schüsse, Geschrei der Treiber, wieder Sauen. Anruf vom Führer der Treiberkette: zwei Sauen liegen.

Ja Himmelherrgottkruzifix, was geht denn hier ab. Noch ein Anruf: wird sind durch, der südlichste Treiber glaubt eine Sau in eine Dickung wechseln gesehen zu haben. Na dann, schafft euch mal rein in die Dickung.

Wenige Sekunden später hektisches Geschrei, Bumm, am ganz anderen Ende der 30 ha die wir abgestellt haben. Plötzlich links von mir in der Dickung Geräusche wie von einem D-Zug, Krachen, ich sehe dunkle Schatten durchs Unterholz fliegen. Wenn die den Wechsel halten, sollten sie in ca 50 m Entfernung die drei Meter breite Rückegasse überfallen.

In Anschlag gehen und etwas links von der Rückegasse zielen sind eins, Leitbache >> 100kg geht durch, nächste Sau ins Glas, Bumm, liegt nicht, mitfahren, nochmal drauf-Bumm, liegt, auf die nächste, großer Koffer, Bumm, knickt hinten ein, geht ein Stück ins Holz liegt, zurückschwingen, nächste läuft rein, Bumm, liegt, nächste, Bumm, liegt. Magazin leer, noch mehr Sauen gehen durch.

Was zur Hölle war das?!? Anruf von Erwin "...hast Du geschossen?..." "...ja, drei beschossen, zwei liegen, dicker Koffer ins Holz gezogen, ich baume mal ab und gehe hin..." (geht, da ich in diesem Waldteil als Lumpensammler alleine stehe).

Ich gehe zur Rückegasse, moment, links liegt ja auch eine Sau! Die erste war also doch sofort zusammengebrochen! Hier Nummer zwei und drei, oh, da geht ein Haupt hoch, und ein überllauniger Keiler schaut mir direkt in die Augen. Ich glaube, so schnell habe ich noch nie zwei Schüsse abgegeben, die 9,3 findet sicher ihr Ziel. Noch zwei, drei Schnaufer, Ruhe, ah da liegt auch Nummer vier.

Der Rundruf "Hahn in Ruh" erfolgt. Die Treiberwehr rückt zu meinem Stand, ungläubiges Erstaunen. Wir zerren die Sauen aus dem Wald, alles auf dem Anhänger, die restlichen Sauen eingesammelt. Die Treiber auf den Gummiwagen, und mit lauten Signalhornstößen im Triumpfzug durchs Dorf.

Schnell werden Fichtenzweige geschnitten, auf dem Hof des Jagdvorstandes wird Strecke gelegt, zwei Hörner finden sich, "Sammeln", "Sau tot", Brüche werden im Rahmen der durch die Bank vollkommen überwältigte Korona verteilt, "Fresswalzer".

Nach dem gemeinsamen versorgen des Wildes, aufbrechen, Proben nehmen, Photos machen, alles unter den Augen der aus dem Dorf hinzuströmenden Bauern, rücken wir wie geplant in die Garage ein, es gibt Suppen, Kuchen, Bier, Glühwein.

Eine sehr starke Rotte lag in einer winzigen Dickung, unmittelbar zwischen einem Spazierweg und dem freien Feld, und hatte sich bis zum Schluß gedrückt. Die Sauen sind dann kurzentschlossen unter Volldampf durch die Treiberwehr, alle Treiber waren hernach etwas blass um die Nase ("... vorm schießen hob I ka Angst ghabt, aber die Sukis, da wurd mer Angst und Bang..."), zunächst keine Chance für die Schützen einen sicher Schuß abzugeben, der letzte in der Reihe konnte sicher eine der Sauen strecken. Und die Restlichen sind dann just an meinem Stand durch.

Kein Fehlschuß, keine krank geschossenen Stücke, keine Nachsuchen, keine Verletzten. Sieben von acht Sauen sauber geschossen (eine leider durch die Filets), alle zwischen 42 und 76 kg Aufbruchgewicht, vier Keiler (nach Kochprobe alle verwertbar), vier nicht führende Bachen. Keine Trichinen, keine Strahlung.

Dank der guten nachbarschaftlichen Verhältnisse dürfen wir die Sauen in die Kühlkammer der Stadt hängen. Inzwischen sind alle Sauen fair verkauft.

Herz was willst Du mehr!!!

offline

Geschrieben von

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the_69

the_69

Alter: 41 Jahre,
aus Winkl
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Kommentare

20.11.2012 13:56 illupo
4xwmh
20.11.2012 14:39 GlannaMuensterlaender
Waidmannsheil
Disziplinierte und anständige Jagd
Da freun sichdie Bauern
20.11.2012 15:05 Kronenhirsch
Dickes Waidmannsheil aus dem Norden...
20.11.2012 18:00 Galloway
Das sind die Erlebnisse die Jagd interessant und so spannend macht ! Waidmannsheil !
20.11.2012 18:07 Sirgordon
Top Storry.
wie geschrieben unverhoft kommt oft.
eine Waidmansheil den Schützen und dir weiter viel Anblick in deinem so.....schlechten revier.

WMH
Sir Gordon
20.11.2012 18:50 Erzgebirgler
Na Weidmannsheil da muss ich ja wohl dochmal in meine liebe alte Heimat kommen!

Gruss
20.11.2012 19:56 Rumtreiber
Sauber
WMH
20.11.2012 21:16 Stalker
Waidmannsheil!!!

Und eine gute Öffentlichkeitsarbeit ware dazu auch noch!
20.11.2012 23:19 the_69
Erzgebirgler schrieb:
Na Weidmannsheil da muss ich ja wohl dochmal in meine liebe alte Heimat kommen!

Gruss

bist jederzeit auch als Jagdgast gerne gesehen
20.11.2012 23:38 PPJaeger
WMH, na das ist doch klasse, kurz und ergiebig
21.11.2012 07:46 Kija
Schwein gehabt
21.11.2012 16:58 Remmi
Waidmannsheil
da hat sich der nachmittag ja gelohnt.
24.11.2012 06:43 PShunter
Waidmannheil!
25.11.2012 10:39 Michael1282
waidmannsheil sage ich da nur!

"eine leider durch die Filets" das passiert mal! besser so als krank durch!

gruß aus unterfranken
21.09.2014 23:51 Hawlitschek
Waidmannsheil!
Schöne Jagdgeschichte - gut geschrieben.
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