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Gruppe Club der Jagdromantiker

Besitzer: Lakai
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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Doppelschwarte
568 mal angesehen
02.11.2012, 08.35 Uhr

Doppelschwarte

Bunte Blätter fall’n vom Baum,
rauhe Schwarte – Jägertraum!

Welchem Waidmann gehen solche Gedanken nicht durch den Kopf, wenn der Herbst kommt und das große Ernten beginnt. Auch ich hatte mich wieder aufgemacht ins Revier, dieses Mal unter wirklich optimalen Bedingungen: ein fast voller Mond und kaltes Wetter… wie kalt, das sollte ich noch erfahren. Als ich nämlich an der Hütte aus dem Wagen stieg, empfingen mich eine leichte Schneelage sowie ein eiskalter Wind. Na da hieß es erst einmal, für den zunächst geplanten Reh-Ansitz alles an warmen Klamotten anzuziehen, was dabei war.

An einer Waldkante saß ich alsbald, auf weibliches Rehwild sollte es gehen. Der Wind blies mir ordentlich ins Gesicht und machte das Ausharren zu einer Herausforderung… aber was tut man nicht alles, wenn man auf Waidmannsheil hofft. Zunächst aber konnte ich lediglich die Kühe auf der Nachbar-Weide beobachten, die sich ebenfalls ob der Temperaturen lieber in einer kleinen Scheuer aufhielten und sich nur gelegentlich blicken ließen. So langsam fiel die Dämmerung, die Hoffnung auf Anblick schwand… als ich auf die Idee kam, noch ein wenig auf der kombinierten Hasenklage / Mausfiepe zu tröten… Während ich dabei meine Blicke so in die Runde schickte, bemerkte ich eine Bewegung auf sicher hundert Meter am Waldrand… und da kamen sie: Rehe! Jetzt aber schnell und sauber angesprochen, das letzte Büchsenlicht würde so eben reichen… Ricke, Bockkitz… und…? Ja, das war das gesuchte Rickenkitz. Flux wanderte der Schaft der Büchse ins Gesicht, kurze Orientierung… aber was war das? Plötzlich sprangen alle drei ab… zwar in meine Richtung, aber auf dreißig Meter an meinem Hochsitz vorbei und auf der anderen Seite hinein in den Wald und fort…

Zurück blieb ein verdutzt dreinschauender Jäger, der sich dies nicht erklären konnte, ob des Erlebens (oder ob der Kälte) jetzt aber ein wenig nachfieberte… Waren es die Rinder? Man, das Stück hätte ich gerne in der Truhe gehabt… doch schnell verflog der Ärger wieder, denn nach einem Abendessen stand ja noch der Mondansitz auf dem Plan… also abgebaumt und beim schon aufsteigenden Himmelstrabanten zurück zum Auto und hinein in die warme Kneipe, wo ein ordentliches Zwiebelschnitzel zu neuen Kräften verhalf und wieder Wärme in den Körper gelangte. Nun folgte die Beratung mit dem Jagdpächter, der auf einem abgeernteten Maisacker kürzlich frisch Sauen gefährtet hatte… schnell entschloss ich mich, dass es dieser Sitz heute Nacht sein sollte…

Auto geparkt, Rucksack auf den Buckel und die verlässliche .30-06-Büchse über die Schulter - los ging es auf den kurzen und bereits stimmungsvollen Gang zum Hochsitz. Dabei pirschte ich knirschend entlang des Stoppelackers und gelang schließlich an mein Ziel. Viertel nach neun war es, als ich, alle Fenster geöffnet, begann, meine Umgebung abzuleuchten. Es war einfach ein Traum: vor mir lag ein knapp zweihundert Meter langer Streifen Maisstoppeln, an drei Seiten umrahmt von Dickung. Rechts hatte ich Blick auf eine große Viehweide, die aufgrund einer lockeren Schneedecke beste Sichtverhältnisse bot. Hundertfünfzig Meter dahinter begann wieder Wald. Der Mond schien mich vom gerade offenen Himmel anzulächeln, in der Ferne bellte ein Fuchs und der Kauz war ebenfalls zu vernehmen. So liebe ich es!

Nur für die Stoppeln vor mir sowie die fernen Waldränder nahm ich ab und an das Doppelglas hoch, ansonsten war alles in so helles Licht getaucht, dass man auch ohne gut klar kam. Jetzt hieß es nur noch: genießen! Dem Wind Lauschen… den Blick über die herrliche Landschaft schweifen lassen, ein wenig die Augen schließen… so ließ es sich aushalten… Zeitweise verschwand der Mond hinter den Wolken, es zog sogar eine kleine Schneefront durch, dann aber wieder leuchtete die Schweinesonne vom Nachthimmel.

Es mochte gerade eine Stunde vergangen sein, als ich einmal wieder mittels Doppelglas auf dem Stoppelacker spekulierte. Immer wieder blieben die Augen an Formen hängen, sahen Rehe, Frischlinge, Füchse… die dann aber doch nicht existierten… und dieser runde Hubbel da auf sechzig Meter? Wird wohl auch nichts sein. Aber hat sich da nicht was bewegt? Konzentriert versuchte ich, etwas auf dem dunklen Untergrund zu erkennen… als ich plötzlich zwei weiße Streifen auf schwarzem Grund sah und mir dämmerte, wer da zu nächtlicher Stunde zu Besuch gekommen war. Ein Schmalzmann war’s und sogleich begannen sich meine Gedanken zu überschlagen. Wie lange schon hatte ich, ob auf dem Ansitz oder am Bau versucht, dem Heimlichen auf die Schwarte zu rücken… und das bei der nur kurzen Jagdzeit. Apropos, wie war das eigentlich jetzt Ende Oktober? War er da noch auf? Oh, man… was tun? Ja, jetzt sah ich den wackeligen Schritt, die typische Fortbewegung des Dachses, den Größten der Marder. Es musste was passieren!

Entschlossen griff ich in die Tasche und hoffte auf gutes Netz… und… hatte Glück! Wenig später hatte ich dank der heutigen Technik die – wenn auch veraltete – Info, das Grimbart in Hessen von August bis Ende Oktober bejagt werden darf (neu: von Juli bis Ende Januar!)… jetzt aber los…doch dann kam’s… Sollte ich überhaupt schießen? Zweifel überkamen mich. Zwischen den Stoppeln war der flache Wildkörper nur schlecht zu sehen, war selten frei und meist in Bewegung… dazu bietet der Dachs nur ein kleines Ziel… tief durchatmend folgte der Leuchtpunkt der Beute in spe, die ich mehr als Schatten wahrnahm denn als klares Ziel… doch jetzt wechselte er langsam und suchend in meine Richtung… sollte es klappen? Und dann kam alles zusammen: die Welt schien plötzlich heller, auf vielleicht vierzig Meter sah ich den kleinen „Bär“ unserer Wälder zügig aus den Stoppeln wechseln… silbrig glänzte seine Schwarte im Licht des Mondes… am schneebedeckten Rand des Feldes verhoffte er kurz – BAUZ! fuhr ihm das schwere Geschoss ins Leben. Gleich repetiert und drauf geblieben. Da warf er sich noch einmal auf den Rücken, die Läufe in die Luft, dann eine erneute Drehung… und aus! Lag!

War das da unten mein erster Dachs? Das Wesen, dessen genagelte Tritte ich so oft auf Feldwegen gesehen hatte, der in meiner Jugend aus einem Durchlass vor dem Terrier abging und sich in einem Felsbau verklüftete… dem ich so lange erfolglos nachstellte? Ja, lang gestreckt lag er auf dem Schnee… aus, vorbei, Waidmannsheil!

Glücklich lehnte ich mich zurück und genoss den Moment. Immer wieder wanderte mein Blick in Richtung des Gestreckten… mein Glück war vollkommen! Aber… eine frische Patrone war im Lager und die Nacht hatte gerade erst begonnen! Sicher bis zwei wollte ich noch ausharren, denn so eine Nacht erlebt man nicht oft.

Zunächst blieb alles ruhig. Der Pächter war informiert, ich war zufrieden. Als Fuchsverrückter stellte ich mir vor, wie ein langer Schatten über den weißen Schnee zu meiner Rechten schnürte… das wäre eine feine Sache… oder aber eines der wilden Borstentiere… aber diese Hoffnung war wohl zu viel des Guten…

Langsam näherte sich der Uhrzeiger der Geisterstunde, dreißig Minuten noch, als mein Blick erneut nach rechts über die weiße Fläche Richtung Waldrand wanderte… und ich erstarrte! Dieser schwarze Fleck war da vorher noch nicht gewesen, auf dem Schnee einfach unmöglich! SAU!
Und tatsächlich offenbarte das Doppelglas, dass da am Waldrand ein einzelnes Wildschwein stand. Einzeln? Langsam, langsam… „Schnell, mach die fertig! Hoch die Büchse!“ rief mir das Jagdteufelchen zu, „Ansprechen!“ war das kurze Kommentar auf der anderen Schulter. Jetzt setzte sich das Stück in Bewegung. Im Troll ging es nach rechts am Waldrand entlang. Wie weit war es bis dahin? Wie groß war das Stück? Die kurze Form ließ mich fast auf einen Frischling schließen… Aber nein, da war mehr unter der Schwarte… jetzt zog sie langsam direkt auf mich zu. Plötzlich ging es ab in Richtung Wald… was sich aber nur als Scheinflucht herausstellte, denn wenig später zog es sie wieder anders herum. Langsam reifte die Entscheidung. Das Stück war sicher allein, Gebaren und meine Erfahrung sagten mir, dass ich es mit einem Überläufer-Keiler zu tun hatte, auch wenn ich Pinsel oder Waffen auf die Entfernung trotz Schnee nicht erkennen konnte. Ab jetzt folgte nicht das Doppelglas sondern die Mündung der Büchse jeder Bewegung des Schwarzkittels. Ohne Zweifel zog es die Sau zu den Maisstoppeln, anscheinend war sie sich aber ob des Schnees und des Mondes unsicher… nicht ganz zu unrecht, wie sich bald herausstellen sollte. Herrlich klar war das Wild zu erkennen, spitz auf mich zu ging es, dann eine Wendung nach rechts – RRRUUMMMS ging das schwere 13g-Geschoss auf die Reise. Im Hochschlagen des Laufes hatte ich auch schon repetiert und suchte nach dem Stück. Da, wie eine Rakete sah ich den Überläufer in Richtung Wald stürmen, jedoch irgendwie… unbeholfen. Schießen? Unmöglich. Jetzt kam mir der aktive Gehörschutz zu Gute, denn nun war Lauschen sehr wichtig. „Kraaach, patsch, rausch…“ - Stille…

Meine Erfahrung sagte mir, dass es bei dem harten Oryx-Geschoss keine Seltenheit war, dass Sauen noch ein Stück gehen. Hinzu kam, dass die Geräusche im Wald mir ebenfalls Sicherheit gaben. Zugleich kamen aber auch die ewigen Zweifel auf: War ich gut abgekommen? Ich vermeinte, kurz vor dem Schuss noch Richtung Blatt korrigiert zuhaben… hoffentlich war das nicht zu weit vorne… und trotz des guten Lichts… waren das doch sicher 90 Meter da hinunter… jetzt erst mal die imaginäre Zigarette rauchen und den Pächter informieren. Der informierte sogleich zwei Mitjäger, die in nicht allzu langer Zeit bei mir sein sollten… Abwarten…

Verkürzen konnte ich mir die Zeit durch Bergen meiner ersten Beute. Ein starker Dachs war es von später gemessenen 13kg… meine Freude war groß… und dennoch getrübt, lag doch das zweite beschossene Stück nicht am Platz. Langsam machte ich mich auf zum vermuteten Anschuss, der sicher auf der großen Wiese nicht so leicht zu finden wäre… da kam auch schon der Lichtkegel des Jagdgefährts den Feldweg entlang in meine Richtung. Während ich noch langsam voran schritt, tappsten die beiden Nimrode mit deutlich stärkerer Lampe sogleich Richtung Wald und fanden auf Anhieb den Einwechsel! Ich war platt, als es tönte:“Hier ist Schweiß!“. Sogleich war ich zur Stelle und zu zweit drangen wir in den lichten Wald ein. Deutlich und reichlich war hier überall der rote Lebenssaft zu finden, ein großer Wischer zeigte, dass das wunde Stück einen Baum angenommen hatte… meine Zuversicht stieg. Schritt für Schritt ging es weiter, als ich es endlich liegen sah. Ein Blick zwischen die Keulen, ja, da lag er, mein Überläuferkeiler! Ich konnte es nicht recht fassen, ich hatte ein Wildschwein erlegt! Der zweite Schwartenträger in dieser Nacht. Einfach unglaublich.

Nach dem Bergen aus dem Wald war der Rest schnell getan. Auf dem Wildträger ging es zur Hütte, das Messer verrichtete seine Arbeit und eine knappe Stunde nach dem Schuss hing das Keilerchen sauber aufgebrochen in der kühlen Nachtluft…
Mir wollte das große Waidmannsheil nicht so recht in den Kopf gehen… zweimal hatte die Donnerbüchse gesprochen, doppelte Schwarte war die Beute. Das werde ich so schnell nicht vergessen… Waidmannsdank!

DOPPELSCHWARTE

Bunte Blätter fall'n vom Baum,
Rauhe Schwarte - Jägertraum.

Herbststimmung mit frühem Frost,
Sind des Nimrods liebste Kost.

Weißer Schnee, Oktobermond,
Doppelschwarte! - reich belohnt.

Dachs und Sau liegen zur Strecke
Hier im trüben Mondeslicht.
Rotes Werk ist nun vollendet,
Waidmannsdank - ich glaub's noch nicht!

PS: Mein großer Dank gilt dem Beständer, der mir diese Stelle empfahl!
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

02.11.2012 09:10 Jaegerbursch
Nochmal mein herzlichstes Waidmannsheil

Wie immer schön geschrieben und überaus lesenswert - ich glaube neben dem "Jagdteufelchen" und dem "Jagdengelchen" saß noch ein begeisterter Jägebursch auf einer Schulter
02.11.2012 10:13 niko140292
super schön geschrieben ! WMH nochmal!
02.11.2012 10:41 swinging_elvis
niko140292 schrieb:
super schön geschrieben ! WMH nochmal!

Und Waidmannsdank!!!
03.11.2012 16:27 BigAnimalCinema
Ein kräftiges Waidmannsheil !
Ich komme gerade von einer Woche Wald-aufenthalt wieder.
Einfach nur herrlich
Das majestätische rauschen der Bäume im Eichenwald und der Mond wie er sich langsam über den Dickungsrand hinauswölbt und das raschelnde Herbstlaub in silbriges Licht hüllt !
04.11.2012 15:10 Kija
Weidmannsheil und super geschrieben
04.11.2012 16:08 swinging_elvis
Kija schrieb:
Weidmannsheil und super geschrieben

Waidmannsdank. Macht auch mir immer wieder Freude! el
04.11.2012 18:02 Kija
swinging_elvis schrieb:
Waidmannsdank. Macht auch mir immer wieder Freude! el

mir auch!
04.11.2012 22:51 SauerlaenderJung
Sauber El,

Endlich dein erster Dachs und dann auch noch gekrönt von diesem "Doppelschlag"! Super ich freue mich richtig für dich, mein donnerndes Weidmannsheil!!!
05.11.2012 06:52 swinging_elvis
Ja, Doppelschlag - Doppelschwarte! Kann es selbst kaum glauben... Und ja, das wird noch lange nachhallen... Elvis

SauerlaenderJung schrieb:
Sauber El,

Endlich dein erster Dachs und dann auch noch gekrönt von diesem "Doppelschlag"! Super ich freue mich richtig für dich, mein donnerndes Weidmannsheil!!!

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