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Wollt ein Jägerlein jagen

Erlebnisse eines jungen Jägers (4 Einträge)

557 mal angesehen
26.10.2012, 21.54 Uhr

Immer dann, wenn...

Sonntag, der 14.10.2012

Den ganzen Vormittag hatte es geregnet, im Laufe des Nachmittags hatte der Regen nachgelassen und der Blick aus dem Fenster zeigt mir, dass es endlich aufgehört hat. Ein kurzer Blick auf die Uhr: Ja es ist noch früh genug, um zum Ansitz ins Revier zu fahren. Meine Eltern waren morgens in den Urlaub gefahren und so hätte ich im Revier zum ersten Mal quasi Narrenfreiheit, welche ich mir nicht entgehen lassen wollte. Also die Büchse aus dem Schrank genommen, die Wildwanne mit allen Jagduntensilien in den Wagen geladen und die 30 Kilometer ins Revier gefahren. Auf dem dortigen Bauernhof angekommen nehme ich zunächst nur Büchse, ein paar Patronen und eine Zielscheibe aus dem Auto, um von einer nahen Kanzel einen Probeschuss zu machen, war mir doch am Tag zuvor die Büchse umgekippt.
Der Probeschuss sitzt wie gewohnt, das stärkt das Vertrauen in die Waffe.
Währenddessen hatte es wieder begonnen zu regnen und ich verstaue die Waffe im Futteral, um heimzufahren; bei dem Wetter hat es ja doch keinen Zweck. Als ich im Auto sitze, überlege ich kurz, was mich Zuhause erwartet: Tiefkühlpizza und vermutlich Nonsens im Fernsehen. Da kann ich auch genau so gut im Revier bleiben und auf die minimale Chance hoffen, dass trotz des Wetters etwas passiert.
Ich wähle eine Kanzel, die an einer Wald/Wiesenkante steht. Hinter mir ist ein mehrere Jahre alter Windwurf, in dem ziemliches Chaos herrscht, da er in einem Steilhang liegt, sodass man mit schwerem Forstgerät da kaum reinkommt. Vor mir ist eine Wiese, dahinter ein Maisfeld, das in der Milch steht und in der vergangenen Woche schon gut besucht worden ist von den Sauen. Nun, Sauen will ich nicht schießen, schließlich ist außer mir niemand im Revier, der mir beim Bergen helfen könnte.
Also richte ich mich auf weibliches Rehwild ein, davon haben wir dieses Jahr noch kein einziges Stück geschossen. Dennoch spukt der Gedanke an Sauen immer wieder in meinem Kopf herum.
Es wird wie erwartet ein recht langweiliger Ansitz. Der Regen tropft konstant vom Himmel, es regt sich nichts. Ich glase gerade die Maiskante ab, als ich hinter mir im Kahlschlag etwas höre. Ein kurzes Quietschen. Sauen!, zuckt es mir sofort durch den Kopf. Doch dann beginnt das Nachdenken, und die Möglichkeit, dass das tatsächlich ein Frischling gewesen sein könnte, erscheint mir immer unwahrscheinlicher. Viel eher war das ein Vogel, oder ein Fahrrad auf der Straße, die hinter dem Kahlschlag verläuft.
Die Dämmerung ist bereits so weit fortgeschritten, dass ich Rehwild nichtmehr vernünftig ansprechen könnte, wenn es austräte, und so beschließe ich einzupacken. Ein letzter Blick in die Runde - ich traue meinen Augen kaum! Da stehen tatsächlich rechts von mir drei Sauen am Waldrand! Die Entfernung dürfte so etwa 50 Meter betragen. Also nicht lange gefackelt, Büchse in den Anschlag. Doch ich setze direkt wieder frustriert ab, es sind Zweige im Schussfeld. Die Sauen ziehen am Waldrand entlang von mir weg, der einen Knick hat und so wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie verschwunden sein werden.
Da ich seit Mai letzten Jahres in unserem Revier keine Sau mehr geschossen und ich sowieso nichts zu verlieren habe, beschließe ich die Sauen anzugehen. Also nur schnell das lange Messer an den Gürtel geschnallt, Taschenlampe in die Tasche, die Büchse auf die Schulter und runter von der Kanzel. Rucksack und Fernglas lasse ich zurück, die würden mich nur behindern.
Die drei Sauen, die ich zuvor als Überläufer angesprochen habe, sind mittlerweile hinter dem Knick des Waldrands verschwunden. Ich pirsche vorsichtig am Zaun entlang, bis ich an besagtem Knick ankomme. Und da stockt mir der Atem. Vor mir in der Wiese stehen nicht drei Sauen, sondern etwa zwanzig!
Eine Riesenrotte! Na, denke ich mir, da musst du aber zusehen, dass du da eine rausschießt, wenn die in den Mais gehen springt der Bauer im Dreieck.
Ich nehme also die Büchse von der Schulter und peile die Rotte im Zielfernrohr an. Es sind zu einer Hälfte größere Frischlinge, zur anderen Hälfte erwachsene Stücke, alle gleich groß. Streifenhörnchen sind nicht zu sehen, ebenso kann ich keine Leitbache ausmachen. Da das Licht mittlerweile sehr schlecht ist, kann ich auf diese Entfernung unmöglich schießen. Also näher ran. Der Wind steht ideal und ich kann mich bis auf 30 Meter nähern. Als ich mich hinkniee und an einem Zaunpfahl anstreiche, bekommt scheinbar eins der Stücke etwas mit und gibt Alarm. Die Rotte geht ab und verhofft erst mitten auf der Wiese, dahin kann ich unmöglich freihändig im Dunkeln schießen. Doch ein paar Stücke sind am Waldrand geblieben. Da ich mir sicher bin, dass diese Stücke der Rotte bald folgen werden, ziele ich auf das einzige in diesem Moment freistehende Stück: Eins der großen. Dass ich keinen habe, der mir beim Bergen helfen kann, zuckt mir kurz durch den Kopf, direkt gefolgt von einem Spruch eines erfahrenen Jagdfreunds "Erstmal an die Erde kriegen und dann weitersehen!". Dass ich für eine eventuelle Suche keinen Hund habe (der ist ja auch im Urlaub), habe ich völlig vergessen.
Der Schuss bricht, das direkte Repetieren nach dem Schuss ist mittlerweile ein Automatismus.
Die Bühne ist leergefegt bis auf einen schwarzen Klumpen, der da liegt, wo zuvor die beschossene Sau stand. Als ich am Zielfernrohr vorbeigucke, bemerke ich eine Bewegung bei dem schwarzen Klumpen. Sofort das Auge wieder hinterm Glas und was sehe ich? Eine andere, kleinere, Sau, die neben der gestreckten Sau steht. Ein Frischling, der scheinbar noch im Wald war und den Abgang der Rotte verpasst hatte. Er steht wirklich ideal und ein weiteres Mal zuckt mir der Leitsatz von Jagdfreund Klaus durch den Kopf. Jetzt liegt schon eine Sau, da macht so ein Frischling auch nichts mehr. Nachdem das Mündungsfeuer verglüht ist, liegt ein weiterer, wesentlich kleinerer Klumpen auf der Wiese, nur ein paar Meter neben der anderen Sau.
Ich warte einen Moment, kann die obligatorischen 10 Minuten aber unmöglich aushalten und gehe auf die Sauen zu, die Taschenlampe an und die Büchse im halben Anschlag. Wirklich geheuer ist mir das nicht, dass die beide im Knall umgefallen sind, das ist doch so garnicht sauentypisch.
Aber nach einem prüfenden Stupser mit dem Stiefel erkläre ich beide Sauen für tot und sehe erst jetzt, was ich mir da angetan habe. Der Frischling mag so etwa 30 Kilo aufgebrochen wiegen, kein Problem. Die andere Sau dagegen schon eher. Ich schätze sie auf etwa 60 Kilo. Ein prüfender Blick bestätigt meine Annahme: keine angesaugten Zitzen, also kein führendes Stück. Nach einem ersten Ziehversuch korrigiere ich das Gewicht schnell nochmal um mindestens 10 Kilo nach oben.
Nachdem ich das Auto geholt habe, beginnt das Ringen mit der Bache. Schnell ist mir der Regen völlig egal, die Klamotten weichen von innen schneller durch als von außen. Fluchend wie ein Rohrspatz bekomme ich sie sitzend an die Kofferraumklappe, aber nach dreißig Minuten Zerren muss ich einsehen, dass ich alleine nicht weiterkomme. Himmelherrgott, warum passiert einem sowas immer dann, wenn man niemanden hat, der helfen kann? Auf dem Bauernhof war kein Licht zu sehen, vermutlich war die Familie irgendwo eingeladen. Von dort kann ich also auch keine Hilfe holen. Ich besinne mich auf oben genannten Jagdfreund Klaus, der in der Nähe wohnt. Er ist im Umgang nicht ganz einfach, da er teilweise recht ungeduldig ist. Aber es ist erst 20 Uhr, also kann den den wohl noch anrufen. Er nimmt etwas genervt ab, aber nachdem ich ihm meine Lage geschildert habe, legt er mit den Worten "Warte, ich ziehe mich um und komme" auf.
Zu zweit geht es doch wesentlich leichter, die Stücke in Klaus' Geländewagen zu verfrachten. Er fragt mich, was ich nun vorhätte. Ich hatte zuvor mit einem anderen Freund, Martin, der einen Wildzerlegebetrieb hat, telefoniert, um ihn zu fragen, ob ich die Stücke wohl bei ihm aufbrechen könnte, weil er einen Kran hat. "Selbstverständlich" lautete die Antwort. Noch einmal umladen will Klaus die Sauen aber nicht, weshalb wir in Kolonne zur Wildkammer fahren. Unterwegs müssen wir zum Tanken anhalten, was mit einer großen Sau auf dem Wildträger für einiges Aufsehen bei den anderen Tankenden sorgt. Ich kann mir ein stolzes Grinsen nicht verkneifen.
Als wir an der Wildkammer ankommen, wartet Martin dort bereits, um mir beim Aufbrechen zu helfen. Darum hatte ich ihn nicht gebeten, aber ich bin einfach nur froh über die Hilfe, die Bergeversuche hatten mich doch ziemlich geschafft. Klaus verabschiedet sich und ich versorge die Stücke zusammen mit Martin. Nach dem Aufbrechen zeigt die Waage 33 Kilo bei dem Frischling und 71 Kilo bei der Bache an.
Als ich später im Bett liege, geht mir auf, was das für ein Abend war und was alles hätte anders laufen können. Wie gut, wenn man Freunde hat, auf die man sich verlassen kann!
Waidmannsdank an Klaus und Martin für die großzügige Hilfe, ohne die ich ganz schön aufgeschmissen gewesen wäre!
offline

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Cobra

Cobra

Alter: 25 Jahre,
aus Raum Köln/Bonn
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Kommentare

27.10.2012 00:19 PPJaeger
WMH
Gruß
PP
27.10.2012 00:21 Cobra
WMD!
27.10.2012 09:15 loennie
Waidmannsheil...
27.10.2012 18:00 djtdingo
Ein kräftiges WMH
Unverhofft kommt oft!
29.10.2012 14:39 Biobauer
wmh

aber wie kommst du drauf,das es bei regen keinen sinnmacht ,zu jagen???
29.10.2012 17:35 Cobra
Biobauer schrieb:
wmh

aber wie kommst du drauf,das es bei regen keinen sinnmacht ,zu jagen???



Ich hab festgestellt, dass Rehwild sich bei Regen nicht viel bewegt. Die Sauen waren ja mehr ein Unfall, ich wollte ja eigentlich Rehwild haben.
31.10.2012 16:22 swinging_elvis
Mutig, der Schuss auf die Große... Waidmannsheil zu Glück und Strecke!
Regen hält mich auch nie ab... Bleib dran, el
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