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Kronenzehner Brunft Flüchtig
710 mal angesehen
06.10.2012, 17.48 Uhr

„30 Stunden wach“ - Jungjägers erster Brunftmorgen

Unter diesem Titel möchte ich heute von meinem ersten Brunftmorgen berichten. An einem Freitagmorgen Ende September hatte ich mich mit einem nicht ganz so weit von mir weg wohnenden Jagdfreund verabredet. Durch ein Seminar meines Arbeitgebers war ich schon seit Mittwoch in der „alten“ bzw. meiner Wochenend-Heimat, auch wenn der Mittwochabend in Frankfurt etwas später wurde und ich am Donnerstag eine über einstündige Anreise in die hessische Finanzmetropole hatte, so freute ich mich doch schon die ganze Woche auf den bevorstehenden Brunftmorgen und wurde bereits von einer inneren Unruhe erfasst.

Als dann auf der abendlichen Rückfahrt mit dem Zug gegen 19:15 Uhr der Anruf von besagtem Jagdfreund Malepartus mit der Frage kam ob ich nicht Lust hätte, anstatt um 3:00 Uhr zu ihm und danach in Richtung Rotwild, direkt gegen 22:00 vorbeizukommen und einen „schweinischen Abstecher“ bei einem weiteren Bekannten einzuplanen, war es mit meiner Nervosität fast nicht mehr auszuhalten. Die Inhalte und Zeilen der immer auf Zugfahrten mitgeführten Jagdzeitschrift wurden zwar von meinem Auge wahrgenommen aber nicht mehr im Hirn verarbeitet.

Also ging es direkt nach kurzem Zwischenstopp in meinem Elternhaus weiter. In aller Eile (die eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre) wurde gegessen und das Jagdgerödel gepackt. Der ursprünglich angedachte „Kurzschlaf“ von 21:00 bis 02:00 Uhr konnte nach der neuen Planung völlig vergessen werden – und das an einem Tag an dem man seit kurz vor 6:00 Uhr auf den Beinen ist. Aber die Jagd hat absoluten Vorrang, schlafen kann man später auch noch aber mit Freunden jagen?

Gegen 21:35 Uhr geht es in Richtung Malepartus, nach kurzem Hallo werden unsere modernen Pferdchen gesattelt, das Radio etwas lauter als normal angeschaltet und die Reise geht weiter in Richtung Hessenland. Nach über 100 Kilometern kommen wir langsam in die Nähe des berühmt berüchtigten Hunterbens, bei dem der Vollmond einer Sau zum Verhängnis werden könnte. Aber zu diesem Zeitpunkt ist eher Raubwild unterwegs, wie von einem stattlichen Rotfuchs etwa 5 Meter neben der Landstraße bewiesen wird.

Bei Hunterben wird erst einmal ein starker Kaffee bzw. für mich nicht-Kaffee-Trinker ein guter Apfelsaft getrunken, indessen leuchtet die Schweinesonne ohne Unterlass. Die teilweise mehr als stattlichen Rehkronen und Trophäen des Gastgebers werden noch kurz betrachtet und bewundert und wir unterhalten uns ein wenig über dies und jenes bevor es zur Pirsch, zu der die „sautechnische Entjungferung eines Jungjägers“ geplant ist, geht.

Leider konnten wir keine Sau zur Strecke bringen um die Sache abzukürzen, dafür konnte ein Jungjäger das nächtliche Leben in einem „blutleeren hessischen Revier“ beobachten. In diesem konnten Hasen, etliche Rehe, Raubwild wie Füchse und Dachse sowie ein Stück Raubzeug beobachtet werden – aber die Büchse blieb diese Nacht kalt und es wurde kein Funken gerissen. Malepartus – der im Übrigen seine, dem ein oder anderen bestimmt bekannte, Glückshose nicht anhatte – meine nur trocken „Wenn ich ne Sau wäre, hätte ich auch besseres zu tun als mich von einem unterfränkischen Jungjäger einfach so umschießen zu lassen“.

Nach dieser jagdtechnisch erfolglosen aber in Bezug auf den Anblick eines Jungjägers sehr erfolgreiche Nachtpirsch ging es weiter in Richtung Brunftplatz, Hunterben blieb aufgrund seines nicht ganz 100% Zustandes nun doch bei sich zuhause – sehr schade. Aber ich möchte mich an dieser Stelle nochmals sehr herzlich bei ihm für die interessante und unterhaltsame Pirsch bedanken – gerade auch in Hinblick auf seinen nicht ganz astreinen Gesundheitszustand.

Nach dieser eindrucksvollen Pirsch unter der allseits bekannten Schweinesonne fuhren wir weiter in Richtung Osthessen – nach längerer Fahrt sind wir gegen 4:30 Uhr im Rotwildrevier angekommen. Neben der Straße stellten wir die Autos ab und verhörten erst einmal ein paar Minuten das vornehme Wild – an der gegenüberliegenden Wiese hörten wir bereits 3 bis 4 Hirsche vermelden. Auf der Wiese neben der Straße standen bestimmt an die 60 Stück Rotwild – auch wenn wir sicher aufgrund der Lichtverhältnisse nicht alle gesehen haben. Es ist schon mehr als eindrucksvoll dieses beeindruckende, edele Wild in freier Wildbahn zu beobachten und zu verhören. Das muss den geneigten Waidmann im Herzen berühren. Vor dieser Erfahrung ist es für mich sehr unverständlich warum diverse Interessensgruppen unsere größte Wildart nicht in heimischen Wäldern toleriert und zugunsten einiger Bäumchen recht hohe und teilweise überhöhte Abschusszahlen fordert.

An diesem kalten Morgen fuhren wir weiter in das Revier um einen Hochsitz zu beziehen und vorher noch ein „Stündchen“ im Auto zu schlafen – oder auch alle paar Minuten nach der Uhrzeit zu fragen, damit wir auch ja nicht verschlafen. Als wir um 5:30 den Hochsitz bezogen hörten wir in einiger Entfernung bereits die Hirsche vermelden – schade nur dass wir im diffusen Licht zunächst am Sitz ein paar Meter vorbeigepirscht sind. In den 1,5 Std. haben wir leider keinen Hirsch in Anblick gehabt – dafür aber den ein oder andren gehört. Malepartus war etwas enttäuscht ob der „schlechten Brunft“ bei diesem eigentlich recht guten Wetter, das mag aber eventuell daran liegen, dass er die Brunft ein bissel besser kennt als ein noch hinter den Ohren nicht ganz trockener Jungjäger.

Man kann sein Glück ja noch an anderer Stelle versuchen und einen zweiten Hochsitz angehen – gedacht getan und die nächste Stellung bezogen. Auch hier vernahmen wir das noble Edelwild. Doch diesmal versuchten wir eine andere Strategie und pirschten den bzw. die Schreienden an. Bei dieser Pirsch sind wir auf eine Rotte mit kleinen Streifenhörnchen aufgelaufen. Die Frischlinge waren höchstens einige Wochen alt – so kann es einmal gehen, Nächtens sucht man sich ob der Sauen die Füße wund und am Tage, wenn man auf Hirsche aus ist läuft man ihnen in den Windfang.

Als Krönung des Morgens haben wir den Hirsch noch vor die Ferngläser bzw. das Kameraobjektiv bekommen. Ein junger ungerader Kronenzehner mit Alttier und Kalb über einen Zwangswechsel – einfach fantastisch und eindrucksvoll. Auch wenn der Hirsch auf rund 300 Meter zog hat mein Fernglas ziemlich gewackelt. Auf dem Rückweg sahen wir noch etwas Niederwild im hessischen Hochwald, eine Ricke mit Kitz, ich hätte sie vermutlich gar nicht wahrgenommen wenn mein aufmerksamer „Pirschführer“ mich nicht aufmerksam gemacht hätte. Ein paar Kilometer weiter stand noch ein weiter Rotwildfamilienverband – schlecht veranlagter Schmalspießer mit Alttier und Kalb. Die Bilder von diesem Familienverband sich leider aufgrund falscher Belichtungseinstellungen nichts geworden.

Nach diesem Brunftmorgen kann ein Jungjäger den alten Jägerspruch

Auf dem Haupte beim Bock,
beim Weib unterm Rock,
und beim Hirsch in der Brunft,
liegt des Weidmanns Unvernunft.


umso besser nachvollziehen.

Um den Morgen zu beschließen zogen wir einige Ortschaften weiter in eine Metzgerei – auf der Suche nach warmen Leberkäs. Auch diese Suche war nicht ohne, den Morgens um 9:00 haben hessische Metzger offensichtlich noch keine warme Theke und Leberkäs aus der Mikrowelle schmeckt nicht ganz so gut … Obwohl, wenn man Hunger hat, kann man diesen auch essen. Wenn der Metzger dann noch ein ausgestopftes Rehkitz und einen Frischling in im Schaufenster stehen hat, kann er so übel nicht sein.

Die Heimfahrt wurde durch 3 Dosen eines Getränkes, das angeblich Flügel verleiht unterstützt. Nicht das nach einer so eindrucksvollen Nacht und einem wunderbaren Morgen die Fahrt nach "30 Stunden wach sein" in der nächsten Leitplanke endet.

Bei beiden Jagdfreunden, Hunterben und Malepartus möchte ich noch meinen Waidmannsdank aussprechen – ohne die beiden hätte ich diese Eindrücke vermutlich nicht so schnell vermittelt bekommen. Und zu Hunterben muss ich noch sagen: „Ich hab einen, wenn auch jungen und nicht ganz so starken, Brunfthirsch gesehen.“

Ach übrigens:

Wie mir von einer belastbaren Quelle zugetragen wurde, hatte Malepartus seine Glückshose zwischenzeitlich wieder an und es hat auch gleich mit dem Anlauf funktioniert - wenn hier kein Zusammenhang besteht....
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Jaegerbursch

Jaegerbursch

Alter: 28 Jahre,
aus Franken
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Kommentare

06.10.2012 20:12 Malepartus
Freut mich wenn es dir gefallen hat
07.10.2012 20:45 platzi
Malepartus schrieb:
Freut mich wenn es dir gefallen hat



Ja das mit der Glückshose ist so eine Sache.
Die zeith er nicht immer an. Weil .... dann könnte sie ja wirklich Glück bringen...
"Gell Buckliger?" (=Malepartus)
Grüße

Diether

08.10.2012 08:23 Malepartus
platzi schrieb:
Ja das mit der Glückshose ist so eine Sache.
Die zeith er nicht immer an. Weil .... dann könnte sie ja wirklich Glück bringen...
"Gell Buckliger?" (=Malepartus)
Grüße

Diether


Frag mal den Jägerbursch was die Hose auf der letzten Jagd gemacht hat
Glückshose ist Glückshose
08.10.2012 08:46 platzi
Malepartus schrieb:
Frag mal den Jägerbursch was die Hose auf der letzten Jagd gemacht hat
Glückshose ist Glückshose


Er hat schon was angedeutet von wegen Hunde und so... aber näheres weiss ich net.....
12.10.2012 20:57 Jaegerbursch
Ich sag nix mehr ... sonst wird das am Ende des Tages nur gegen mich verwendet
19.10.2012 12:33 HatzWatz
19.10.2012 12:33 HatzWatz
20.10.2012 08:18 swinging_elvis
Klasse Erlebnisse sauber niedergeschrieben... So eine Hirschbrunft durfte ich bisher nur einmal erleben, und das bei Nacht... Darum Glückwunsch dazu. Was so eine lange Zeit wach sein anbetrifft, muss ich mittlerweile vorsichtiger sein... "Stichwort Sekundenschlaf"...
Waidmannsgruß, el
20.10.2012 12:14 Jaegerbursch
swinging_elvis schrieb:
Klasse Erlebnisse sauber niedergeschrieben... So eine Hirschbrunft durfte ich bisher nur einmal erleben, und das bei Nacht... Darum Glückwunsch dazu. Was so eine lange Zeit wach sein anbetrifft, muss ich mittlerweile vorsichtiger sein... "Stichwort Sekundenschlaf"...
Waidmannsgruß, el


Ja das mit dem Stichwort hab ich mir auch ab und zu gedacht
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