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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Südtirol 2012 - N9 Südtirol 2012 - N3 Südtirol 2012 - N10
425 mal angesehen
16.09.2012, 13.42 Uhr

Zwei Männlein stehen im Walde, ganz still und stumm

„Zwei Männlein stehen im Walde, ganz still und stumm!
Zwei Männlein stehen im Walde, ganz still und stumm!“

Dieser abgewandelte erste Vers des Kinderliedes von v. Fallersleben ging mir wieder und wieder durch den Kopf, als das Außenband meines rechten Fußgelenkes immer mehr das Singen anfing. Meinem Mitjäger ging es nicht besser, stand dieser doch fröstelnd vor mir im knietiefen Sulzschnee. Aber lasst uns am Anfang der Geschichte beginnen…

Seit meinem Aufenthalt in Finnland sind mir die Rauhfußhühner sehr ans Herz gewachsen. So wunderte es nicht, dass ich mich sehr über eine Einladung zur Balz des großen und kleinen Hahnes freute. Dass es hierbei ums reine Erleben ging und nicht um Büchsenschuss und Pulverdampf, tat meiner Freude nicht den geringsten Abbruch.

So machten sich drei wuilde Jäger eines Tages Anfang Mai auf zu einer Reise nach Südtirol. Hier wollten wir dem sagenumwobenen großen sowie dem agilen kleinen Hahn auf die Spur kommen. Nach einer nicht ungefährlichen Anreise mit dem PKW trafen wir endlich am Zuweg der am nördlichen Hang in 1.800m Höhe gelegenen Berghütte ein. Was war das eine Begrüßung von den beiden Gastgebern - Vater und Sohn. Sogleich kamen lokale und mitgebrachte Köstlichkeiten auf den rustikalen Hüttentisch und auch der ein oder andere Begrüßungsschoppen durfte nicht fehlen. Nach dem allgemeinen Einrichten sollte es dann aber auch gleich losgehen. Da in einigen Bereichen noch Schnee lag, ging es rein in die Schneeschuhe und raus in den Fichtenwald. Hier, gar nicht allzu weit entfernt von unserer urigen Unterkunft, sollten die großen Urhahnen balzen. Ob wir schon am ersten Abend das ein oder andere Gsetzl vernehmen würden? Vorab hatten wir Jäger aber noch eine besondere Begegnung. Ein Bergfuchs ließ sich in seiner Neugier und offensichtlichen Unerfahrenheit nicht davon abbringen, seinen Pass gleich neben der pirschenden Gruppe zu nehmen. Welch herrlicher Anblick! Voller Spannung stiefelten wir weiter unserem Führer „Ditt“ hinterher auf einem mit Altschnee überzogenen Ziehweg. Jetzt hieß es verhalten und auf dem Bergstock gestützt in den Abend hinein lauschen. Schon dämmerte es zwischen den dunklen Fichten, nach und nach verklang der Gesang der Singvögel. Einer vermeinte, unten im Hang einen harten Schwingenschlag vernommen zu haben, angespannt verharrten wir, lauschten in die Stille und waren starr wie die Salzsäulen. Doch noch war es uns nicht vergönnt. Gar nicht enttäuscht und voller Hoffnung für den kommenden Morgen ging es mit meinen Mitstreitern zurück zur Hütte.

Mit Hallo wurden wir empfangen und weiter ging es mit Jausen, Singen und Erzählen. Nach etlichen weiteren kulinarischen Genüssen griff der Vater dann zur Flasche mit dem sagenhaften, braunen Nussler. Spätestens hier hätte ich mich besser auf das einmalige Probieren beschränkt. Aber wenn es doch einmal so lustig zugeht… „Es war einmal ein treuer Husar…“ klang es bis nach Mitternacht. So war es nicht verwunderlich, dass ich am kommenden Morgen um 3:45 Uhr etwas beschwerlich aus den Federn kam. Die Aussicht jedoch, einen Auerhahn bei der Balz erleben zu dürfen, trieb uns raus in die ungemütliche Nacht. Es hatte leicht geregnet. Nass und kühl schlug uns die Luft entgegen. Getrennt in zwei Gruppen machten wir uns auf, an den Wundervogel heran zu kommen. Mit Ditt und unserem jüngsten Mitjäger standen wir bald wieder im steilen Fichtenwald und strengten unsere Lauscher an. In der Ferne rief jämmerlich ein einzelner Vogel. Ansonsten war es still im Wald. Doch da – war das nicht ein erstes Knappen gewesen? Noch angestrengter horchte ich in den Morgen, als es uns nun allen klar war: was wir da hörten, war das Glepfen, das sich langsame Einspielen eines Auerhahns. Jetzt stieg die Spannung denn es hieß ihn anzuspringen! Ditt hatte uns schon vorab informiert, dass man auf größere Entfernung nach dem Hauptschlag noch drei Schritte machen konnte, dann aber bald sich besser auf nur noch zwei beschränkte. Den Anweisungen folgend sprangen wir mit Hilfe unserer Bergstöcke den Hang hinab und den Hahn an. Was war das ein Erleben mit allen Sinnen, die würzige Waldluft am Morgen, das Verhören mit offenem Mund, der Versuch, den Morgendämmer mit den Augen zu durchdringen. Schon hatten wir uns auf nur zwei Schritte beschränkt, deutlich konnte man nun Knappen, Triller, Hauptschlag und das Schleifen unterscheiden, als plötzlicher Flügelschlag vom Abreiten des Hahnes kündeten. Was war geschehen? Hatten wir ihn vertreten? Erstaunt schauten wir uns an, vernahmen aber im gleichen Augenblick einen weiteren Urhahn, der weiter rechts im Hang seine Strophen sang. Um es kurz zu machen: Auch dieser strich ab, bevor wir in seine Nähe kamen. War es ein Fuchs, ein Habicht? Wir konnten es nicht ergründen. In der Rückkehr zum Treffpunkt begriffen, vernahmen wir noch das Gackern einiger Hennen. Zur Freude aller war wenigstens die andere Gruppe recht nah an einen am Boden balzenden Hahn herangekommen. War das eine Begeisterung und geteilte Freude! Drei Jäger im Land der Hahnen. Und einen Morgen hatten wir ja noch.

Im Wagen ging es gleich weiter auf in größere Höhen, bald bis zum First des sich 2.000m in den Himmel erhebenden Bergzuges. Hier lag der Schnee noch reichlich und hier balzte der kleine Ritter, der Birkhahn. Wieder mit Schneeschuhen gerüstet, die Rücksäcke und Bergstöcke am Mann, ging es in den Hang und tatsächlich, um eine Ecke biegend, vernahm man deutlich das Grugeln und Zischen des kleinen Hahnes. Fasziniert streckten wir uns ins Kraut und suchten mit den Doppelgläsern die Hänge ab, wo der Schnee an einigen Stellen bereits aufgeapert war. Es dauerte eine Weile, bis wir den eifrig Balzenden in sicher 500m Entfernung entdeckt hatten. Laut rief er sein „Tschuiiiih“ in die nebelüberwallten Hänge hinaus. Spätestens jetzt stieg mir der Nussler vom Vorabend in den Kopf. Heftig pochterte es im Schädel, als ich versuchte, das Balzspektakel mittels Spektiv zu beobachten. Aber was nutzte es, diese kleine Buße musste sein.

Der Jüngste der Gruppe ließ sich nicht abhalten, mittels Schneehemd getarnt den Birkhahn über die deckungsfreie Fläche anzugehen, um auf Fotodistanz heran zu kommen. Na das war doch mal ein Schauspiel und spätestens, als der Nimrod bis auf Kugelschussdistanz herangepirscht war, zollten wir Zurückgebliebenen unseren Respekt. Wenig später ritt auch dieser Hahn nach seiner Morgenandacht ab und die Vorstellung war beendet.

Nach einer kleinen Wanderung durch die herrliche Bergwelt fanden wir uns am späten Vormittag wieder in der Hütte ein und nahmen ein kleines Frühstück zu uns. Bald ging es weiter und wir nutzten den restlichen Tag, um Freunde und Familie zu besuchen. Ich Nussler-Geschädigter war zum Glück und nach einigen Eskapaden am Nachmittag wieder in der Lage, das ein oder andere Bierchen zu mir zu nehmen. Auch feste Nahrung ging wieder! So gelangte man schon in der Nacht wieder am Berg an. Dieser Abend ging ein wenig früher zu Ende als der vorherige. Nur der neugierige Bergfuchs ließ uns nicht zur Ruhe kommen, schlich er doch wundersamer weise und ohne sich von den vor die Hütte tretenden Waidmännern irritieren zu lassen, immer wieder nah heran auf der Suche nach Wurstenden und anderen Köstlichkeiten. Der kommende Morgen musste es hinsichtlich der großen Hahnen zeigen! Denn wenig später hieß es schon wieder, die Heimreise anzutreten.

Entsprechend frisch waren wir, als es um kurz nach vier aus der Hütte ging. Das Wetter meinte es allerdings nicht gut mit uns. Regen sprühte auf uns herab und auch der Wind wehte, so dass das morgendliche Verhören nicht so einfach werden würde. Im Fichtenwald stellte sich diese Vermutung als richtig heraus. Selbst das auf dem Hut tropfende Wasser lenkte einen ab. Letztendlich – und dank der guten Ohren des Jüngsten – vernahmen wir aber eine scheue Glepfer und wieder teilten wir uns in zwei Gruppen auf, meine Wenigkeit folgte dem Ditt. Dieses Mal wollten wir es von unten angehen. Obschon ich mir das bei der Steigung schwer vorstellen konnte, ging es bald über Kraut und Sulzschnee im Dreisprung den Hang hinauf. Sollte es dieses Mal gelingen? Die Spannung stieg mit unserem Fortschritt hang auf.

Mit dem stetigen Näherkommen stieg das Klangvolumen jeder Strophe. Knappen, Triller und der sektkorkenartige Hauptschlag waren nun klar zu vernehmen… und schon ging es weiter, während dem Hahn im Schleifen offenbar die Sinne schwanden. Ein herrlicher Klang drang hier in unseren Ohren, der mit jedem Schritt schöner wurde. Plötzlich fuhren wir zusammen. Fertig für den nächsten Zweisprung vor einem Baum stehend rauschte es plötzlich über uns. Offensichtlich ritt dort ein Stück Auerwild ab. Aber im selben Moment trauten wir unseren Augen kaum. Mit erneutem Rauschen sahen wir den Urhahn keine vierzig Meter vor uns sich auf den Waldboden einfallen. Starre, Stille, kein Fernglas, keine Kamera brachte ich hoch. Das Wesen vor uns war im tiefen Dämmer kaum zu erkennen, und doch sah man den großen Stoß, Brocker und Spiegel leuchteten vor dunklem Hintergrund, die rauen Füße waren auf dem Schneefeld deutlich sichtbar. Und nun begann er die Bodenbalz. Eine Strophe nach der anderen ließ er hören. Zweimal schien die Luft im feuchten Wald zu vibrieren, als der Auerhahn seine Flattersprünge vollführte. Es war ein unglaublicher, ein unwirklicher Anblick. Die Zeit schien still zu stehen.

So plötzlich wie die Vorstellung begonnen hatte, war sich auch wieder beendet. Blitzschnell hob der große Vogel ab und verschwand zwischen den Wipfeln. Immer noch schweigend schauten sich der Ditt und ich an, die Augen sprachen Bände. Da hob mein Bergführer den Kopf und lauschte erneut. Offensichtlich war der Hahn unweit unserer Stellung erneut eingefallen und balzte in einer hohen Fichte. Sogleich fassten wir den Entschluss, es bei nun besser werdendem Licht erneut zu versuchen.

Im vorsichten Zweisprung näherten wir uns dem feurig Balzenden, quer zum Hang ging es diesmal. Während ich dem Ditt immer in die Fußstampfen stieg, erstarrten wir beide plötzlich erneut. Mitten in seiner Strophe hatte der Hahn seinen Gesang unterbrochen. Mein Mitjäger stand nun mit beiden Bergstiefeln knietief in einem Sulzschneefeld, ich selbst war in einer recht unsicheren Stellung mitten im Sprung eingefroren, so dass uns beiden dieser Zustand alsbald unangenehm wurde. Während wir beide nach oben starrten und versuchten, den nicht mehr allzu weit entfernten Auerhahn zu erblicken, kam mir irrerweise der Reim in den Sinn, der dieser Geschichte seinen Namen gab. Obwohl unsere Lage immer misslicher wurde (dem Ditt begannen so langsam, die Füße zu Eis zu gefrieren), konnte ich mir ein inneres Grinsen nicht verkneifen.

Wenn wir aber noch Erfolg haben wollten, so musste bald was geschehen. Ditt wollte noch weiter verharren, während ich begann, mich im Zeitlupentempo hangabwärts entlang des Schneefeldes vorzupirschen. Die Kamera mit dem 200mm-Objektiv um den Hals habe ich mich glaube ich noch nie so langsam bewegt. Den Blick nach unten, das Gesicht durch den breitkrempigen Jagdhut geschützt, bewegte ich mich millimeterweise vorwärts. Nach nur wenigen Metern wollte ich dann doch einmal einen Blick gen Himmel riskieren und gefror erneut. Keine zwanzig Meter von mir entfernt sah ich den Riesenvogel im Wipfel einer Fichte sitzen. Dieses Recken des Stingels und der lange Körper zeigten mir, dass wir nicht unentdeckt geblieben waren. Während ich meine Knippse anhob, schritt das Wundertier ebenso langsam und würdevoll um den Wipfel des Baumes, um nur mit dem Kopf auf der anderen Seite zu schauen, was dort unten für ein komisches Tier hockte. Es war nicht der prachtvolle Anblick eines Hahnes in voller Balz, trotzdem zog mich die Situation voll in ihren Bann. Jetzt ging es zurück und wieder auf die rechte Seite des Wipfels, wo er im Niesel des frühen Morgens seine Federn ein wenig ordnete und weiterhin in den Morgen hinaus sicherte. Hier gelangen mir auch einige Fotos, die ich später stolz als Beute mit nach Hause nahm. Wenig später war die Vorstellung endgültig vorbei, der Auerhahn ritt ab in Richtung Tal.

Ergriffe vom Erlebten stiegen wir ab. Gesprochen wurde nicht viel, zu stark wirkte der Morgen in uns nach. Als wir dann aber auf unsere Mitjäger trafen, waren das Hallo und die gemeinsame Freude groß. Unser Gastgeber ließ es sich auch nicht nehmen, uns mit einem deftigen Frühstück mit Eier und Speck auf die Reise zu schicken, das wir auch dankbar annahmen.

Wenig später hieß es Abschied nehmen von der schönen Bergwelt Südtirols, von herzlichen Gastgebern und großen Erlebnissen. Eines aber war klar: Wir sehen uns wieder!

Waidmannsdank!
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

16.09.2012 13:59 Renevolution81
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um

... so geschrieben wie wenn ich selber mit dabei gewesen wäre Wird ein neues Kapitel in den Memoiren unter dem Titel: " Des Nusslers Rache"
16.09.2012 14:57 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um

... so geschrieben wie wenn ich selber mit dabei gewesen wäre Wird ein neues Kapitel in den Memoiren unter dem Titel: " Des Nusslers Rache"

... oooohhh... die war fürschtäliiiieesch!
... als wenn er dabei gewesen wäre... HARHAR
Lass krachen! Ihr Hendl wir kommen! el
16.09.2012 19:28 Jaegerbursch
Wir wollen ein Buch! Wir wollen ein Buch!

So ein Landlive-Geschichtenbuch wäre doch echt mal was neues
17.09.2012 07:17 Kija

Gruß Kija
17.09.2012 08:48 platzi
Eine tolle Geschichte, wunderbar erzählt!
Auch wenn am Ende keine Strecke zu legen war.
Schön, wenn sich jemand auch am Anblick erfreuen kann!
Danke für die Erzählung!

Diether
17.09.2012 14:45 swinging_elvis
platzi schrieb:
Eine tolle Geschichte, wunderbar erzählt!
Auch wenn am Ende keine Strecke zu legen war.
Schön, wenn sich jemand auch am Anblick erfreuen kann!
Danke für die Erzählung!
Diether

Waidmannsdank! Vielleicht eines Tages gemeinsam die Ohren rauschen lassen vom Grugeln einer Unmenge von kleinen Hahnen im Finnischen Moor, dass die Luft vibriert... El
17.09.2012 14:51 platzi
swinging_elvis schrieb:
Waidmannsdank! Vielleicht eines Tages gemeinsam die Ohren rauschen lassen vom Grugeln einer Unmenge von kleinen Hahnen im Finnischen Moor, dass die Luft vibriert... El


Wer weiß.


Jedenfalls möcht ich ein signiertes Exemplar....
weisst schon
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