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Oh, Du schöne Blattzeit

Blattzeiterinnerungen (7 Einträge)

Der déjà-vu 2 Der déjà-vu 3 Der déjà-vu 4
573 mal angesehen
25.08.2012, 15.25 Uhr

Der déjà-vu

Spätsommer, Blattzeit... und es trieb mich mal wieder hinaus ins Revier. Den Böcken wollte ich jetzt zu Anfang August nachstellen und mit hohen Temperaturen und blauem Himmel schien das Wetter ideal.
Wie jedes Jahr wehte um diese Zeit schon ein Hauch von Herbst durch den Wald. Das unterständige Gras begann zu welken, Blätter färbten sich gelb und rot, die rote Beere des Hirschholunders leuchtete überall…

Der erste Abendansitz hatte bereits Anblick gebracht. Ein noch recht junger Bock trieb eine Ricke zwischen Waldrand und Gerstenfeld, die sehr große Entfernung tat mir nicht leid. Vor mir auf der Wiese vertrieben mir drei Hasen die Zeit. Erst im letzten Licht zog es eine Waschbärenfamilie ins Feld und ich sah die Jungen in den Stoppeln lustig der Waschbärin hinterher springen.

Der Abend klang wunderbar aus an der Hütte eines Jagdfreundes bei einer Flasche Roten. Den kommenden Morgen verschlief ich dann gleich einmal, um auch noch ungerechterweise durch ein herrliches Frühstück belohnt zu werden… warum hatte ich noch einmal die grünen Sachen an…?

So kam es, dass ich erst kurz vor Mittag wieder im Revier war. Gleißend brannte die Sonne vom Himmel, kein Lüftchen regte sich. Meine Ausrüstung bemaß ich knapp, sollte es doch auf die Pirsch gehen. Ein paar Sachen in den Rucksack, Büchse und Fernglas mussten reichen… dann natürlich noch der Pirschstock… los ging’s! Da ich wusste, dass es auch durch hohes Kraut ging, hatte ich trotz der Temperaturen meine leichten Gummistiefel gegen die kleinen Plagegeister an, auch mein Oberhemd hatte lange Ärmel, denn neben den Mücken waren auch wieder die von mir so geliebten Regenbremsen unterwegs…

Vom Waldweg wollte ich mich entlang eines alten Ziehwegs schleichen, um dann auf eine gemulchte Schneise zu gelangen, der ich entgegen der Windrichtung entlang pirschen wollte. Natürlich wusste ich eine Stelle, die jedes Jahr nach Bock roch, denn hier hatte man zur Blattzeit zumeist Anblick und hier konnte ich vor Jahren den sagenhaften Geisterbock strecken.

Langsam ging es voran, immer wieder Pausen einlegend und sichernd. Schon nach wenigen Metern wurde mir der Mund trocken und ich bereute, nicht noch einen Schluck Wasser genommen zu haben… aber weiter ging es. Nachdem ich den alten verwachsenen Ziehweg am Rande einer Restfichtenkultur hinter mir gelassen hatte, ging es ins Kraut. Mannshohe Disteln, sumpfige Löcher, Brombeerranken, Grasbülten… langsam strebte ich auf einem frischen Sauenwechsel voran. Spannend war die Pirsch, konnte doch jederzeit etwas Rotes vor mir aufleuchten oder eine Rotte Sauen abgehen aus einem der Kessel, von denen ich bereits zwei passiert hatte. Aber es blieb ruhig in der Mittagshitze.

Endlich sah ich die gesuchte Schneise vor mit durchscheinen. Noch ein paar Umwege hieß es zu nehmen, denn hier standen zusätzlich verwachsene Fichten und Buchenanflug. Endlich wurde das Vorankommen leichter. Noch einmal den Wind prüfend schritt ich langsam am linken Rand der gemulchten Freifläche vor, immer den Blick in den Buchenwald, wo ich vermutete, es könnte Rehwild stehen. Nach einigen Metern drang ich ein in den unterständigen Hochwald, suchte mir eine Stelle mit ein wenig Überblick, postierte mich hinter einem Baum und ließ den Blatter erklingen. Auf den zunächst dezente Fiep folgte alsbald das aufdringliche Piaaah. Horchen, verharren, Büchse im Voranschlag… knackste dort nicht ein Ast, raschelte es hier nicht im Laub? Spannung pur. Als sich nach einer viertel Stunde nichts getan hatte, entschloss ich mich, weiter zu pirschen.

Einige Meter hatte ich wieder zurück gelegt, als es plötzlich neben mir rauschte. Sogleich sah ich einen feuerroten Wildkörper, der in hohen Sätzen abging. Reh, Ricke… war mein schnelles Ansprechen. Leicht geduckt verfolgte ich, wie sie über eine Schneise, die die meinige kreuzte, absprang und in einem Dschungel auf einer ehemaligen Windwurffläche verschwand. Sollte da nicht ein Bock in der Nähe sein? Und schon gewahr ich aus dem Augenwinkel eine weitere Bewegung, der Bock! Vielleicht zwanzig Meter weiter im Wald zog er langsam und – wie es schien – verwundert hinter der Ricke her. Schnell machte ich ein paar lange Schritte, pflanzte den Pirschstock in den Boden und ging mit der Büchse in Anschlag, den Bock auf der Schneise abzufangen… Angespannt wartete ich… doch er kam und kam nicht. Wo war er nur? So langsam wurde der Arm schwerer, die Augen müder… so entschied ich mich, den auf dem Schneisenkreuz stehenden Hochsitz zu erklimmen, um die mögliche Rückkehr des Paares zu erwarten.

Gedacht, getan! In Zeitlupe gelangte ich in luftiger Höhe an und richtete mich schnell ein. Rundherum ging der Blick und ich hoffte auf meine Chance. Den Bock hatte ich als schwach vereckten Zwei- bis Dreijährigen angesprochen. Der würde mir schon passen…
Die Minuten vergingen, schnell war eine viertel Stunde verstrichen… und es tat sich nichts. In solchen Fällen gehen einem vergleichbare Erlebnisse durch den Kopf, bei denen man ohne Ergebnis seiner Beute harrte. Wie würde es heute ausgehen? Jetzt war es schon eine halbe Stunde und nichts war geschehen. War ich wieder zweiter Sieger? Erneut ohne Beute?

Einen letzten Versuch wollte ich noch wagen und sandte den Piaah hinaus in den Wald, die Bix schussbereit in der Faust. Und plötzlich kam Bewegung links von mir in den Wald. Rote Rehdecke wurde zwischen den Buchenrauschen sichtbar, parallel zum Hochsitz ziehend… was das der Bock? Nein, die Ricke war es, aber der Bock kam sogleich hinterher und der wilde Reigen begann. Hin und her ging das Treiben, dass ich dem Ganzen kaum folgen konnte. Doch auch hier sollte dem Freier sein ungestümes Temperament zum Verhängnis werden. Der Ricke blindlings hinterher stürmend nahm er nicht wahr, dass diese abrupt stehen geblieben war. Den Bock trieb sein Schwung über diese hinaus bis an den Rand der Schneise, wo er – scheinbar verdutzt – mir den Spiegel zuwendend - verhoffte. Längst war ich ganz Jäger geworden, stand das Absehen vier im Wildkörper. Sich langsam wendend zeigte er mir Blatt, eine leichte Korrektur des Abkommens und schon war der Schuss draußen!

Im Knall stieg der Bock vorne hoch, warf sich herum und verschwand mit zwei langen Sätzen im Dschungel, in den die Ricke soeben schon eingetaucht war. Puuuh, das musste gut gegangen sein. Nach seiner Wendung hatte ich das rote Mal des Ausschusses hinter dem Blatt gesehen. Der müsste mein sein. Langsam entspannte ich mich und die Waffe, lehnte mich zurück und ging das soeben erlebte noch einmal durch. Tiefes Durchatmen, leises Raseln… so hallte das Erlebte in mir nach.

Schon zehn Minuten später hielt mich nichts mehr auf der Kanzel. Ich baumte ab und ging zum Anschuss. Dieser war zum Glück nicht schwer zu finden. Rot leuchtete es und auf wettergegerbtem Buchenblatt zeigte sich schaumiger Lungenschweiß. Welch ein beruhigender Fund. Gleiches hatte ich auch schon vor Jahren an nahezu der gleichen Stelle mit meinem Geisterbock erlebt. Anschuss und Fluchtrichtung stimmten ebenfalls überein.
Mit der Nase am Boden folgte ich der Wundspur, um wenig später in den verkrauteten Dschungel einzutauchen. Holunderbusch, Brennnesseln, Brombeerranken jeden Alters; tief geduckt schob ich mich ein, mich von Schweißspritzer zu Schweißspritzer vor arbeitend. Weit musste ich nicht kriechen, da sah ich es schon rot durch die Blätter leuchten. Ja, da lag er, mein Bock! Und erneut hatte ich ein déjà-vu, lag doch auch hier wie vor Jahren das Haupt verdeckt. Mir meiner Sache allerdings sicher machte ich rundherum ein wenig Platz und nahm meine Beute in Besitz. Richtig hatte ich angesprochen, sauber war die schwere Kugel hinter Blatt ein- und auch ausgetreten. Waidmannsheil, wie es mir am liebsten ist.

Doch die Hitze drückte weiter. Lange durfte ich nicht verweilen denn bald würden die Fliegen diese neue Brutstätte gefunden haben, also ran ans Bergen. Zum Glück war es nicht weit bis zum Hochsitz, wo ich das Stück mit einem Lauf am Strick kopfüber aufbrach. Anschließend wanderte meine Beute in den Rucksack und zurück ging es zum Waldweg. Die Gummistiefel, die mir – was Zecken angeht – gute Dienste geleistet haben, wurden nun wirklich unangenehm warm, der Tritt mit ihnen war auch nicht so sicher wie mit meinen Bergstiefeln, so wankte ich mehr als das ich sicher daher schritt. Erst am Auto merkte ich, wie riesig mein Durst war, wie groß die Erschöpfung, und so ging der mitgebrachte Wasserkanister an den Hals und ich trank und trank…

Erst als mein Bock in der Kammer hing und ich vor der Hütte eine Flasche Bier in der Hand hielt, da merkte ich, was ich wieder mal für ein Glück gehabt hatte… Waidmannsdank!
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swinging_elvis

swinging_elvis

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aus Dubai
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Kommentare

25.08.2012 15:52 Renevolution81
Mögen noch viele Déjà-vus auf die roten Waldprinzen folgen Ich durfte ja schon die "Audioversion" verfolgen, jedoch bin ich immer wieder von Deinen niedergeschriebenen Zeilen fasziniert
Auf zu neuen Abenteuern RoQK
25.08.2012 19:44 Jaegerbursch
Zwar nix "Füchsisches" aber wie immer top geschrieben!

Du solltest wirklich mal über ein Büchlein nachdenken, ich kenne auch schon einen möglichen Farbkleckser für das Titelbild
25.08.2012 20:21 swinging_elvis
Jaegerbursch schrieb:
Zwar nix "Füchsisches" aber wie immer top geschrieben!

Du solltest wirklich mal über ein Büchlein nachdenken, ich kenne auch schon einen möglichen Farbkleckser für das Titelbild

Wooooooa? NUR das Titelbuildl? Ich glaub's nicht!!! Ich hätt' da auch so eine Idee... Vielleicht wird's eines Tages was... Roq, el
26.08.2012 00:18 Jaegerbursch
swinging_elvis schrieb:
Wooooooa? NUR das Titelbuildl? Ich glaub's nicht!!! Ich hätt' da auch so eine Idee... Vielleicht wird's eines Tages was... Roq, el


Natürlich kann er auch das gesamte Werk illustrieren. Das kommt halt auf den Umfang an - und ob er es macht (wobei ich mir nicht vorstelllen kann, dass er ablehnt)
26.08.2012 08:32 swinging_elvis
Jaegerbursch schrieb:
Natürlich kann er auch das gesamte Werk illustrieren. Das kommt halt auf den Umfang an - und ob er es macht (wobei ich mir nicht vorstelllen kann, dass er ablehnt)

Kenne den Malerfürschten ja persönlich... da werden wir bald in Klausur gehen und uns amal weitergehende Gedanken machen... RoQ, el
26.08.2012 14:32 Kija
herrlich
LG Kija
27.08.2012 16:14 platzi
Ein herzliches Weidmannsheil auch von mir.

Diether
28.08.2012 11:42 BayernFlo
Waidmannsheil Elvis!!!
Schöne Erzählung!
Gruß,
BF
28.08.2012 11:53 swinging_elvis
platzi schrieb:
Ein herzliches Weidmannsheil auch von mir.

Diether

Waidmannsdank Diether! Das Erleben hat mit sehr viel Freude bereitet... Aktives Jagen eben... Rock it. El
31.08.2012 21:02 Malepartus
Sehr schön geschrieben, wmh
31.08.2012 23:01 swinging_elvis
Malepartus schrieb:
Sehr schön geschrieben, wmh

Waidmannsdank! Lass es krachen.. El
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