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Jagerlebnisse

(8 Einträge)

Sau tot
1022 mal angesehen
13.08.2012, 10.39 Uhr

5 Fehler = 1 Glücksschwein

Manchmal führen die äußeren Bedingungen dazu, dass man Fehler nach Fehler begeht. Und manchmal mergeln Fleiß, Willen und Diana´s Segen diese Fehler gottseidank wieder aus.

Samstag abend, der Raps wird gedroschen, ich sitze aufgrund des miesen Ostwindes an bescheidenem Plätzchen, rechts vom Weg Mannshoher Mais, nur ganz rechts in der Senke scheint er nicht gewachsen zu sein.
Links vom Weg hoher Raps, bleibt also nur der Weg und die kleine Senke, was solls, es ist ein herrlicher Abend und ich brauche mal Zeit für mich. Deswegen bin ich die 150km hergefahren, morgen muss ich aber wieder zeitig zurück sein, Opa wird 88 und freut sich seit Wochen auf das gemeinsame Mittagessen in der Familie. Und schließlich will ich mein Söhnchen auch sehen, bekomme ich ihn doch unter der Woche kaum mit.

Es geht sich ganz gut an, in diesem rotwildfreien Revier sehe ich erst Tier mit Kalb, dann einen sehr starken Spießer. Und dann kommt es wie es kommen musste. Wie es schon letztes Jahr um die gleiche Zeit fast in ähnlicher Weise passiert ist. Die Maishalme fangen an zu wackeln und zu brechen. Das müssen Sauen sein, doch es passiert nichts. Aus heiterem Himmel spaziert eine einzelne Sau bei bestem Licht aus dem Mais durch die unbewachsene Senke. Waffe hoch, Spannen sind eins. Durch ZF sehe ich wie die Sau sich dreht, 40 kg denke ich und den Pinsel kann ich klar erkennen, na das passt ja. Dummerweise zieht die Sau durch die letzten Maishalme gen Bestand. Die MUSS ich haben denke ich, fahre mit und lasse mich vom Schuss überraschen. Zu viele Chancen habe ich jetzt schon vertan, das verleitet mich zum Schuss (=Fehler 1). Im Schuss springt die Sau hoch und flüchtet auf mich zu bis ich sie nicht mehr sehe.

Nach einer Ewigkeit gehe ich zum Anschuss, den ich aber nicht finde, dafür Schweiß in der Fluchtfährte. Nach langem überlegen rufe ich den jagdaufseher an. Der will morgen für in den Urlaub fahren, will mir aber helfen und entschließt sich zur Suche am abend (= Fehler 2). Ohne Kurzwaffe (Fehler 3) setzen wir den Hund an, der in den Mais zieht. Viel Schweiß bestätigt den Hund und so setzen wir der Sau nach. Nach 80m sichert der Hund vor, so gehe ich mit Lampe und Waffe voran. Nach 2 Reihen sehe ich die Sau liegen und bin schon erleichtert, als die Sau das Haupt hebt! Sofort spanne ich die R8 und ... KLICK was ist das denn? Schnell durchrepetiert doch da ist die Sau schon weg. Das darf doch nicht wahr sein. Diese Gedanken die mir nun durch den Kopf gingen, kennen wohl viele. Der Verschluss war nicht vollständig geschlossen und ein Sicherungsmechanismus verhindert dann die Schussabgabe.

Ohne zu überlegen setzen wir der Sau nach (Fehler 4). Nach 2 km durch den Bestand brechen wir am nächsten Rapsfeld ab. Die erste richtige Entscheidung an diesem Abend. Dafür war die Nacht der absolute Horror. Warum hast Du geschossen? Warum habt Ihr Nachgesucht? warum hattest Du die Waffe nicht richtig zu? Was machst Du morgen? Der Nachsuchenführer reisst Dir den Kopf ab, völlig zurecht, da Du die gleiche Sch.. letztes Jahr auch schon hattest. Da habt Ihr die Sau auch nicht gefunden. Und wer soll morgen die Suche begleiten? Jagdaufseher im Urlaub, Pächter selber unterwegs. Super dann fährst Du 150km zurück zum Geburtstag und nachmittags wieder zurück und abends wieder heim. Tolles Wochenende. Und was ist mit der Sau? wenn Ihr die nicht findet? Schwer krank ist sie ja....

Um 6 Uhr ist es endlich hell genug um was zu machen. Ich kann nicht einfach warten. Ich umschlage das Rapsfeld, es sieht nicht so aus als ob eine Krankfährte auswechselt. Etwas Hoffnung keimt auf. ZF runter, Waffe auf den Rücken, Messer zwischen die Zähne und auf allen vieren in den Raps (Fehler 5). An den Halmen kann man der Schweißfährte gut folgen. Aber bei den vielen Widergängen in dem Riesenfeld komme ich an meine psychsiche und physische Belastungsgrenze. Nach 1,5 Std bin ich in einer Fahrspur mit sehr wenig Schweiß, die auch noch bergauf Richtung Dorf geht. Kann doch gar nicht sein, denke ich. Egal Schweiß ist da. Nach 150m habe ich die Fährte verloren und bin völlig entkräftet. Will aufgeben und sehe alles über mir hereinbrechen. Was einem dann halt so alles in den Sinn kommt. Aber komm, schau noch einmal ob sie abgebogen ist, ohne dass Du es gesehen hast.

Nach 10m zurück habe ich wieder Schweiß und tatsächlich ist sie nach rechts abgebogen. Ich schiebe die Halme beiseite und da liegt sie! Nicht sehr respektvoll gegenüber der Kreatur stoße ich einen lauten Jubelschrei aus, reiße die Arme in die Höhe und führe einen Beutetanz auf. Meine Freude und Entspannung ist unbeschreiblich. Da liegt sie tatsächlich. Und sie ist noch nicht aufgedunsen, riecht nicht, die nacht war kalt und wer weiß wie lange die arme Kreatur noch gelitten hat. Hätte ich jetzt noch nichtmal das Wildbret verwerten können, ich wäre kreuzunglücklich gewesen.

Nun geht es ans bergen, letzten Endes ziehe ich Hämpfling 48kg aufgebrochen (da sogar noch unaufgebrochen) aus dem Raps, hieve sie in meinen Kleinwagen und hänge sie sogar überkopf am Haken auf. Übermenschliche Kräfte werden freigesetzt, ich fühle mich wie elektrisiert. Der Schuß sitzt auf Herzhöhe genau 3 cm hinter dem Zwerchfell. Das neue bleifreigeschoss hat nicht viel kaputt gemacht aber ordentlich Schweiß hinterlassen.

Opas Mittagessen konnte wie geplant mit mir stattfinden, wenn auch meine Gedanken bei der Sau waren. Was hatte ich nicht alles falsch gemacht, teilweise aus den Bedingungen (Urlaub, Zeitnot) heraus, aber eben falsch. Auf der Jagd gibt es keine Bedingungen, keine Zeit, nur richtig und falsch. Ich habe alles falsch gemacht was man falsch machen konnte. Aber ich habe nicht aufgegeben, wollte die Sau haben und bin dieses mal belohnt worden. Ich gebe aber auch offen zu, dass ich das ein oder andere Mal ans aufgeben gedacht habe.

Ich bin nicht vor Fehlern gefeit, aber an dem Tag, an dem ich der Versuchung des Aufgebens nachgebe, höre ich mit Jagen auf, das bin ich dem Wild schuldig.

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Kommentare

13.08.2012 15:07 Hirschmann
Weidmannsheil zur Sau! Danke für den Bericht und vor allem Respekt für den "Arsch" in der Hose über so viele eigene Fehler zu schreiben. Diese sich selbst einzugestehen sollte für die Zukunft was bringen.

Gruß
HM
14.08.2012 10:40 sau_hund
Waidmannsheil! Hoffentlich hält der "Lerneffekt" lange Zeit an...........
15.08.2012 11:12 illupo
Daumen hoch. Aus Fehlern lernen machen die Schlauen!! Die doofen nicht.
Waidmannsheil zur Glückswutz!
15.08.2012 13:02 Wuiderer
Auch das ist Jagd
Waidmannsheil
16.08.2012 08:55 schnuggels2000
Waidmannsdank für die positiven Rückmeldungen! Es gibt also doch noch Gerechte, die nicht darauf aus sind, den Ersten zu zerfleischen, der sich Fehler eingesteht.
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