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In der Abendsonne ist die Erin...

Mein stärkster europaischer Elch. (4 Einträge)

Ein Starker...
564 mal angesehen
12.08.2012, 15.59 Uhr

Was für eine Spannung am Vorabend der Rothirschbrunft?

Forumsmitglied Peter "Hesse" hat mich mit seinem Eintrag inspiriert und motiviert. Für den Rotwildjäger ist diese Zeit im Revier voller Spannungen und "aller Tage neu". Es dauert nicht mehr lange, dann ertönt der erste Ruf des Brunfthirsches und dann bin ich mit Büchse , Hund und Hirschruf in den Revieren und selten zuhause. Erst so um den 5. oder 6.Okt. zieht wieder Ruhe ein und meine Jagdklamotten erhalten die Gelegenheit den Brunftgeruch abzugeben.
Bei uns melden die ersten Hirsche bereits um den 26.- 28. August.
Auslöser der Brunft ist immer das Kahlwild und nicht das Wetter, wie manche behaupten. Deshalb halte ich auch die ganze Kahlwildschießerei vor der Brunft für unangebracht. Wer das Kahlwild im Revier hat, bei dem findet auch die Brunft statt. Auslöser der Brunft ist meist ein feistes Schmaltier.
Dieses wird dann von einem Hirsch 2 Tage lang gegen den Wind getrieben
und zieht die ganze Corona von Hirschen hinterher. Dann ist oft der ganze Spuk vorbei und die Jäger schimpfen auf die schlechte Brunft in diesem Jahr.
Am 5. September stand meinem Hirschruf, morgens ein sehr guter Hirsch zu.
Es war ein alter Bekannter, über den ich schon einmal berichtet habe. Er war auf der Suche nach Kahlwild und zog bis fast unter die Kanzel. Was für ein Hirsch? Am 12.September riefen gleich 5 Hirsche im Revier.
Will man Hirsche in der Brunft beeindrucken oder mit dem Ruf heranreizen, ist es erforderlich, dass man sich in die Situation, in der sich der einzelne Hirsch gerade befindet, hinein denken kann. Hirscherufen hat nichts mit der
Blattjagd auf den Rehbock zu tun und die Brunfthirsche drängeln sich nicht
"totgeschossen" zu werden. Viel Musik hilft nicht unbedingt.
Nach einigen Überlegungen imitierte ich einen mittelalten Hirsch und setzte den Sprengruf hinten an. Und prompt erhielt ich Antworten. Mit dem Zielstock hieb ich einige Male mächtig in die Buchen und hatte zutun schnell genug auf der Kanzel zu sein, denn schon sah ich rot. Meine beiden DJT lagen ganz ruhig im Kanzeleinstieg und windeten in Richtung des heranziehenden Wildes. Es war ein geringer 2 - 3-jähriger Achter, der mich suchte und den mir Diana dann auch förmlich in den Schoß warf. Seine Erlegung war keine jägerische Großtat.
Dann reisten die Jagdgäste an und mir wurde der Pirschbezirk gesperrt, was ich verstehen kann. Zum Glück habe ich gute Freunde, die mich umgehend baten zur Hirschbrunft anzureisen und mit dem Ruf dem Jagdherren zum Erfolg zu verhelfen. Fremde Reviere üben immer einen besonderen Reiz auf mich aus, weil die Jagd überall anders ist. Es gelang mir bereits während des zweiten Ansitzes 3 Hirsche dem Jagdherren vor die Büchse zu holen, wovon er den Schwächsten mit einem sauberen Blattschuß erlegte. Die nächsten Tage jagte ich im angrenzenden Bundesforst und verhalf einem Jagdgast zu einem wirklichen kapitalen 18.-Ender von etwa 9 - 10 kg-Geweihgewicht.
Diese beiden Hirsche brachten mir neue Jagdfreundschaften und Einladungen für diesen September.
Die wirklich hohe Zeit des Rotwildes, die bekannten 10 Tage, ist bei uns um den 24./25. September. Am 28.September war ich wieder im heimischen Revier. Die Jagdgäste waren schon abgereist.
Ich war zeitig im Revier und wollte mich über die Brunftsituation informieren.
Überall standen Fährten von Hirschen und Autos von Pilzsuchern. Erst in der Dämmerung rief in der Ferne ein Hirsch. Dann kam der Mond über den Hochwald und der Fuchs braute über dem Luch. Was hilft in dieser Situation
das Horn und der beste Ruf, wenn ich den Geweihträger nicht ansprechen kann. Dennoch vergingen Stunden in der Waldeinsamkeit bis am späten Abend vier verschwommene Gestalten auf der sumpfigen Wiese, mit dem Seckengras, auszumachen waren. Die eine bedeutend größer, stärker - der Hirsch. Er streckte den Träger, neigte das Geweih, blieb aber stumm. Ich konnte es nur ahnen als sehen, es war weit, so etwa 200 Schritt. Der volle Mond stand hinter ihm, in seinem Licht zeichneten sich die Wildgestalten dunkel ab. Ich zog mich unter die hearbhänden Zweige der Randfichten zurück, damit mein Glas nicht in den Strahlen des Mondlichtes glänzte.
Der Hirsch stieß einen Trenser aus und sprengte ein Schmaltier hin und her.
Meiner kleinen Hündin war die Erregung anzumerken. Mit der rechten Hand
hielt ich das Doppelglas und mit der Linken streichelte ich die Kleine.
Der Hirsch hatte das Schmaltier inzwischen bis auf etwa 80 m heran getrieben und verschwand in einer Bodensenke, die vom Mondschein bestrahlt war und über der milchweißer Bodennebel lag. Ich nahm mein Ochsenhorn (eigentlich von einer Galloway-Kuh, welches ich auf Pergamentstärke herunter geschmirgelt habe) und schrie langgezogen, sehnsuchtsvoll, wie ein Jüngling, den die Brunftwitterung des Kahlwildes unwiderstehlich herangezogen hatte. Der treibende Hirsch verhoffte sofort, warf auf und äugte in meine Richtung. Vor dem Hintergrund der weißen Nebelwand zeichnete er sich im Gegenlicht so klar ab, als ob er im Tageslicht stand. Ich sah einen starken Träger und eine deutlich herbfallende Hinterhand. Ohne Zeifel ein alter, reifer Hirsch. Das Geweih war nur mittelmäßig hoch, doch gut geschwungen und ich hatte das Gefühl, dass die Stangen auch dick sein müßten. Auf der rechten Stange eine auseinandergezogene Viererkrone, vielleicht auch eine Wolfssprosse darunter. Aber links über der Mittelsprosse nur ein langer, dicker Dolch.
Das war der richtige Hirsch nach meinem Geschmack - doch ein Hirsch im Jagdjahr reicht mir und dieser war auch nicht für mich bestimmt.
Vorsichtig zerbrach ich ein Fichtenreis und noch eins. Das Kahlwild zog in den gegenüberliegenden Bestand und nahm den Hirsch mit. Die Bühne war wieder leer und ich begab mich, mit meiner DJT-Dame, auf den Heimweg.
Am anderen Morgen war ich, verrückter Kerl, schon wieder auf den Läufen
und bekam diesen Kapitalhirsch, im ersten Morgengrauen in Anblick. Was für ein Hirsch? Ich denke mal, dass ich ihn nicht wiedersehen werde, denn ich habe das Revier gewechselt, mich aber nicht verschlechtert und hoffe auf
erlebnisreiche Tage während der hohen Zeit unseres Rotwildes.

Gangloff
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Gangloff

Gangloff

Alter: 71 Jahre,
aus Oranienburg

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Kommentare

12.08.2012 16:54 rexeisen
Schöne Geschichte. Freu mich auch schon wie ein kleines Kind auf die hohe Zeit. Mal sehen wie es Heuer wird. Schreib uns doch deine Erfahrungen im neuen Revier.
WH

12.08.2012 19:49 BigAnimalCinema
Dein Wissen über das Rotwild beiindruckt mich immer wieder!!
Toll geschrieben man fühlt mit.

Gruß
12.08.2012 21:54 Hesse
In gut einem Monat ist es wieder soweit. Die Spannung steigt! Ob 2012 ein gutes "Hirschjahr" wird? Oder spielen Klima, Niederschläge oder Feldfruchtanbau hier eine eher untergeordnete Rolle? Was meinst du?
LG
Peter
13.08.2012 10:09 Gangloff
BigAnimalCinema schrieb:

Dein Wissen über das Rotwild beiindruckt mich immer wieder!!
Toll geschrieben man fühlt mit.

Gruß

13.08.2012 10:31 Gangloff
Hesse schrieb:
In gut einem Monat ist es wieder soweit. Die Spannung steigt! Ob 2012 ein gutes "Hirschjahr" wird? Oder spielen Klima, Niederschläge oder Feldfruchtanbau hier eine eher untergeordnete Rolle? Was meinst du?
LG
Peter

Hallo Peter,
die Zeitschrift unsere Jagd hat sich in der letzten Ausgabe diesem Thema gestellt und ich hoffe auf viele Leserantworten.
Tatsache ist, dass die Trophäenstärken der Rothirsche in M - V, Brandenburg, S - H und auch im Harz zunehmen und noch kein Ende abzusehen ist. Mit dem Typ des ewigen Achter beim Harzhirsch ist es vorbei. In S - H wurde ein sehr starker Hirsch von 13 kg erlegt.
Starke Hirsche gab es in M - V und Brandenburg schon immer. Ich kenne 6 Spitzentrophäen aus M - V, die vor 1945 erbeutet wurden, und denke mal an den Moritzburger 66-Ender, der ja ein Brandenburger ist. Damals gab es noch keinen 00-Raps und Maisanbau.
Die gegenwärtige Entwicklung unterscheidet sich nicht in Vor- und Nachwendezeit.
In M - V und Brandenburg kommen gegenwärtig, bei sinkenden Beständen, unter den Erntehirschen, etwa 2/3 im dominierenden Punktebreich von 210 - 220 IP zur Strecke.
Etwa 25 % der Trophäen liegen im Punktebereich von 220 - 230 IP und 6,5 % liegen über 230 IP. Die Spitzenhirsche beginnen jetzt bei Geweihgewichten um die 10 kg und 225 IP, die "weißen Raben" um und geringfügig über 12 kg bei 240 - 255 IP.
Ruhe, gute Äsung, gesunde Umwelt haben zur Herausbildung eines neuen Phänotyp's des Nordens geführt, der sich deutlich von anderen
Hirschtypen, durch seine grobe Körpermasse
und starke Geweihbildung hervor hebt.
Klima und Sonnenstrahlung während der Kolbenzeit hat gewiss auch seinen Einfluss.
In freier Wildbahn hat sich ein Rothirschtyp entwickelt, der alles was die Romintener Heide u. a. Gatter hervorbrachten, in den Schatten stellt.
13.08.2012 13:28 Dackelbiene
Hallo Rüdiger,
dann wünsche ich Dir im neuen Revier guten Anblick und auch Weidmannsheil!
Nach Wochen der Ruhe ist auch bei uns wieder das Rotwild zu fährten.

Grüsse Sabine
13.08.2012 17:30 Gangloff
Dackelbiene schrieb:
Hallo Rüdiger,
dann wünsche ich Dir im neuen Revier guten Anblick und auch Weidmannsheil!
Nach Wochen der Ruhe ist auch bei uns wieder das Rotwild zu fährten.

Grüsse Sabine


Hallo Sabine,
es ist bei der Jagd,wie im Leben auch, nie alles Gute zusammen. Neben einem guten Wildbestand suche ich im Revier Freude und Ruhe. Beides habe ich gefunden - auch wenn ich jetzt auf einer ganz anderen Seite stehe.

Beste Grüße
Gangloff
13.08.2012 17:53 flotthund
Schön wenn Jäger sich auch nach vielen Jagdjahren immer noch auf die Brunftzeit freut. Schön auch wenn es noch öffentliche Forsten gibt, die das Erlebnis Rotwild und die Jagd auf diese Wildart möglich machen. Die Tendenz sieht ja leider etwas anders aus. Ich freue mich auch schon, wenn dann die ersten Hürsche schreien. Dann beginnt das Jagdjahr erst so richtig. Und danach gleich noch die Damwildbrunft. Weidmannsheil!
13.08.2012 17:58 Gangloff
flotthund schrieb:
Schön wenn Jäger sich auch nach vielen Jagdjahren immer noch auf die Brunftzeit freut. Schön auch wenn es noch öffentliche Forsten gibt, die das Erlebnis Rotwild und die Jagd auf diese Wildart möglich machen. Die Tendenz sieht ja leider etwas anders aus. Ich freue mich auch schon, wenn dann die ersten Hürsche schreien. Dann beginnt das Jagdjahr erst so richtig. Und danach gleich noch die Damwildbrunft. Weidmannsheil!


So ist es - eigentlich hat der Jäger im September/Oktober für nix anderes so richtig Zeit. Ach könnt es Herbst im ganzen Jahre bleiben.

Gangloff
15.08.2012 20:02 BigAnimalCinema
Ich fiebere auch meiner ersten Brunft entgegen desto öfter ich diesen Text lese desto größer wird die vorfreude. Nur wann es so weit ist steht noch in den Sternen

Gruß
16.08.2012 10:13 Gangloff
BigAnimalCinema schrieb:
Ich fiebere auch meiner ersten Brunft entgegen desto öfter ich diesen Text lese desto größer wird die vorfreude. Nur wann es so weit ist steht noch in den Sternen

Gruß



Bereits gegen 18.30 Uhr sehe ich 2 Schmaltiere mit insgesamt 4 Kälbern auf einem schmalen Grasband. Die beiden Tanten passen auf die Kälber auf. Ein typischer Kindergarten.
gegen 19.00 Uhr treten die Alttiere dazu.
Es beginnt ein munteres Treiben. Später höre ich das Klacken von Geweihstangen. Drei jüngere kronenhirsche schieben sich in den Blaubeeren hin und her. Sie "scherzen" und erproben ihre frisch gewonnene Hauptzier.
D.h., die Hirsche zieht es schon in die Nähe des Kahlwildes.
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