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Der "Geheimrat" Der alte 14--Ender
1029 mal angesehen
07.08.2012, 09.33 Uhr

Hirschjagd in Brandenburg

Vorbemerkung: Bereits vor 3 Jahren haben Rüdiger und ich im "Pirsch-Forum" schon ein wenig über diese Jagd berichtet. Hier mein Bericht im Zusammenhang und auch zur Einstimmung auf die bevorstehende Brunft 2012:

Die Jagd

Nach mehreren Jahren Hirschjagd-Enthaltsamkeit und mit freundlicher Zustimmung des weiblichen Familienvorstands wollte ich in 2009 wieder einmal eine Hirschbrunft und Jagd in einem deutschen Landesforst erleben. Es mag für Viele ein unverständlicher, da leider etwas unökonomischer Wunsch von mir sein, aber den Hirsch wollte ich, wie schon in früheren Jahren, in Deutschland bejagen. Ohne Beute den Heimweg antreten zu müssen, ist dabei das schon wiederholt erlebte, große Risiko. Die Freude an einem mit Mühen, Glück und Können erlegten Hirsch dagegen der hier mögliche große Gewinn. Rüdiger, der von mir zurate gezogene Jagdfreund und Kenner der ostdeutschen Rotwildjagd, hatte mir die brandenburgische Oberförsterei Liebenwalde empfohlen, die auch sein eigenes, ihm bestens bekanntes Jagdgebiet mit einschließt.

Auf Grund meiner früheren, in MV gewonnen Erfahrungen hatte ich angenommen, dass auch die Hirsche bei Liebenwalde etwa ab dem 10. September in die nötige Brunftstimmung geraten werden. Aber die dortigen "Brandenburger" scheinen wohl eher später zu starten und so wurde meine Anreise auf Sonntag, den 20. September vereinbart. Wie ich von Gerald, dem mir beigeordneten, sehr sympathischen Förster und Jagdführer am Anreisetag erfuhr, war die Brunft hier noch immer nicht so richtig in Gang gekommen. Nach der vor Jagdbeginn obligatorischen "Belehrung" des Jagdgastes über seine Rechte und Pflichten, durfte ich – allerdings noch ohne Gewehr und Führer - schon am Sonntagabend im Revier Bernöwe zu einem "Schnupperansitz" auf eine der aussichtsreichen Hirschkanzeln steigen.

Gespannt erwartete ich dort das erste Melden eines Hirschs. Und richtig, schon kurz nach 18Uhr meldete ganz in der Nähe ein Hirsch mit tiefer Stimme. Aber ab dann war Ruhe. Nur das ständige Plumpsen der von den nahen Roteichen herab fallenden Eicheln war zu vernehmen. Dann ein lautes Knacken auf der Rückseite der Kanzel, und ein junger 6-er Hirsch arbeitet sich dort durch den mannshohen Adlerfarn. Schon im Dämmerlicht meldete noch einmal der nahe, aber unsichtbare Hirsch und zuletzt konnte ich für Sekunden doch noch einen flüchtigen Blick auf ihn werfen. Ein starker, beidseitiger Kronenhirsch war es, aber mehr von ihm war nicht zu erkennen. Gut so! Mehr hatte ich auch nicht von dem ersten, ja noch inoffiziellen Jagdabend erwartet und dieser Anfang war vielversprechend.

Da es sich vermutlich um einen alten, jagdbaren Hirsch gehandelt hatte, bestiegen wir bei noch völliger Dunkelheit am Montag und Morgen des ersten Jagdtags den Hochsitz des Vorabends. Zuvor hatte ich Gerald gebeten, mich möglichst nicht sofort und schon am ersten Tag, ja womöglich gar am ersten Morgen zum Erfolg kommen zu lassen. Eine Bitte, die, das wusste ich, eine rechte Zumutung war, denn bei der Jagd muss geschossen werden, wenn "es" passt und nicht wenn und wann dem Jäger es passt. Ganz davon abgesehen, dass jeder Jagdführer gewiss froh ist, wenn sein verdienter Nachtschlaf nicht allzu sehr unter der Hirschjagd leidet. Aber diese Sorge wurde mir schon bald genommen, denn schon nach dem ersten Jagdtag - kein Hirsch war am Morgen und Abend des ersten Tags zu hören - deutete sich an, dass mein Wunsch nach einer nicht zu schnellen und einfachen Jagd vermutlich mehr als nötig in Erfüllung gehen wird.

Auch der zweite Jagdtag verlief in Ruhe und ohne besondere Ereignisse. Die Hirschbrunft schien dank der sommerlich-warmen Temperatur wie eingeschlafen. Nur einmal meldete am späten Morgen aus dem schon zum Nachbarrevier Schmachtenhagen gehörenden Luch ( Bruch ) ein Hirsch, um sich dann seiner Morgensiesta zuzuwenden. Aber stattdessen konnte ich die außergewöhnliche Vielfalt und Schönheit meines Jagdgebiets näher kennenlernen.
Ganz nahe am Oder-Havel-Kanal gelegen und eingebettet in die nur wenige Meter höher gelegenen Waldbereiche befinden sich dort große Wiesen und das Luch, eine unzugängliche, mit Erlen, Weiden und Schilf bewachsene Sumpfzone, die eine kaum durchdringbare, urwaldähnliche Wildnis darstellt. Vor allem im Luch bezieht das Rot- und Schwarzwild seine Tageseinstände, Suhlen und Kessel. Hier ist es völlig ungestört und auch die Brunft findet nicht selten dort an Stellen statt, an die ein unbemerktes Herankommen fast unmöglich ist.

Am Morgen des dritten Jagdtags wollten wir eine neue Strategie versuchen. Diesmal, geführt vom Jagdleiter des Forstamts, sollte ein im Luch stehender Hirsch angegangen werden. Es handelte sich bei ihm um einen alten Bekannten und höchst vorsichtigen Waldgeist, der in den zwei vorangegangenen Jahren bereits vergeblich bejagt worden war. Der Hirsch stand immer am Tag mit einem brunftigen Stück Kahlwild im Luch und verließ den Sumpf nur während der Dunkelheit, um sich beim ersten Hahnenschrei mit seiner Dame wieder dorthin zurückzuziehen.
Und genau so geschah es auch bei uns. Hinter dem nur müde meldenden Hirsch her pirschend, konnten wir nur einmal einen flüchtigen Blick von ihm erhaschen, kurz bevor er im Dickicht des Sumpfs verschwunden war. Noch am selben Abend zogen wir daher zusammen mit Jagdfreund Rüdiger, den wir als kundigen Hirschrufer verpflichtet hatten, zu diesem, "unserem" Hirsch an den Rand des Luchs. Aber alles Bemühen - und selbst Rüdigers kunstvolles Röhren - konnten ihn nicht dazu bewegen, sich auch nur einen Schritt uns zu nähern. Ja, nicht einmal eine Antwort waren wir ihm wert.

Ganz ähnlich erging es uns am vierten Tag. Der "Geheimrat" im Luch, wie wir ihn nun nannten, meldete nur ein einziges Mal während eines Erkundungsgangs am frühen Nachmittag. Er war also da, aber ließ sich nicht blicken und unsere Hoffnung auf Erfolg hatte inzwischen bereits eine deutliche Schramme abbekommen. Und so nahte der Morgen des fünften und letzten Jagdtags und die Devise lautete: diesen Hirsch oder keinen!
Zum ersten Mal schrie und orgelte unser Hirsch mit voller Kraft. Noch in finsterer Nacht stand er am Rande des Luchs auf einer mit Kiefern und Traubenkirschen bestockten Fläche. Von dort zog er im Morgengrauen langsam am Rand des Luchs entlang und schließlich, wie erwartet, wieder in den Sumpf hinein.

Auf leisen Sohlen und bei gutem Wind pirschten Förster Gerald und Jäger Peter ihm immer hinterher in Richtung Luch. Dort angekommen, stand der Hirsch wieder unsichtbar und ganz verdeckt von Schilf und Erlen recht weit entfernt im Sumpf und zog dann eifrig röhrend dem Kahlwild hinterher. Es war zum Verzweifeln, denn nur eine schmale Gasse bot hier etwas Einblick in das Baum- und Schilfgewirr. Nach vielen langen und bangen Minuten des Wartens und des vergeblichen Abglasens - es war inzwischen taghell geworden - tauchte schließlich doch ein starker Wildkörper, gut 100 Meter weit entfernt, am Ende der Gasse auf. Teilweise verdeckt von Schilf und Ästen, aber doch sicher genug den Hirsch vor uns zu haben, fiel - angestrichen an einer dicken Kiefer und unterstützt durch einen Haselstecken - der Schuss. Der Hirsch keilte aus, warf sich nach hinten herum und war verschwunden.

Puh…!! Der Schuss war draußen, ob der Hirsch lag? Wahrscheinlich schon, auch wenn am Anschuss keinerlei Pirschzeichen zu finden waren. Aber erst nach einer ganz kurzen Suche durch den herbeigerufenen BGS-Führer konnten der Jäger und sein Führer überglücklich aufatmen: der Hirsch,
ein gerader 14-ender, er lag - Halali !!!

Ja, so hatte ich es mir gewünscht, und dass es so kam, verdanke ich vor allem den Jägern und Förstern im "fernen" Osten, die in wenigen Tagen mir hier zu Freunden wurden. Und dies alles in einer herrlichen Landschaft und in urwüchsiger Natur, wie sie in Deutschland selten geworden ist. Meine Tage als Jagdgast in Brandenburg, sie waren sehr, sehr schön!


Peter
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Hesse

Hesse

Alter: 74 Jahre,
aus Südhessen
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Kommentare

07.08.2012 10:00 Dackelbiene
Hallo Peter,
schön geschrieben ... ich dachte erst, du bist aktuell wieder auf Brandenburgurlaub !

Liebe Grüsse und Weidmannsheil!
Biene
07.08.2012 10:22 Gangloff
Hallo Peter,
dein Bericht und die Bilder bringen bei mir goldene Erinnerungen - obwohl es ein "Silberhirsch" wurde.
Es war eine spannende und herausfordernde Jagd, die dich, wie ich sehe, noch immer packt
und an diese wunderbare Zeit und an das Revier erinnert.
Für die diesjährige Hirschbrunft wünsche ich dir
Weidmannsheil. Wir werden uns dann bestimmt treffen.

Beste Grüße
Gangloff
07.08.2012 12:34 swinging_elvis
Ja das stimmt ein... Klasse und Waidmannsheil! El
07.08.2012 13:34 Pudelpointer79
Die Jagd auf den Hirsch ist etwas ganz besonderes! Die Pirsch sowieso! Ein kräftiges Waidmannsheil!!!!
07.08.2012 13:56 Remmi
Waidmannsheil! (auch wenn es schon ein paar Jahre zurück liegt).
Die Jagd in einem Luch kann ich gut nachvollziehen.
entweder man sieht nix, oder steht bis zum ...im Wasser
07.08.2012 17:57 Stephan83
Waidmannsheil zum Hirsch, auch für dieses Jahr! Klasse geschrieben.

Gruß und Wmh, Stephan
07.08.2012 18:02 Hesse
Dackelbiene schrieb:
Hallo Peter,
schön geschrieben ... ich dachte erst, du bist aktuell wieder auf Brandenburgurlaub !

Liebe Grüsse und Weidmannsheil!
Biene


Hallo Biene, Rüdiger, et al.
Danke für eure Zeilen! Meine Brandenburger "Heimsuchung" + Jagd beginnt erst Mitte September.
Auch ich wünsche euch allen viel Weidmannsheil !!
LG
Peter
07.08.2012 18:44 Lars11
Schöne geschrieben! Und vor allem Waidmannsheil! Ich kenne das Revier nun auch schon ein paar Jahre, da wir seit ca. 10 Jahren dort jedes Jahr zu Drückjagd fahren. Ein traumhaftes Revier.

Da freu ich mich doch schon wieder auf den Novemnber!

Gruß Lars
08.08.2012 13:40 Dackelbiene
Hesse schrieb:
Hallo Biene, Rüdiger, et al.
Danke für eure Zeilen! Meine Brandenburger "Heimsuchung" + Jagd beginnt erst Mitte September.
Auch ich wünsche euch allen viel Weidmannsheil !!
LG
Peter

Hallo Peter ...
na dann wünsche ich Dir vorab schon schöne Tage im brandenburger Land, guten Anblick und Weidmannsheil !!!

Biene
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