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Jagagschichtn

(7 Einträge)

363 mal angesehen
06.08.2012, 11.09 Uhr

Bayrische Charaktäre erklärt anhand eines Wirtshausstammtisches

Der Text is n Versuch, Charaktäre, Organisationen und ihre Beweggründe anhand eines Stammtisches zu erklären.

Die Regierung:respektive Der Husserer

Eine weit verbreitete Freizeitbeschäftigung ist in Bayern das "polütiisiern".
Vorwiegend frönt der konservative Bayer diesem gesellschaftlichen Ereignis
sonntags, zwischen der Kirch und dem Schweinsbraten mit Knödeln, der schon am heimischen Herd dahinkocht.
Die politische Bühne, ist weder ein Plenarsaal, keine Ratshalle, nein, der Austragungsort der höchst brisanten Dischkrisionen ist das Dorfwirtshaus, danebst der Kirche, der Ober- oder Unterwirt, zum Ochsen oder beim Maxen,
im Stüberl oder beim Reserl, egal, sie haben alle eines gemeinsam, die Örtlichkeit ist bestens zum palawern geeignet, die Vorräte an Gurgelspülern und Meinungsverstärkern ist unaufbrauchbar, der ehrenwerte Vorsitzende, in diesem Fall der Wirt wartet schon sehnsüchtig auf seine Parlamentarier und auch der Geheimhaltungsstatus ist gegeben, denn die paar Gesprächsfetzen und Beller, die die auswärtigen Urlauber, die gewöhnlich schon seit halb elf ausgehungert in den Wirtshäusern herumlungern und gar nicht verstehen mögen, dass die Bedienung vor halb zwölf jede Kundschaft, die aussieht, als bräuchten sie feste Nahrung, ignoriert, also, die paar Gesprächsfetzen, die jene ausgemergelte mitkriegen, die verstehen sie nicht und tun sie es doch, dann verstehen sie den Zusammenhang nicht.

Nun ist es 10 nach zehn, die Sitzung wird eingeläutet. Das Einläuten der Sitzung beginnt mit dem Ausläuten der Kirche.Die Parlamentarier streben
ihrer Arena zu, begrüßen den Vorsitzenden Ratspräsidenten und nehmen Platz.

Sie können sich allerdings nicht in Fraktionen zusammensetzen, denn diese ändern sich von Wochenende zu Wochenende und ab und zu sogar während des Dischkurs. ( Als Vorbild dient hier das Schafkopfen, man sagt an und wartet ab, mit wem man zusammenspielt)
Da wir hier in einem Jagdforum sind, sitzen heute an dem Tisch der Großbauer, der Austragsbauer, natürlich der Jäger, in unserem Falle wieder jener Dammerl uas dem Geschlecht der Kranzbinder, der Gschwendnter, ein Vertreter einer Bayrischen Landhandelsgesellschaft, und da Lehrer und dessen Frau, da Förschter is auf Weiterbildung, da Viecharzt hat Darmsausen, also es werden nimmer mehr.
Gerade als die Amrei ( die Bedienung, dazu nachher später) die Biere und Radler auf den Tisch stellt, dazu einen Hibiskustee für die Frau Lehrer, öffnet sich die Tür, und der Spitz tritt ein.
Dem Herrn sei Dank, denn der Spitz vertritt eine bayrische parlamentarische Besonderheit, den Husserer. Der Spitz wirkt ungekämmt, und arg gebeutelt, ja annähernd schwindsüchtig.Seine Augen, blau auf gelbem Grund, lassen von langer und harter politischer Tätigkeit ahnen. Er hat den ersten Teil des politisierens ( den Segen Gottes) ausgelassen, ist erst mit den Kirchenglocken aus dem Bett gehastet und schnell nach dem hastigen Schluck aus einer Steinflasche mit einem ganz besonderen Sud aus etwas Minze, einer Spur Arnika und viel Alkohol dem Wirtshaus zugeeilt.
DIe Rolle der Regierung übernimmt heute der Großbauer, er fordert, natürlich mit parlamentarischer Spitzzüngigkeit:" Soooo, der Jaaagaaa, ham ma am Sonntag Zeit, uns auf a Bier zum sitzen? Wär´n da net lieber a paar Reh hinten an meiner Anpflanzung zum schiassn?" Damit legt er das Hauptthema der heutigen Sitzung vor, die Experten stellen sich darauf ein. Alle überlegen schnell, wo sie bei diesem Thema stehen, ausser der Jäger, den brennt schon jetzt der Sod, und der Spitz, der bestellt sich bei der Amrei ein Helles und einen doppelten Vogelbeerengeist, zwecks den Vitaminen.Die ist auch höchst wichtig für ihn, denn bei seiner Aufgabe sind meist sechs Doppelte besser als drei.
Der Jäger, nun automatisch in der Opposition erwidert :"Da hinten gengan no zwei Reh, a Spießer und a Schmal, Gschwister vom letzten Jahr, de wirst aushalten, oder stürzen´s de in Ruin, wenn amal a Tannerl verbissen is" Der Austragsbauer lächelt, der Jager oppositioniert ausgezeichnet, das scheint eine vielversprechende Sitzung zu werden...
Der Spitz, der weiss, dass bei diesem Thema die Emotionen schnell hochkochen können, bestellt sich bei der Amrei, die dem Großbauern zuzwinkert, noch schnell zwei Doppelte.
So nun halten sowohl Regierung als auch Opposition ihre Plädoyers, als der Vertreter,der als Lobbyist fungiert einwirft: " Ja Bauer, dann muasst as halt einzäunen dei Pflanzung", darauf schaltet sich der Austragler ein, der mit seinen 72 Jahren die historischen Fakten kennt:" Ja is schon klar, und von dir an zaun kaffa, du Zigeuner du hinterkünftiger! Es habt´s uns schon vor fuffzig Jahr bschissn!"

Die Regierung und die Opposition streiten sich unterdessen weiterhin ums Hauptthema, während rundum die Fachgespräche der Unterhändler laufen.
Die Regierung meint" I zäun net, s Holz muass ohne Zaun wachsen, wenn, dann zäunst du mir ein, Jager, wennst deine Reh net anders Herr wirst. UND JETZT DIE BESONDERHEIT: Der Spitz, nun nach etlichen Vogelbeeren gewappnet: wirft in Richtung der Opposition ein "Zäunen, jaja zäunen soll er, unser Herr Jääääger, hörst des, Jaga, ja warum zäunst du denn dem Bauern net?", die Opposition erwidert" Des wirst du net derleben, dass i dir dein Holz zäun!", der Husserer flötet "Tut er net, na, tut er ganz gewiss net, unser Herr Jäger, der zäunt ddir net,!, er is ja durchaus gar nicht dein Knecht und ausserdem hast du Geld gnug, de fressen di scho schon net zamm, die Reh."

Der Husserer hält also zum Jäger, zumindest augenscheinlich. Beim Husserer kann man sich nicht darauf verlassen, dass er die Meinung vertritt, die er nach aussen propagiert, aber nun erst nochmal an Schnaps, um die Flöte in der Stimme zu ölen, und zwar von der Amrei, die die Bestellung aufnimmt, dann zum Jager geht, die Hand auf seinen Oberschenkel legt und ihn aus kurzer Distanz leise frägt, ob er noch a Bier will. Dieser lächelt, bejaht um sich dann aber wieder in die Diskussion zu werfen.

Nun fordert die Regierung:" dann SCHIASS doch, wennst net zäuna willst, daschiass doch de REH!!"
Die Opposition lächelt, erwidert:" des wirst net derleben, dass i as letzte Reh daschiass.."
Der Husserer flötet: Na, des tuat er nicht! Er daschiasst es nicht, as letzte Reh! und wenn´s dich zammafrisst, daschiasst as nicht!, weil er nicht mag"
Man sieht, die Wichtigkeit des Husserers, er ist der Prellbock, einer dem alles ziemlich egal ist, meist Junggeselle, wenn nicht, dann bald, nicht zwingend Alkoholiker, aber ich persönlich kenne keinen, dem as Bier und der Schnaps nicht schmecken. Er fängt die Emotionen wie ein Blitzableiter, das die anderen Parteien auch noch die Woche darauf auf Augenhöhe miteinander kommunizieren können.
Regierung:" Spitz, wennst aber jetzt du amal d´Fotzn haltn tätst du blödgsoffener Hanswurst du?"
und jetz der Teil, warum der Husserer in der bayrischen Politik so wichtig ist:
Husserer:( 10 Doppelte, drei Halbe Bier) " Ja wia redst denn du müt mürrr? Das la la lass ü mür net gfalln, du Bauernfünfer!"
Das letzte Wort zwingt die Regierung zu sofortigem Handeln.
Der Tisch verstummt, als das klatschende Geräusch erklingt und es den Spitz von der Eckbank reisst, als hätt ihn der Blitz erschlagen. Die Regierung hat noch immer die flache Hand, groß wie ein Klodeckel, erhoben, falls der Pöbel nochmal rebellisch oder beleidigend wird, die Urlauber schauen entsetzt mit offenem Mund.
Der Vorsitzende bittet die Regierung, die Sitzung zu vertagen und sich unverzüglich aus dem Saal zu entfernen bis nächste Woche, die Oppsotition trinkt aus und geht auch, Der Historiker und der Lobbyist schauen auf ihre Gläser, da der eine verwitwet ist und der andere ein böses Weib hat, zu der er nicht nach Hause will, bestellen sie bei der Amrei, die ihnen während diesem Vorgang je mit einer Hand die Schultern tätschelt noch jeder eine Halbe ,und der Spitz findet, als er sich wieder auf den Tisch rappelt wieder ein Weizen und einen Doppelten Kurzen vor, bezahlt als Wiedergutmachung von der Regierung.
Nun treten der Lehrer und seine Frau auf, die Hilfsorganisationen. Sie bekräftigen den Spitz, richten ihn geistig wieder auf (körperlich tun es die Vitamine im Schnaps) und helfen ihm nach Hause, damit er sich von den Strapazen des Parlamentierens erholen kann.

Die Regierung geht nach Hause, isst sein Schweinernes mit Knödeln.
Die Opposition geht zur Pflanzung, begutachtet alles, stellt fest, dass ein Reh weniger dort nicht schaden kann und wickelt hier und da ein paar Flinserl Schafwolle um die ein oder andere Tanne.
Der Historiker und der Lobbyist haben mittlerweile Verträge über Saatgut, Aussenputz und eine Mistgabel abgeschlossen.
Der Husserer ist auf dem Sofa, dei Hilfsorganisationen beweihräuchern sich daheim auf der Veranda selbst.

Die Amrei bedient nun die geschockten Urlauber, grinsend, da sie weiß, dass mindestens Regierung und Opposition demnächst bei ihr am Fenster auftauchen werden, was ihrem Nebengewerbe Aufschwing verleiht, somit war sie die ganze Zeit der Mittelstand, der sein eigenes Supperl kocht, ohne sich als solcher erkennbar zu geben.
In der Woch darauf, treffen sich Regierung und Opposition, beide erheblich ruhiger, unterhalten sich über Gott und die Welt, lösen somit ihre eingenommen Plätze auf. Nun sprechen also der Bauer und der Jager, der eine einen Bock aus der Anpflanzung af dem Wildträger, der andere ein Flascherl selbstangesetzten zum Anstossen.

Am Sonntag nach der Kirch treten sie wieder ein: Die Regierung, diesmal der Jäger, der eine Schussschneise im Maisfeld fordert, um das Schwazwild zu bekämpfen,
Die Opposition, diemal der Bauer, der fragt, wer ihm den Ausfall an Mais zahlt,
Der Umweltschutzbeauftragte ist der Autragler, der über die Veränderung seit der Flurbereinigung referiert,
Der viechdoktor ist der lobbyist, Vorsitzender bleibt, der Mittelstand ist allgegenwärtig.

Die Woche darauf ist wie folgt:
Die Regierung: Der Lehrer, der fordert, mit seinen Flächen aus der Jagdgenossenschaft austreten zu dürfen, weil er die Jagd verabscheue, ( respektive weil er den Jager nachts am Fenster der Amrei erwischt hat, zu dem er grad selber auf dem Weg war, da seine Frau auf einem Kurs zum Heiltrommeln war)
die Opposition: der Austragler, der Vorstand der Jagdgenossenschaft ist, und diese nicht geschwächt sehen will,
Als Fachmännder dienen Jager und Bauer, nun unzertrennlich , der Jager, weil er Fläche verliert, und nimmer flächendeckend jagen kann, der Bauer, weil er an den Grund des Lehrers angrenzt, der nicht mehr bejagt werden soll,und Angst hat, das die Nachbarflächen zum Sauengroßeinstand werden.
Der Vorsitzende ist eine Sie, und zwar die Gemahlin des Wirtes, da dieser Gicht hat.Diese beäugt den Mittelstand durchaus kritisch und traut ihm nicht über den Weg, da sie ihn für käuflich und liederlich hält.

Man sieht, die Positionen der Politisierer ändern sich stetig, normal von Woche zu Woche, ab und zu aber auch im Laufe einer Sitzung.
Die einzige Konstante ist und bleibt der Husserer. Dieser sorgt dafür, dass durch gezielte Einwürfe in jedwede Richtung die Stimmung zum Kochen kommt, unter enormer Gefahr für leib und Leben ( Ich meine jetzt eher den Schnaps als die Schellen).

Hoffe, ich konnte das bayrische politikverständnis mit diesen Zeilen erläutern und verständlich machen.

Liberalitas Bavariae


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tomhaus

tomhaus

Alter: 34 Jahre,
aus m Boarischn Woid
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Kommentare

06.08.2012 11:45 vierfuessler
Sagenhaft beschrieben
Du bist ja eh der Roider Jackl an der Tastatur!
06.08.2012 11:47 tomhaus
Oh mei, na!

Aber gestern beim Frühschoppen nach dem Blatten is es mir wie Schuppen von den Augen gfalln! Nur d Amrei heisst Evi
06.08.2012 14:50 Stephan83
Und, bist vom Lehrer beim Fensterln erwischt worden?

Gruß und Wmh, Stephan
06.08.2012 17:22 tomhaus
Stephan83 schrieb:
Und, bist vom Lehrer beim Fensterln erwischt worden?

Gruß und Wmh, Stephan



Ich?
Niemals
07.08.2012 10:31 gipflzipfla
servas @tomhaus,
donkschean fia des Aufzoagn.. ma mechat moana, du hättst bei uns ins da Witsschtubn eine gschpinxt
Und wonn sich Regierung, Opposition, da Hussara und da Mittlschtond wieda oanig san, donn kriagn söbst die Preissn bei Eich no a Schweinanes mit Knedl und oam Sauakraut dazu.

Auf oa Hoilbe... wohl bekomms

A so, jo... i hob mi fost on gebrunzt, vua lauta Lochn!
Und jetzan muass i, oba schnöll....
07.08.2012 14:27 Kija
Weiterbildung für Preussen Spitze
Gruß Kija
07.08.2012 14:48 tomhaus
Kija schrieb:
Weiterbildung für Preussen Spitze
Gruß Kija



Ja, i hab dacht, wegen dem Fred von wegen Grenzen in den Köpfen zwischen Ost und West, Nord und Süd usw.. so schür ich das Völkerverständnis
07.08.2012 14:55 tomhaus
gipflzipfla schrieb:
servas @tomhaus,
donkschean fia des Aufzoagn.. ma mechat moana, du hättst bei uns ins da Witsschtubn eine gschpinxt
Und wonn sich Regierung, Opposition, da Hussara und da Mittlschtond wieda oanig san, donn kriagn söbst die Preissn bei Eich no a Schweinanes mit Knedl und oam Sauakraut dazu.

Auf oa Hoilbe... wohl bekomms

A so, jo... i hob mi fost on gebrunzt, vua lauta Lochn!
Und jetzan muass i, oba schnöll....




Passt, wenn s da gfalln hat.
07.08.2012 21:23 trallalla
genial geschrieben, hab´mich kringelig gelacht und immer noch ein fettes Grinsen im Gesicht
07.08.2012 22:16 tomhaus
trallalla schrieb:
genial geschrieben, hab´mich kringelig gelacht und immer noch ein fettes Grinsen im Gesicht

Dank dir recht schön. Freut mich, wenn jemand über meinen schmarrn Lachen kann
08.08.2012 07:16 Kija
tomhaus schrieb:
Ja, i hab dacht, wegen dem Fred von wegen Grenzen in den Köpfen zwischen Ost und West, Nord und Süd usw.. so schür ich das Völkerverständnis

08.08.2012 15:43 DuggaBoy1
Bin nicht so oft in bayrischen Gaststubbn unterwegs, aaaaber auf der Jagdhuettn, do is as das gleeiche.

Gott, Herr im Himmel und wie angefasst diese Bayern immer gleich sind wenn ihnen ein Aussenstehender den Spiegel vorhaellt
08.08.2012 17:56 vanHelsing
Danke! einfach herrlich...

der Helsing
09.08.2012 13:42 Biobauer
genial.
fast wie bei uns, leider aber nur fast, weil bei uns der vorsitzende sowohl jäger wie bauer is und deswegen imma irgendwie der depp is......
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