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Jagagschichtn

(7 Einträge)

531 mal angesehen
21.07.2012, 00.20 Uhr

Es war einmal - auf Habicht mit dem Huhn

Kranzbinder, so nannten sie ihn, der Kranzbinder Dammerl. Häusler war er, die Vorfahren verdienten sich ihr Geld mit dem binden von Tür - Advents- und sonstigen Kränzen. Ausserdem machten sie Musik, fast die ganze Familie war musikalisch - ja nur der Dammerl, der machte sich net viel aus dem Sitzen in den Stuben und Wirtshäusern. Nicht, dass er es überhaupt nicht leiden konnte, nein, gerne trank er einmal "a gscheite Mass" und dischkrierte und politisierte in einem der zahlreichen Wirtshäuser.
Nur allzuoft gönnte er sich das nicht, einerseits war ihm das bisschen Geld, das er hatte zu sauer verdient, andererseits trieb es ihn raus.
Keiner konnte ihm sagen, woher er das heisse Jagabluat hatte, keiner in der Familie war vor ihm von diesem Fieber befallen.
Aber den Dammerl riss es hin und her, wenn er nicht rauskam, in das Revier, in dem er Jagdghilf war.
Nun, da die Blattzeit unweigerlich anrückte, die ersten Böcke trieben ja bereits, machte er sich wieder auf den Weg zum Hof seines Jagdherren. Zu Fuß beschritt er die schlechte Strasse, eine Stunde und eine halbe dauerte der Fußmarsch bei gutem Tempo. Sein Hundl trabte neben ihm her, der Hahndrilling hing ihm von der Schulter.
Beim Hof des Jagdherren angekommen hielt er sich nicht lange mit dem "Charmonisieren" auf, wie sie s hier nannten, umging das Weibsvolk, dass sich, nach getaner Arbeit auf der Gred tummelte und einen Schwatz hielt.
Das Angelusleuten zur sechsten Stunde war ja auch schon eine zeitlang verstummt.
Direkt ging er auf der Rückseite in den Stadl, wo er den Jagdherren antraf :"Griaß di Gott, gehst ebba heid naus?" schallte es ihm entgegen, "hm ja, schaun `s Böck treim" brummelte er zurück. "Dann schaust nunter auf d Muschewies, da hat gestern da Hehnahacht an Fasanahoh gstossn, da muss a Korb hin." Dammerl kniff die Augen zusammen. Da Habicht - ausgerechnet da unten, wo s bei uns eh schon nimmer viele Fasanen hat, ausgrechnet da. In einem kleinen Teil des weitläufigen Reviers kamen noch die typischen Niederwildarten vor. Nicht nur der Feldhase war auf den kleinparzelligen Flecken der Bauern zuhause, nein auch noch eine bescheidene Anzahl Fasanen und gar eine Kette Hühner geht noch um, ausgrechnet da!! Aber den Korb? den Korb mochte er nicht Habicht hin oder her, wenn er morgens in den Korb stieß, musste er bis abends in der Hitze ausharren, das missfiel dem Jagdghilfen, so ein Tier ghört gjagert, net gfangt, das war seine Devise.
Nur im Winter, da betrieb er die Fallenjagd, und das mit aller Pssion, denn dann galt s den Bälgen, und die sind immerhin gutes Geld wert. Wer auf der Kirchweih einem Mädel ein Herzerl schiessen will, oder der treuen Mutter daheim einen Muff aus Fuchspelz machen lassen will, der muss fleissig sein im Winter.
"mhm", erwiderte er" leihst ma a Hendl, a heuriges?"
"Nimm was d brauchst weißt ja wo allas ist, aber bring ma s fei wieder". Eifrig ging der Dammerl ans Werk, denn er sah schon seine Felle den Fluss runtertreiben. Solange im Sommer die Wildtauben da waren, gings ja noch, an ihnen hielt er sich meist schadlos, aber dann im Herbst, wenn sie abzogen, dann ging er in die Höfe. Tauben und Hühner, auch Enten schlug der Blitzschnelle bisweilen.
Er holte aus der Kammer einen kleinen Korb mit Deckel, einen Lederzwirn und angelte aus dem Schuppen einen Eisenstift. Über die Rückseite verließ er den Hof, normal gesellte er sich ja gerne mal zu den "Menscha", den weiblichen Haus- und Hofbediensteten, aber heut galt´s was. Höher als ein Bock würde ihm ein Habicht angerechnet werden, ja höher noch als ein Füchserl.. Raubwildscharf war er ja, das wussten alle, und dann raubte ausgerechnet da wo er die Verantwortung... nein, er mochte gar nimmer drandenken. Die Hitze brannte, obwohl der tag ja schon alt war, der Schweiß rann ihm vom Kopf bis in die Strümpf. Auf der Dorfstraßße angekommen, kam der Viehhandler mit seinem Gespann daher: "Griaß die Schore", er winkte mit dem Hiatl." Ja der Dammerl, wo aus?" erwiderte der pfiffige Gesell auf dem Fuhrwerk. "Nüber auf d Muschewies geht´s zua" "Spring auf, da kimm i vorbei". Auf dem Gespann betrachtete er den Mann, der lustig ein Lied pfiff. Listig und spitzbübisch waren seine Augen, ein Lausbubengesicht, das nun schon fast sechzig Jahre alt war, die Augen strahlend, aber einen guten Ruf hatte er, der Schore, keiner konnte ihm ernsthaft schlechtes nachsagen, gleichwohl das bei seinem Berufsstand fast unmöglich war. Als sie ankamen, grüßte er nochmals, sprang ab, pfiff seinem Hund, der er sich bequem gemacht hat und los ging´s. Vorbei an Kartoffel und Rübenäckern, ein Getreidefeld, und dem nahen Feldgehölz zu. 40 Schritt von diesem entfernt bildete eine Schlehenhecke die Grenze zwischen Kartoffelacker, Weg und einem Rübenfeld. Dieser Platz war perfekt für seine
Zwecke. Mit dem Messer schnitt er einige Äste ab, bis ihm das Blut über die nackten Unterarme lief. Das müsste reichen. Die Lederhose hielt die meisten Dornen ab, die Lodenkotze schützt den Rest. Jetzt noch schnell den Zwirn um den Ständer des Hendls binden, zwanzig Schritte ausegegangen, den Eisenstift in den Boden, und zurück gehts. Halt! "Waidmannsheil" flüsterte er dem Huhn zu und dann ab in die Hecke. Drinnen kramte er erst einmal eine Flasche Bier aus dem zerfledderten Rucksack, dann die Pfeiffe und den Tabak, dann kommt der Hund auf den Rucksack. Er nimmt einen kräftigen Schluck, aber lauwarm geht s hart zum trinken. Dann brennt er sich die Pfeife an, pafft dahin und krault seinem Hund das Köpfl. Den Hahnrilling mit Hagel geladen, über die Knie gelegt. So vergeht eine Stunde.
Aufmerksam beobachtet er das Huhn. "Diana" denkt er sich, so soll sie heissen, denn der Doktor sagt immer "wenn Diana s gut mit dir meint, dann kannst dich noch so blöd stellen, du hast trotzdem Waidmannsheil". Also, hoffentlich meint Diana es gut mit mir...
Aus dem Augenwinkel bemerkt er eine Bewegung in den Bäumen. Der Habicht ist´s, der entlang den Bäumen streicht. Die Hand zum Drilling, den Hahn gespannt, warten, warten, nichts tut sich, eine viertel Stunde kriecht dahin und noch eine.
Die Spannung sinkt wieder, die bange Frage, hatte er ihn mitbekommen?
"Es ist erst vorbei, wenn die Dicke Frau gesungen hat, sagt der Doktor.
Der kommt viel rum, nach Regensburg, in die große Stadt, dort trifft er sich mit allerhand Kollegen und dann kultivieren sie sich.. Sollt lieber die Zeit nutzen, um mit der Flinte zu üben, denkt sich der zusammengekauerte Jäger, weil schießen tut er unter aller Sau, trotz den Augengläsern, die er stolz trägt. Nebenbei bemerkt er, dass Diana scheinbar kleiner wird, den Kopf gen Himmel drehend. Dann geht es rasend schnell, Am Wald entlang ist er gestrichen, der Hühnerdieb, ohne dass er ihn bemerkt hat. SChon stößt er pfeilschnell auf das schreiende Hendl herab. Kurz vor der Beute scheint er zu verhoffen, den Bruchteil einer Sekunde nur, um die Fluchtrichtung ermitteln zu können. Als das Huhn nach links abstieben will, setzt er nach. Der Habicht aber hat die dumme Angewohnheit, ähnlich einem englischen Lord bei der Entenjagd sein Vorhaltemaß penibel einzuhalten, um das Opfer während der Flucht greifen zu können.
Nur, das Huhn zieht schon nach einem dreiviertel meter die Notbremse, da sie der Lederzwirn nicht weiterlässt. Das hat der Räuber nicht bedacht und stiebt fast einen Meter über das Ziel hinaus. Während er sich eine Sekunde lang neu orientiert und wundert, warum er sich so verrechnet hat, ist der Jäger schon aufgesprungen, reisst den Drilling an die Wange und schickt ihm eine Ladung Schrot entgegen. Den edlen Greif reisst es in den Staub, er bleibt verendet liegen.Der Schütze atmet auf. Das Huhn ist unverletzt. Die Kirchenglocke läutet, es ist acht. Also noch genug Zeit, um im Hellen zum Jagdhof zu kommen.
Das Hendl gestreichelt,gut zugeredet, dann zurück in den Korb, das Zeug zusammengepackt, eine Feder für das Hiatl, den Hacht aussen an den Rucksack gehängt..Dürfen die Bauern ruhig sehen, dass einer gefallen is, ´leicht gibt´s gar an Schnaps. Den Hund geholt, den Braven, der alles ruhig mitangesehen hat und los geht´s. Zu Fuß geht´s zurück, eine halbe Stunde lang, aber leicht ist ihm der Weg, pfeiffend und mit großen Schritten geht er ihn.Beim Gut angekommen, zeigt er dem Jagdherren stolz die Beute, dieser wünscht ihm überschwenglich Waidmannsheil. Dann setzt er Diana, die Tapfere zu den anderen Hühnern, wirft ihnen ein paar Hände Weizen zu, und marschiert mit Stolz geschwellter Brust zur Gred. Dort bekommt er von der Hausherrin eine Kühle Mass Bier aus dem Erdkeller vorgesetzt, einen Kanten Brot und Käse und muss alles haarklein erzählen. Viel wird er gelobt an diesem Abend.
Als die Nacht hereinbricht, verabschiedet er sich, das Ehepaar geht ins Haus.
Nach ein paar Metern verhofft er, wirft seinen Rucksack hinter den Holzstoss, flüstert:"Afra, geh auf den Platz", nachdem der Hund liegt, denkt er sich, schau ma mal, heut hab ich mit den Hühnern schon soviel Glück ghabt, dann klopf i mal beim Kuchlmensch am Kammerfenster, vielleicht hauts mir ja bei denen ohne Federn a so guad hin

Mal schauen, ob das jemand ganz lesen kann, ohne einzuschlafen
offline

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tomhaus

tomhaus

Alter: 34 Jahre,
aus m Boarischn Woid
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Kommentare

21.07.2012 01:29 vierfuessler
Besser als des königlich Bairische Amtsgericht!
Ja solchene brauchts auch!
21.07.2012 07:11 swinging_elvis
Sehr interessant geeschrieben! Waidmannsheil dem Jaga aus grauer Vorzeit! el
21.07.2012 08:37 WiednerDerSteirer

,,, da huam is da huam
21.07.2012 09:19 GlannaMuensterlaender
frahli kamma des lesn ohne einzuschlafn
sche gschriehm aber wohl scho a boa dooch her dass des gmacht worn is (wal heid schreibt ma a SMS und klopft ned ans Kammerfenster)
21.07.2012 17:20 sau_hund
die guade alde Zeit, lang isch her........
21.07.2012 23:03 Oichkatzl
Du gschriebn? Sauguad!
22.07.2012 10:17 Jaeger77
22.07.2012 12:11 Kija
herrlich geschrieben wenn auch für einen Preussen ein wenig anstrengender zu lesen
Kija
23.07.2012 17:34 Schweinejaeger
sau geil!
04.08.2012 19:04 Musang
Wunderbar, genial Ein herrlicher Exkurs in versunkene Zeiten. Könnte als Vorlage für ein Heimatfilm-Drehbuch sein
Von Herzen Dank dafür
LG an den Halbtschechen
06.08.2012 08:49 tomhaus
Musang schrieb:
Wunderbar, genial Ein herrlicher Exkurs in versunkene Zeiten. Könnte als Vorlage für ein Heimatfilm-Drehbuch sein
Von Herzen Dank dafür
LG an den Halbtschechen



I dank da recht sche und gfrei mi, dass da gfalln hat!
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