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Ausblick Ausblick
709 mal angesehen
20.07.2012, 21.26 Uhr

Momente wie diese …

Es ist Mitte Juni, dieses Jahr läuft es bislang jagdlich nicht so rund. Seit 1. Mai nutze ich die, durch meine Arbeit und das nebenberufliche Studium bedingte, spärliche Freizeit um einen Rehbock zu erlegen. So langsam fange ich an, an meinem jagdlich sicherlich noch ausbaufähigen Können zu zweifeln. Gut ich bin letzten Endes aktuell nur ein Sonntagsjäger, aber trotzdem – so schwierig ist es doch nun auch wieder nicht einen Bock zu erlegen …

Nach einigen Ansitzen mit keinem oder nur sehr sporadischem Wildanblick, beziehe ich eine Kanzel auf einem Wegekreuz. Vor mir zwei durch einen mit mittlerweile hohem Gras bewachsenen Wirtschaftsweg getrennte, Gerstenfelder, Hinter dem linken Feld ist ein Rapsfeld und eigentlich sind auch hier maximal Träger und Haupt des lieben Rehwildes sichtbar. Die Kanzel steht genau auf dem Kreuz zwischen, Grenzweg und einem weiteren horizontal verlaufenden Feldweg. Am Rande dieses Weges ist relativ frisch eingesäter Mais und nach diesem zwei Rapsfelder und hinter dem linken Rapsfeld ist ein kleinerer Kartoffelacker.

Der erste Ansitz vor wenigen Wochen an diesem, nennen wir es Hotspot, war von einem – für meine aktuellen Verhältnisse – guten Anblick gesegnet. Neben einigen Hasen konnte ich ein Schmalreh sowie zwei Böcke – einen Jährling, der geschickt die Deckung der Gerste ausnutze und einen vermutlich zweijährigen Bock – begutachten. Der Zweijährige zog durch meinen Wind direkt unter den Hochsitz und in aller Seelenruhe weiter in das Gerstenfeld zu meiner Rechten um dann nach einigen Minuten vom Getreide verschluckt zu werden. Der kommende Morgen brachte neben einigen Hasen „nur“ weibliche Stücke, die es sich im Getreide gemütlich gemacht hatten – die Luftwaffe war auch vertreten, sodass ich einen Rotmilan auf den eine Hand voll Krähen hassten einige Minuten beobachten durfte. Doch hat mir dieser Morgenansitz auch eine neue Erkenntnis gebracht:

Auch Hasen „suhlen“ sich auf einem ausgetrockneten Maisacker … Am Maisfeld rechts neben der Kanzel hatten die in unserem Revier nur sehr sporadisch vorkommenden Schwarzkittel einige am Boden wohnende Kerbtiere genascht und die Erde aufgebrochen – glücklicherweise jedoch ohne den eingesäten Mais an die Oberfläche zu befördern. Bei einer Kontrolle dieser „Schadfläche“ fiel uns eine kleine Senke auf in der sich etwas „gesuhlt“ hatte … dieses Rätsel wurde von einem quietsch fidelen Hasen in offensichtlicher Frühlingsstimmung gelöst.

Nun nach diesen beiden Ansitzen habe ich die Ecke erst einmal für ein paar Tage gemieden und ein Kollege hat die Fläche für ihn „ohne Anblick“ kontrolliert. Komisch denke ich mir nur, bei mir hatte es doch die beiden Male einen ziemlich guten Anblick gehabt …

An einem Samstagabend setze ich mich mal wieder an und sehe nach 5 Minuten den ersten Hasen vom Raps hinter mir über die Maisfläche in die Gerste wechseln – und schwupp ist nichts mehr zu sehen, die Halme wackeln nicht mal sichtbar, damit wenigstens ein grober Rückschluss möglich wäre. Nach einigen Minuten sehe linkerhand ich noch die Träger- bzw. Hauptpartie eines Schmalrehs in der tiefen Gerste – schlanker Träger, kurzes dreieckiges „kindliches“ Gesicht. Das Reh sichert immer wieder nach unten in Richtung Raps, was hat es nur?

Nach rund 20 Minuten steht rechts neben mir – etwa 30 Meter von der Kanzel entfernt eine Geiß und sucht nach Klee auf dem horizontal vor der Kanzel verlaufenden Wirtschaftsweg – nach einigen Minuten verzieht sie sich ebenfalls in die Gerste und es ist nur noch die altbekannte Körperpartie sichtbar. Doch was läuft denn da Schwarzes zur Linken über den Wirtschaftsweg auf dem vor wenigen Minuten noch das Reh stand?

Das kann doch nicht sein – es ist fast 21:00 Uhr und da läuft jemand mit seinem „Kalb“ von Hund ohne Leine spazieren … das geht ja mal gar nicht. Ich lege mir schon eine nette Anrede für den Herrn und dessen tierische Begleitung zurecht und sehe, dass das Schmalreh zu meiner Linken leicht nervös wird, da der Hund schon halb im Getreide ist. Jetzt kommt auch noch ein Hase aus dem Gras auf dem Weg vor mir direkt auf die Kanzel zugehoppelt und der Hund ist schon 2 Meter in der Gerste …

Das Schmalreh flüchtet nicht wirklich aber im Augenwinkel sehe ich an der Grenzlinie zwischen Gerste und Raps auf rund 90 Meter einen schwarzen Flecken – seit wann haben wir bitteschön schwarzes Rehwild im Revier? Glas hoch und Licht ins Dunkel bringen – aha eine Wutz, das gibt es doch nicht! Aber das Verhalten des Schmalrehs wird jetzt umso klarer… jetzt ist da dieser Freizeitnutzer und da unten spaziert ein „seltenes“ Schweinchen. Gut ich schau den Hundehalter an der mich mittlerweile auch bemerkt hat. Scheinbar merkt er, dass er stört, ruft seinen überdimensionierten Begleiter zu sich und verdünnisiert sich – wenigstens etwas.

Unterdessen hat sich die Wutz auf etwa 40 Meter genähert – aber ich sehe immer nur sporadisch Haupt, Teller und Rückenlinie – ist`s ein Keiler oder eine Bache – Überläufer oder ausgewachsene Sau? Sie zieht rund 20 Meter vor dem horizontal verlaufenden Weg parallel zu diesen und dreht dann einen Bogen um dann wieder da zu stehen wo ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Das dauert etwa 15 Minuten, in denen ich von deutlichem Jagdfieber befallen den schwarzen Klumpen immer wieder durch die Gerste schimmern sehe – aber ist da nicht auch etwas Bräunliches, dann wieder die schwarze Sau. Interessant ist auch, dass das Schmalreh nicht schreckt sondern nur immer in Richtung Schwarzkittel sichert und ein paar Meter ausweicht.

Nach einer weiteren halben Stunde kommt Bewegung ins Feld, die Sau zieht auf mich zu und stellt sich auf rund 35 Meter breit um den vertikal verlaufenden Wirtschaftsweg zu queren. Ich sehe Haupt, und rund 10 cm Rücken – soll ich schießen, es raschelt aber obwohl die Sau steht … sind da Frischlinge bei? Na lass sie lieber mal laufen bevor eine führende Bache oder ein Keiler in der Schonzeit liegt. Außerdem bin ich doch kein Wasenmeister, wie es Altmeister Friess immer in seinen Büchern ausdrückte, und spreche ordentlich an bevor ich den Finger krümme. Auf einmal ein deutliches Blasen und die Sau zieht über den Weg mit hochstehendem Pürzel um nach 5 Minuten Spritztour in der erste zu meiner Rechten in ca. 90 Meter Entfernung über den aufkeimenden Mais in den Raps hinter mir zu ziehen – hinter dem schwarzen Stück ein brauner Überläufer aber keine Frischlinge – Verdammt, zu schnell für mich und Schwups sind die beiden schon wieder verschwunden.

Der Abend brachte mir noch einige Hasensichtungen und das bekannte Schmalreh erwies sich als treue Begleiterin des Abends. Um 22:30 baumte ich ab um im halbwegs annehmbaren Licht noch die Felder in einiger Entfernung auf ihre Eigenschaften als potentielle Schwarzwildfütterung zu überprüfen – aber hier waren meine beiden Sauen noch nicht angekommen oder aber schon wieder durchgezogen.

Am nächsten Morgen sitze ich gegen 4:25 wieder auf der Kanzel – nach 5 Minuten schreckt vor mir eine Geiß, zieht auf mich zu und hinter den Hochsitz links in Richtung eines kleinen Kartoffelackers der sich hinter dem Raps befindet – tolle Sache, hat mir das Reh doch erst mal alles in der näheren Umgebung kirre gemacht. Aber aus dieser Richtung zieht ein Hase auf die mittlerweile 5 cm hohe Maissaat, der Hase soll sich als ausdauernder „Zaungast“ des Morgens beweisen. Als ich ihn mir durch mein Fernglas eingehend beobachte sehe ich einen schwarzen Klumpen auf den Wirtschaftsweg – das darf doch nicht sein. Ist das wieder dieser Typ mit dem überdimensionierten Hund – es ist 5 nach 5 und der geht schon Gassi, das kann nicht sein. Stocksauer betrachte ich mir die Sache näher und siehe da – kein Typ, kein Hund sondern die Sau von gestern Abend. In aller Seelenruhe bummelt sie über die Saat rund 10 Meter hinter ihr 4 Streifenhörnchen im Gepäck, gefolgt von dem Überläufer und eine weiteren leicht abgeschlagenen Frischling. Und Zack rein in den Raps und schon ist man für neugierige Blicke eines Jungjägers unsichtbar.

Nach etwa 20 Minuten zieht die Rotte wieder zurück – sie hat hinter mir meine Fährte überfallen – in die Gerste. Dabei wechselt sie rund 35 Meter rechts neben dem Hochsitz an mir vorbei. In der Gerste wird in etwa die gleiche Fährte gezogen wie die „beiden Sauen“ am Abend zuvor um dann wieder dort zu landen wo ich am Abend zuvor die schwarze Bache zum ersten Mal gesehen habe.

Es dauert keine 15 Minuten und schon steht wieder eine Sau auf meiner linken Seite – wo kommen die denn alle her? Jetzt reicht es aber, Mauser hoch und entsichert mal schauen was für eine das denn ist. Bis die Waffe im Anschlag ist quirlen wieder Überläufer und neben diesem die 5 Frischlinge vorbei – Schwups wieder weg, das gleiche Spiel wie vor rund einer Stunde beginnt von neuem.

An diesem Morgen habe ich meinen treuen Hasen noch weiter beobachtet, der insgesamt über 3 Stunden bei mir blieb. Dabei kam um 20 nach 7 ein Fuchs mit kurzer Lunte vorbeigeschnürt und hat meinem „Freund“ guten Morgen auf rund 2 Meter gesagt in dem er vor ihm gähnte. Im Raps hinter mir haben sich übrigens noch einige Rehlauscher – leider ohne Gewichtel – gezeigt.

All dies sind Momente, in denen es Spaß macht auf Jagd zu gehen – wenn auch nicht ein Schuss gefallen ist. An dieser Stelle könnte ich nochmals von Gagern zitieren, der allerdings in einem anderen Blog von mir bereits seinen Platz gefunden hat.
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Jaegerbursch

Jaegerbursch

Alter: 28 Jahre,
aus Franken
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Kommentare

21.07.2012 09:06 GlannaMuensterlaender
hehe das kenn ich
Es will und will nicht klappen
Und im jahr drauf kommen auf einmal nur noch passende Böcke vorbei (so wars bei mir)
Das mit den Sauen am Tag kannsde bei uns im Revier leider vergessen

Und auch wenns ned klappt rennd ma trotzdem jeden Tag wieder raus ins Revier genau wegen solchen Momenten

Bei mir war gestern ne Geiß mit 2 Kitzen direkt unter der Kanzel und hat se versorgt leider hatte ich keine Kamera dabei
22.07.2012 08:25 spessartjaeger75
Hallo Jaegerbursch,

ein wirklich toller Bericht der richtig Spaß macht, ihn zu lesen!
Sei doch mal ehrlich! Das ist Jagd!
Das sind Momente die nicht allzu oft vorkommen!
Mach weiter so, du bist auf dem richtigen Weg!
Allzeit Waidmannsheil!
22.07.2012 08:38 Jaegerbursch
Hallo GlannaMuensterlaender,
hallo Spessartjaeger,

genau so ist es ... genau diese Momente machen den Reiz der Jagd aus. Wenn es nur ums schießen gehen würde, könnte man mit deutlich weniger Zeitaufwand auf den Schießstand fahren

Leider hat es bei mir mit dem Bock dieses Jahr noch nicht geklappt - vorhin hatte ich einen Jährling vor - auf runde 200 Meter

Viele Grüße und Waidmannsheil
26.12.2012 12:59 Helmuto
Jaegerbursch schrieb:
genau so ist es ... genau diese Momente machen den Reiz der Jagd aus. Wenn es nur ums schießen gehen würde, könnte man mit deutlich weniger Zeitaufwand auf den Schießstand fahren ;-)


Respekt, Gute Einstellung
Gruß Helmut
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