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Die Heide - Morgenansitz Mai-Heide-Keilerchen 1 Mai-Heide-Keilerchen 2
905 mal angesehen
01.07.2012, 16.17 Uhr

Der Schwarze aus dem Heide-Bannwald

Heide – welchem Jäger kommt bei diesem Wort nicht sogleich der große Hermann Löns in den Sinn mit seinen beeindruckenden Jagd- und Naturschilderungen. Mit Mümmelmann, Ho‘ Rüd‘ hoh!, Widu oder sein grünes Buch seien hier nur einige genannt. Gleich nach Erhalt meines Jagdscheins legte ich mir fast jedes Buch des Naturschutzpioniers zu und war begeistert von seinen Erlebnissen, zu denen er oft den Dreilauf führte. Wen wundert es da, dass ich eines Tages auf seinen Pfaden zu wandeln gedachte.

Im Jahr 2012 war es dann endlich soweit. Ein Familienurlaub konnte „sinnvoll“ kombiniert werden und auf Anraten eines Heidekundigen fanden wir ein Örtchen gleich in der Nähe eines malerischen Heidedörfchens. Der zuständige Förster war mir sofort sympathisch und alsbald zeigte er mir die entsprechenden Ansitzeinrichtungen. Gegen ein paar Taler mehr konnte ich die Freigabe von zunächst Rehböcken auf Sauen erweitern, was mir eine größere Flexibilität und quasi Jagern wie im eigenen Revier ermöglichen sollte. Mehr von sich aus erzählte der Förster auch von schwarzem Rehwild, welches hier vertreten sei. Die kühnsten Träume, die mit seiner Geschichte eines vor etlichen Jahren in diesem Forstort von ihm erlegten schwarzen Rehbockes einhergingen, verdrängte ich aber sogleich in den hintersten Raum meines Schädels. Drei Tage, also sechs Ansitze hatte ich, um in diesem geheimnisvollen Waldstück Beute zu machen. Meine Vorfreude war riesig.

Umgeben war der Jahrhunderte alte Bannwald, als der sich dieser Forstort herausstellte, von Heide, Heide und nochmals Heide die vorrangig mit Wacholder bestanden war. Die Nutzung dieses Waldes, der niemals zu Heide geworden war, blieb damals dem „normalen Volk“ untersagt, diente der königlichen Holzung und sicher auch der Jagd. Es galt, vor jedem Ansitz den Wind zu prüfen und dann das Wild beim morgendlichen Ein- oder abendlichen Auswechseln abzupassen. Ob mir das gelingen würde? Voller Hoffnung ging ich das Unternehmen an.

Gleich am ersten Morgen wollte ich mein Glück in Waldesmitte suchen. Ein Hochsitz stand hier auf einen Grasweg, der das Waldstück in der Mitte von Ost nach West teilte. Mit dem Wind im Gesicht pirschte ich vom Waldesrand bis an die Leiter vor, nur um festzustellen, dass hier der Wind umschlug und in meine Blickrichtung wehte. Unverdrossen baumte ich jedoch auf, mein Glück würde es schon richten! Es wurde ein herrlicher Morgen, die Fäden tausender Spannerraupen wehten über die Schneise und so flimmerte es vor mir im Gegenlicht der aufgehenden Sonne wie eine unwirkliche Welt. Immerhin sah ich zwei Hasen zu Holze rücken und einen Baummarder über den Weg springen. Zufrieden baumte ich kurz vor acht ab, um nach einigen Schritten ein Rauschen im Wald zu vernehmen. Zwei kurze erboste Schrecklaute überzeugten mich, dass Rehwild vorhanden war… hätte ich doch nur eine viertel Stunde länger ausgeharrt…

Den Tag verbrachte ich mit meiner Familie beim Erwandern der schönen Heide. Wirklich eine einzigartige Landschaft, und dass die Form so manchen Hollers dem Hermann die Sinne verwirrten, kann man nachempfinden. Gerade bei Nebel muss es noch geheimnisvoller sein, wir hatten jetzt im späten Mai jedoch eine ganz ordentliche Hitze, so dass uns dieses Naturschauspiel versagt blieb.

Am Abend entschied ich mich für einen Bodensitz mit halbem Wind und gutem Überblick über eine lichte Stelle im Wald. Perfekt war dies nicht, störender war aber, dass wohl nicht weit von mir eine Buntspechtfamilie brütete. Trotz Erstarrens zur Salzsäule umflogen die flinken Kobolde mein Versteck und gaben unentwegt Warnlaute von sich. Ich dachte mir, dass sie sich ja irgendwann beruhigen müssten, was aber zunächst nicht geschah. Sobald ich meinen Kopf ein wenig kreisen lies, war das Theater groß. Da ich ob des Windes keinen Ausweichsitz wusste, harrte ich aus, da in diese Richtung auch der vermeintliche Bock vom Morgen abgesprungen war. Erst als die Dämmerung fiel, wurde es ruhig um mich. Ich lauerte und lauerte, jedoch verriet kein Trapsen im Laub die Anwesenheit von Wild noch bekam ich etwas in Anblick.

Wieder klingelte der Wecker um 3:30 Uhr und aufgrund des fehlenden Nachmittagschläfchens kam ich nur schwer aus den Federn. Aber nun los! Frisch ans Werk. So recht wollte mir ob der aktuellen Nord-Ost-Windrichtung kein Sitz einfallen, der gut wäre, das Wild beim Einwechseln von der Heide zu erwarten. Da erinnerte ich mich an einen Hochsitz genannt „Rechtsaußen“, auf dem der Wind halbwegs passen musste. Vor diesem erstreckte sich ein Stück in prallem Grün stehende Heidelbeere, welche Ausblick und gutes Schussfeld bot. An diesem malerischen Ort, nicht weit vom Waldrand zur Heide entfernt wollte ich mein Glück versuchen, ging auf dieser Seite doch auch die Sonne auf und vielleicht bummelten hier dann gerne die Rehe herum.

Anfahren und den Wagen mitten im Wald abstellen? Nein, ich entschied mich für den knappen Kilometer Pirsch und genoss das Schleichen über den Grasweg, bei dem ich aber dann doch ein Stück Rehwild vertrat. Das laute und lang anhaltende Schrecken ließ mich auf eine Ricke schließen, und auf die hatte ich es ja nun nicht abgesehen…!

Am anderen Ende des Waldstückes angekommen baumte ich auf und machte es mir gemütlich. In noch vollkommener Dunkelheit lag die Natur und erst jetzt vernahm ich die ersten verhaltenen Pieper. Mit dem Doppelglas nahm ich die vor mir liegende Fläche in Augenschein, Wild konnte ich aber nicht entdecken. Also entspannen und die Ruhe genießen.

Ruhe? „Tick, tick tick“ warnte neben mir im Waldstreifen zur Heide ein Rotkehlchen. Irgendwie war ich entweder in Trance oder… vielleicht doch hinweg gedämmert? Da ansonsten noch kaum ein Laut aus dem im Morgenschlaf liegenden Forst drang, holte mich der kleine Singvogel zurück in die Wirklichkeit… und plötzlich war ich hellwach: Aus besagter Richtung drang ein leises, aber kontinuierliches Knistern an mein Ohr, welches langsam näher zu kommen schien? Sollte da Wild anwechseln? Gespannt wie ein Flitzebogen hatte ich auch schon den Gehörschutz auf den Lauschern und mein Gewehrchen in den Fäusten. Mit bloßem Auge suchte ich, den Dämmerwald zu durchdringen. Aufgrund der Nähe zum Waldrand waren die Kiefern und Fichten von allerlei Anflug unterstellt, so dass es ein recht dichtes Kraut war da unten. Doch da, jetzt erblickte ich etwas schwarzes, Decke oder Schwarte war meine gespannte Frage? Sogleich sprach ich das Stück im Busch vor mir als einzelne Sau an. Was tun? Noch gut erinnerte ich mich an die Worte des Försters genau an dieser Stelle, dass ich gerne aus kleinen Halbstarken-Rotten einen Überläufer erlegen könne… Genau in diesem Augenblick gewahr ich aus dem Augenwinkel weiter rechts zwei weitere dunkle Schatten gleicher Farbe und Größe… drei Überläufer waren es insgesamt. Wie aber jetzt an die sich durch den Busch schiebenden Gesellen kommen? Ein Schwarzkittel kam mir hier vorweg und schob sich langsam vielleicht zwanzig Meter entfernt in ein kleines Loch im Bestand. Lange schon hatte ich das Zielfernrohr auf 4-fach herunter gedreht und harrte mit gespannter .30-06 meiner Chance. Klar und deutlich sah ich das jugendliche Gesicht, die recht dunkle raue Schwarte mit ausgeprägten Federn… Spitz zu mir stand das Stück… und schien genau in meine Richtung zu sichern… Der Wind stand aber zum Glück passend. Als der Überläufer weiter ziehen wollte sog sich intuitiv das Absehen vier auf den Träger fest und schon war das schwere 13g-Geschoss aus dem Lauf! RUMMS!

Im Knall warf es die Sau in die Heidelbeeren. Schnell repetieren und drauf bleiben waren eins. Die anderen beiden Rottenmitglieder empfahlen sich blitzschnell. Nach kurzem Schlegeln war es dann vorbei. Waidmannsheil! Nur langsam und ein wenig ungläubig ob des unverhofften Erfolges entspannte ich die Bix und stellte sie in die Ecke. Als dabei die Spannung von mir abfiel überkam mich das Jagdfieber mit Macht. Schlotternd und raselnd hockte ich da oben und schaute immer wieder nach meiner Beute, von dem ein Stück Schwarte sichtbar war. Die erste Sau nach dreieinhalb Jahren. Einfach klasse! Trotz meiner großen Freude wollte ich aber noch ausharren und vielleicht würde ja weiteres Wild in Anblick kommen. 5:55 Uhr war’s und so lehnte ich mich wieder zurück, jetzt den Sonnenaufgang doppelt genießend und eine kleine Totenwacht haltend. Alle technische Hilfsmittel ließ ich in den Taschen und wollte das Erlebte zunächst alleine verarbeiten. Gerade der Schuss auf den Träger war normalerweise nicht mein Ding, hier hatte er aber seine volle Wirkung entfaltet. Vor mir sah ich einen weiteren schwarzen Schatten, es waren aber nicht die beiden Überläufer, die wiederkehrten sondern die wunderbaren Kolke, die mit ihrer melodischen Stimme ein paar Flugkunststücke ausführten. Sollten die Wotansvögel den Schuss sogleich mit Beute in Zusammenhang gebracht haben? Erinnerungen kamen hoch an meine Jagd in Finnland, wo nach dem Aufbrechen und Holen der Mitjäger zwecks Abtransports des Elchkalbes die schwarzen Vögel bereits da gewesen waren und die von mir ausgelegte Leber nebst Nierchen und Herz bestens angenommen hatten!

Die Sonne gewann an Kraft und da ich mir Zeit für sauberes Aufbrechen nehmen wollte, baumte ich ab und begann nach ein paar Fotos die rote Arbeit. Als dann das Stück zum Auskühlen sauber am Hochsitzgestell hing, war die Freude perfekt. Nach Lieferung in die Kühlkammer und Waidmannsheil vom Förster ging es heim zur Familie, die bereits mit dem Frühstück wartete… als kleine Feier war dann für mich ein ordentlicher Schluck aus dem Flachmann nötig – vor dem Frühstück!

Ein schwarzer Rehbock wurde es am Ende also nicht, im Kofferraum auf dem Weg nach Hause aber so ein leckeres Schweinchen zu haben… Waidmannsheil! Ich komme wieder…
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

01.07.2012 17:34 Drahthaar
.....

Gruß und Waidmannsheil, Drahthaar
01.07.2012 17:45 swinging_elvis
Drahthaar schrieb:
.....

Gruß und Waidmannsheil, Drahthaar

Waidmannsdank! el
01.07.2012 18:02 harzbaer
Waidmannsheil!

Super geschrieben. Klasse Bild, das mittlere!



01.07.2012 18:18 esau
Dreieinhalb Jahre ohne!?
Na dann ,doppeltes Weidmannsheil!
Schön geschrieben!
01.07.2012 18:43 Hans_Eidig
Toll geschrieben! Schön dass Du uns mit dieser schönen Geschichte am Erlebten teilhaben lässt
Waidmannsheil und Gruß
Thorsten
01.07.2012 18:48 swinging_elvis
esau schrieb:
Dreieinhalb Jahre ohne!?
Na dann ,doppeltes Weidmannsheil!
Schön geschrieben!

Jau, war ganz schön hart, aber bei der Frage "Sau oder Elch" ist meine Entscheidung schnell gefallen...
01.07.2012 19:13 fj
du nimmst dein jagdzeug mit in den familienurlaub? also wirklich.......waidmannsheil wünsche ich dir

gruss aus dem emsland

fj
01.07.2012 19:20 swinging_elvis
fj schrieb:
du nimmst dein jagdzeug mit in den familienurlaub? also wirklich.......waidmannsheil wünsche ich dir
gruss aus dem emsland
fj

Ist doch schön, wenn man das kombinieren kann... Für mich optimal!!! el
01.07.2012 19:34 SauerlaenderJung
Geile Geschichte, sehr schön geschrieben. Wie immer von Dir Elvis. Donnerndes Weidmannsheil! Freut mich!
01.07.2012 19:35 swinging_elvis
SauerlaenderJung schrieb:
Geile Geschichte, sehr schön geschrieben. Wie immer von Dir Elvis. Donnerndes Weidmannsheil! Freut mich!

Habe die Ehre! Waidmannsdank
01.07.2012 21:58 Heidefoerster
Freut mich geholfen zu haben
Hatte mich vorher schon auf die Story gefreut.
02.07.2012 17:45 Kija
Weidmannsheil und wie immer: super geschrieben - ich war dabei und habe mitgefiebert
Gruß Kija
02.07.2012 17:47 Kija
harzbaer schrieb:
Waidmannsheil!

Super geschrieben. Klasse Bild, das mittlere!




da schauen noch die Reste vom Riesenkojoten heraus
02.07.2012 21:06 swinging_elvis
Kija schrieb:
da schauen noch die Reste vom Riesenkojoten heraus

Ach jetzt wo Du's sagst... ich dachte die ganze Zeit schon, was da so fuchselt...
RoQ it, L
02.07.2012 22:59 Haderer
Donnerschlag Waidmannsheil

Super geschrieben und Tolle Fotos
03.07.2012 21:35 swinging_elvis
Haderer schrieb:
Donnerschlag Waidmannsheil

Super geschrieben und Tolle Fotos

Dunnerkeil und der Waidmann dankt!
03.07.2012 21:59 HatzWatz
Ein kräftiges Waidmannsheil aus der Lüneburger Heide

Grüne Grüße
Melanie
03.07.2012 22:18 swinging_elvis
HatzWatz schrieb:
Ein kräftiges Waidmannsheil aus der Lüneburger Heide

Grüne Grüße
Melanie

Wenn ich das gewußt hätt'.. Waidmannsdank!
04.07.2012 11:39 BayernFlo
Waidmannsheil Elvis!! Sehr schön zu Lesen, weiter so!! (wie gewohnt )
Gruß,
BF
04.07.2012 20:57 swinging_elvis
BayernFlo schrieb:
Waidmannsheil Elvis!! Sehr schön zu Lesen, weiter so!! (wie gewohnt )
Gruß,
BF

Waidmanndank!
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