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Gruppe Club der Jagdromantiker

Besitzer: Lakai
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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Freunde der Nacht
409 mal angesehen
26.06.2012, 22.44 Uhr

Eindrücke

Lau war der Abend… 2005 oder 2006 muss es gewesen sein, als ich bei einem Freund auf Reh- und Schwarzwild ansitzen durfte. Nicht weit vom Waldrand stand die Kanzel und es ergab sich ein herrlicher Rundblick auf die aufgehenden Weizenfelder rings um mich. Dunkelgrün wogte es hier und da im seichten Abendwind, nicht allzu fern lag am Waldrand eine kleine Kirrung und zusätzlich war dieser Bereich durch einen rechterhand liegende Salzlecke aufgewertet. Ein Paradies für’s Wild und auch für den Jäger, der solche Pracht zu genießen weiß. „Geschwächt“ von Knackwürsten, Pfefferbeissern und den dazugehörigen Stullen lehnte ich mich in eine Ecke des Sitzes und ließ den Blick umher wandern. Hauptsächlich sollte es an diesem Junitag den Schwarzen gelten, Vorsicht war aber bei der hohen Vegetation stets geboten. Wenn sich dazu noch ein passender Abschussbock blicken ließe – nun, auch den hatte ich frei! So konnte ich mich dem Hoffen und Spekulieren hingeben.

Dass bei dieser wunderbaren Natur die Bühne zunächst leer blieb konnte mich nicht stören. Voller Zufriedenheit beobachtete ich Meisen und andere Singvögel, die mich in der kleinen, am Hochsitz angrenzenden Hecke besuchten, stippte tote Fliegen und Wespen vom Fensterbrett oder sah der Spinne zu, die im Fenstereck ihr Netz ausbesserte.

So langsam und unmerklich schwand das Licht und ließ so die Farben ins eintönige grau verlaufen. Die Nacht brach herein und ein recht niedrig stehender aufgehender Mond spendete Zwielicht. Jetzt machte ich ein paar Anschlagübungen mit Einstellung des Leuchtpunktes, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Ja, so könnte es gehen und die Schweinchen kommen.
„Knirsch, knirsch, knirsch“… langsam sickerten diese Geräusche in mein Bewusstsein und es dauerte ein Weilchen, bis ich merkte, dass mich Morpheus übermannt hatte. Doch gleich darauf war ich hellwach:“Sau!“ schoss es mir durch den Kopf. Da war eindeutig Wild am Mais und ich vermeinte, auch eine Bewegung gesehen zu haben. Langsam glitt das Doppelglas an die Lichter und ich versuchte, im doch recht schlechten Licht etwas auszumachen. Da wuselte es, da raschelte es, da knurpste es, erkennen konnte ich jedoch nichts. Wäre ein Schuss noch möglich? Beim Blick durchs Zielfernrohr wurde mir dann klar, was ich vor mir hatte. Die weißen Streifen im Gesicht wiesen ihn als kapitalen Dachs aus, der sich da an der Kirrung zu schaffen machte. Na dann guten Appetit, die Kugel bleibt im Lauf! Lange schaute ich dem gestreiften Räuber zu, wie er sich am Schweinegold degustierte, immer wieder nervös auswarf und sich dann weiter seinem Mahl widmete. Die Hoffnung, dass er mir Sauen ankündigen könnte schwand endgültig, als er mir seinen Pürzel zuwandte und im Wald verschwand.

Jetzt war ich aber auch wach und wollte doch einmal auch in der Ferne die Waldränder ableuchten, ob die schwarzen Gesellen oder Rehwild nicht unterwegs seien. Wie ich dabei an der gerade einmal fünfzig Meter vor mir am Waldrand stehenden Salzlecke vorbeikomme, denke ich:“Oh, da steht ja ein Reh!“. Im nächsten Augenblick jedoch stockte ich; wieso kam dieses Reh an den sicher in zwei Meter Höhe hängenden Salzleckstein? Reh? Das ist Rotwild! Und gar ein Hirsch!

Total fasziniert verharrte mein Blick auf diesen mittelalten Rothirsch im Bast, der sich in aller Ruhe das Salz schmecken ließ. Da! Eine weitere Bewegung links daneben. In seiner würdevollen und langsamen Art trat ein weiterer Hirsch gleicher Güte an den Waldrand und sicherte hinaus ins Feld. Ich war einfach nur beeindruckt vom unverhofften Anblick dieser Wildart, die sich in diesem Revier nur als sehr rares Wechselwild zeigte. Nachdem Hirsch Nummer eins genug hatte begab sich nun Hirsch Nummer zwei an die Lecke und bekam auch seinen Teil Einfach nur erstaunlich, wie groß so ein Hirsch ist, kennt man ansonsten doch nur das recht zierliche Rehwild.

Nach einer kleinen Weile hatten die beiden Herren ihren Bedarf gedeckt und gingen nun zur Hauptmahlzeit über. Hierzu zogen sie in den grünen Weizen direkt vor mir und begannen, genüsslich die Ähren zu rupfen. Jetzt musste ich das Glas absetzen, denn die Augen tränten schon. Tatsächlich, da standen doch direkt vor mir im Feld zwei ponygroße wilde Tiere. Ich konnte es kaum fassen. Als ich das Glas erneut hochnahm passierte es: Neben dem samtüberzogenen Geweih leuchtete plötzlich ein Punkt auf, dann ein weiterer und plötzlich schwebten eine ganze Anzahl von… Glühwürmchen um das Haupt des Geweihten. Ich traute meinen Augen kaum, als auch der zweite Hirsch plötzlich von dieser Sonderbeleuchtung umflohrt war. Glühwürmchen umschwebten die Geweihe beider Cerviden und einer ließ sich gar seitlich auf dem Träger eines Protagonisten nieder und wippte hoch und runter in seinem Äsungsrhythmus. Eine ganz und gar unwirkliche Erscheinung und ein Erlebnis, wie ich mich an kaum ein beeindruckenderes erinnern kann. Immer wieder nahm ich das Glas hoch, überzeugte mich aber immer wieder in realiter, was sich da vor mir ereignete.

Irgendwann ging diese wundersame Vorstellung zu Ende. Die kleinen Lichter verloschen, das Hochwild hatte sich die Pansen ausreichend gefüllt und zog sich wieder in den angrenzenden Wald zurück. Auf der Kanzel saß ein Jäger, der einen unglaublichen Ansitz verlebt hatte… auch ohne Knall und Pulverrauch…
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

27.06.2012 05:28 Kija
da brauchte ich ja gar nicht lange zu warten - super geschriebene Geschichte
Gruß Kija
27.06.2012 16:21 wachtelman
Hallo Elvis

Wie immer sehr schön geschrieben.
Auch mal eine Geschichte wo es nicht knallt sonder wo es nur um die Eindrücke der Natur geht TOP

Weiter so

Waidmannsheil
Wachtelman
27.06.2012 17:35 swinging_elvis
Vielen Dank und Waidmannsheil auf allen Wegen.. El

wachtelman schrieb:
Hallo Elvis

Wie immer sehr schön geschrieben.
Auch mal eine Geschichte wo es nicht knallt sonder wo es nur um die Eindrücke der Natur geht TOP

Weiter so

Waidmannsheil
Wachtelman

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