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In der Abendsonne ist die Erin...

Mein stärkster europaischer Elch. (4 Einträge)

Estland 2007 Estland 2007 Jährling
733 mal angesehen
19.06.2012, 12.03 Uhr

Meine letzte Estlandreise

Ende Oktober 2007. Auf dem Airport Berlin-Tegel erreicht mich die Info aus Estland dass ich in einem anderen Jagdgebiet untergebracht werde als vorgesehen. Das ärgert mich. Ich hatte mich sehr auf ein Treffen mit Andre' gefreut. Aber das neue Jagdgebiet soll unmittelbar an Linnamae angrenzen.
In Tallin angekommen wartet schon Elwa auf mich und fährt mit mir nach
Kullamäe. Das ist ein Pachtrevier in einer Größe von 26.000 ha.
Der Pächter ist ein ausgesprochener Tausendsassa. Er spricht gut Deutsch und wir verstanden uns bestens. Stolz zeigt er mir die Foto's von einem Goldmedaillenschaufler, den ein deutscher Jagdgast zur Brunft im Revier erlegt hatte.
In Estland kann man mit einem Frühjahrsbestand von 4 - 6 Elchen auf 1000 ha rechnen. Das sind 3 Stücken männlich. 10 % davon wachsen nur zum Schaufler heran - und die muß man echt suchen.
Mein Jagdführer ist Aiwo. Er will noch abends eine Mondscheinpirsch mit mir machen. Die Esten haben ihre eigene Jagdstrategie entwickelt. Morgens wird meist mit dem Auto gepirscht. Es werden die reichlich vorhandenen Wildäcker, Wiesen, Fütterungern und Salzlecken angefahren. Den Schuß aus dem Auto gibt es nicht. Das Wild wird angegangen. Abends dominiert der Ansitz. In diesem Revier waren hoch kapitale, geschlossene Kanzeln vorhanden, die teilweise, mit ihren 3 Plattformen im Bock , an unsere Feuerwehrtürme erinnerten.
Im Oktober/November wird hauptsächlich auf den Elch gejagt. Im Dezember/Januar gilt die Jagd den Sauen. Dann tummeln sich überwiegend die Finnen in dem Revier und lichten die Sauenbestände an den reichlich vorhandenen Futterhaufen.
Nach dem reichlichen Abendessen fuhr Aiwo mit mir hinaus. Gleich hinter der Ortslage wechselte ein starker Keiler über den Feldweg und verhoffte
noch im Scheinwerferbereich. "Schießen", rief Aiwo. Nur gut, dass er unser Auto nicht lange aushielt. Aiwo hatte meine Reaktion nicht verstanden.
Ich war ja nicht wegen den Sauen gekommen. Wieder im Jagdhaus angekommen mußte ich dem Jagdherren erklären warum ich nicht ich auf den Keiler geschossen hatte. Er verstand mich aber und wir machten ein langes Pallaver über Abschußmöglichkeiten und Preise. Dabei machte er mir den Vorschlag einen Braunbären zu jagen, den er am Luder/Kirrung hatte.
In meinem vorherigen Blog ist das Foto von den Abdrücken seiner Branten an einem Futterautomaten. Es handelt sich um einen 3 - 4 jährigen Petz.
Im Revier sollten 8 Braunbären vorhanden sein. Bis zum 31.10.07 hatte er noch eine Lizenz. Erstaunlicherweise machte mir der Jagdherr einen
Kilo-Preis, der durchaus moderat war und mit einem Elchabschuß auf einer Ebene lag.
Am anderen Morgen war herrliches klares Wetter und Aiwo brachte mich an mehrer Sauenrotten heran, die ich aber alle pardonierte. Seine Worte waren: "Sowieso alles Wolfsfutter". Mittags war mein Freund angereist
gekommen und ein Holsteiner, der sich an mich heran gehängt hatte und die Elchjagd kennen lernen wollte. Es war ein 69 Jahre alter Landwirt, dem
wie ich erst vor Ort erfuhr, ein Großteil seines Lungenvolumens fehlte.
Er hatte viele Jahre auf heimischer Scholle auf Niederwild und Rehwild gejagt. Die Jagd auf schweres Schalenwild kannte er überhaupt nicht - und hatte - völlig unbegründet - eine gewaltige Angst vor den Russen.
Abends erlegte der Freund auf einem Rapsacker den abgebildeten Sechser.
Der Abend war feuchtfröhlich und schaffte viel Vertrauen zu einander.
Am nächsten Morgen fuhr ich mit Aiwo. An einer bestimmten Stelle fuhr er vorwärts und wieder rückwärts. Ein Elchtier stand an einer Salzlecke und er schlug vor es anzugehen. Es hielt uns aber nicht aus und sprang ab. Mir war das Recht, denn ich wollte gern einen Bullen erlegen. Auch ein Elchschmaltier drängelte sich nicht danach erlegt zu werden. Schon auf der Heimfahrt überquerten wir einen teilweise mit Weiden zugewachsenen Graben und erkannte darin ein Stück Elchwild breit stehend.Aiwo sagte:"Bulle". Ja, aber ein ganz Kleiner. Gemessene Entfernung 200m.
Mir blieb nicht viel Zeit. Der Motor lief unf das Stück hatte uns eräugt.
Schießen oder nicht schießen? Doch dann siegte der Spruch: Der Spatz in der Hand ist besser ais die Taube auf dem Dach. Raus war die 13,0 g Oryx
aus der 30 - 06. Das Stück ruckte zusammen und überfiehl den Grabenrand.
Nun hätte ich ja dem Stück erst mal Zeit gelassen aber Aiwo spurtete los und ich hinterher. Er führte ja auch keine Waffe mit. In einer Entfernung von etwa 150 m leuchtete es weis an einem daumenstarken Weidenast.
Auch das noch. Ich hatte ihn genau durchschossen. Wo wird wohl die Kugel angekommen sein? Dann sind wir an den Eingriffen und der Fluchtfährte - und sehen den längst verendeten Spießer hinter dem Wall liegen. Große Freiue auf beiden Seiten und auch beim Jagdherrn. Er lockt wieder mit dem Bären und meint, der Elch sei eine Zugabe. Abends sitze ich
an einem Wildacker und kann einen Marderhund erlegen.
Über Nacht wurde es kalt und der Winter kam. Eigentlich wollte ich am kommenden Morgen so richtig ausschlafen doch der Holsteiner bat mich mit ihm gemeinsam pirschen zu fahren. Wie auch bei uns zuhause reagiert in Estland das Wild auf den ersten Schnee immer erst verhalten. Kurz - wir hatten keinen Anblick und fanden auch keine Fährten. Schon auf der Heimfahrt sehen wir 2 graue Riesen, es sind Stangenelche, an einem Grabendrand verhoffen. Ich schiebe den Holsteiner aus dem Jeep und biete ihm meine Schulter zur Auflage an. Es waren 150m bis zum Wild und ich raunte ihm zu den Letzten zu nehmen. Im Knall aus dem Drilling konnte ich bemerken, dass die 8 X 57 IRS weit hinten sitzen muß. Der Elch zeichnete genau so wie ich es vom Rotwild her kannte. Beide Stücke zogen in den angrenzenden Erlenbestand. Der weiße Leithund ließ uns bald den Anschuß finden und der Wundfährte folgen. Das wunde Stück blieb beim Gesunden und näßte mehrmals. Hier gab es wohl keine Mißverständnisse. Aiwo brach ab und wir führen ins Jagdhaus. Dort nahmen wir das Frühstück und Mittagessen zusammen ein. Gegen 14.00 Uhr trafen einheimische Jäger ein und der Jagdherr holt seine beiden Laiki aus dem Zwinger. Im Revier trafen wir uns mit zwei jungen Burschen, die auf Brettern die Elche eingekreist hatten. Wir drei, der Freund, der Holsteiner und ich werden an einem Grabenrand postiert. Bald hörte ich den Bail der Laiki und die Jagd kam spitz auf mich zu. Die beiden Elche brachen durch das Luch, dass ich dachte ein LKW rauscht auf mich zu. Ich kann absolut nicht ansprechen welches der Kranke und welches der Gesunde ist. Mein Freund nimmt mir alle Überlegungen ab und setzt gekonnt den kranken Bullen die Kugel auf den Stich. Dankbar nahm der Holsteiner seinen ersten Elch in die Arme.
Monate Später klingelte bei mir zuhause das Telefon. Der Holsteiner bedankte sich über meinen Beitrag, mit Erlegerfoto, den ich für das Mitteilungsblatt des LJV geschrieben hatte. Heute hängen die Stangen, abgesägt und auf einen Kunstschädel montiert, in Schleswig-Holstein an einer Scheune.
Es war Vollmond und es versprach eine bitterkalte Nacht zu werden. Dennoch wollte ich mein Glück auf den Braunbären heraus fordern. Alle meine mitgebrachten Klamotten waren angezogen. Zusätzlich nahm ich eine warme Wolldecke und die "entsprechende" Verpflegung mit. Aiwo fuhr mich bis an die Leiter der geschlossenen Kanzel heran und forderte mich auf
direkt aufzubaumen. Vorher hatte er mich noch in das Ansprechen des Braunbären unterwiesen, weil mehrere Bären zur Kirrstelle kommen können.
Als der Mond so richtig oben war konnte ich erkennen, dass ich vor der Ruine des ehemaligen Hauses eines Waldwärters o.ä. saß. Deutlich waren die Reste einer Steinmauer und eines Obstgartens zu sehen. Wie mag die Familie hier gehaust haben, fern jeglicher Zivilisation und ohne elektrischen Strom. Die Stunden vergingen. In der Ferne heulte ein Wolf. Wild habe ich in dieser Nacht nicht gesehen. Gegen 08.00 Uhr holte mich Aiwo ab und zeigte mir die Spur eines Bären, welcher den Hochsitz in einer Entfernung von 100m umkreist hatte. Bärwild ist vorsichtiger als unserer Rotwild und weiss sehr wohl dem Jäger aus dem Wege zu gehen. Egal, ich kann von mir behaupten einmal auf den Bären gejagt zu haben. Später bin ich in Russland unter ganz anderen Gegebenheiten mit einem Bären zusammengetroffen.
Wie bei uns auch veränderte sich an den nächsten beiden Tagen, nach dem Vollmond, das Wetter. Regen setzte ein und der Schnee schmolz weg.
Da bot mir der Jagdherr noch einen Ansitz an einer Salzlecke an, an welcher regelmäßig eine Elchkuh stehen sollte. Natürlich hatte ich Interesse und saß bereits gegen 15.00 Uhr in einer geschlossenen Kanzel. Wind und Schneeregen sauten von der See her und ich kuschelte mich in meine Joppe. Früher als geahnt zog, weit sichtbar, ein geringer Elchbulle heran. Auf 220m konnte ich ihn als Gabler ansprechen und setzte ihm die 13,0 g
Oryx hoch aufs Blatt. Der Bulle drehte ich einmal und tat sich nieder, um sich zu strecken und zu verenden. In der Dämmerung kam Aiwo. Er wollte mir die Erlegung des Bullen garnicht so richtig glauben und meinte, ich würde auch noch auf der Kirchturmspitze Strecke machen. Am meisten freute sich der Jagdherr, weil er unbedingt Wildbret für die Wurstfabrik brauchte.
Zum Abschluß konnten wir uns dann auch ausgiebig von dem schmackhaft zubereiteten Elchbraten überzeugen.
Estland ist für mich eines der besten Jagdländer Europas und seine Menschen begeistern mich immer wieder.

Gangloff
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Gangloff

Gangloff

Alter: 70 Jahre,
aus Oranienburg
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Kommentare

19.06.2012 15:31 swinging_elvis
Diese Geschichte ist etwas unstrukturierter als die vorherige, aber man kann mitfühlen. Die Lust auf Elch wächst! Waidmannsgruß, el
19.06.2012 19:58 esau
swinging_elvis schrieb:
Diese Geschichte ist etwas unstrukturierter als die vorherige, aber man kann mitfühlen. Die Lust auf Elch wächst! Waidmannsgruß, el

Aber dennoch erfährt man die Begeisterung für Land,Leute und die dortige Jagd.
19.06.2012 20:04 WiednerDerSteirer

.... eine wunderbare geschichte.... die ein wenig zum täumen einläd
20.06.2012 08:04 aelg
Waidmannsheil Gangloff,

war bei Deiner Erzählung ganz bei Dir.
Die grauen Riesen sind einfach eine tolle Wildart.

WH
Aelg
20.06.2012 08:44 Gangloff
swinging_elvis schrieb:
Diese Geschichte ist etwas unstrukturierter als die vorherige, aber man kann mitfühlen. Die Lust auf Elch wächst! Waidmannsgruß, el


Es wäre doch schlimm wenn sich alles wiederholen und im gleichen Trott verlaufen würde.

Beste Grüße
Gangloff
20.06.2012 08:52 Gangloff
WiednerDerSteirer schrieb:

.... eine wunderbare geschichte.... die ein wenig zum täumen einläd


Estland muß kein Traum sein. 2 Stunden Flug, nette Leute, faire Preise, ein guter Wildbestand, Rundumversorgung, kaum Verständigungsschwierigkeiten.
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