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In der Abendsonne ist die Erin...

Mein stärkster europaischer Elch. (4 Einträge)

Schon zurück gesetzt Braunbär... In Estland. !6-ender. 12 Jahre alt.
751 mal angesehen
16.06.2012, 21.01 Uhr

In der Abendsonne ist die Erinnerung immer golden.

Ich hatte eine lange schwere Krankheit und deren Folgen hinter mir und wollte es in Estland nochmals auf den Elch versuchen. Am 01.11.2006 landete die Maschine in Tallin. Auf dem Vorplatz des Flughafens suchte ich nach einer jungen, blonden Frau mit dem Namen Elva, die ich schon von früheren Reisen kannte. Da kam sie auch schon mit ihrem Mercedes-Taxi vorgefahren und wir begrüßten uns wie es sich unter alten Bekannten gehört. "Wohin soll es dieses Mal gehen?", fragte sie im lupenreinen Deutsch. Nach Linnamäe lautete meine Antwort. Natürlich kannte sie diesen Ort und ab ging die Fahrt. Unterwegs erzählte sie mir, dass dort früher die Regierung gejagt hat. Na, mal sehen. Ich wollte mich überraschen lassen.
Nach einer reichlichen Stunde Fahrtzeit kamen wir in Linnamäe, etwa 150 Km von der russischen Grenze und nahe an der See und auf der Höhe von Helsinki an. Mitten in endlosen Wäldern und Sümpfen fanden wir das Jagdhaus, welches ich umgehend bezog. Anwesend war nur die Köchin, welche mich hervorragend versorgte. Bald kam der zuständige Berufsjäger
und wies mich in das Revier und die Besonderheiten ein. Wir wollten in einem Revier von 55.000 ha Größe jagen. Es waren aber weitere 5 Jagdgäste zur Elchjagd im Revier. Vorhanden war Elch, Rehwild, Schwarzwild,
Bär, Wolf, Luchs, Bieber, Fuchs, Marderhund, Auerwild, Birkwild usw., usw.
Anschließend holte der jagdführer einen prallen Essenbeutel aus der Küche und forderte mich auf ihm zur Jagd zu folgen. Hoppla... gebucht hatte ich 6 volle Jagdtage. Das Thema kenne ich. Die Neugier war doch zu groß und erst der Tatendrang. Also rein in den Jeep und hinaus in eine der endlegensten Gegenden Europas, in der noch bis Mitte der 50 - ziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die "Waldbrüder" hausten. Während der Fahrt erfuhr ich, dass es zu warm ist und die Elche sich überwiegend im Moor aufhalten. Erst wenn eine dünne Eisschicht das Wasser bedeckt, verlassen sie das Moor. Diese Mitteilung war für mich nicht sehr ermutigend. Ich hätte doch 2 Wochen später buchen sollen. Dann stopte der Jeep und mein Jagdführer angelte einen dreibeinigen Küchenhocker aus dem Fond des Jeep's. Ich ahnte Schlimmes. Nach einem kurzen Marsch standen wir vor einer weit einsehbaren, teilweise unter Wasser stehenden und mit Birken und Erlen bewachsenen Freifläche. In einer Entfernung von etwa 400m
erkannte ich eine kleine Erhebung, welche mit mehreren Kiefern bewachsenen war. Eine Kiefer war umgestürzt und mächtig ragte der Wurzelteller in die Höhe. Mein Jagdführer drückte mir den Hocker in die Hand und wies auf die Kiefernanhöhe. Dort sollte ich ansitzen bis er mich um 18.00 Uhr wieder abholen wollte. Ich machte eine gute Miene zum bösen Spiel und folgte einem unter Wasser stehenden Trampelpfad oder Wildwechsel. So sah also die Führung 1 : 1 aus - ging mir durch den Kopf.
Nach einigen Metern funkte es bei mir, weil der Boden sich bewegte und schwankte. Ich befand mich auf Moorboden, den ich bis dato absolut nicht kannte und fühlte mich sehr unsicher. Auf jedem Fall war ich froh unbeschadet auf der kleinen Anhöhe angekommen zu sein. Ich gestehe mal an dieser Stelle, dass mein Unterhemd feucht war und bestimmt nicht nur von der Anstrengung des kurzen Marsches. Der Hocker erwies sich als
Ansitzbehelf völlig unbrauchbar, weil die Beine ständig in den weichen Moorboden einsanken.Endlich saß ich auf dem Stamm der liegenden Kiefer und hatte das Umfeld sortiert und abgeglast. Nichts! Ich war allein im Moor.
Aber was für eine Stimmung in mir? Hatte ich mir diese Jagd nicht so sehr gewünscht? Lange brauchte ich nicht sinnieren, denn mit dem Wind von der See her kam ein heftiger Flockenwirbel, der mich bald weiß einhüllte.
Meine Hoffnung auf den kapitalen Elchbullen verschwand immer mehr.
Längst hockte ich hinter dem Wurzelteller und duckte mich unter meine Regenpellerine. An Jagd dachte ich überhaupt nicht mehr, denn ich hatte nur zu tun damit meine Optik blank zu halten und mich vor den Schneeschauern zu schützen. In zwei Stunden wollte der Jagdführer mich abholen. Bis dahin mußte ich aushalten. Gut dass ich den Futterbeutel und eine Thermoskanne mit warmen Tee im Rucksack hatte. Dennoch kroch die Kälten langsam kroch in mir hoch. Endlich 18.00 Uhr und ich begann Ausschau nach dem Jagdführer zu halten. Nichts! Allerhand Gedanken gingen durch meinem Kopf. Hatte der mich vergessen? Schon hatte ich mein Handy in der Hand, doch wen sollte ich anrufen? Wir hatten keine Nummern ausgetauscht und der Vertrag mi t dem Reisebüro lag im Jagdhaus. Schon wollte ich meine Frau anrufen. Doch sollte ich mich jetzt bei ihr ausheulen? Vielleicht noch mitteilen dass ich - vergessen - im Moor sitze. Ich kenne sie und weiß, dass sie Himmel und Erde in Bewegung setzen würde. Also warten.
Endlich sehe ich gegen 20.30 Uhr das schaukelde Licht einer Taschenlampe.
Der Jagdführer entschuldigt sich. Er hatte bei der Bergung eines Elches mit helfen müssen und mich keinesfalls vergessen. Auf der Rückfahrt klappern mir, im warmen Jeep die Zähne. Im Jagdhaus angekommen nimmt mir der Jagdführer meine Büchse aus der Hand und schiebt mich mit all meinen Klamotten behangen in die heiße Sauna. Später kommt er mit zwei Flaschen Bier und einem kräftigen Schluck Wisky, ja Wisky und keinen Wodka.
Nach einer Stunde sin meine Klamotten trocken und mein Seelenfrieden ist wieder hergestellt.
Die gute Küchenfrau und der Jagdführer sind längst zu hause. Ich bin allein im Jagdhaus, dessen Tür übrigens nicht abzuschließen war, und lasse mir ein riesiges Stück Elchbraten schmecken. Neugierig studiere und begutachte ich die Trophäen an den Wänden und meine letzten Gedanken an diesem Tag waren: Die Elche müssen aus dem Moor gekommen sein.
Am nächsten Morgen fällt mein Blick auf eine etwa 30 cm hohe Schneedecke. Jagdführer und Küchenfrau treffen ein und wir frühstücken gemeinsam. Dann ging es wieder ins Revier. Der Jagdführer donnert mit flotter Geschwindigkeit die schnurgeraden Schotterpisten entlang.
Jetzt nur keinen Elchtest machen, waren meine Gedanken. Endlich, nach 30 min. Fahrt treffen wir auf einen wartenden Jeep. " Du jetzt mit Andre'
jagen", sagte der Jagdführer. Ich schwang mich in den Jeep und verstaute Büchse und Rucksack. Es war eine eigenartige Situation mit dem schweigsamen Andre' im Auto. Vorsichtig begann ich ein Gespräch. Welche Freude? Andre' hatte als Soldat in der ehemaligen DDR gedient und sprach etwas Deutsch und Englisch. Auf mein Russisch reagierte er überhaupt nicht, obwohl er, wie ich später erfahren durfte, diese perfekt beherrschte.
"Was willst Du hier", waren seine Worte und ich antwortete: "Ich möchte gern kennen lernen wie Du jagst". Nach einigen nachdenklichen Minuten
begann er mit seiner Einweisung. Rucksack und Doppelglas sollten im Auto bleiben, da ich dies nicht brauche. Mein Kaliber 30-06 sei viel zu stark. Ich solle so schnell schießen wie ich kann, denn er würde jedes Jahr mindestens einen Elch verlieren, den ein Jagdgast anflickt und dann ins Moor geht.
Na gut.
Inzwischen ist es hell geworden und ich blicke auf eine weiße Moorlandschaft. Ein Waldbrand hatte vor einigen Jahren auf eine Fläche von 800 ha gewütet. Deutlich waren noch verkohlte Birken zusehen. Aber neuen Birken und Kiefernanflug, Weiden und Erlen machten sich schon breit.
Wir stellten den Jeep ab und pirschten am Rande der Kahlfläche entlang.
Plötzlich kam uns ein Elchtier mit Kalb flüchtig schräg entgegen und hinterher
zogen langsam 6 Wölfe. Was für ein Anblick? Das waren meine ersten Wölfe in freier Wildbahn. Andre' schimpfte, weil die Wölfe uns die Jagd verdorben hatten. Aufgeregt telefonierte er mit seinem Kollegen. In diesem Zusammenhang habe ich viel über Wölfe erfahren und die Meinung der Esten zu diesem Großraubwild kennen gelernt.
Wir pirschen weiter und Andre' zeigt Birkwild und später auch Auerwild, welches sich an dem kniehoch wachsenden Blaubeeren, die noch voller Früchte waren äste - und das war am 02.11. Ich habe noch nie so viele Blaubeeren vom Strauch geflückt und gegessen wie an diesem Morgen.
Plötzlich zeigt Andre' in eine bestimmte Richtung und sagt: "Sofort schießen!. Ganz großer Bulle, Entfernung 150 m."
Ich sehe keinen Elch, weil mir das Fernglas fehlt. Nun ist ja ein Elchbulle ein großes Stück Wild, welches man nicht so einfach übersehen kann, dennoch
brauchte ich die Einweisung durch Andre'. Endlich sah ich diesen Klotz ruhig in
einer kleinen Birkengruppe stehen und ich mußte freihändig stehend ins Ziel gehen. Das Blatt eines Elches hat ja die Größe des bekannten Klo'deckels und den sollte man schon treffen können. "Raus" war der Schuß und ich glaubte gut abgekommen zu sein. Andre' haute mir auf die Schultern, forderte mich auf schnell zu repetieren und brachte mich auf Tempo. Im scharfen Lauf ging es in Richtung Elch und dann kam eine Wasserfläche, die ich vorher überhaupt nicht gesehen hatte. Andre' ging diese frontal an, d.h.
er lief einfach durch und ich wollte natürlich nicht zurück bleiben, obwohl mir das Wasser bis in die Taschen meiner Wattehose lief. Auf eine kleinen Anhöhe angekommen, zeigte er mir meinen Elch, der sich in Richtung Moor bewegte. Ausgepumpt von dem schnellen Sprint wackelte ich über den sich entfernenden Wildkörper und trug ihm noch zwei Schüsse an. Erst der zweite Schuß warf den Elchbullen um. Andre' lachte übers ganze Gesicht und ich schrie meine ganze Freude in den jungen, nordischen Wintermorgen. Langsam ließ meine innere Anspannung nach und ich wollte zu meinem Elchbullen. Doch Andre' hielt mich zurück und erst nachdem er einen Knüppel über den Wildkörper geworfen und festgestellt hatte, dass der Bulle verendet war, durfte ich zu meiner Beute. Andre' war ein feiner Kerl. Er hielt sich abseits und ließ mich mit meine Beute allein und er verstand mein Glücksgefühl und meine Dankbarkeit, als ich die starken Schaufeln in meine Arme nahm.
Es war übrigens ein 12 Jahre alter Schaufler mit geraden 16 Enden, welcher schon zurück gesetzt hatte. Das Wildbretgewicht betrug 450 Kg und die Bergung wäre eine extra Geschichte. Die Trophäe erhielt vom estnischen Jagdverband eine Bronzemedaille.
Andre', mit dem mich immer noch eine gute Freundschaft verbindet, sagte mir zum Abschied:" Jetzt weißt Du wie wir jagen. Wir haben den Biathlonsport entwickelt."
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Gangloff

Gangloff

Alter: 70 Jahre,
aus Oranienburg
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Kommentare

16.06.2012 21:18 Ginger65
Schön geschrieben - du verstehst es Neugier zu wecken! Denn das geht doch noch weiter!?
LG Ginger
17.06.2012 07:05 PShunter
Sauber....Waidmannsheil!!

Der Elch steht auf meiner ToDo liste auch ganz oben

hunter
17.06.2012 09:19 ueberlaeufer87
Wmh!Das schreit ja förmlich nach Teil Zwei der Geschichte nach dem Schuss
17.06.2012 09:27 2309udo
Kräftiges WMH und ein Dankeschön für die
schöne Geschichte. Mach was aus und ich fahre
im Herbst mit
WMH Udo
17.06.2012 09:51 WiednerDerSteirer

... ja man n sollte sich seine träume erfüllen...ganz tolles jagderlebnis....
steirergruß
17.06.2012 12:52 steyer0_1
wmh
17.06.2012 18:16 Kija
Noch nachträglich Weidamnnsheil
und nun fehlt noch die Geschichte von der Bergung, die muss jetzt sein
LG Kija
18.06.2012 09:25 Dackelbiene
Dort ist Jagd noch etwas anders .

Schön, wieder eine Erzählung vor Dir aus einer anderen Ecke der Welt zu lesen. Danke!

Grüsse Sabine
18.06.2012 09:26 Gangloff
2309udo schrieb:
Kräftiges WMH und ein Dankeschön für die
schöne Geschichte. Mach was aus und ich fahre
im Herbst mit
WMH Udo


Oh...Udo. Ich bringe erst mal noch Teil II, d.h. einen Bericht über meine letzte Estlandreise.
Sollte ich noch einmal in diesem Lande jagen, denke ich vorher an dich.

Weidmannsheil
Gangloff
18.06.2012 09:35 2309udo
Gangloff schrieb:
Oh...Udo. Ich bringe erst mal noch Teil II, d.h. einen Bericht über meine letzte Estlandreise.
Sollte ich noch einmal in diesem Lande jagen, denke ich vorher an dich.

Weidmannsheil
Gangloff


Danke
WMH Udo
18.06.2012 09:36 schlabbe
Waidmannsheil. Super geschrieben. Du weist ja, wer A sagt muss auch B sagen. Her mit dem 2 ten Teil.
18.06.2012 09:36 swinging_elvis
Feine Sache. Waidmannsheil im Nachgang. Da freue ich mich auch schon auf den Herbst und die Reise zu den Riesen! Lass mehr lesen.. El
18.06.2012 16:33 faehe81
Waidmannsheil

Viele Grüße
faehe
18.06.2012 21:53 Hupp
Suuuuper
18.06.2012 22:35 duckhunter
Wmh zur Biathlon-Bronzemedaille Tolle Geschichte und bestimmt ein sehr schönes Erlebnis. Der zweite Teil ist bestimmt auch nicht schlecht. (Bergung) Und dann gibt es bei uns Jägern ja meist einen dritten Teil,mit anschließenden Kopfschmerzen!? Der könnte auch noch interessant werden,falls du dich noch an alle Einzelheiten erinnerst?
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