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Der kranke Abschlusskeiler

Hegeabschuss eines Keiler (1 Eintrag)

Laufkranker Keiler Krankheitsbild
785 mal angesehen
02.06.2012, 14.01 Uhr

Der kranke Abschlusskeiler

Nach 4 Jahren Abendschule war das Ende langsam abzusehen, die Tage bis zu den Abschlussprüfungen rannten nur so. Im heimischen Revier wo wir Jungjäger seit Bestehen der Jägerprüfung zur Jagd gehen dürfen, rannten die Sauen leider auch auf den frisch gelegten Mais. Das war eine gelungene Entspannung neben dem vielen Lernen auf den letzten Metern. So packte ich die sieben Sachen und das Fachkundebuch (nur für das Gewissen, dass das Buch im Rucksack ist) und begab mich zu recht später Stunde zum Sitz. Die Sauen kamen immer erst spät, sodass ich vorher noch … – lernen konnte.

Die Sonne machte langsam Platz für die Dunkelheit und Familie Dachs machte solch einen Radau, dass man denken konnte es käme eine ganze Rotte. Aber wer kenn nicht das hochschnellen des Puls, mit einer noch so schnellen Entspannung wenn es dann doch nur ein Dachs war. Zwischendurch sind mir immer wieder die Augen zugefallen, aber machen kann man nichts dagegen, außer vielleicht mal etwas länger schlafen. Aber Schlaf wird überbewertet. Relativ wach wird man dann doch sehr schnell, wenn nun doch keine Familie Dachs durch das trockene Laub streift sondern eine Rotte. Zuerst wusste ich nicht was ich vor mir hatte, denn es war eine sehr schlaue alte Bache wie ich es selten erlebt habe. Nachdem sie die Frischlinge in den Büschen abgelegt hat, ist sie erst selber an die Kirrung und hat sich senkrecht im gewissen Abstand zur Kanzel gestellt – nach 10 Sekunden „Ich und die Bache“ kam ein tiefes „Wooooouuuffff …“ und die Bildfläche war leer. Nur hörte man die kleinen Frischlinge die durch die Büsche rannten und ihrer Mutter folgten. Es ist immer wieder erstaunlich wie intelligent und vorsichtig die Sauen sein können, vor allem je älter diese werden. Auch die super ausgeprägte Sozialstruktur.

Es vergingen wieder ein paar Minuten, als 3 gleichgroße Sauen aus einem anderen Teil des Reviers durch lautes rascheln auf sich aufmerksam machten. Angesprochen und die Größe passte, nun musste ich nur noch warten bis die 7x65R den Lauf verlassen konnte und zum ersten mal ein Stück Schalenwild mit dem Drilling fallen würde. Nachdem die Kameraden sich ausgiebig um ihre Borsten am Teer gekümmert hatten kam die erste mehr und mehr in Richtung einer günstigen Schussposition. Als die Sau breit stand und ein sicherer Schuss möglich war verließ die Kugel den Lauf und fasste die Sau am Blatt und verließ den Körper eine Handbreit hinter dem Blatt. In einem Bogen rannte sie los und verschwand im Gehölz, jedoch hilft es ungemein auf die nachfolgenden Geräusche zu hören. Man kann teilweise sehr gut die Fluchtrichtung so ausmachen und auch etwas über die Länge der eventuellen Flucht sagen. Dann abgewartet und schon mal den Jagdkumpan verständigt, der sich in ein paar Minuten auf den Weg machen wollte, meistens schauen wir wenn es eben geht immer zu zweit, 2 Augen sehen mehr und die Sicherheit wird dadurch auch nicht gemindert. Am Anschuss fand sich tiefroter Schweiß und etwas Lungenschweiß, die Schweißspur konnten wir gut verfolgen und fanden die Sau nach einer Flucht von ca. 50m. Es war die 2te Sau im heimischen Revier nach 10 Monaten. Die Sau war ein guter Grundstein für die kommende Prüfungswoche, sodass ich an den beiden Tagen danach mehr als zufrieden gelernt habe. Immer in Gedanken an die Sau. Die Spare Ribs aus dem Backofen waren zudem auch sehr lecker J. Der nächste Ansitz sollte dann erst nach den Prüfungen folgen.

Es folgten die 3 Prüfungen und Freitagnachmittag hieß es dann, was machen mit der Neu gewonnen Zeit ??? à Genau Jagen …! Der Pächter von einem anderen Revier sagte auch, dass die Sauen zur Zeit sehr früh schon da wären, teils auch vor 22 Uhr. Das passte mir sehr gut, denn am Wochenende wollte ich mit dem Sohn einer Bekannten zum Ansitz, er wollte gerne mal mit und hat sich auch dementsprechend gefreut, doch im Alter von 9 Jahren fallen die Augen auch schon mal vor 22 Uhr beinahe zu und wir mussten abbaumen. Doch gesehen haben wir was - eine Ricke, einen Marder („da kannst du dem Papa sagen, du hast einen Marder gesehen, so einen merkt der Papa höchstens“) und auf dem Weg zum Auto noch einen Hirsch und Alttier. Die Sauen haben uns an diesem Tag leider keinen gefallen getan, doch hätte ich auch mehr die Chance genutzt wenn welche gekommen sind um dem Kind die Freude zu machen und diese einmal in ihrer natürlichen Umgebung anzuschauen.

Anfang der neuen Woche haben wir noch im heimischen Revier eine Kanzel aufgestellt und uns dann kurzfristig entschieden doch noch raus zu gehen, wohl nicht ins heimische Revier, da sich die Sauen zur Zeit dort nicht blicken gelassen haben. Angesichts von gekörntem Mais auch im Sinne der Landwirte und Jagdpächter. Doch der Mais wird wachsen und es ergibt sich eine wunderbare, man könnte schon fast sagen Mais-Wald Landschaft wo es kaum noch ein rankommen an die Sauen geben wird. Also ging es wieder mit dem Kumpel auf zum Ansitz, jeder auf eine Kanzel. Nach einem durchziehenden Rudel Rotwild vor mir, Schmalreh und einem Bock gab es eine zuerst komische Situation. Der Bock war zuerst sehr vertraut, doch schreckte immer wieder auf und äugte ins Fahrn. Auch ich äugte wieder Bock ins Fahrn und brachte meine Sako im Kaliber .30-06 in Stellung. In einem Zeitraum von ein paar Minuten wurde der Bock immer unruhiger, als ich plötzlich einen dunklen Schatten vernahm der im Fahrn am Rand der Kirrung stand. Okay dachte ich mir, es könnte eine Bache sein mit Frischlingen also abwarten. Die Sau verschwand kurz wieder worauf der Bock auch wieder kam, doch dann hochflüchtig abging, als die Sau weiter aus dem Fahrn raus kam. Mein erster Eindruck einer Bache änderte sich mit dem Verhalten der Sau und dem äußeren Erscheinungsbild. Die Quaste war deutlich lang und das Gewaff war zu erkennen. Doch der nun mehr als Keiler angesprochene Sau war komisch bzw. kam mir komisch vor. Er humpelte total und stand immer auf 3 Beinen, auch beim Sichern hatte er Probleme zu laufen. Unter dem Hinblick einer Laufverletzung wie einem Laufschuss – habe ich mich dazu entschlossen einen Schuss anzutragen und die Sau zu erlösen. Die .30-06 fand alsbald das Blatt, worauf die Sau ohne zu zeichnen abging ins Fahrn. Den Kumpel geholt und dann zusammen den Anschuss angeschaut. Es fand sich sehr wenig Schweiß am Anschuss, darum haben wir uns schon Gedanken gemacht bezüglich einem geschlossenem Wundkanal oder gar schlecht abgekommen. Ich war mir aber sicher gut abgekommen zu sein, daher sind wir den eingriffen im Boden nach. Auch vom Hochsitz konnte ich nach Schussabgabe wieder hören, dass die Sau nicht weit gekommen ist und im Umkreis liegen könnte. In dieser Richtung haben wir dann geschaut und den Keiler dann auch Schließlich gefunden. Es ging nun dran die Sau aus dem Wald heraus zu ziehen und dann mit einem Trecker zum Aufbrechplatz zu fahren. Schon im Wald haben wir gesehen, dass das komplette vordere Gelenk festgewachsen ist und die Sau ihren vorderen rechten Lauf nicht mehr bewegen konnte. Aufgebrochen brachte die Sau 69 Kg auf die Waage und das bei einem Alter von 3 – 4 Jahren.

Die Frage die ich mir nachträglich stelle, habe ich richtig gehandelt, oder war es ein Fehlabschuss. Die Sau hatte richtige Probleme zu laufen und ich denke mal, dass das brechen auch nicht einfach war für das kranke Stück, da sie nicht die gesamte Kraft über die Vorderläufer aufbringen konnte. Ebenfalls muss man sich Gedanken machen um das Verhalten, ein normaler Keiler kommt keinesfalls um 22 Uhr bei bestem Büchsenlicht an die Kirrung. Ich habe mir die Mühe gemacht und das Schultergelenk abgekocht um mal zu sehen, wie der Knochen zusammen gewachsen ist. Es waren immer noch kleine Bruchstücke vorhanden und teils richtige Trennungen innerhalb der Knochen. Ich werde noch ein Bild der Knochen einstellen, sobald diese gebleicht sind.
Ich hab dem kranken Stück weitere Leiden erspart und habe richtig gehandelt.

Waidmannsheil
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Kommentare

02.06.2012 14:18 kampfsau
Du hast alles richtig gemacht WMH
02.06.2012 14:22 NRWHunter91
Waidmannsheil zum Hegeabschuss mein Freund...
Mfg
02.06.2012 14:40 Jaeger77
02.06.2012 17:27 Raphi
ja auch von mir ein kräftiges Waidmannsheil...
02.06.2012 22:30 swinging_elvis
Passt. Waidmannsheil!
03.06.2012 18:03 niko140292
Weidmannsheil !
03.06.2012 18:44 Raphi
gibt es auch schon Ergebnisse von der Prüfung?
03.06.2012 18:47 Agrardesigner
Raphi schrieb:
gibt es auch schon Ergebnisse von der Prüfung?

12.06 ... aber ich widme mich jetzt wieder mehr der Jagd, durch 3 Tage mehr in der Woche zuhause. Den Hund freut es
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