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Füchse, Füchse, Füchse

Fuchsjagd (10 Einträge)

Fuchsjagdimpressionen 1 Fuchsjagdimpressionen 3
601 mal angesehen
29.05.2012, 20.18 Uhr

Russische Alp-Kojoten

Wladimir und Pjotr waren dicke Freunde. Sie teilten vieles, am liebsten aber die Jagd. Das sicher größte Abenteuer war eine gemeinsame Bärenjagd gewesen, in den eisigen Weiten Sibiriens. Was war das gemeinsame Waidmannsheil eine Freude!

Zumeist aber sah es mau aus bei den beiden. Kein Geld und viel Arbeit waren im Leben der beiden an der Tagesordnung. Dazu kam noch, dass Pjotr immer noch keinen Rotfuchs erbeuten konnte. Der Balg dieser Spezies stellte im Dorf der beiden noch ein begehrtes Gut dar, Jacken, Westen, Mützen… wer den Fuchs hatte, dem war warm. Umso mehr wurmte dem passionierten Jäger sein Misserfolg. Ja, er begann des Nachts vom Jagen zu träumen und der Fuchs im dicken Winterbalg hing wie ein Alp über ihm.

Da traf es sich hervorragend, dass Wladimirs Vater sich rund um sein Dorf systematisch auf die Bejagung des Roten eingestellt hatte. „Die sind hier groß wie Kojoten!“. So erzählte er es Pjotr und lud ihn bei einem Besuch in dessen Dorf auch gleich ein, ein Wochenende mit ihm auf die begehrte Beute zu gehen. Pjotr, dessen Zweitname Ludvig er mit Wladimir teilte, war sofort Feuer und Flamme. Sollte dies das Ende seiner Misserfolge sein? Würde er den Alp der Nacht endlich los werden? Vor seinem inneren Auge schnürten des Nachts Myriaden von riesigen Rotröcken vorbei!

Die Zeit verging einfach nicht schnell genug aber endlich fuhr Wladimir mit Vaters Militär-Geländewagen, einem uralten GAZ 67 hupend vor. Und los ging’s. Erst auf der Fahrt fiel auf, dass Wlad, wie er auch von Freunden genannt wurde, eingepackt war, wie eine Mumie… und dann merkte Pjotr es… das rappelige Gefährt war mitnichten winddicht und alsbald klapperte er nur so mit den Zähnen. Das änderte sich erst, als sie im Dorf des Gastgebers angekommen waren und mit einem warmen Plunsch aus Pjotrs Heimat das Leben wieder in seine Glieder fuhr. „Eine gute Vorbereitung, denn das Harren auf den Fuchs wird kein Zuckerschlecken!“ war Wladimirs geheimnisvoller Kommentar. Dafür war es umso gemütlicher in der Stube der Eltern. Die mit Holz getäfelten Wände waren voller Trophäen und Erinnerungen an Knall und Beute. Großvaters alte Hahnenflinte hing dort ebenso wie starke russische Böcke und der Balg eines gewaltigen Wolfes. Auf einem Schrank lag gar die Abwurfstange eines der sagenhaften Marale…

Wie ein Sohn wurde Pjotr im Elternhaus von Wladimir aufgenommen und nach der herzlichen Begrüßung stapelten sich bald auf dem Tisch die Leckereien von Feinsten: fetter Bärenschinken und knuspriger Pirog, Käse und der obligatorischen Wodka. Was wurde da gespeist und geschmaust, es wollte gar kein Ende nehmen. Eine innere Unruhe wollte Pjotr aber nicht verlassen. Es sollte ja noch hinaus gehen in die Winternacht zu den sagenhaften Füchsen…

Und endlich war es soweit. Wladimir blies zum Angriff. Dick eingemummt standen die beiden alsbald vor dem Haus und Pjotr konnte es gar nicht glauben: Hart wehte der Wind die weißen Flocken über das Land. Die Sicht betrug keine fünfzig Meter. Wie sollte man unter den Bedingungen dem begehrten Wild nachstellen? Aber schon rumpelten sie wieder im GAZ 67 über die holprigen Wege dem Revier entgegen. Wlad schien von diesem Unwetter völlig unbeeindruckt. Die Jäger hatten ihre Kombinierten dabei, denn ein Fuchs auf gerechte Entfernung mit Schrot zu strecken… hatte für die beiden etwas… literarisches…

Von zunächst noch freien Wegen ging es bald abseits in den Schnee, der in den letzten Stunden mindestens dreißig Zentimeter neu gefallen war. Pjotr sah die beiden des Öfteren in einer Schneewehe versinken, doch mit einem klagenden Jaulen des Motors ging es jedes Mal weiter. Jetzt hieß es aussteigen und Wladimir wies mit seinem langen Arm hinaus in die Schneesturmnacht. Pjotr sah so gut wie nichts, machte sich aber tapfer auf und stapfte durch den hohen Schnee dem unbekannten Ziel entgegen. Nach einigen hundert Metern sah er ihn dann, einen aus groben Halblingen gezimmerten Hochsitz in der Nähe eines kleinen Wäldchens. Aber was war das? Im Schnee stand die frische Fährte von Michail Iwanowitsch, wie der Bär in Väterchen Russland genannt wird. Auf seinen Anblick hoffte der Jäger aber nicht. Zu unstet wanderte der Braune zu dieser Jahreszeit, sollte er doch eigentlich in seiner Höhle schlummern…

Vorsichtig krakselte Pjotr über die schneebedeckte Leiter hinauf und schob erst einmal das allgegenwärtige Weiß von Sitz und Brüstung. Dann noch schnell den Püster geladen mit dem groben Hagel, der großen und kleinen Kugel und nun galt es. Weit ging der Blick nicht in dieser milchigen Flut, die vom Himmel fiel. In nicht allzu weiter Ferne mochte ein Gehöft sein, von dem es ab und an leise herüber schepperte sowie ein schwacher Lichtschimmer zu erkennen war. Nicht weit vom nahen Wäldchen erkannte der Nimrod einen schwarzen Haufen. Und jetzt erinnerte er sich: Wlad hatte von seiner Wunderwaffe zum Locken von Füchsen gesprochen, einem Misthaufen, in dem er ab und an Aufbruch und sonstige Leckereien vergrub. Na, ob das Rezept aufging? Man würde es sehen.

Kälte? Das war zunächst nicht das Problem. Warm noch lief der Plunsch durch die Adern. Die vielschichtigen Klamotten einschließlich Fäustlinge taten das Ihrige dazu. Entspannt lauerte er in die Nacht hinaus… und da traf es Pjotr wie der Schlag. Keine vierzig Meter hinter ihm schnürte ein grauer, langgezogener Schatten geradewegs auf den Misthaufen zu. Ungläubig nahm er das alte Doppelglas an die Augen und tatsächlich: Da war der Rotfuchs auch schon am beuteversprechenden Haufen angekommen und begann seine Runde. Schnell wurde das Glas gegen den Dreilauf getauscht. Entsichern, einstechen, Kolben ins Gesicht. Jetzt galt‘s. Der Blick durch die großväterliche Optik jedoch war ernüchternd. Weiß-grau schimmerte der Misthaufen und nur als schwache Silhouette sah er die Lunte, als der Rotrock hinter dem Haufen verschwand. Nervös fuhr der Zielstachel hin und her. Irgendwo musste er doch wieder auftauchen. Da! Verpasst. Auf des Berges Spitze war Reineke geschlichen und war auch schon wieder verschwunden. Es war zum Verzweifeln! Und dann war das Schauspiel auch schon vorbei. Spitz von ihm weg schnürte der Rote und empfahl sich in die schneedurchwehte Nacht. Immer noch fassungslos ob des so schnellen Besuchs in solch einer Nacht entstach Pjotr, sicherte und stellte den Drilling wieder ins Eck. Sowas hatte der russische Grünrock noch nicht erlebt. Das musste ja das reinste Fuchs-Eldorado sein.

Während sich die Schneemassen wieder begannen, auf die Brüstung zu türmen, sinnierte der Jäger vor sich hin. „Ranz musste es sein. Sicher waren die Füchse nun Ende Januar schwer unterwegs. Und bestimmt sind die Rüden auch auf der Suche, und wenn das soeben eine Fähe war…“ Sich umdrehend erstarrte der Nimrod erneut. Keine viertel Stunde war vergangen und auf demselben Pass wie eben schnürte ein weiterer Fuchs dem Misthaufen zu. Konnte denn das sein? Jetzt nur nichts falsch machen. Mit sirrenden Nerven war er dieses mal doppelt so schnell wie vorher fertig und anscheinend hatte auch der Schnee ein wenig nachgelassen: Im Blick durch das Zielfernrohr stand der Rotrock klar umrissen am dunklen Hügel und hob soeben den klugen Kopf wie ein Hund, der sagen wollte:“Hier war doch eben was!“ Im nächsten Moment stand der Zielstachel hinterm Blatt und – PETSCH - raus war der Schuss. Der Fuchs machte einen Riesenbocksprung, landete auf allen Vieren und raste wie von Sinnen auf seinem Pass zurück in das Wäldchen… Weg!

Pjotr war geschockt. Er war doch gut abgekommen. Warum lag die begehrte Beute auf diese vielleicht sechzig Meter nicht am Platz. Hatte er verrissen? Gemuckt? Schoss der Dreilauf nicht? Zweifel über Zweifel kamen dem jungen Jäger. Wenig später sah er ein Aufleuchten in der Ferne. Wladimir hatte versprochen, nicht weit entfernt anzusitzen und stiefelte anscheinend schon in Richtung Tatort. Und tatsächlich: Da kam er wenig später in seiner langen Gestalt angestapft. Der Schnee war mittlerweile zu einem leisen Rieseln verebbt.

„Wie peinlich“ – so dachte sich Pjotr. Da darf man bei Freunden jagen und dann sowas. Langsam stieg er die Leiter hinunter und berichtete, was vorgefallen war. Wlad war die Ruhe selbst. Bedächtig gingen die Freunde zum Misthaufen und begutachteten den Anschuss. Kein Schweiß und auch kein Schnitthaar waren auf den ersten Blick im Schnee zu erkennen. Die Stimmung Pjotrs sank auf den Nullpunkt. Gefehlt?

Dafür stand die Fluchtspur des Rotfuchses klar im Weiß. Ein Schritt, ein zweiter… und da, Wladimirs Hand deutete auf einen einzelnen Schweißtropfen, rot wie ein Rubin im Schnee. Aufkeimende Hoffnung… Und weiter folgten die beiden und kamen an den Waldrand. Suchend gingen die Lampen hin und her, da machte der lange Wlad zwei riesige Ausfallschritte und hielt im nächsten Moment triumphierend den verendeten Fuchs in der Hand! „Blattschuss – glatte 10!“ grinste sein Gesicht!

Was war das eine Erleichterung für den Schützen… und was für eine gemeinsame Freude über das unerwartete Waidmannsheil bei diesem unsäglichen Wetter. Die Jäger lagen sich in den Armen, Fotos wurden geschossen, durch den herrlichen Balg gestrichen und das Erlebte noch einmal beschworen. Schließlich ließen die beiden die unwirtliche Winternacht hinter sich und kehrten ein im warmen Heim von Wlads Vater. Dass dort diese Heldentat nach herzlichem Empfang noch gebührend gefeiert werden musste und der ein oder andere Wundertrank die Kehle herunter rann… versteht sich von selbst!

Waidmannsheil… und Waidmannsdank!

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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

29.05.2012 21:48 SauerlaenderJung
Wie immer von dir Elvis, super geile Geschichte. Schreib ein Buch voller Kurzgeschichten, darfst mir ein Exemplar signieren! Herrlich!
29.05.2012 22:03 BigAnimalCinema
Wahnsinn!!
Super geschrieben da fühlt man mit !
Gruß
30.05.2012 05:19 Nimrod83
Einfach toll geschrieben!!!
30.05.2012 07:29 Kija
Absolute Spitze mir war kalt und heiss beim Lesen
Gruß Kija
30.05.2012 09:51 Dackelbiene
Klasse Geschichte
30.05.2012 10:00 swinging_elvis
Nimrod83 schrieb:
Einfach toll geschrieben!!!

Freut mich sehr, dass es gefällt
30.05.2012 10:01 swinging_elvis
SauerlaenderJung schrieb:
Wie immer von dir Elvis, super geile Geschichte. Schreib ein Buch voller Kurzgeschichten, darfst mir ein Exemplar signieren! Herrlich!

Ja, wenn ich dann mal alt bin... Aber Du merkst ja, es wächst...
30.05.2012 10:02 swinging_elvis
Kija schrieb:
Absolute Spitze mir war kalt und heiss beim Lesen
Gruß Kija

Eine Mischung aus Fiktion und realem Erlebten... manchmal geht einfach die Phantasie mit mir durch...
30.05.2012 10:24 Spitzbua
Tolle geschichte
der hochsitz mit dem misthaufen im rücken hats in sich besonders bei klirrender kälte und ostwind
wmh zum rotrock
30.05.2012 10:33 swinging_elvis
Spitzbua schrieb:
Tolle geschichte
der hochsitz mit dem misthaufen im rücken hats in sich besonders bei klirrender kälte und ostwind
wmh zum rotrock

Ja, der russische Ostwind ist eiskalt... wie er sich auskennt, der Schlawiner Waidmannsgruß und Waidmannsdank!
30.05.2012 10:50 platzi
Weidannsheil zum Russischen Alb-Fuchs.
Spannend erzählt.
So als o bich selbst in Russland war.
Aber:
Wodka wars wohl im Endeffekt doch nicht oder? Eher Multivitaminsaft oder?
30.05.2012 10:53 swinging_elvis
platzi schrieb:
Weidannsheil zum Russischen Alb-Fuchs.
Spannend erzählt.
So als o bich selbst in Russland war.
Aber:
Wodka wars wohl im Endeffekt doch nicht oder? Eher Multivitaminsaft oder?

Verflixt und zugenäht... wie sich mich alle durchschauen! Waidmannsdank... aber a Nussler war's nicht!
30.05.2012 11:06 Renevolution81
... no amoil a "хотничье спасибо" zum Kojoten - und das "nastrovje" hallt heute noch in den Wäldern und Räumen von Klein Sibirien
30.05.2012 21:16 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
... no amoil a "хотничье спасибо" zum Kojoten - und das "nastrovje" hallt heute noch in den Wäldern und Räumen von Klein Sibirien

Auch auf Deine Gesundheit... hoffentlich können wir bald mal wieder entspannt einander zuprosten! RoQ, el
30.05.2012 23:20 Lakai
Jaja, die Füchse in Russland.
Als ich mal auf dem Sitz saß, fiel zwar kein Schnee aber es war auch recht kalt ;)

Waidmannsheil, Geschichte und Fotos wie immer überaus akzeptabel ;)
03.06.2012 12:01 Jaegerbursch
Wie immer ein Top-Blog

Am besten isr der gemeinsame Zweitname Ludvig
03.06.2012 12:17 swinging_elvis
Tuzzugh schrieb:
Wie immer ein Top-Blog

Am besten isr der gemeinsame Zweitname Ludvig

Tja, wer Cramer-Klett und seine Fuchsgeschichten kennt, der weiß, was dahinter steckt Hab Dank, elvis
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