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Mein Winterfuchs

(1 Eintrag)

932 mal angesehen
14.02.2012, 22.41 Uhr

Winterfuechse

Schon seit Anfang des Winters verfolgten mein Jagdfreund und ich aufmerksam den Wetterbericht in der Hoffung, dass wir wieder einige weiße Tage bekommen, welche hier am Niederrhein sehr spärlich gesät sind. Wir machen, wenns um die Jagd geht beinahe alles zusammen und sind zu einem guten Team geworden. Nun hatten wir beide das Ziel auf schneebedeckten Äckern einen Winterfuchs zu erbeuten. Jedes mal, wenn es hieß es wird weiß waren wir völlig aus dem Häuschen und voller Vorfreude, doch leider waren es immer nur leere Versprechungen und was folgte war regnerisches Schmuddelwetter. So zog der Winter langsam an uns vorbei und somit auch der Rotrock in immer weitere Ferne.
Beim letzten Vollmond beschlossen wir nicht länger auf Schnee zu warten und unser Glück nun bei Mondschein zu versuchen, galt es doch in den vergangenen Mondphasen den Sauen, die hier nun bis auf Frischlinge, Schonzeit haben.
Die nötigen Utensilien standen längst bereit. Mein Kumpel hatte sich extra einen Ranzbeller bestellt und ich mir die 5,6x50r BBF meines Onkels geliehen.Auch die richtige Stelle war bereits ausgewaehlt. Ich hatte einen gemulchten Maisstoppelacker ins Auge gefasst, der durch einen Feldweg halbiert wird, auf dem eine fahrbare Kanzel positioniert ist. In direktem räumlichen Zusammenhang befinden sich mehere kleine Waldparzellen, durch Wiesen und Felder getrennt, sowie ein Misthaufen in einer der Ecken "meines" Maisschlags. Das was diese Stelle allerdings vor allem interessant macht, ist eine seit Generationen bestehende riesige Fuchs/Dachsburg. Einer der Beständer erzählte mir neulich, dass er dort schon mit seinem Opa Fuechse gejagt habe. Mittlerweile hat er selbst Enkelkinder.
Um halb sechs schnappte ich mir also die BBF, den Rucksack, und den Ansitzsack, hatte die "Sibirische Kälte" die Temperaturen doch deutlich unter den Gefrierpunkt fallen lassen. Schnell machte ich es mir auf der Kanzel gemütlich und die Blaser, gefüllt mit 3,5mm Schrot und der kleinen, schnellen Kugel, fand ihren Platz in der Ecke.
Die Sonne war noch nicht ganz Verschwunden, da wurde es schon wieder hell. Der Februarmond flutete den ohnehin durch Frost und die gemulchten Stoppeln schon hellen Acker zu einer wunderbar ausgeleuchteten Bühne." Na also" dachte ich, wenn schon kein Schnee dann eben so.
Minuten des Wartens vergingen. Hin und wieder lies das Rascheln eines Hasen meinen Puls in die Höhe schnellen. Diese Momente gehören meines Erachtens mit zu den schönsten der Jagd.
Kurz nach 19 Uhr hörte ich aus einem der Wäldchen ein zaghaftes, sich steigernde Bellen. "Super, es ist immerhin schonmal einer in der Nähe und vielleicht hat er ja im Sinn einen leckeren Mäusehappen am Misthaufen zu erbeuten. Dafür muss er auf jeden Fall an mir vorbei....", ging es mir durch den Kopf.
Ein Blick auf das Handy zeigte jetzt viertel vor acht. Wieder raschelten die Hasen auf den Stoppeln und wie jedes mal schaute ich vorsichtig aus dem Fenster. Da schnürte Reinecke im Zick-Zack-Kurs etwa 60m entfernt auf den Misthaufen zu. Schon lag die Waffe auf der Fensterbank und der Daumen schob langsam den Spannschieber nach vorn, jedes verräterische Geräusch vermeidend. Jetzt nur noch Einstechen, Mitfahren und auf Verhoffen warten (hier notfalls nachhelfen ). So kams dann auch. Den Rotrock hatte irgendetwas zum Stehen gebracht. Das Absehen 4 fand den richtigen Haltepunkt knapp hinterm Blatt, die Verwertbarkeit des Balgs berücksichtigend. Der Knall der 5,6 durchbrach den unheimlichen Ruf des Waldkauzes und das entfernte Rauschen der Autobahn. Hier lag er also. Mein Winterfuchs, den ich schon so lange im Kopf hatte. Es war ein Rüde. Nicht besonders groß oder schön gefärbt, aber ein Fuchs. Voller Freude berichtete ich meinem Jagdfreund von gerade geschehenem Waidmannsheil. Er hatte an diesem Abend zuhause am Hof angesessen. Ich vermute ja er wollte bei der Kälte schnell ins warme gelangen (kleiner Spaß, du verstehst das ).
Am nächsten Tag beschlossen wir einen Gemeinschaftsansitz zu machen. Mein Kumpel bezog die fahrbare Kanzel am Misthaufen und ich eine andere einige hundert Meter entfernt. Wieder rannten die Hasen übers Feld und wieder war bestes Büchsenlicht. Um Punkt acht Uhr riss mich der Schrotschuss des Drillings von der Nachbarkanzel aus dem nachdenklichen Dösen. Wir hatten unser Ziel erreicht. Beide konnten wir einen Winterbalg erbeuten. Der Abend war perfekt.
Zwanzig Minuten später vernahm ich im Augenwinkel unten auf dem Sauwechsel am Bach ein Bewegung. Der Rote war zügigen Schritts unterwegs ins nächste Büschchen. Jetzt ging alles ganz schnell, zu schnell, wie sich nachher herausstellte. Die Kombinierte aufnehmen, spannen, einstechen und aufs Ziel bringen war beinahe eins. Kurz vor dem Wald gelang es mir den Räuber durch einen Pfiff zum Verhoffen zu bringen. Allerdings recht spitz und so kam es wie es kommen musste. Eine gründliche Untersuchung des Anschusses bestätigte, dass ich in der Eile ganz sicher gefehlt hatte. Nun ja, ärgerlich, aber sowas passiert.
Ein Blick auf den Wetterbericht stellte mildere Temperaturen in Aussicht und die Klausurenphase an der Uni stand an. Daher hielt ich mir auch den folgenden Abend, vom Jagdfieber völlig eingenommen, für den Freibeuter frei. Der gewählte Platz war eine Leiter zwischen den anderen Kanzeln, von der aus ich im Sommer schon zwei Jungfuechse und einen Jaehrling erlegen konnte.
Der kalte Ostwind legte meine aus der Sturmhaube hervorschauende Nase auf Eis und nach zwei Stunden zogen die -10°C langsam durch die zahlreichen Kleidungsschichten. " Bis 9 Uhr hältst du trotzdem aus!" sagte ich mir, kamen die anderen Drei doch alle fast zur gleichen Zeit. Schon kurz nach dem Aufbaumen fing eine Maus am Fuß der Leiter im trockenen Eichenlaub an zu Wuseln und hörte nicht mehr auf. Sie ging mir beinahe schon auf die Nerven, weil ich Angst hatte somit andere Geräusche nicht wahrzunehmen. Die durch die Kälte verstärkte Müdigkeit lies mich in einen Halbschlaf verfallen, der augenblicklich durch Mäuserascheln hoch zwanzig unter mir beendet wurde. Ich konnte es kaum glauben. Da stand der Jäger, den ich als Beute im Visier hatte. Schmatzend und die Knochen der Maus knackend. Wow, was fuer ein Erlebnis. Zwar wollte ich gern einen Schrotbalg haben, aber " das ist mehr als zu nah und er bekommt dich eh mit" sagte mir mein Verstand. Als er sich auf etwa 10m entfernt hatte nahm ich das Gewehr mit den völlig verkrampften Händen auf. Ein mal dürft ihr raten, was passierte( das sollte reichen ).
Beim Anheben der Bockbüchsflinte knarrte es und der listige Fuchs war über alle Berge. Das ist Jagd. Drei komplett verschiedene Ansitze.
Unser Ziel EINEN Winterfuchs zu schießen haben wir dennoch geschafft Heute sitze ich hier nach einem harten Lerntag und bessere meine schlechte Laune auf, indem ich diese teils schönen und teils auch ärgerlichen Erlebnisse Revue passieren lasse. Ob ich dieses Jagdjahr nochmal zum Ansitzen komme ist fraglich. Der Februar ist halb um, das Wetter mies und die Freizeit knapp.
Spätestens Ende März werden wir die eingefrorene Beute wieder auftauen und uns zum ersten mal dem Abbalgen widmen, um die Erinnerungen durch einen Schönen Pelz zu behalten.

In diesem Sinne viel Waidmannsheil und schöne, spannende Ansitze....
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Niederrheinjaeger

Niederrheinjaeger

Alter: 28 Jahre,
aus Kreis Wesel
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Kommentare

15.02.2012 07:09 swinging_elvis
Na hat doch geklappt. Waidmannsheil. Gerade dass es oft auch nicht klappt macht ja die Jagd so spannend! Gruß, el
15.02.2012 08:12 Agrardesigner
Es war ein sehr schönes Wochenende, zwar hatten wir kein Schnee, doch am Ende bei schönen Mondlicht mit unseren Kombinierten 2 Winterfüchse liegen - ein heller und ein dunkler.

Nächstes Ziel ist der Sommer, wo der Fuchs Ausschau halten wird nach Mäusen auf den frisch gemähten Wiesen. Wir werden auch Ausschau halten, aber nach dem Fuchs ... denn gemeinsam jagen ist Klasse. Was hat man davon wenn man seine Erlebnisse nicht teilen kann.

Waidmannsheil!!!
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