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Jagen im Oderbruch

(1 Eintrag)

686 mal angesehen
26.01.2012, 20.28 Uhr

Bewegungslos

Unsere traditionelle Winterwandung nach dem Weihnachtsfest stand wieder an und wir, 4 Freunde an der Zahl, fassten kurzerhand den Plan, durchs tief verschneite Oderbruch zu wandern. Abgesetzt an der Hohensaaten-Friedrichstahler-Wasserstraße überquerten wir diese mit Hilfe der neu errichteten Brücke. Schon die ersten Eindrücke der Schneelandschaft verzauberten uns. Überall konnten wir rastende Vögel verschiedenster Art beobachten und auch Rehwild war in der Ferne auszumachen. Nun geht man als Weidmann ja stets mit offenen Augen durch die Feldflur und so fielen mir schon auf den ersten Metern die vielen Fährten ins Auge, die unseren Weg querten. Sie waren sehr gut auszumachen, da Frau Holle am Tag zuvor die schon mit Schnee überfluteten Felder erneut mit einer frischen, hauchzarten Schicht überzogen hatte. Nach einer kurzen Observation waren alle Schwarzwildfährten von Frischling bis zur groben Sau zu erkennen. Wir wanderten einige Schritte weiter und standen wiederum an einem frischen Wechsel. Das Jagdfieber stieg in mir hoch. Ich kannte das Feld auf das die Sauen in der Nacht gewechselt waren, hatte ich hier in den letzten Jahren doch schon unvergessliche Stunden verbracht. Der besagte Acker war noch reichlich mit Mais übersät und auch die 40 cm mächtige Schneedecke bot der Anziehungskraft auf die gelben Kolben keinen Abbruch. Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten und rief den zuständigen Jagdherr an. Nach kurzer Beschreibung stimmte er mir nach Anfrage auf einen Abendansitz zu.

Weiter ging unsere Wanderung. Wir mussten uns durch meterhohe Schneewehen kämpfen, um den sich von der restlichen Umgebung abhebenden Oderdamm zu erklimmen. Die Aussicht belohnte uns für den anstrengenden Marsch, boten doch die märchenhaft anrührenden Eisgebilde der Oder ein atemberaubendes Schauspiel. Der Weg führte uns weiter auf den vereisten, aber müheloser zu passierenden Damm zum nächsten Dorf. Dort stärkten wir uns mit einen kräftigen Hieb Bullenschluck und deckten uns mit Knacker vom Ortsansässigen Metzger ein. Von der offenen Auenlandschaft traten wir über in die Kiefernwälder der Mark Brandenburg. Über einen alten Bahndamm, der uns das Weiterkommen erleichterte, erreichten wir etwas geschafft aber glücklich und zufrieden unser Ziel.

Am warmen Kamin sitzend ließen wir die Wanderung Revue passieren und besänftigten unseren Hunger mit den ersteigerten Knackern. Es fing schon an zu Dämmern und mir wurde langsam kribbelig in den Fingern. Wir lösten die gemütlich Runde auf, ich kleidete mich jagdgerecht ein, zog die neuen Thermostiefel an und lud die restlichen Utensilien ins Auto. Nach dem ich mein Freund M., der auch an der Wanderung teil genommen hatte und mir gelegentlich erfolgreich beim Jagen Gesellschaft leist, abholte, gings wieder zurück ins Bruch. Als wir am Feld eintrafen und das Gelände abglasten, waren bereits drei Rotten mit Brechen beschäftigt. Der Wind passte exzellent und kam mit einer leicht spürbaren Brise aus nordöstlicher Richtung. Wir schlichen, so lautlos wie nur möglich, zu einer Ansitzleiter am südlichen Ende des Schlages. Wir sanken abermals fast Beckentief in Schneewehen ein, vergrämten die Sauen aber nicht. Nun saßen wir, der Dinge abwartend auf dem Sitz und beobachteten das Treiben auf dem Acker. Rechts von uns, ca. 300 Meter entfernt konnten wir eine Bache mit 7 Frischlingen beobachten. Mitten auf dem Feld, aber unerreichbar, brachen 2 weitere Rotten nach hinterbliebenen Kolben. Mal sich zusammen raufend, mal weiter auseinander stehend. Dann verschwand die Bache mit ihren Frischlingen und auch eine weitere Rotten verschwand aufs benachbarte Feld. Nur leicht fluktuierten die übrig gebliebenen Schatten mal etwas in unsere Richtung, um dann wieder den Rückzug anzutreten. Wir schauten uns das Schauspiel eine Stunde lang an und fassten zusammen den Entschluss, dass ich mich den Sauen nähern müsste, um heute Abend noch erfolgreich zu sein.

Ich baumte ab und ging der geschäftigen Gesellschaft entgegen. Schritt für Schritt bahnte ich mir den Weg durch den kniehohen Schnee, der durch eine kürzliche Tauperiode mit anschließenden Frost nicht lautlos zu durchqueren war. Als ich bis auf zirka 150 Meter herangepirscht oder besser gesagt gerobbt war, hielt ich inne, da bereits das Brechen zu vernehmen waren. Ich entschloss mich abzuwarten und hoffte, dass sich die Schwarzkittel wieder weiter in die Mitte des Feldes vorwagen würden. Eine ganze Weile geschah nichts. Erst die Vereinigung mit der Rotte, die für gut eine Stunde auf dem anderen Acker hinter Büschen verschwunden war, brachte Dynamik in die Truppe und alle zusammen kamen langsam auf mich zu. Ich saß nun bewegungslos mitten auf dem Feld und glaste die Rotte konzentriert ab, in der Hoffnung ein Frischling auszumachen. Einen kleinen Korpus konnte ich ausmachen und identifizierte ihn als einzigen Frischling der Rotte. Sie zogen direkt auf mich zu, kamen immer näher. Die drei gröbsten Sauen bildeten die Vorhut. Ab ca. 20 Meter stellte ich jegliche Regung ein. Und sie waren immer noch in Bewegung. Ich konnte nicht glauben, was nun geschah. Sie blieben 5 Meter vor mir stehen. Es war atemberaubend, ich gab kein Mucks von mir, kein Atemgeräusch, nichts. Und die drei Sauen äugten mich durchgängig an. Genau das Gleiche tat ich auch... Die Szenerie war auf ihren Höhepunkt, vor Spannung nicht zu überbieten. Ich war fasziniert und konnte förmlich spüren, wie sie abwägten: Feind? Gefährlich? Flüchten?........ Sie standen mehrere Minuten in dieser Distanz grübelnd vor mir, ohne ein Anzeichen von Unruhe oder Flucht. Dann schließlich, scheinbar mit dem Entschluss, nicht in Gefahr zu sein, zogen sie ihren Fraßtrieb folgend seitlich von mir weiter auf das Feld. Ich hatte nun die Möglichkeit abermals den Frischling auszumachen und sicher anzusprechen. Als er sich mir auf ca. 40 Meter näherte und sich breit stellte, ließ ich fliegen. Auf der Stelle war die Bühne leer. Das beschossene Stück verendete Kreise bildend. Als ich an das Stück trat, erkannte ich den tödlichen Lungenschuss. Ich rief M. zur Hilfe heran, der immer noch auf der Ansitzleiter verharrte und wir erledigten gemeinsam die rote Arbeit. Stolz verließen wir den Schauplatz. Zu hause angekommen stießen wir natürlich auf das Erlebte und das 17 Kg wiegende Stück an.

Es war bis jetzt mein prägenstes Jagderlebnis.
In dem Sinne noch einmal vielen Dank für die gemeinsamen, stets spannenden Ansitze mit einem guten Freund!

Weiheil

Singlemalt
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singlemalt

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Alter: 32 Jahre,
aus Potsdam
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Kommentare

27.01.2012 06:27 Kija
Weidmannsheil und Willkommen
Gruß Kija
27.01.2012 11:44 Munsterlaender
Schön geschrieben und weiter so!
Gruß
Munsterlaender
27.01.2012 18:04 esau
Die kleine Wutz ist mehr wert ,als der Dicke keiler auf der DJ!
Weidmannsheil! Und ein Wilkommen auch von mir.
esau
P.S.Weiter so schreiben, darfst Du natürlich auch gerne
27.01.2012 19:45 singlemalt
Munsterlaender schrieb:
Schön geschrieben und weiter so!
Gruß
Munsterlaender

Danke Munsterlaender
27.01.2012 19:58 singlemalt
Kija schrieb:
Weidmannsheil und Willkommen
Gruß Kija

Danke auch für deine Willkommensgrüße Kija.
Die beschriebenen Erlebnisse von allen Bloggern hier habe ich seit dem letzten Jahr mit großen Interesse verfolgt. Ihr habt mir mit euren Geschichten viele schöne Stunden bereitet. Vor allen, wenn man mal nicht die Möglichkeit hat rauszugehen ist man doch irgendwie mitdabei. Danke
27.01.2012 20:03 singlemalt
esau schrieb:
Die kleine Wutz ist mehr wert ,als der Dicke keiler auf der DJ!
Weidmannsheil! Und ein Wilkommen auch von mir.
esau
P.S.Weiter so schreiben, darfst Du natürlich auch gerne

Aufs Erlebnis kommt es an, nicht auf die Größe oder die Trophäe. Danke für dein Kommentar!
27.01.2012 22:28 Rumtreiber
Toll geschrieben.
Waidmannsheil
Rumtreiber
30.01.2012 07:11 anser
Weidmanns Heil zum Erlebnis, zum Frischling...

Drei Rotten auf einem Feld hat man auch nicht so oft. Da hat man dann ja eine gute Auswahl...

Schön geschrieben, weiter so!!!

Gruß
anser
30.01.2012 16:52 Niederbayer
Waidmannsheil! Bestimmt ein tolles Erlebnis und sehr gut geschrieben!

Gruß
Niederbayer
31.01.2012 16:02 singlemalt
Rumtreiber schrieb:
Toll geschrieben.
Waidmannsheil
Rumtreiber

Weidmannsdank
31.01.2012 16:05 singlemalt
anser schrieb:
Weidmanns Heil zum Erlebnis, zum Frischling...

Drei Rotten auf einem Feld hat man auch nicht so oft. Da hat man dann ja eine gute Auswahl...

Schön geschrieben, weiter so!!!

Gruß
anser


Weidmannsdank anser.
stimmt, hatte ich auch nur einmal, dass sich gleich so viele Sauen auf einmal über den Acker hergemacht haben.
Gruß
singlemalt
31.01.2012 16:11 singlemalt
Niederbayer schrieb:
Waidmannsheil! Bestimmt ein tolles Erlebnis und sehr gut geschrieben!

Gruß
Niederbayer

Auch ein herzliches Weidmannsdank an dir. So nah sind mir die Sauen bis jetzt noch nicht auf die Pelle gerückt. Obwohl ich sie am berliner Stadtrand schon auf zwei Meter Fluchtdistanz um mich rum hatte. Und die Schweine wussten durchaus das ich dort war...es ist schon faszinierend wie stark sie sich in Städten an den Menschen gewöhnen.
Gruß
singlemalt
02.02.2012 17:27 Sauerlandjaeger93
Waidmannsheil.
08.02.2012 22:27 swinging_elvis
Klasse Erleben. Waidmannsheil!
24.05.2012 21:48 heimlich
schön das du jetzt auch bei bist und das weidmannsheil hattest ja schon bekommen


lg
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