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Aus Widos Jagdtagebuch

(2 Einträge)

Abens an der E....tränke
732 mal angesehen
18.01.2012, 22.31 Uhr

Abends an der E....tränke

Donnerstag 09.07.2009, abends

Zum gemeinsamen Abendbrot finden wir uns wieder im Jagdhaus ein und diskutieren darüber, wer sich wo hinsetzt, um zur Erfüllung des Abschussplanes beizutragen. Bei Rita und Franz herrscht nach einigen Überlegungen Klarheit, wer welchen Sitz angeht. Gleiches gilt auch für Thomas und Richard. Nur ich als Gast habe die Qual der Wahl. Schließlich behalte ich mir vor an der E.....tränke oder wie so oft in den vergangenen Tagen an der B......kanzel anzusitzen.
Um 19:07 Uhr finde ich an der E.....tränke ein heimliches Plätzchen vor, das mich bezüglich der Jagd hoffnungsfroh aufbaumen lässt. Leicht ostwärts abfallend in Nord – Süd Richtung ca. 100 m und in Ost – West ca. 200 m. Die Fläche ist zu einem Drittel mit Mais im Osten, in der Mitte als Brachfläche und im Westen mit einem Haferschlag bestellt, die Fruchtstände sind allseitig von einem ca. 5,00 m breiten, gemulchten Streifen umschlossen, der auch den Abstand zum Wald und Buschwerk bildet.
Im Moment dreht der Wind aus Süd – West. Äußerste Disziplin erfordert der Drehstuhl, da er in eine bestimmte Richtung belastet zum Knacken neigt. Dieses heraus zu finden ist immer meine vordringlichste Aufgabe, um nicht unliebsame Überraschungen zu erleben.
Heute scheint die Göttin der Jagd mir hold zu sein. An der nördlichen Schmalseite der Maisfläche streicht der Freibeuter umher. Elegant die Bewegungsabläufe. Mit scharfen Sinnen wird das Gelände beobachtet, jeder Zeit zum Beutesprung bereit. Warte Bursche, wir wollen doch mal sehen, wer hier wen überlistet. Zwischen den Maisstauden habe ich ihn im Fadenkreuz. Lautlos rastet der Spannschieber ein. Aufmerksam äugt er zum Buschwerk, bleibt unschlüssig und verhofft. Das war sein Fehler. Der hintere Abzug löst das Schloss und die kleine Kugel 5,6 x 52 R 4,6 g TH streckt ihn an Ort und Stelle nieder. Es ist 19:13 Uhr, als die Waffe entspannt und nachgeladen in der Kanzelecke steht. Ich baume ab, erweise ihm die letzte Ehre, mache ein Foto und verschaffe ihn ins nahe Buschwerk. Ein alter Rüde musste dran glauben. Es ist bereits der 2. Fuchs an diesem Tag.
Die Vogelwelt hat ein vielstimmiges Konzert entfacht. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Nicht zu warm. Die Sonne steht goldgelb im Westen. Warum probiere ich nicht mal die Rehfiepe aus? Der dritte Fiepton ist noch nicht verklungen, als ein Rauschen im Haferschlag mich sofort zur Waffe greifen und in den Anschlag gehen lässt. Das war mein Fehler! Auf der Stelle verhofft das Stück, wirft sich herum, stürmt den Weg durch den Hafer zurück, geht hochflüchtig über den Grünstreifen westlich der Kanzel und durchs nördliche Buschwerk aus meinem Blick. Ich hätte ihn aus dem Hafer austreten lassen und dann……. Hätte, wenn und aber. Die Möglichkeit ist dahin. Schade.
Weiter beobachten ist jetzt das Gebot der Stunde und nach Möglichkeit aus den Fehlern lernen. Also auf die nächste Chance hoffen, sofern sie sich mir bietet.
An der östlichen Längsseite des Maisfeldes steht ein Stück Rehwild. Mit tiefem Hals äst es an der Frucht. Das Haupt ist nicht sichtbar. Es könnte ein Bock sein. Ob der Bursche aus dem Hafer mich umschlagen hat und durch den Mais wieder in seinen Einstand wechseln will? Waffe raus, durchs Zielfernrohr ansprechen und wenn es passt, dann….
Hin und wieder blitzen weiße Gehörnspitzen, mehr ist nicht erkennbar und der Mais erlaubt sowieso keinen Schuss aus meiner Position. Verdammt noch mal, der strapaziert mich ganz schön. Warum stellt er sich nicht anders hin? Schließlich folgt er meinem Wunsch, nur nicht so, wie es mir recht wäre. Der Spiegel verschwindet im angrenzenden Buschwerk auf Nimmerwiedersehen. Chance Nummer 2 ist dahin.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf und vertraue dem Sprichwort:„Alle guten Dinge sind drei.“
Leichte Wolkenbildung zieht auf, die Uhr zeigt 19:50 und wieder steht ein Stück Rehwild am Mais. Ich könnte den Mais sonst wohin wünschen. Keine Sicht ist mir aufs Haupt vergönnt. Sei es drum. Für alle Fälle Waffe in den Anschlag und durchs Zielfernrohr versuchen anzusprechen. Sollte es derselbe Bock sein? Wenn der das gleiche Spiel wieder mit mir treibt; nicht auszudenken. Aber die Richtung, in die er äsend weiterzieht, ist in meinem Sinne. Jetzt bringt Hektik überhaupt nichts. Nur die Ruhe macht’s. Hinten vor der Waldecke bietet sich eine Möglichkeit. Dort ist der Fruchtstand niedriger und somit auch ein genaues Ansprechen. Eindeutig Gabler, ca. Lauscher hoch auf, vollständig verfärbt, vielleicht 3 bis 4 jährig, gut im Wildbrett. Jetzt ist handeln angesagt, bevor er in der hinteren Waldecke verschwindet. Der Schusswinkel von ca. 45 Grad zerstört zu viel Wildbrett. Breiter muss er stehen, damit ein sauberer Wildpret schonender Schuss gewährleistet ist. Der Spannschieber rastet ein. Die Waffe führe ich jeder seiner Bewegungen nach. Ja - so geht’s. Der Zeigefinger übt gleichmäßig Druck aus, nachdem das Fadenkreuz hinter seinem rechten Vorderlauf, in Schulterblatthöhe, postiert ist. Bevor er überhaupt den Schussknall vernimmt, dringt das 7 x 65 R TIG-Geschoss 11,5 g in seinen Körper und er setzt zu seiner letzten Flucht in die ewigen Weidegründe an. Genau in der Lücke zwischen den beiden Tannen verschwindet er meinen Blicken. 20:17 Uhr zeigt meine Armbanduhr. Waffe entspannen und nachladen ist bei mir oberste Priorität.
Wenig Lungenschweiß am Anschuss. Vorsorglich verbreche ich den Anschuss zum schnelleren Auffinden mit Eichenlaub. Hier herum zu treten und nach dem Bock zu suchen, erscheint mir nicht ratsam, zumal Unterstützung beim Transport sowieso erforderlich ist.
Zwischenzeitlich sind Richard und Thomas eingetroffen, deren Waidmannsheil freudig mit Waidmannsdank quittiert wird.
"Die Parsen – Russel Hündin ist erst ein Jahr alt und wurde noch nie auf der Schweißfährte geführt," höre ich von Thomas. Meine erster Gedanke, „das kann ja noch heiter werden“. Thomas legt die Halsung um und setzt die Hündin am Anschuss an. Sofort zieht sie auf der Wundfährte los, wechselt nach rechts rüber. Thomas trägt sie ab, setzt sie erneut am Anschuss an und jetzt weiß die Kleine was von ihr erwartet wird. Zielstrebig geht’s mit großem Eifer auf der Wundfährte vorwärts und nach ca. 35 m nimmt sie den toten Bock an, der am Fuße einer Fichte seine letzte Ruhestätte fand. Der Jagdtrieb geht mit ihr durch. Sie will gar nicht von dem Bock lassen. Erst als Richard energisch die Halsung nimmt, gibt sie klein bei.
Thomas ist mir beim Transport zum Auto behilflich und reicht ihm den letzten Bissen. Eilig geht’s jetzt heimwärts, aber zuvor noch am Fuchs vorbei, der ebenfalls auf der Plattform, friedlich neben dem Bock ruhend, seine letzte Reise antritt.
Am Jagdhaus herrscht natürlich große Freude über meinen Jagderfolg, der sich erst am 6. Tag eingestellt hat. Mein Waidmannsdank, in Form eines leckeren Mirabellenschnäpschens, beflügelt die Rote Arbeit und während der Bock zum Auskühlen am Haken hängt, gehen wir zum gemütlichen Teil über. Anlass zum Feiern besteht bei soviel Jagderfolg, wie er mir an diesem 09. 07. 2009 widerfahren ist, ja auch in Hülle und Fülle. Wir berichten über unsere Erlebnisse, stoßen auf den glücklichen Schützen und auf viele andere Dinge an, die mit lustigen Geschichten verbunden, auch über die Jagd, zu unser aller Erheiterung beitragen. Dass gegessen und getrunken wird und nicht selten mit dem Jägergruß Waidmannsheil ein Kurzer an die Lippen geführt, durch den Schlund in den Pansen fließt, um hier als Emulgator zu wirken, möchte ich nicht verhehlen.
Zu später Stunde verabschieden sich die Waidgenossen von einem glücklichen, zufriedenen Jäger, der mit
Waidmannsheil
eine Gute Nacht wünscht.

Wido

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wido

wido

Alter: 73 Jahre,
aus Oberhausen
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Kommentare

19.01.2012 14:00 Hardtimkerjun
Sehr gut erzählt!...Kräftiges Waidmannsheil zum Bock und zum Fuchs.

Gruß Hardtimkerjun
19.01.2012 16:11 BayernFlo
Waidmannsheil zu Bock und Fuchs!!!

Einzige kleine Anmerkung: Aus hygienischer und vorallem gesundheitlicher Sicht würde ich nicht den Fuchs "auf" den Bock legen...

VG,
BayernFlo
19.01.2012 16:37 wido
BayernFlo schrieb:
Waidmannsheil zu Bock und Fuchs!!!

Einzige kleine Anmerkung: Aus hygienischer und vorallem gesundheitlicher Sicht würde ich nicht den Fuchs "auf" den Bock legen...

VG,
BayernFlo


Hallo Bayernflo,
deine Anmerkungen zu Hygiene und Gesundheit teile ich. ( Konstruktive Kritik)
In diesem Falle war es jedoch so, dass der Bock zum Zeitpunkt der Fotoaufnahme nicht aufgebrochen war, sonst wäre es definitiv nicht zu der gemeinsamen letzten Reise gekommen.
Waidmannsheil
Wido
19.01.2012 20:12 Schweineschreck
Waidmannsheil zu Bock und Fuchs schön geschrieben als hätt man mit angesessen
19.01.2012 20:31 Schwaenchen
hallo wido

eine schöne geschichte
soetwas könnte hier öfters eingestellt werden
natürlich steckt da viel arbeit drin... aber es macht spaß zu lesen

waidmannsheil
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