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Aus Jungaltjägers Jagdtagen

Jäger erzählen nur wahre Geschichten (18 Einträge)

688 mal angesehen
13.01.2012, 13.10 Uhr

Wildwochen in der Region

Wildwochen sind angesagt. Nicht von uns Jägern, nein von irgendwelchen beamteten Kleinfürsten, die aus ihren warmen Amtstuben heraus Aktionen planen, um mit Festen und Märkten hier einen Tourismus zu entwickeln den eigentlich keiner haben mag.
Na schön. Wildwochen: Sterneköche senden ihre Kochbotschaften über die regionalen Rundfunksender, die regionale Presse meldet Märkte und Wildverkostung und die örtliche Gastronomie verändert Speisekarten und Preise.
Nur eins fehlt; Wild. Seit Wochen melden Jäger allerorten leergefegte Reviere. Maisschläge ringsum, viele hunderte Hektar groß, ein Schlaraffenland für Wild und Deckung ohne Ende.
Alle raus, wir brauchen Wild, tönen Jagdvorstände und Wildhändler. Und auch der Kneiper hier hat schon umher gefragt, ob nicht jemand ein Schwein hätte, für die Wildwochen eben. Er sei von seinem Verband angehalten Wildgerichte anzubieten.

Nun sitze ich wieder auf der Kanzel an den Wiesen hinter dem Mais, die sich kastenförmig in die Waldkante schneiden. Der Vollmond steht hoch und das Thermometer niedrig, sehr niedrig. Langsam steigen mir die ersten Frostgarde dieses Jahres den Rücken hinauf. Brechen im Mais. Glas hoch. Die Brille läuft an, Glas runter, Brille geputzt……Glas hoch ……nichts…….absolute Ruhe. In der Ferne bellt ein Hund, sonst Ruhe. Nicht einmal der Mond lächelt. Starr und kalt, sehr kalt wirft er sein blasses Licht auf den Acker. Die Füße frieren, mit den Zehen betreibe ich Bewegungstherapie, aber sie werden immer kälter.
„Wir brauchen Wild……Wildwochen dröhnt es mir in den Ohren, über die ich schon längst die Sturmhaube gezogen habe. Da! Brechen! Wieder vor mir an der Maiskante. Glas hoch…..die braunen fast schon trockenen Stengel bewegen sich. Langsam nehme ich die Waffe hoch, gleich, gleich müssen sie kommen, die Schwarzkittel. Doch nichts kommt. Wieder Ruhe. Doch dann, wusel, wusel, ein Waschbär trollt sich über den Feldrand. Raubwildbejagung, schießen, Waffe hoch……..doch lieber nicht, was wenn die Sauen am Maisrand stehen? Waffe wieder runter. Die Kälte erreicht mein Hinterteil und langsam zieht dieses eiskalte Gefühl den Rücken hinauf. Es ist nach Mitternacht.
Kein Schwein, kein nix…….Ruhe im Mais, Ruhe hinter mir im Bestand. Die Kälte schüttelt mich.
Auch der Tee aus dem Thermos hilft nicht mehr. Müdigkeit schleicht sich ein und die Kälte an mir hoch. „Was tust Du Dir nur an…..“, denke ich und an mein warmes Bett zu Hause. Ich verfluche die Jagd ! Eigentlich könnte ich den Jagdschein auch abgeben, man sieht nichts, man friert und schlägt sich die Nächte um die Ohren. Früher zur Disko, heute zur Jagd; es gab schon angenehmere Nächte. Die da oben haben gut lachen, sitzen in ihren warmen Amtsstuben, trinken gemütlich Kaffe und beschließen: „Wildwochen, Wild, frisch aus der Region“. Hat sich von denen schon mal einer den A… abgefroren? Wissen die überhaupt was los ist? Seit Wochen steckt alles Wild im Mais, allein hier herum, mehr als 600 Hektar, Mais bis an den Horizont. Es geht ja auch kaum einer raus bis das der Mais runter ist und der Wald wieder belebt. Keine Ahnung die da oben, aber Wildwochen beschließen. Bürohengste und Beamtenfuzzis !
Zwei Uhr, auch ringsum kein Schuss. Ich baume ab. Mürrisch trotte ich zum Auto.
„Wo bleibst Du denn so lange, du holst die noch mal was weg, nächtelang da draußen…“, muss ich mir auch noch von meiner Frau anhören. Knurrend und frierend kullere ich mich in meine Decke.
Zum Frühstück bin ich immer noch schlecht gelaunt: „Wildwochen…..von wegen, sollen sich doch ihre Wildwochen selber schießen……“. So richtig warm ist mir immer noch nicht und ich bin müde.
Und dann schlägt meine Frau noch zu:“ Lass uns mal in die Stadt fahren, Markt, Wildwochen, Jagdhornbläser, Wildschweinessen“.

…….und auf der Bühne wird einer stehen, der den Leuten erklärt, wie schön die Jagd in unserer Region ist.
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Jungaltjaeger

Jungaltjaeger

Alter: 74 Jahre,
aus der Prignitz

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Kommentare

13.01.2012 13:38 Kija
Kalte Füße UND dazu keinen Erfolg ist etwas, was ich auch nicht mag
Gruß Kija
13.01.2012 13:39 IGOR82
Warum hast du nicht den Waschbär geschossen und verkauft??? Der geht doch sicher als schwacher Frischling durch!!!
13.01.2012 17:13 Keiler60
prima erzählt

Gruß aus der Eifel
13.01.2012 19:30 WiednerDerSteirer


ja das ist jagd im wahrsten sinne des wortes...
wo doch so viele zu wissen meinen.... jäger schießen ja nur
14.01.2012 08:55 Hesse
Einfach köstlich !! Ja, auch das kann "Jagd" sein.
Grüße
Peter
14.01.2012 15:24 Dackelbiene
Hervorragend ... und kommt mir irgendwie bekannt vor
15.01.2012 08:10 wachtelman
Wie immer hervorragend geschrieben

Gruss
Wachtelman
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