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Sauennacht

(12 Einträge)

536 mal angesehen
09.01.2012, 10.08 Uhr

Zum Nichtstun verdammt...

Man könnte meinen, ich hätte Wasserschweine vor mir. Es plantschte und schmatzte, dass es schon akustisch eine Freude war, hier draußen zu sein. Und es sollte sich zeigen, dass es eine sehr gute Entscheidung war, sich zu einem Ansitz in der Wiese zu entschließen.

Ich konnte bei dem Mond nicht zu Hause bleiben, obwohl ich ziemlich fest damit rechnete, hier in der Wiese bei dem hellen Licht keine Sauen in Anblick zu bekommen. Aber einmal mehr galt: „Sag niemals nie!“
Nur eine knappe Stunde hatte ich Zeit, mich der grandiosen Stimmung, die nach den Tagen mit Sturm und Regen fast etwas Befreiendes hatte, hinzugeben.
Der lang andauernde Regen der letzten Tage und Wochen hatte die Wiese in eine Seenlandschaft verwandelt. Das kuppige Gelände hatte dafür gesorgt, dass das Regenwasser in den Senken zusammenlief und eben jene flachen Wasserstellen bildete, die offensichtlich zahlreiche Wasservögel bevölkerten. Der jenseits der Reviergrenze die Wiesenlandschaft durchschneidende Graben führte so viel Wasser, dass er in weiten Bereichen über die Ufer getreten war und seinerseits große Seen bildete.
Das offene Wetter mit dem hellen Mondschein schien außerdem dafür zu sorgen, dass die ganze Wasservogelschar sehr aktiv war. Da wurde geschnattert, gerufen, sich gejagt – nix war es mit einem ruhigen Ansitz. Als alter Piepmatzfreund war das, was ich akustisch vorfand mal wieder eine sehr gute Gelegenheit, meine Wasservogelstimmenkenntnisse zu überprüfen und zu schulen. Lauthals meldeten sich immer wieder die Stockenten, durchsetzt von den namensgebenden Rufen der Pfeifenten, die solche überstauten Wiesen lieben. Über mir erklang immer wieder der schwirrende und wohlklingende Flügelschlag der Schellenten, Gänsesäger, Zwergsäger die wohl von einem Nahrungsplatz zum anderen wechselten.
Auf der Wasserfläche direkt vor mir waren sehr deutlich zahlreiche Körper von Wildgänsen im sich spiegelnden Mondlicht zu erkennen. Und deren Unterhaltungen verrieten mir, dass es sich dabei hauptsächlich um Saatgänse handelte, wohl Tundrasaatgänse. Nur wenige Blessgänse ließen ihre bellenden Rufe erklingen.
Von Osten her näherten sich wohl Singschwäne. Ihre melancholischen Rufe kündigten sie schon von weitem an. Meine Vermutung, dass sie auf dem Weg zu den Ruheplätzen Westrügens waren, bestätigte sich nicht. Ihre Rufen änderten sich jetzt, wurden häufiger und mündeten in zahlreichen Stimmfühlungsrufen, die bevorstehendes Landen ankündigten. Auch sie fielen bei den Gänsen direkt vor mir ein. Die großen Körper hoben sich im Mondlicht sehr deutlich von den kleineren Gänsen ab.

Ich hatte mich schon fast geärgert, dass ich den Fotoapparat diesmal im Auto gelassen habe. Was waren das für grandiose und stimmungsvolle Motive…

Kurz hinter der Reviergrenze, die ziemlich genau in der Mitte die Wiese teilte begann ein ausgedehntes Weidenbruchgebiet. Dieses war mir schon lange als zumindest zeitweiliger Einstand einer größeren Rotte Sauen bekannt. Doch bei den Wasserständen dürften dort beim besten Willen keine Sauen stecken.

Dafür aber war jetzt aus dem direkt an die Wiese grenzenden Wald Frischlingsgezank zu vernehmen. Sofort traten die Wasservögel in den Hintergrund meines Interesses. Ich leuchtete den Waldsaum ab, und da, unmittelbar hinter der Reviergrenze erschienen am Waldsaum die ersten schwarzen Wildkörper auf der Wiese. Ruhig und gelassen begannen sie gleich am Wiesenrand damit, die Grasnarbe zu lüften.
Ich hoffte, die Sauen würden nach ihrem Grünlandmahl den Wechsel in den Wald hinter mir nutzen, der etwa 60 Meter rechts an mir vorbeiführte. Und so setzte ich mich bereits in Position, legte die Waffe mit eingeschaltetem Leuchtpunkt bereit und nahm das Fernglas wieder hoch, um das Geschehen zu beobachten.
Immer wieder versuchte ich, die Rottengröße zu erfassen. Mal zählte ich acht, dann neun und dann wieder nur sieben schwarze Körper. Im Schatten des Waldrandes war kein eindeutiges Bild zu bekommen. Zögerlich nur zogen sie weiter in die Wiese. Deutlich erkennbar waren schließlich zwei stärkere Stücke, der Rest verschwand immer wieder im Halbschatten.
Aus dem Weidenbruch erklang sehr lautes Platschen. Ruhig zog dort ein Stück wild durch. Ich erwartete es mit dem Fernglas am Wiesenrand. Und schließlich tauchte dort auch ein großer schwarzer Wildkörper auf.
Die Rotte erschrak und flüchtete ein paar Meter zum Wald, verhoffte aber am Waldrand und beruhigte sich schnell. Zwei stärkere Stücke zogen langsam wieder in die Wiese, jetzt gefolgt von ein paar Frischlingen. Ruhe aber kehrte nur kurz ein, bis das einzelne Stück in die Nähe der Rotte kam. Ja, ganz offensichtlich war es ein Keiler, der nach rauschigen Stücken suchte. Ganz sicher handelte es sich bei dem Stück nicht um einen Jungspund. Irritiert aber beobachtete ich, wie er sich ein um´s andere Mal einem Frischling näherte. Dieser wiederum stiebte plötzlich vor ihm davon, wenn er zu nahe kam. Nach und nach wurde die gesamte Frischlingsschar wuschig und rannte durch die Wiese hin und her. Offensichtlich also war der Keiler nicht mit dem Ziel der Nahrungssuche erschienen.
Die Bachen, mittlerweile vier Stück, blieben absolut gelassen. Der Keiler interessierte sich nur für die Frischlinge.

Unterdessen waren aus dem Weidenbruch wiederum Sauen zu vernehmen. Es war wohl eine separate Truppe, die sich dort ebenfalls zu jagen schien. Es ging ständig hin und her, aber zu sehen war zunächst nichts. Stattdessen waren in der Wiese sieben Stück Rehwild, die dort ganz in Seelenruhe ästen. Sie waren ob der gleichzeitigen Anwesenheit der Sauen überhaupt nicht beunruhigt. Teilweise standen sie unmittelbar neben der Rotte, nur etwa 50 oder 60 Meter entfernt.
Bei der Rotte erschien nun aus dem Waldrand ein letztes starkes Stück. Ich vermutete hier die Leitbache. Der Keiler zog gerade wieder einem Frischling nach.
Die letzte Bache gesellte sich zu den anderen Bachen und übernahm nun die Führung der Rotte in einen anderen Bereich der Wiese, wo sie wiederum begannen, die Grasnarbe umzudrehen. Hier aber standen sie in einer Wassersenke, teilweise ging den Bachen das Wasser bis in Herzhöhe. Aber auch die Frischlinge folgten. Und hier wurde die Rotte im wahrsten Sinne zu Wasserschweinen. Es platschte, es schmatzte und blubberte, etwa 150 Meter vor mir spielte sich alles ab.

Das vorher von mir als vermutliche Leitbache angesprochene Stück sicherte plötzlich und trollte einige Meter Richtung Waldrand, während der Rest der Truppe ungestört weiter herumschmatzte. Und ich traute meinen Augen nicht: vom Waldrand näherte sich eine weitere Rotte Sauen. Ich war fix und fertig – und alles spielte sich außerhalb meines Reviers ab…
Die neue Rotte wechselte zunächst sehr zögerlich auf die Wiese, bis dort sich ein stärkeres Stück an die Spitze schob, einige Meter der Leitbache der ersten Rotte entgegen zog und stehen blieb.
Die beiden vermutlichen Leitbachen zeigten sich jeweils die Breitseiten und waren etwa 20 Meter voneinander entfernt. Nun zog im Schatten ihrer Leitbache die zweite Rote zügig an der ersten Rotte vorbei und verschwand im Weidenbruch. Erst als die zweite Rotte weitgehend in den Weiden war, folgte ihre Leitbache zügig. Die andere Leitbache entspannte merklich und begann nach ein paar Augenblicken wieder mit dem Brechen.
Ihre Rottenmitglieder blieben bei all dem absolut unbeeindruckt und entspannt.
Wo der Keiler abgeblieben war, konnte ich nicht verfolgen, hatte mich völlig auf die beiden Rotten konzentriert.

Ich begann gerade meinerseits, mich wieder ein wenig zu entspannen, als es im Weidengestrüpp einen wahren Tumult gab und plötzlich vier Sauen herausstürmten. Sie nahmen ihren Wechsel Richtung erster Rotte. Die Rotte selbst schrak auf und flüchtete zum Waldrand zurück, verharrte dort. Die Leitbache sowie eine zweite Bache allerdings stürmten den vier Sauen sofort entgegen und begannen ihrerseits, diese zu vertreiben. Die vier Sauen drehten auch sofort ab, zogen hochflüchtig einen Bogen über die Wiese und kamen in meine Richtung, gerieten dabei aber in meinen Wind und wendeten auf der Stelle. Offensichtlich handelte es sich bei den vier Sauen um Überläuferkeiler. Sie hielten nur sehr locker zusammen, auch als sie nach einigen hundert Metern auf dem benachbarten Rapsacker etwas ruhiger wurden, verharrten und sich orientierten. Und schließlich trollten sie in unterschiedlichen Richtungen davon.
Die erste Rotte zog schließlich in den Wald. Im Bruch matschte die zweite Rotte noch lange herum, vermutlich bemühte sich da der Keiler um rauschige Stücke.

Ich saß bis weit nach Mitternacht, hoffte immer noch auf einen Frischling, genoss die Stimmung und ließ das Gesehene Revue passieren. Irgendwann zog der Himmel sich zu und es begann zu nieseln. Ich entschloss mich dann zum Abbaumen.

Noch im Bett war ich so aufgekratzt, dass ich immer wieder die Szenen vor mir sah. Klar hätte ich gern Beute gemacht. Aber als ob die Sauen gewusst hätten, wo die Grenze ist, überschritten sie diese nicht in meine Richtung. Das aber gab mir zwangsläufig die Gelegenheit zu Beobachtungen, wie ich sie so in meinen vielen Jahren als Jäger und Mitgeher noch niemals machen konnte. Meine Erkenntnisse:
Dicke Keiler versuchen durchaus auch, Frischlingsbachen zu beschlagen. Überläuferkeiler wurden durch die Leitbache von der Rotte ferngehalten und bei zwei sich offensichtlich fremden Rotten haben die Leitbachen klargestellt, wo es langgeht.

Manchmal ist es halt gar nicht so schlecht, auch Sauen „nur“ zu beobachten…



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Kommentare

09.01.2012 10:27 platzi
Schön erzählt.
Danke

Diether
09.01.2012 10:29 Schuelerlotse
schön geschrieben und wieder was gelernt.
Danke

Lotse
09.01.2012 11:21 sau_hund
"Manchmal ist es halt gar nicht so schlecht, auch Sauen „nur“ zu beobachten…"
Diesen Satz sollten sich VIELE hinter die Ohren schreiben

09.01.2012 13:31 aelg

Super erzählt und manchmal ist es wunderschön wenn mann nicht zu Schuß kommt.
Grüße
Aelg
09.01.2012 13:40 Lars11
Der letzte Satz gefällt mir sehr gut!
Sehr schön geschrieben.
09.01.2012 13:42 SauerlaenderJung
Tolle Geschichte!!!
09.01.2012 13:50 anser
sau_hund schrieb:
"Manchmal ist es halt gar nicht so schlecht, auch Sauen „nur“ zu beobachten…"
Diesen Satz sollten sich VIELE hinter die Ohren schreiben



Ja, man lässt sich gerade wegen der Sauen sehr schnell unter Druck setzen. Ist ja nicht wirklich verwunderlich. Aber letztlich immer mal wieder gut, wenn man Gelegenheit hat, auch mal getrost den Finger gerade sein zu lassen - und wenn es dann erzwungenermaßen so ist (wie bei mir), dann ist es erst recht ok...
09.01.2012 13:52 anser
Lars11 schrieb:
Der letzte Satz gefällt mir sehr gut!
Sehr schön geschrieben.


Ja, das ist schon durchaus auch mal gut. Nur wird man das nicht so oft machen können, wie etwa bei anderen Schalenwildarten. Dazu ist das Reproduktionspotential dieser Wildart viel zu hoch...
09.01.2012 14:29 Lars11
anser schrieb:
Ja, das ist schon durchaus auch mal gut. Nur wird man das nicht so oft machen können, wie etwa bei anderen Schalenwildarten. Dazu ist das Reproduktionspotential dieser Wildart viel zu hoch...


Bei uns hält sich das leider/zum Glück in Grenzen mit dem Schwarzwild. Aber ich habe das bei einem Freund auch mal beobachtet in ähnlicher Form und ich muss sagen, dass mich das echt fasziniert hat. Auf jeden Fall eine schöne Erfahrung.

Grüße
09.01.2012 17:47 swinging_elvis
sau_hund schrieb:
"Manchmal ist es halt gar nicht so schlecht, auch Sauen „nur“ zu beobachten…"
Diesen Satz sollten sich VIELE hinter die Ohren schreiben


Ja. Auch mir gefällt der letzte Satz, wenn auch viele an Wildschaden etc. denken müssen. Bei Sauen und Füchsen heißt es heute: durchs Zielfernrohr ansprechen... Waidmannsheil, elvis
09.01.2012 18:47 esau
Mir war doch gleich so,als hättest du ewas mehr zu er zählen.
Du hast meinen Aufrichtigen Neid.
Gruß
esau
10.01.2012 06:50 anser
esau schrieb:
Mir war doch gleich so,als hättest du ewas mehr zu er zählen.
Du hast meinen Aufrichtigen Neid.
Gruß
esau


Solche Erlebnisse sind das Salz in der Sauenjagdsuppe...Und ich bin durchaus ein Salzjunkie

Gruß
anser
10.01.2012 06:56 anser
swinging_elvis schrieb:
Ja. Auch mir gefällt der letzte Satz, wenn auch viele an Wildschaden etc. denken müssen. Bei Sauen und Füchsen heißt es heute: durchs Zielfernrohr ansprechen... Waidmannsheil, elvis


Für das hinter dem "Durchs-Zielfernrohr-Ansprechen" liegende Grundproblem können die Jäger selbst oft genug nicht viel. Deshalb habe ich für so manch einen Weidmann, der sich dieser Methode bedienen muss durchaus Verständnis. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht, was dabei an guten Vorsätzen auf der Strecke bleibt, wie die Einstellung zum Schwarzwild sich zeigt.
Effektive Bejagung ist schon beim Rehwild durchaus sinnvoll, bei Sau und Raubwild /-zeug noch viel wichtiger. Das heißt aber eben nicht, dass ich diese Wildarten nur noch als Schädlinge sehen muss und entsprechend mit ihnen umgehe...
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