Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Aus Jungaltjägers Jagdtagen

Jäger erzählen nur wahre Geschichten (18 Einträge)

772 mal angesehen
08.01.2012, 11.17 Uhr

Rauschzeit

Es ist Dezember und Rauschzeit. Der Mond steigt gelb über den leicht gezuckerten Bäumen in gegenüberliegenden Grünanlagen auf um später weißhell Äcker und Freiflächen im Revier ins beste Büchsenlicht zu tauchen. Die Sauen ziehen umher und die Keiler spielen wilde Sau.
Ich sitze in der Bude und bin in Gedanken versunken:

Es ist Blattzeit. Schon Tage bin ich hinter einen medaillienverdächtigen Bock her, aber er narrte mich immer wieder. Und heute ? Kaum im Revier beginnt auch schon der Ärger. Schon wieder steht der gelbe Kleinwagen, halb die Schneise zugeparkt am Straßenrand, der Reviergrenze. Der Wanderparkplatz gegenüber ist dicht belegt, der nahe Badesee im Nachbarrevier ein beliebtes Ziel im Hochsommer.
Zweimal habe ich schon Zettel an die Windschutzscheibe gesteckt und auf das Halteverbotsschild auf meiner Revierseite hingewiesen. Ich zirkle mich also vorbei und stelle meinen Wagen seitlich der Schneise ab. Kaum aufgebaumt , es ist noch keine 16 Uhr, und die Sonne steht noch hoch am Himmel, schreckt vor mir an der Ackerkante Rehwild und eine Ricke mit ihrer Kleinfamilie springt flüchtig mit weit aufgestelltem Spiegel, immer wieder schimpfend, über den Acker ab. Der Puls rast, die Waffe schussbereit warte ich auf den Bock. Nichts………
Liegt er wieder im hohen Gras auf der kleinen Freifläche in der Dickung. Dort habe ich ihn schon öfter gesehen, von einem gut getarnten Schirm auf einer Düne am Rand der Wiese. Einmal narrte er mich einige Stunden, sitzend und im Bett vor sich hin dösend, ohne mir auch nur einmal mehr als sein prächtiges knuffuges Gehörn über dem hohen Gras zu zeigen. Mit viel Mühe halte ich den verschlungenen Pirschsteig frei, der mich lautlos und unsichtbar den Schirm anpirschen lässt.
Also abgebaumt und hin. Rucksack und den Mantel für den Abend lege ich eingangs der Dickung ab.
Auf der Wiese nichts. Doch was ist das? Mitten auf der Wiese in der heißen Nachmittagssonne liegen zwei junge Frauen, offensichtlich so, wie sie geschaffen wurden. Das Glas hoch. Wie war das mit dem Ansprechen ? Im Geiste höre ich meinen Lehrmeister:“ Zuerst nach Habitus und Färbung“. Na klar denke ich und leuchte mit dem Glas, durch die Gräser. Der Habitus lässt keine Wünsche offen und die Färbung? Besonders betrachte ich gebannt die weißen Flecken, die bislang wohl der Sonne nicht so recht zugänglich waren. Plötzlich bewegt sich eine und zwei braune Rehaugen blitzen mir durch das Glas. Mir wird heiß. Was tun? Hingehen und einfach so „Hallo“ sagen? Geht nicht. Einen Schuss loslassen und sie erschrecken? Nicht übel der Gedanke, aber auch das kann nach hinten losgehen.
Ich schleiche mit einem irgendwie ungutem Gefühl zurück. Aber schließlich liegen sie ja auch in meinem Revier, selbst schuld, wenn sie gesehen werden. Wenn sie bloß nicht immer ihre Klitsche in meine Einfahrt stellen würden. Ich werde sauer, an den Bock ist heute nicht mehr zu denken.
Also zurück zum Auto und gewartet, irgendwann müssen sie ja mal vorbeikommen und dann werd ich schon sehen. Es ist ja auch noch etwas früh um sich an die Gräben zu setzen, zu denen die Sauen zuweilen aus dem Mais zur Suhle ziehen. Nichts passiert und ich werde immer stinkiger. „ Gelb, wer fährt schon so ein Postauto, blöde Schicksen….“ .Zettel raus und einen Wisch hinter die Frontscheibe.
„ Macht Euch aus meinem Jagdrevier, ihr stört. Ich hab Euch gesehen!“ Zettel ran und ab zu den Gräben. Später schieße ich auch noch an einem Frischling vorbei und verfluche diesen Tag.
„Nur wegen der ollen Weiber“. Ich trotte mißmutig zum Auto zurück.
Hinter dem Wischer ein Zettel: „ Hab Dich auch gesehen“ und eine Telefonnummer.
„Naja……denke ich so unflott sahen sie ja nicht aus……….“
Und heute sitze ich hier bei Iris und warte, dass sie, fertig mit ihrer Abendbemalung aus dem Bad kommt, bildhübsch wie immer. Sie hat mich eingeladen den Kiez zu bepirschen, ein paar Drinks mit Schuss (man ist ja Jäger) in den kleinen Bars zu nehmen und dann in der Disko abzutanzen.
Nichts mit der Jagd heute, aber schließlich hat man als zwanzigjähriger Single-Jäger auch noch andere Reviere zu bejagen!
Wir werden also um die Häuser ziehen und dann…….

Und dann, und dann, und dann ????? „Fragt nicht so blöd, ihr wisst doch ES IST RAUSCHZEIT!“
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Jungaltjaeger

Jungaltjaeger

Alter: 73 Jahre,
aus der Prignitz
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

08.01.2012 12:35 Hupp
immer wieder schön zu lesen deine geschichten
08.01.2012 23:51 Rumtreiber
Echt nich schlecht
09.01.2012 00:23 wachtelman
Wie immer eine sehr schöne Geschicht !!!!
Toll geschrieben macht SPASS die Geschichte zulesen. Mach weiter so bin schon auf die Nächste Geschichte gespannt

Waidmannsheil
wachtelman

PS.: Schon mal überlegt Deine Geschichten in ein Buch zuverfassen?! Ich würd es kaufen.
09.01.2012 10:38 anser
Einmal mehr: höchst lesenswert...
09.01.2012 13:27 SauerlaenderJung
Tolle Geschichte, super geschrieben. SPannend und witzig zu gleich. Ich schließe mich an, würde dein Buch mit Kurzgeschichten kaufen.
09.01.2012 17:36 swinging_elvis
Schön ist vor allem das Menscheln abseits aber doch dann wieder auf jagdlichem Pirschpfade... Sehr schön... Bitte auch um mehr und habe die Ehre, el
10.01.2012 17:31 querz
Ich musste ja schmunzeln..Toll!!
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang