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Gruppe Club der Jagdromantiker

Besitzer: Lakai
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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

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738 mal angesehen
05.12.2011, 22.11 Uhr

Zeitreisen

Neben den tollen Erlebnissen beim Beutemachen gefällt mir auf der Jagd vor allem eines: die Möglichkeit, in der Zeit zu reisen… gerne möchte ich Euch einmal mitnehmen auf so eine besondere Fahrt. Das tolle ist: man kann alles selbst bestimmen…

Beginnen wir mit einer Reise von mehr als zwei Jahrzehnte in die Vergangenheit. Als Teenager saß ich ohne Schein aber jagdbegeistert auf der offenen Kanzel am unteren Streitenberg. Durch quatschende Furchen war ich zum Ansitz gegummistiefelt und hatte bei dickstem Nebel die Leiter erklommen. Chance auf Anblick? Eher gering. Aber auch damals schon habe ich besondere Wetterlagen und die Erfahrung derselben geliebt, die weißen wogenden Nebel, die wie die vielschichtigen Röcke der Löns’schen Nebelhexe das Land einsponnen… Gerade einmal ein einsamer Waldhase - und den ob der geringen Sicht auch nur ganz kurz - kam in Ablick… aber was machte das schon… der Kopf war voller schöner Erinnerungen… an einen Abend mit knisternder Kälte, als ich den Rotfuchs im letzten Licht am Waldesrand heran schnüren hörte, bevor ich seine schlanke Silhouette ins Glas bekam. Ein Wintermorgen mit überpuderter Feldscholle vor mir und plötzlich unheimlichem Krach im gefrorenen Laub des Waldes: vor meinen staunenden Augen rollte sich ein fetter Dachs, der offensichtlich seinem Winterschlummer kurz entronnen war, von Scholle zu Scholle in seiner platten Art und hinterließ mich wenig später mit offenem Mund… mein erster Dachs…
Aber mümmeln wir uns ein wenig ein gegen den Nebel. Ich schaue an meinem Lodenmantel herunter und sehe die feinen Tropfen sich wie Tau auf den grünen Stoff legen. die Augen schließend rücke meinen rechten Fuß zurecht… unter dem es leise knirscht.

Knirscht? Das Geräusch kenne ich, das ist Schnee bei mindestens -10°C. Wo bin ich? Aaah, jetzt weiß ich es. Nach einem langen Tag in den frostigen finnischen Wäldern gelangte die erfolgreiche Jagdkorona am Abend in der Hütte an. Wie immer wurde die Sauna befeuert, der große Topf kam auf den Herd und die ersten Büchsen olut (Bier) machten die Runde. Mich aber zog es noch einmal hinaus, wenn auch die Finnen mir zumindest einen Finnischen Vogel zeigten. Am Luder wollte ich mich auf einen Fuchs ansetzen. Das schnelle Aufwärmen am Bullerofen hatte Wunder gewirkt und so saß ich nun trotz der starken Minusgrade auf dem dicken Stein direkt am Weg in Ludernähe, eine Kiefer im Rücken und den verschneiten Weg direkt vor mir, in den behandschuhten Fäusten die Flinte. Sehr duster war es, wenn ich auch das schmale Band des Waldweges gut erkennen konnte. Würde ich auch heute das sanfte tapp-tapp-tapp der Branten eines Roten vernehmen, bevor ich ihn sah? Sollte gar Reineke im Hagel verenden? Allzu kühne Träume in dieser Nacht. Aber schön war es trotzdem in dieser absoluten Stille und Dunkelheit. Vielleicht würde sich auch ein Finnischer Waldgeist, der Schneehase zeigen. Auch diese nutzten die befahrenen Wege gerne als leichtgängige Pässe… So träumte ich vor mich hin, als die Nacht plötzlich eine ganz andere Qualität bekam. Aurora borealis gab sich in aller Bescheidenheit die Ehre – das Nordlicht. Es war nicht spektakulär, lediglich leicht schimmerte dieses Wunder des Himmels in seiner Starterfarbe grün durch die Wolken. Ich kannte und erkannte es aber und somit war alles Hoffen und Sinnen auf Beute vergessen. Den Kopf im Nacken und an die Kiefer gelehnt nahm ich dieses besondere Ereignis in mir auf … bis ich eine Stunde später glücklich den Heimweg antrat… Was sind wir Menschen doch klein…

Langsam drehte ich den Kopf. War ich eingeschlafen? Schön warm war es ja im Lodenmantel, wenn es auch ganz langsam begann, ein wenig klamm zu werden… Langsam glitten meine schweren Lider über die vor mir liegende friedvolle Nebelszene, in der es keine Akteure gab. Doch! In den kahlen Pflaumenbäumen neben mir, von denen man im Herbst so schön naschen konnte, turnten einige Kohlmeisen herum und vertrieben mir die Zeit. Mit einem Ast stocherte ich in einem Gewölle und untersuchte die kleinen Knochen der Mäuse, die sicher einem nächtlichen Beutegreifer zum Opfer gefallen waren… Mäuse…

Weder mit Mäuseln noch mit der Hasenklage hat es je bei mir geklappt… also auf den Fuchs natürlich. Einmal jedoch gelang es… aber eben nur fast.
In meinem kleinen Hessenrevier hatte ich Ende Januar noch einmal Gelegenheit gefunden, auf den roten Freibeuter zu waidwerken. Auf jedem Ansitz hatte ich meine Konzertinstrumente dabei, nutzte sie mit und ohne Fuchs im Anblick… Pustekuchen. Nicht eine Regung war zu beobachten. Heute Morgen endlich wollte ich es noch einmal im Wald versuchen. Am Tag war der Schnee aufgeapert, so dass er nur noch an einigen Stellen in weißen Laken zu sehen war. Der offene Himmel hatte allerdings den feuchten Boden über Nacht wieder tiefgefroren, so dass es ordentlich knirschte und knisterte, als ich mich zum Schwedensitz aufmachte. „Aber was soll man machen…“
So dachte ich mir, als ich endlich oben auf der Kanzel angekommen war und der Dreilauf geladen in der Ecke stand. Wieder einmal verlegte ich mich aufs Lauschen, denn noch tief dunkelblau war der Himmel. Plötzlich fuhr ich zusammen. Wie eine Furie und entsprechend laut raste ein Stück Wild hinter mir aus dem Wald und verschwand links vor mir in einer Dickung, die an einen Buchenhochwald grenzte. Was war denn das gewesen? Wenn mich nicht alles täuschte war soeben Meister Reineke unter meinem Hochsitz durchgesaust. Ja sapperlot. Wo kam denn der her? Unglaublich! Als ich mich jedoch so besann, kam mir die Idee, es doch ein letztes Mal mit meiner Kunst des Musizierens zu versuchen. Vielleicht war der Rote noch recht nah, darum verlegte ich mich auf das Mäuseln. Den Dreilauf legte ich vorsichtshalber schon einmal auf die Brüstung, erfahrungsgemäß musste es ja schnell gehen, wenn der Fuchs durch meine Künste gelockt direkt vor den Sitz schnürte. Und schon drang das zarte Zirpen zitternd in die Stille des dämmernden Waldes. Noch einmal hohlte ich Luft, um eine zweite Arie anzustimmen als ich erschrak: Rauschend durch den Hochwald schnürte da im Eiltempo mein Wunschgedanke direkt auf den Hochsitz zu und machte fein Platz vielleicht fünfzehn Meter von mir entfernt. Schlau wendete er seinen spitzen Fang nach oben und äugte genau in den offenen Türbereich meines Unterschlupfes hinein.

Salzsäule. Ich wurde zur Salzsäule. Da ist er. Ich will ihn. Doch was nur tun? Verzweifelt überschlugen sich die Gedanken, alles half nichts, ihn mit meiner Flöte erlegen konnte ich nicht. So begann ich im Schnecken-, nein Erdumdrehungstempo meine Hand zu heben Richtung Schaft meines Schießprügels. Würde er…? Würde er nicht…? Es muss wohl ein Jungfuchs gewesen sein, dumm war er keinesfalls. Auf halbem Weg zum Erfolg beendete er die Vorstellung, wendete unsicher und machte sich schleunigst wieder dahin, von wo er gekommen… Einmal verhoffte er noch, fertig wurde ich jedoch nicht mehr… Wehende Lunte, Waidmannsheil!
Enttäuschung? Frust? Nein. Nur schöne Erinnerungen…

Ja, und das ist es, was ich so liebe an der Jägerei… das Zeitreisen…
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

05.12.2011 22:54 SauerlaenderJung
als wäre man dabei gewesen... wahnsinn. manchmal will ich auch so schreiben können! schreibe ein buch, gerne mit hirschmann zusammen, und ich kaufe es auf der stelle!
06.12.2011 06:59 swinging_elvis
Du kannst es... Oder: yes, you can!
Einfach schön heiß in eine Form geben, dann erst grobe gefolgt von feiner Feile... El
SauerlaenderJung schrieb:
als wäre man dabei gewesen... wahnsinn. manchmal will ich auch so schreiben können! schreibe ein buch, gerne mit hirschmann zusammen, und ich kaufe es auf der stelle!

06.12.2011 21:45 pitter
swinging_elvis schrieb:
Du kannst es... Oder: yes, you can!
Einfach schön heiß in eine Form geben, dann erst grobe gefolgt von feiner Feile... El


Alte(r) Finne,
wie immer super geschrieben! Vielen Dank!
Bei Euch alles okay? Die Adresse von H. schicke ich Dir gleich noch auf dem privaten Weg!
WaiHei und alles Gute
Pitter

07.12.2011 07:49 BayernFlo
TOP, wie immer !!!!!
WMH,
Flo
07.12.2011 07:56 swinging_elvis
BayernFlo schrieb:
TOP, wie immer !!!!!
WMH,
Flo

Danke Dir...
07.12.2011 10:48 platzi
Weidmannsheil zu allem Erlebten.
Ich schliess mich an: Das Buch kauf ich auch....
Also hopp hopp...
(Kenne da jemanden, der das Buch wohl liebend gerne illustrieren wprde...)

Servus

Diether
07.12.2011 16:49 swinging_elvis
Freut mich, wenn es gefällt und hoffe, dass wir beide gemeinsam auch noch hie und da Geschichte schreiben
Vielleicht verdinge ich mich bei Dir dereinst als Gamsträger... Der Natur-Genießer
platzi schrieb:
Weidmannsheil zu allem Erlebten.
Ich schliess mich an: Das Buch kauf ich auch....
Also hopp hopp...
(Kenne da jemanden, der das Buch wohl liebend gerne illustrieren wprde...)

Servus

Diether

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