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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Herbstliches Waidmannsheil auf Sika
825 mal angesehen
28.11.2011, 22.00 Uhr

Lecker Sika

„Welch ein Herbst“ – so dachte ich mir, als ich auf der Sauerlandlinie Richtung Norden rollte. Auf Sika im Arnsberger Wald sollte es wieder gehen. Da der Termin dieses Jahr um einen Monat vorverlegt war, gab es zwar keinen weißen Schnee oder Reif, dafür aber einen Herbst mit buntem Laub im Stil eines amerikanischen „indian summer“, wie man ihn sich schöner nicht vorstellen könnte. Regelrecht staunend blickte ich immer wieder um mich und in Richtung Horizont, wo sich der Himmel begann, in pastellenen Blau- und Rosatönen zu färben. Welch eine Pracht der Natur.
Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Seit vielen Jahren versuchte ich bereits, ein Stück Sika zu strecken, hatte man mir doch bereits auf der ersten Drückjagd den Mund ob des hervorragenden Geschmacks des Wildbrets wässerig gemacht. Sika sei so richtig lecker… Noch als Jungspund hatte ich da aber natürlich nur Rudel auf der Kuppe sowie einen guten Hirschen brettlbreit auf sechzig Meter vor. Da ich aber guten Anblick hatte, beschloss ich, es im kommenden Jahr noch einmal zu versuchen.
Ein Jahr verging und mittlerweile war ich mit einer guten Büchse ausgerüstet. Am Jagdtag wollte uns Diana anscheinend nicht hold sein. Regen- und Graupelschauern gingen auf uns nieder und der Ansteller prophezeite wenig Wildbewegung und einen schlechten Jagdtag. Der endete aber immerhin mit einem kleinen Frischling sowie einer knapp verpassten Chance auf ein einzelnes Sikatier, welches ich im Rücken zu spät mitbekam. Unzufrieden konnte ich also wieder nicht sein… nur ein Sika… brachte ich nicht mit heim.

Wenn man aber wirklich etwas will, so kann einen ein weiteres Jahr des Wartens nicht abhalten. Wieder traf ich diesmal bei bestem Wetter im Revier ein um einen Bodensitz zu erhalten, an einem Weg gelegen mit gutem und vor allem sicherem Schussfeld in einen Hang. Nach einem Rotschmaltier, welches nicht frei war kam mir ein „dickes Schweinchen“ quasi direkt in den Stand gelaufen. Ich ließ es passieren, hatte ich es doch beim kurzen Verhoffen auf vielleicht fünfzehn Meter als Bache angesprochen. Tatsächlich kamen vier Frischlinge wenige Minuten später, die meinen rechten Nachbarn anliefen. Und schon knallte es. Ich war aufgestanden um gegebenenfalls noch eingreifen zu können. Da sah ich zwei Frischlinge, die hinter dem Stand des Nachbarn an günstiger Stelle unter einigen Fichten verhofften… langsam hob ich die Büchse - als ein weiterer Frischling mit mahlendem und schweißendem Kiefer auf dem Weg auf mich zu kam. Die Diagnose war schnell erstellt und alle Konzentration fokussierte sich auf dieses Stück. In letzter Sekunde schwang ich mit, überholte und ließ fliegen… das Schweinderl lag im Knall, durch beide Blätter getroffen. Waidmannsheil! Puhhh, ausatmen. Welch Erlebnis. Zehn Minuten später rauscht es hinter mir im Hochwald und mich lief ein Sika-Kahlwildrudel an. Ich konnte nur verdutzt über die Schulter schauen, mein Nachbar streckte aus dem ebenfalls verdutzten Rudel ein Schmaltier… Ja, so ein Sika, das ist was Feines…

Knapp vorbei… aber man kommt der Sache näher. Ein weiteres Jahr verging und nun bezog ich Posten in einem Hang mit Blick auf einen Wechsel. Schon beim Angehen sprangen einige Stücke Sikakahlwild ab. Ein gutes Ohmen? Sauen hatte ich dieses Mal keine vor. Von rechts wechselten mich einige der begehren Stücke mit ihren Kälbern an, die sich aber so geschickt im dicken Unterwuchs herumdrückten, dass ich keinen Schuss riskieren wollte. Als ein Alttier mit Kalb vor mit den Wechsel annahm, war anscheinend die Idee, Sika mit einem Pfiff zu stoppen, meinem Hirn entfallen. In leichten Troll passierten beide meinen Stand, unbeschossen. Man muss hierzu wissen, dass bei den Sika der Pfiff der Warnung dient… mit Murmel und den „Jemsen“ sind sie allerdings nicht verwand!!!

So langsam konnte man verzweifeln. Immer hatte ich Chancen gehabt, immer war es knapp daneben gegangen. Die kommenden Jahre waren voller Arbeit und so konnte ich an den tollen Jagden nicht teilnehmen. Erst in 2010 rollte mein Auto wieder auf eine Einladung hin in den Arnsberger Wald. Sollte es dieses Jahr klappen? Ein sehr stürmischer Herbst ließ mich da Bedenken haben. Und es passierte: Der Jagdleiter sagte das Treiben kurz vor Beginn aufgrund des starken Windes und der daraus hervorgehenden Gefahren in einigen Waldbereichen ab. Einpacken, nach Hause fahren. Also irgendwas stimmte im Verhältnis Jäger – Sika nicht. Es sollte einfach nicht sein. Und einen weiteren freien Tag für den Ausweichtermin konnte ich nicht nehmen!

Dies war die Vorgeschichte zu meinem heutigen erneuten Versuch. Sturheit? Durchhaltewillen? Verbissenheit? Jeder mag sich seinen Teil denken!
Mit einem „Jungjäger“ sowie einem niederländischen Jagdgast wurden wir abgestellt, eine Grenzlinie des Reviers „zu verteidigen“. Schon der Ansteller meinte, hier müssten Sika kommen. Die Hoffnung stieg, allerdings wollte ich ob meiner Erfahrungen auch nicht den Tag vor dem Abend loben. Ruhig nahm ich meinen Platz ein und sondierte die Lage. Vor mir lag ein Fichtenaltholz mit weitem Blick. Hier würde ich das Wild früh anwechseln sehen. Rechts und links von mir saßen die beiden Mitjäger… es konnte losgehen… und ging es auch schneller, als ich dachte. Kaum war angeblasen als sich vielleicht dreihundert Meter vor mir Hundegeläut hören ließ. Jagte da bereits eine Bracke an Sikas? Diese Jagdart funktioniert im Revier tadellos. Und tatsächlich, nach wenigen Minuten sah ich ein Alttier mit Kalb anwechseln. Die Stücke kamen recht schnell und wenig später erkannte ich, dass die Hunde nicht weit dahinter waren… so ließen mein Nachbar und ich beide, die nicht einmal verhofften, genau zwischen uns in ihrer hopsenden Gangart passieren… na, das war doch immerhin schon einmal was!

Jetzt aber erst mal das Wichtigste. Sorgsam packte ich meine Brotdose mit dicken Schnitten und Wurstenden aus, um gemütlich kauend den blauen Himmel und das schöne Wetter zu preisen… als schon wieder Bewegung im Wald vor mir war. Mit bloßem Auge sprach ich einen Sechser-Hirsch, einen hohen Schmalspießer und ein Alttier an, welches das kleine Rudel führte. Obwohl bei Schmalspießern keine Begrenzung ausgesprochen war, entschied ich mich bei der Höhe der Spieße dann doch für das Alttier und gedachte, die Stücke, die meinen Stand anliefen, mittels Pfiff zum Verhoffen zu bringen. Soeben wechselte das Alttier in einen vielleicht fünfzig Meter entfernten kleinen Graben als ich den Sika-Warnlaut von mir gab. Und tatsächlich – das Alttier verhoffte und äugte zu meinem Stand – spitz zu mir. So wollte ich natürlich nicht schießen und schaffte es tatsächlich, das Kleinrudel nach zehn Metern noch einmal zum Stillstand zu bringen. Als ich grade mit dem Absehen hinters Blatt meiner Beute in spe fuhr, schob sich der Spießer genau dahinter… „das ist doch zum…“ Passend zur Situation waren die Stücke nun weit genug gewechselt, um in meinen Wind zu kommen. Herumwerfen und abspringen waren eins und wieder schaute ich auf die buschig-weißen Spiegel dieser Wildart. Sachte stellte ich die Büchse wieder ab. Es sollte einfach nicht sein. Enttäuschung? Zumindest ein wenig… Das dürfte sicher der Anblick für heute gewesen sein.

Plötzlich knallt es links von mir. Na vielleicht hatte „mein“ Rudel versucht, dort durchzuwechseln… ich nahm es gelassen zur Kenntnis… „Waidmannsheil“ an den Kollegen unbekannterweise… Da zuckte ich zusammen. Wieder von vorne und wieder auf „meinem“ Wechsel kam ein einzelnes Sikatier auf mich zu. Jetzt oder nie, es musste einfach klappen. Schon war der Schaft im Gesicht, die Büchse gespannt, der Pfiff heraus: Das Stück verhoffte – erneut spitz! In meinem Kopf rasten die Nerven, kann denn das sein? „Dreh’ Dich“ rief ich im Geiste. Das tat es auch - abspringenderweise nach rechts! Ich konnte es nicht fassen. Dreißig Meter vor dem Stand meines Nachbarn stellte sich das Stück schön breit und empfing die saubere Kugel des Mitjägers… Resignation? Na, ein wenig wird man sich wohl gönnen können von der kleinen bitteren Pille. Die Sika und ich – das war anscheinend so eine Geschichte. Schon ging mir der Gedanke an den Kauf eines Stückes Wildbret durch den Kopf… Aber nein, mich mit fremden Federn schmücken – das ist nicht mein Ding, und die Freude am selbsterbeuteten Sika wollte ich mir dann auch nicht nehmen. Dann halt kommendes Jahr… oder das danach…

Im Geiste entlud ich schon die Büchse als ich links am Rand einer Fichtendickung eine Bewegung erhaschte. Da war ein weiteres einzelnes Stück Sikakahlwild heimlich, still und leise eingewechselt. Wo war das denn hergekommen? Wenn es die Richtung beibehielt, musste ich eine kurze Gelegenheit zum Schuss erhalten. Gespannt wie ein Flitzebogen peilte ich am Zielfernrohr vorbei, um das Auswechseln zu bemerken… und ja, da erschien das Haupt, jetzt wechselte es langsam aus… ein einzelnes Alttier…sachte ging die Büchse mit, wartete ich auf die passende Gelegenheit. Verhoffen wollte das Stück nicht, die Lücken waren zu eng, der Schusswinkel wurde immer schlechter… mitfahren, vorne am Blatt anhalten, BAUZ – war der Schuss raus.
Das Stück zeichnete leicht und verschwand in einem neben mir gelegenen weiteren Fichtenanflug. Puuhhh, jetzt wich die Spannung und Hoffnung keimte auf. Das musste geklappt haben. Sollte ich tatsächlich mein erstes Stück Sika zur Strecke legen können? Ich konnte das Ende des Treibens kaum erwarten.

Am Anschuss fand sich leider nicht das erwartete Bild von hellem blasigem Schweiß… eher dunkel und dem Anschein nach Leber… ich war verunsichert. Hatte ich Mist gebaut? Da kam auch schon der Förster, der nach erster Sichtung der Lage beschloss, dass hier eine Nachsuche mit Hund das Beste sei! Mein linker Nachbar hatte einen Überläufer beschossen, das Stück meines rechten Nachbarn zogen wir abwechselnd zum Auto.

Nach dem Sammeln der Jäger war ein junger Schweißhundeführer schnell zur Stelle. Mit ihm brachen wir auf, Sau und Sika zu finden. Was das mögliche Keilerchen anging war ich zuversichtlich, denn eine Bracke hatte nach dem Schuss längere Zeit Laut an einer Stelle in der angrenzenden Dickung gegeben… und so fanden wir das Stück auch nach kurzer Todsuche. Mit „meinem“ Sika sah es da anders aus. Der auch noch junge Hund wollte die Fährte nicht richtig annehmen und suchte in den Hochwald hinein… also wenn das Stück da hin gewechselt war, dann gute Nacht. Mit einem guten Treffer hätte ich erwartet, dass es die nächste Deckung annimmt. Nach einigen Versuchen machte das Team erst einmal eine Pause. Zur Ruhe kommen hieß es und dann wies ich die beiden noch einmal genau in den Bereich des Anschusses ein. Wundersamerweise suchte der Hannoversche nun nach über einer viertel Stunde wie auf Schienen über den Weg in den Fichtenanflug hinein und nach wenigen Minuten hörte ich lautes Rufen… mich hätt’s vor schierem Glück und Erleichterung fast zerrissen! Wie ein Keiler brach ich trotz unebenem Boden durch die Fichten und stand wenig später vor dem erfolgreichen Gespann. Ich konnte den Hund gar nicht genug abliebeln und bedankte mich aufs herzlichste beim Nachsuchenführer. Was war das eine gemeinsame Freude. Mein Mitjäger seine erste Sau geschossen, das Nachsuchengespann zwei erfolgreiche Nachsuchen in nur einer Stunde und ich stand vor meinem ersten Stück Sika. Danke, danke, Waidmannsdanke!

Von dem anschließenden Gezerre mit den Stücken will ich hier nicht weiter schreiben, nur soviel: Es war anstrengend! Aber in so einer Situation erwachsen einem ja bekanntlich Riesenkräfte! Heute habe ich mein Sika in fein portionierten Stücken im Froster liegen. Goulasch sowie einen Braten aus der Keule habe ich schon zubereitet. Ob es aber nun so herrlich schmeckt, weil es Sika ist oder aber, weil ich dieser ersehnten Beute so lange hinterher gestiegen bin – das kann ich nicht sagen…
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

28.11.2011 22:40 Pudelpointer79
Sika ist in der Tat sehr sehr lecker! Schade nur, dass der Bestand im Arnsberger Forst bereits recht zusammen geschossen ist......!!! Ich sag nur "Wald vor Wild.." ETC!
Aber nichts desto trotz: ein herzliches Waidmannsheil!
29.11.2011 07:54 anser
Weidmanns Heil zur Beute!!! Die hast du dir nun aber redlich verdient...- keine Frage!!!

Sehr schön beschrieben. Ist immer wieder ein Erlebnis, deine Storys zu lesen...

Gruß
anser
29.11.2011 08:03 platzi
Den Rucksack kenn ich doch.......
Weidmannsheil zum lang Ersehnten.
und auch Mahlzeit.
Da werden wir wohl bald wieder lecker Fotos zum ansehen kriegen. Meistens dann so am Nachmittag wenn man weiß man muss noch ein paar Stunden abklopfen und nichts derartiges ist zu erwarten....

Gruß

Diether
29.11.2011 08:21 swinging_elvis
Der Begriff "Waldschutzjagd" hätte mich auch fast von weiteren Besuchen abgehalten... Gegen die Jagd und vor allem die Organisation kann ich aber seit Jahren nichts sagen. Vorbildlich! Und wie man lesen kann: Sika waren da... Waidmannsdank! el
Pudelpointer79 schrieb:
Sika ist in der Tat sehr sehr lecker! Schade nur, dass der Bestand im Arnsberger Forst bereits recht zusammen geschossen ist......!!! Ich sag nur "Wald vor Wild.." ETC!
Aber nichts desto trotz: ein herzliches Waidmannsheil!

29.11.2011 08:23 swinging_elvis
platzi schrieb:
Den Rucksack kenn ich doch.......
Weidmannsheil zum lang Ersehnten.
und auch Mahlzeit.
Da werden wir wohl bald wieder lecker Fotos zum ansehen kriegen. Meistens dann so am Nachmittag wenn man weiß man muss noch ein paar Stunden abklopfen und nichts derartiges ist zu erwarten....

Gruß

Diether

Na klar kennst Du den.. Was drin ist ist nicht so wichtig, Hauptsache schwer
Waidmannsdank! Werde mir Mühe geben mit dem passenden Einstellen... Kannst aber auch bei mir schon mal einige Bilder anschauen... Lecker! Elvis der Kostverächter
29.11.2011 10:38 SauerlaenderJung
Schöne Geschichte, wie immer packend und faszinierend erzählt. Danke dafür! Lass es dir schmecken und ein donnerndes Weidmannsheil!!
29.11.2011 15:42 Dachsbart
Was lange währt
Finde es immer klasse, wenn du deine Kochbilder hier einstellst.
Ich versuch mich ja auch gern beim Kochen.

Gruß Dachsbart
29.11.2011 18:32 Remmi
Waidmannsheil1
da wurde die Ausdauer doch noch belohnt
30.11.2011 00:08 swinging_elvis
Bolchower schrieb:
Waidmannsheil1
da wurde die Ausdauer doch noch belohnt

Ja. Was es bedeutet, nach langem Hinterhersteigen Beute zu machen... ist heute leider nicht mehr vielen bekannt. Schade, denn das hat eine ganz besondere Wuerze... Eine Erfahrung, die ich jedem wuensche... El
30.11.2011 11:48 BayernFlo
WAIDMANNSHEIL!!!
Immer wieder eine Freude deine Geschichten zu lesen!
Weiter so.
Gruß,
BF
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