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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

795 mal angesehen
19.11.2011, 00.13 Uhr

Meine erste Sau

Im Frühjahr 1989 ging mein Auslandseinsatz in USA zu Ende und ich kam zur Muttergesellschaft nach Deutschland zurück. Nach nur zwei Jahren im Ausland war es nicht einfach, im alten Unternehmen wieder Fuß zu fassen und die Zeit für die Jagd war sehr rar. Das ist halt das Risiko, wenn man Auslandserfahrung sammelt, aber die Zeit in USA möchte ich nicht missen.
Ein Arbeitskollege und Jagdfreund war Jagdaufseher in einem Revier in der Nähe von Gelnhausen in den Ausläufern des Spessarts. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so viele Sauen gehabt zu haben, wie in diesem Frühjahr. Nach all den Jahren, wo höchst selten mal eine Sau gefährtet und noch seltener eine Sau gestreckt worden war, trieb in diesem Jahr eine ganze Rotte ihr Unwesen in den Felder und Wiesen.
Er hatte mir schon mehrmals das Angebot gemacht, auf Sauen anzusitzen, aber es hatte terminlich nie geklappt, was mich echt frustrierte, da ich bis dahin noch keine Sau erlegt hatte. Für einen Freitagabend Anfang Juni sagte ich dann zu, um nicht als hoffnungsloser Fall abgestempelt zu werden.
Pünktlich um 20 Uhr war ich bei meinem Kollegen und es ging sofort ins Revier. Wir waren zu dritt: der Beständer, ein älterer Unternehmer aus Gelnhausen, und wir zwei. Nach einer kurzen Vorstellung meiner Person wurde die Strategie für diesen Abend besprochen. Mir wurde eine Leiter am Waldrand zugewiesen, vor der sich ein großer Rapsacker erstreckte, der deutliche Spuren der nächtlichen Besuche der Schwarzkittel zeigte. Zwischen Acker und Wald war ein etwa 10 Meter breiter, offener Streifen, der fast vollständig von den großen Buchenästen überdeckt wurde. Nach rechts konnte ich zwischen den Ästen hindurch eine Wiese erkennen, die sich an den Raps anschloss. Es war ein klarer Abend eigentlich mehr für die Bockjagd als für einen Sauenansitz geeignet. Ich saß kaum, da meinte ich, das Quicken von Sauen aus dem Raps gehört zu haben. Dann war es wieder ruhig und ich war überzeugt, mich getäuscht zu haben.
Als erstes kam ein Fuchs am Wald entlang auf die Leiter zugeschnürt. Als ich noch überlegte, was ich tun sollte, verschwand er auch schon im Hochwald. Ich glaube, das Zögern beim Ansitz auf Sau oder Reh einen Fuchs zu beschießen, hat schon vielen Füchsen das Leben gerettet. Mein Onkel, Gott hab‘ ihn selig, hat mir gesagt, wenn du einen Fuchs schießen willst, musst du fertig sein, wenn er kommt: Geweht aus der Luke fummeln, einstechen oder entsichern hält kein Fuchs aus.
Die Sonne war untergegangen und die Abendkühle machte sich bemerkbar. Im Schatten der Buchen wurde das Licht schon weniger, draußen auf dem Raps und auf der Wiese war es noch gut. Da schon wieder, jetzt war ich mir sicher, Sauen zu hören. Sie waren im Raps und kamen näher. Mein Puls raste, alle Sinne waren angespannt. Plötzlich wieder Ruhe, wo waren diese Viecher. Durch die Buchenäste sah ich sie auf der Wiese von mir fort trollen. Die ersten waren schon durch die Buchenäste verdeckt. Durch das Zielfernrohr meiner Sauer 54 BBF verfolgte ich die Rotte. Durch eine Lücke der Äste war ich plötzlich auf einer Sau, die stand, der Zielstachel war auf ihr und der Schuss brach. Die Rotte verschwand laut im Wald außerhalb meiner Sicht, es war wieder ruhig, im Raps vernahm ich Geräusche.
Jetzt schlug mein Herz noch heftiger, es war alles so schnell gegangen und ich war mir gar nicht mehr sicher, ob das alles richtig war. Da es merklich dunkler wurde verließ ich die Leiter und ging voller Erwartung zur Wiese. Da lag nichts und ich fing an, mir Vorwürfe zu machen wegen des schnellen Schusses. Einen Anschuss konnte ich auch nicht finden und stellte die Sucherei schnell ein, um nicht zu viel zu zertrampeln. Es dauerte nicht lange und mein Jagdfreund kam. Nach dem ich ihm die Situation geschildert hatte entschied er, am nächsten Morgen mit einem Hund nachzusuchen; ich sollte um halb fünf wieder hier sein.
Diese Nacht schlief ich schlecht und war schon um kurz nach vier wieder an der Wiese, wo auch bald mein Kollege und ein weiterer Jäger mit Jagdhund erschienen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was es für eine Rasse war. Ich wies den Trupp ein, wo ich ungefähr die Sau beschossen hatte, und kaum angesetzt zog der Hund Richtung Wald auf den Fährten der Rotte. Nach kaum 100 m verlor der Hund aber das Interesse weiter zu suchen, Schweiß wurde auch keiner gefunden. Ich erinnerte noch einmal an die Geräusche, die ich aus dem Raps gehört hatte. Der Hund machte aber keine Anstalten, im Raps zu suchen. Schon wurde der Verdacht geäußert, dass wohl vorbei geschossen worden ist. Ich habe diesen Moment der Schussabgabe immer wieder Revue passieren lassen, ich war gut auf der Sau abgekommen.
Aus einer Art Trotz bin ich dann selber in den Raps gegangen, was bei diesen fast mannshohen Pflanzen gar nicht so einfach war. Nach wenigen Metern fanden sich aber die ersten von den Sauen niedergedrückten Stellen auf denen man sich gut bewegen konnte. Keine 50 m vom vermeintlichen Anschuss entfernt fand ich die Sau. Es war ein Überläuferkeiler. Er hat wohl etwas schräg gestanden, der Ausschuss war hinten und eine Darmschlinge hatte ihn verstopft. Ich brach ihn an Ort und Stelle auf und gemeinsam trugen wir ihn zum Wagen.
Es war ein sehr schöner Morgen und ich richtig stolz auf meine erste Sau. Auf dem Weg zum Haus meines Jagdfreundes machten wir noch bei einem Bäcker halt, um frische Brötchen zu holen. Etwas später saßen wir dann auf dem Balkon und frühstückten mit einem tollen Blick über das Kinzigtal. Ich trank gerade meine zweite Tasse Kaffee als mein Blich auf meine Hand fiel. Mein Ehering war weg und nur ein weißer Eindruck erinnerte, dass er noch vor kurzem am Finger gewesen war. Das muss beim Aufbrechen passiert sein. Ich hatte keine Ruhe, also zurück zum Rapsacker und mit einem Stöckchen den zurückgelassenen Aufbruch durchgearbeitet. Da lag er, etwas blutverschmiert aber doch funkelnd in der Sonne. Jetzt war die Stimmung doppelt gut und wir bereit für ein zweites Frühstück.
SN


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Spessartnimrod

Spessartnimrod

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Kommentare

19.11.2011 13:55 IGOR82
Deswegen - auf der Jagd ohne Ehering!
19.11.2011 17:35 Kija
IGOR82 schrieb:
Deswegen - auf der Jagd ohne Ehering!

ach neee, der muss nur fest genug sitzen aber ich kenne auch 2, die ihn beim Aufbrechen oder Hände danach säubern verloren hatten.
19.11.2011 17:38 Kija
Weidmannsheil
und Glückwunsch zum wiedergefundenen Ring - nicht alle hatten so viel Dusel
21.11.2011 11:00 vierfuessler
Wer aber gar keinen Ring trägt hat mehr Zeit zur Jagd zu gehen
21.11.2011 12:35 Spessartnimrod
vierfuessler schrieb:
Wer aber gar keinen Ring trägt hat mehr Zeit zur Jagd zu gehen

Ich kenn' einige Unberingte, die vor lauter Stress auf der Suche nach dem anderen Geschlecht, zu überhaupt nichts mehr kommen.
21.11.2011 13:00 vierfuessler
Mit den Jahren legt sich das!
21.11.2011 14:56 Remmi
Kija schrieb:
Weidmannsheil
und Glückwunsch zum wiedergefundenen Ring - nicht alle hatten so viel Dusel



da hast du Recht - mein Ring liegt auch noch irgendwo draussen in der Kälte
21.11.2011 18:05 swinging_elvis
Darum beim Aufbrechen Handschuhe tragen.. Klar, war '89 noch kein Thema, aber jetzt wissen wir endlich, warum
Fein erzählt. Waidmannsheil, el
22.11.2011 08:59 RhoenerKauz
WMH.
Oh Gott, wenn inzwischen der Fuchs beim Aufbruch zugeschlagen hätte, eieiei
22.11.2011 16:21 Spessartnimrod
RhoenerKauz schrieb:
WMH.
Oh Gott, wenn inzwischen der Fuchs beim Aufbruch zugeschlagen hätte, eieiei

oder eine Elster...
Deshalb nie lange warten
23.11.2011 08:03 anser
IGOR82 schrieb:
Deswegen - auf der Jagd ohne Ehering!


Das gilt besonders für die Jagd auf Stöckelwild...
23.11.2011 14:23 IGOR82
anser schrieb:
Das gilt besonders für die Jagd auf Stöckelwild...

29.11.2011 17:56 Dachsbart
schön zu lesen. Was wohl geschehen wäre wenn du den Ring nicht hättest wieder gefunden
30.11.2011 20:04 Spessartnimrod
Dachsbart schrieb:
schön zu lesen. Was wohl geschehen wäre wenn du den Ring nicht hättest wieder gefunden

Ich hätte mich geärgert.
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