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Der Fehlschuß, der keiner war.....
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14.10.2011, 12.23 Uhr

Der Fehlschuß, der keiner war.....

Nachdem die Wolken der letzten Tage nach Westen weitergezogen waren, leuchtete die Schweinesonne heute hell am Firmament. Und die Sauen verließen nach dem Regen der letzten Tage auch mal wieder ihren reich mit Eicheln gedeckten Tisch im Wald auf der Suche nach tierischem Eiweiß. Viele frische Schäden in den Wiesen und Äckern waren ein eindeutiges Zeugnis.

Was lag da näher, als bei der Frau einen „Urlaubsantrag“ für den heutigen Abend einzureichen und raus ins Revier. Zusammen mit meinem Vater, der gerade den Jagdschein macht, bezog ich gegen 21.00Uhr eine Kanzel mit wunderbarem Rund-um-Blick. Vor uns ein Weizenacker, für den sich der Diesel nicht gelohnt hatte, dahinter ein kurzer Wiesenstreifen, bevor es nach ca. 100m in den Wald geht. Hinter uns große, frisch gesäte Ackerflächen, auf denen sich die Sauen in den letzten Tagen immer wieder gütlich taten.
Langsam wurden die Schatten kürzer, immer heller erleuchtete der Mond die Bühne. Es wehte ein leichter Süd-Ost-Wind, die Fleecehandschuhe taten bereits einen guten Dienst. Immer wieder lauschte ich angestrengt in den nahen Wald, ob denn nicht ein Rascheln zu vernehmen war.... Nix. Totenstille, noch nicht einmal mehr die fallenden Eicheln spielten mir heuer einen Streich.
Lediglich drei Rehe zogen gemächlich durch den Weizen, ohne Notiz von uns zu nehmen.
So ließ die Konzentration im Laufe der Zeit immer mehr nach, die als frisch gebackener Vater immer kürzer werdenden Nächte zollten langsam ihren Tribut. Etwas auf der halben Sitzbank (die andere Hälfte hatte ja mein Vater in Beschlag genommen) hin- und herrutschend, suchte ich vergebens nach einer gemütlichen Position. Trotz allem fielen mir so ganz allmählich die Augen zu.

„Mach dich zum Schuß bereit!“ waren die Worte, die mich blitzschnell wieder hellwach werden ließen. Heimlich, still und leise hatte sich ein einzelner schwarzer Klumpen aus dem Wald geschoben, und hätte mein Vater nicht so aufmerksam die Wiese abgeglast, ich würde wahrscheinlich jetzt noch schlummern.
So aber war das Glas schnell hochgenommen und eine einzelne Sau bestätigt. Zügig, aber ohne Hast, richtete ich mich ein, der Repetierer (30-06) war schnell in Position gebracht. Ein Überläufer von 35-40kg stand nun still in der Wiese und schaute uns an. Hatten wir uns verraten??? Der Wind war gut, aber vielleicht war ich beim Einrichten doch nicht so leise wie ich dachte. Mein Puls beschleunigte sich, wenn ich noch lange wartete, war die Sau ruckzuck wieder auf der anderen Seite im Wald verschwunden.
Der Leuchtpunkt wanderte langsam Richtung Blatt, noch einmal tief durchgeatmet und rumms............. Raus war die Sako Hammerhead! Während mein Vater das Geschehen durch's Fernglas beobachtete, konnte ich mit bloßen Auge sehen, wie die Sau zurück in den Wald stürmte und mit lautem Krachen verschwand. Zügig ging ich in Richtung Einwechsel, da mein Vater diesen immer noch eisern im Auge behielt. Eine sehr gute Idee, wie sich später noch rausstellen sollte. Den eigentlichen Anschuß konnte ich nämlich nicht finden, lediglich an der Stelle, wo das Schwein in der Dunkelheit verschwand, zeigte sich ein winziges Tröpfchen Schweiß. Die Kugel hatte sie also, ein erstes gutes Zeichen.
Der Schweiß war eher dunkelrot (kein Lungentreffer?), kein Grieß (keine Leber?) und es fanden sich ganz kleine Stückchen Wildpret. Sch...... was hatte das zu bedeuten? Schon waren sie wieder da, diese Selbstzweifel. Zumal ich mit dieser Waffe (Remington mit sehr hartem Abzug ohne Stecher) schon einen bösen Fehlschuß hatte (Laufschuß, sehr zum Ärger meines Jagdherrn, da dieser am nächsten Tag einige km durch den Wald stiefeln musste!). Und auch den letzten Bock hatte ich gefehlt, damals hatte sich aber die Montage gelöst, was ich aber erst später merkte.
Als ich dann auch noch einen kleinen Knochensplitter fand, war meine Hoffnung auf die Sau fast gänzlich verflogen.
Zwar fanden wir noch einige wenige rote Tropfen, aber für einen tödlichen Schuß wohl nicht genug. Nach 50m brachen wir ab, da musste am nächsten Tag wohl der Hund her.

Die Nacht verbrachte ich sehr unruhig, immer wieder kochte der Ärger in mir hoch, ein erneuter Fehlschuß, ich zweifelte schon an meinen Schießfertigkeiten.
Da die Nächte nun ja doch schon relativ lang sind, klingelte mein menschlicher Wecker in Form eines 6 Monaten alten Mädels schon lange vor meinen Handywecker. Um 7.30Uhr war ich mit meinem Jagdherrn zur Nachsuche verabredet. Zwar war das Licht jetzt deutlich besser als in der Nacht zuvor, mehr Schweiß fanden wir zunächst aber nicht. Also kurzes Telefonat mit dem Hundeführer, der schon vorgewarnt war, und der sagte sein Kommen sofort zu.
Doch halt, was war das? An einem kleinen Baum deutliche Spritzer. Und jetzt zeigte sich auch auf dem Boden immer mehr des Lebenssaftes. Meine Hoffnung auf eine erfolgreiche Nachsuche bekam neue Nahrung.
Mein Jagdherr war schon auf dem Weg, den Hundeführer am vereinbarten Treffpunkt abzuholen, als mir im diffusen Licht des Hochwaldes ein dunkler Fleck auffiel. Achso, Brombeerstrauch.... Also weiter dem Schweiß folgen. Nach weiteren zehn Metern wanderte mein Blick erneut zum „Brombeerstrauch“. Uppsa, dieser Strauch hat ja eine Steckdose und streckt vier Hämmer in die Höhe.
Die Steine, die mir in diesem Moment vom Herzen fielen, verursachten wohl einen Erdrutsch auf der Landstrasse, die 500m weiter unten im Tal verlief.

Vor mir lag ein starker Keiler, der über Nacht sein Gewicht wohl verdoppelt hatte. Der Einschuß lag etwas hinter dem linken Blatt, der Ausschuß genau rechts auf dem Blatt. Von 35kg konnte keine Rede mehr sein, eher 65-70kg wog dieser Basse, was er uns noch einmal eindrucksvoll demonstrierte, da wir ihn ca. 150m den Hang hinaufschleifen mussten.
So fand ein vermeintlicher Krank-Schuß doch noch ein glückliches, weil tödliches Ende. Und dies wurde trotz der frühmorendlichen Uhrzeit dann auch mit einem Schnaps begossen................

In diesem Sinne: Euch allen noch ein kräftiges Waidmannsheil und einen guten Anblick in der kommenden Mondperiode!

(Das Bild ist leider nur ein schlechtes Handybild, sorry)
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Kommentare

14.10.2011 12:39 Zips
Waidmannsheil. Gibt nichts schöneres als wenn es/er liegt
14.10.2011 22:34 djtdingo
Waidmannsheil!
15.10.2011 01:05 steinkauz
Weihei zum Keiler.
15.10.2011 09:09 Dackeldradsa
Waidmannsheil!

Toll geschrieben
15.10.2011 16:16 swinging_elvis
Sauber... einzelne Sauen sind auch wirklich sehr schwer anzusprechen... Waidmannsheil.
Wie haltet Ihr es mit der Verwertung nach einer Nacht?
Gruß, el
15.10.2011 16:45 Frischling10
Waidmannsdank!

Ja, Verwertung nach einer Nacht ist mit Sicherheit heikel! Zumal er gegen 22.00 Uhr geschossen war und erst gegen 8Uhr gefunden, also gut 10h. Der muss Wohl oder Übel auf den Luderplatz!
Frischling10
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