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Aus Jungaltjägers Jagdtagen

Jäger erzählen nur wahre Geschichten (18 Einträge)

Keiler
879 mal angesehen
13.10.2011, 12.59 Uhr

Der Mondscheinkeiler

Eigentlich will ich ja zur Jagd; Vollmond. Es klingelt und vor der Tür steht ein alter Jagdgenosse, überraschend nach vielen Jahren ohne Wiedersehen. In den Wirren der Wende hat es ihn weithinunter nach Sachsen verschlagen und nun besucht er seine Tochter im Mecklenburgischen.
Renate hat die Tiefkühltruhe geplündert und einen leckeren Kesselgulasch gezaubert, für den ein Überläufer im Sommer sein Leben lassen musste. Man redet und erzählt und ich hole aus einem verborgenen Winkel meines Kellers einen guten Rotwein herauf, für einen guten alten Bekannten.
„Pling“ klingen die Gläser und so manche wahrhaftig selbst erlebte Jagdgeschichte macht die Runde. Noch eine Flasche aus dem Keller und die Hirsche werden immer größer und die Kieler immer kapitaler. Es dauert bis in die Nacht bis wir wieder allein sind.
Nun sitze ich auf meiner Lieblingskanzel am Wildacker. Der Mond leckt langsam, immer höher steigend, die letzten Schatten der hohen Fichten vom Hafer und taucht ihn allmählich in helles Licht.
Ich schrecke hoch, zwei dunkle Flecken, die sich durchs Glas als Überläufer zeigen. Die Waffe hoch:
„Peng“ und mein Thermos kullert auf dem Kanzelboden. Irgendwie bin ich nicht so richtig beisammen. Die Überläufer bedanken sich und stürmen in den Bestand. Sch………. Denke ich, doch nicht dein Tag. Später zieht noch ein kleines Kahlwildrudel am äußersten Ende des Ackers, den Waldschatten nutzend über den Platz. Hochnäsig den Schweinemief meidend.
Das wars dann, aber den nahen abgeernteten Maisschlag will ich denn doch noch mal von der Waldkante aus „ableuchten“. „was ist das“, denke ich und putze mir die angelaufene Brille. Halbrechts über den Hügel trollt sich ein starkes Schwein heran. Nochmals hingeschaut erkenne ich im Mondlicht die blitzenden Waffen eines kapitalen Keilers. Abgekniet streiche ich die Waffe an meinem Pirschstock an und mit lautem Krach jagt ihm mein Repetierer die Kugel entgegen.
Kugelschlag und eine halbrunde „Todeskurve“ zeichnen den Treffer. „Nun fällt er“, jubelt es in mir und in Gedanken wünsche ich mir schon Weidmannsheil. Doch der Keiler steht und bläst, gierig nimmt er Wind, um zu finden, wer ihn da beschießt. Rums, die zweite Kugel fliegt und endet in einer Staubfontaine kurz vor ihm. Das ist die Richtung…….der Keiler nimmt Fahrt auf, direkt auf mich zu.
Reppeppep, nichts mit Repetieren, irgendetwas klemmt. Nochmals, Verschluss zu, Verschluss auf, Eine Patrone fliegt gleich mit heraus. Ruhig bleiben denke ich mir, obwohl die Knie zittern und das Absehen alles andere als den spitz auf mich zustürmenden Keiler sieht. Noch zwanzig Gänge und für mich kaum eine Möglichkeit zur Flucht. Nochmal genau hinhalten, alles schwarz im Zielfernrohr und…..“PENG“ …….ein harter Schlag trifft mich in den Rippen. Mir wird schwarz vor den Augen.
Mit durch nassen Haaren und kaltem Schweiß auf der Stirn öffne ich die Augen. Der ausgestreckte Arm meiner schlafenden Renate liegt auf meiner durchgeschweißten Nachtjacke und durchs Schlafzimmerfenster schickt mir der Vollmond ein schelmisches Lächeln.
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Jungaltjaeger

Jungaltjaeger

Alter: 74 Jahre,
aus der Prignitz

Schlagwörter

begebenheiten, humor, keiler

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Kommentare

13.10.2011 13:16 heineken
Sehr schön Mehr davon....
13.10.2011 13:42 Musang
Herrlich Ganz klasse geschrieben Weiter so !
LG
Andrea
13.10.2011 15:31 Munsterlaender
wirklich toll geschrieben!!
Viele Grüße
Muensterlaender
13.10.2011 16:53 Tassilo
Wenn einen die Sauen in den Schlaf verfolgen .
13.10.2011 17:21 Kija
Spannend geschrieben
Gruß Kija
13.10.2011 18:33 murmelbaer
Was sagt uns das? Als Jäger sollte man den übermäßigen Genuß von Alkohol meiden. Die Folgen sind unabsehbar und könnten auch Wirklichkeit werden.
Eine schöne Geschichte von fast einem Albtraum.
14.10.2011 08:56 swinging_elvis
Schöne Idee und super erzählt. Mehr davon... El
26.10.2011 12:27 hubertus200
Respekt, Du solltest Bücher schreiben. Tolle Erzählung. Ich habe einen solchen im August erwischt. Auch tolle Geschichte.
Ich habe eine heimliche Geliebte, Mecklenburg.
Gruß Jens
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