Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche
Muffelwidder aus dem Erzgebirge
1110 mal angesehen
05.10.2011, 11.14 Uhr

Muffeljagd im Erzgebirge - mit fast fatalen Folgen

Vor zwölf Jahre startete ich Mitte Oktober zusammen mit meiner jagdsüchtigen Teckeline "Ronja" ins Erzgebirge zur Muffelwidderjagd. Kein Zuckerschlecken war es die gut 400 Kilometer mit meinem alten Suzuki-Samurai über die vielen, erst im Neu- oder Umbau befindliche Straßen zu zuckeln. Heil angekommen im sächsischen Forstamt Heinzebank, wurde ich erstaunt als erster "Westler" begrüßt, der mit einem so kleinen, nicht gerade komfortablen Wägelchen hierher zur Jagd angereist kam. Offenbar hatte man dort bisher nur ganz dickrahmige Jagd-Offroader sowie die dazu passenden Wessi-Jäger kennengelernt.
Erjagen wollte ich hier meinen ersten ( und einzigen ) Muffelwidder bei Börnichen in den Muffeleinständen westlich der beiden Neuzehnhainer Talsperren. Der Forstamtsleiter war sehr zuversichtlich, dass ich schon nach 2 oder höchstens 3 Jagdtagen erfolgreich sein würde und gab mir - entgegen der von seiner vorgesetzten Forstbehörde in Chemnitz ausgestellten Jagdeinladung auf einen Jungwidder - auch einen älteren frei. Hoch erfreut fand ich mich noch am selben Tag und Abend bei meinem freundlichen Jagdführer in Börnichen ein - und die Jagd konnte beginnen.
Aber wie das so ist mit rascher Jagd und schnellem Erfolg, wie bei all meinen Jagdreisen in Deutschland ( und nur hier wollte und habe ich bisher gejagt ), bekamen wir in den ersten 3 Tagen überhaupt kein Wild in Anblick. Nur über 2 Jungwidder, die sich zu einer mittäglichen Siesta im Hochwald niedergetan hatten, stolperte ich am vierten Jagdtag bei einem unbewaffneten Spaziergang. Am selben Abend aber hätte es klappen können, wenn ich nicht - diesmal alleine und ohne meinen Jagdführer - einen sehr alten und einsam den Hochsitz umkreisenden Widder pardoniert hätte, dessen rechte Schnecke bis auf einen kurzen Stummel abgebrochen war. Am sechsten Jagdtag begegneten uns bei der Morgenpirsch mehrere Schafe mit einem mittelalten Widder. Aber die Korona verabschiedete sich sofort in raschen Fluchten.
Am Abend des letzten Jagdtags und ohne rechte Hoffnung auf Erfolg, wollte ich es noch einmal alleine auf einem kleinen, krummen Sitzchen, ganz in der Nähe wo uns am Vortag der Muffeltrupp begegnet war, versuchen. Und tatsächlich, nach langem Warten kam in geringer Entfernung in flottem Troll ein einzelner etwa 4 jähriger Widder am Sitz vorbei geeilt. Also rasch mitziehen, schießen und … suchen, denn der Widder war nach dem Schuss im hohen Farn verschwunden. Aber auch ohne Hilfe meines Hunds war er schnell zu finden und schon Minuten später, angelockt von dem Schuss, quälte sich ein uralter Trabbi den Hang hinauf, dem ein nicht minder uralter Ex-Förster entstieg, um sogleich fachmännisch meinen Widder zu begutachten.
Zusammen brachen wir ihn an Ort und Stelle auf und der freundliche Alte bot sich an, den Widder mit seinem Trabbi den steilen und kurvenreichen Schotterweg einige 100 Meter weit zu meinem Auto ins Tal herunter zu fahren. Ich wollte dagegen zusammen mit meinem Hund den Weg zu Fuß nach unten gehen. Und so geschah es. Der Widder wurde, es war inzwischen völlig dunkel geworden, eingeladen und der Trabbi setzte sich mit steigender Geschwindigkeit nach unten in Bewegung. Das aber war ein fataler Fehler, denn mein Hundchen sah überhaupt nicht ein, dass "sein" und unser Widder auf diese Weise entwendet werden sollte. Mit Jiff und Jeff raste Ronja dem Auto hinter- und bald handbreit nebenher und das alles ohne Wissen des ganz ahnungslosen und schwerhörigen Fahrers. Ebenso raste ich verzweifelt schreiend und Blut und Wasser schwitzend dem Hund und Auto hinterher und war mir fast sicher, dass spätestens in der nächsten oder übernächsten Kurve unsere Ronja unter die Räder kommen wird.
Aber offenbar gibt es auch Schutzengel für Hunde! Der Trabbi hielt mit quietschenden Bremsen, ich stürmte dazu und umarmte atemlos aber überglücklich dank heilem Hund und erfolgreicher Jagd meine beiden Gehilfen. Zu meiner Familie mit Muffelschnecke aber ohne Hund zurück zukommen – ein furchtbarer Gedanke !
Peter
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

Hesse

Hesse

Alter: 74 Jahre,
aus Südhessen
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

05.10.2011 11:28 wachtelschachtel
Na Waidmannsheil!
War da der Haase schon Forstamtsleiter?
Ist ne herrliche Gegend,das gesamte Flöhagbiet und Muffelwild haben die heute noch ganz gut.
05.10.2011 11:49 Hesse
wachtelschachtel schrieb:
War da der Haase schon Forstamtsleiter?

Ja, war er schon. Kommentar zum Last-minute-Jagderfolg ( nachdem mein Jagdführer dazu sagte, ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen ) da meinte Haase: " ...und mir ein ganzer Steinbruch!"
05.10.2011 14:33 wachtelschachtel
Hesse schrieb:
Ja, war er schon. Kommentar zum Last-minute-Jagderfolg ( nachdem mein Jagdführer dazu sagte, ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen ) da meinte Haase: " ...und mir ein ganzer Steinbruch!"

Der ist voll OK, der Mann!
05.10.2011 16:26 rokko1999
Na dann noch ein kräftiges WMH Muffelwild finde ich eine sehr interessante und eine der schönsten Wildart
05.10.2011 16:58 Remmi
Waidmannsheil zum Widder!
(auch wenn es schon ein paar Jahre zurück liegt)
05.10.2011 22:14 swinging_elvis
Waidmannsheil zum Widder... so einen würde ich auch einmal gerne erjagen, aber man muss ja noch Träume haben...
Jedenfalls feine Geschichte und gut geschrieben und dementspr. zu lesen. Fein. el
06.10.2011 08:54 Wachtelhund
Hesse schrieb:
Ja, war er schon. Kommentar zum Last-minute-Jagderfolg ( nachdem mein Jagdführer dazu sagte, ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen ) da meinte Haase: " ...und mir ein ganzer Steinbruch!"



Da kann ich mir Herrn Haase lebhaft vorstellen.
Ist ein Guter!
Ein nachträgliches Weidmannsheil zum Widder!

Gruß
Jens
06.10.2011 09:20 Dackelbiene
Mann oh Mann Peter ... ihr macht Sachen .
Die Reaktion deiner Ronja kommt mir recht bekannt vor - Dackel .

Interassantes Geschichtchen ... noch ein nachträgliches Weidmannsheil!!!

Viele Grüsse
Biene
06.10.2011 13:14 Hesse
Dackelbiene schrieb:
Mann oh Mann Peter ... ihr macht Sachen .
Biene

Hallo Biene ,
dir und allen anderen Postern ein frohes Weidmannsdank zurück! In bis heute 50Jahren Jägerei ( Prüfung Sommer 1961 ) fällt eben so manch Kurioses, Lustiges, Dramatisches und leider auch Trauriges an.
Jagd ist buntes Leben!
LG
Peter
18.10.2011 14:34 Pudelpointer79
Waidmannsheil!! Muffeljagd ist schon was Besonderes! Ich war am Wochenende erfolgreich auf der Pirsch..... einfach traumhaft!
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang