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Mit Telefonnummer unterwegs Natürliche Signalfarbe Sie sind wieder da....
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02.09.2007, 12.00 Uhr

Jagd vorbei - doch wo ist der Hund....?

Stöberhunde leben gefährlich. Darüber ist bereits jede Menge geschrieben worden. Insbesondere der Jagdeinsatz an wehrhaften Sauen fordert vielfach seinen Tribut. So formulierte Altmeister Rudolf Frieß sinngemäß bereits vor fast 100 Jahren:
"Wer Schweinsköpfe jagen will, muß Hundsköpfe drangeben!".

Dieses Risiko ist jedem Hundeführer stets bewußt und es wird einiges unternommen, um den Hund auf solche gefährlichen Situationen vorzubereiten bzw. ihn entsprechend zu schützen. Dennoch gibt es aus Verfassersicht ein schlimmeres Los, als dass der Hund geschlagen wird, und zwar wenn er - anders als sonst - nicht mehr zum Führer oder nach Hause zurückkehrt. Die Sorge um sein Schicksal und die Spekulationen um ein möglicherweise qualvolles Ende sind unbeschreiblich.

Natürlich gibt es Vertreter der unterschiedlichen Stöberhundrassen, bei denen es gewissermaßen zum guten Ton gehört, nach dem offiziellen Jagdende noch 2-3 Tage unterwegs zu sein. Von diesen Hunden soll an dieser Stelle jedoch nicht primär die Rede sein. Vielmehr geht es um die Stöberhunde, die über eine gute Orientierung und Führerbindung verfügen, aber trotzdem nach der Jagd auf der Vermißtenliste landen.

So mußte der Verfasser erleben, dass sein Terrierrüde - nach 4jähriger, hervorragender Stöberarbeit - bei guter Orientierung und regelmäßiger Kontaktaufnahme - überraschend am Ende einer großen Gesellschaftsjagd fehlte. Er fehlte noch nach dem Schüsseltreiben und auch großangelegte Suchaktionen mit zahlreichen Helfern brachten keinen Aufschluß über den Verbleib. Alle denkbaren Maßnahmen, über die nachstehend berichtet werden soll, wurden in die Wege geleitet. Der Hund blieb verschwunden. So vergingen Tage und Wochen, in denen angesichts wager Informationen gelegentlich ein Hoffnungsschimmer aufkam, doch Entscheidendes tat sich nicht. Eigentlich rechnete keiner mehr damit, den Hund lebend wiederzusehen, als nach 14 Tagen telefonisch ein Landwirt anfragte, ob ein Hund vermißt würde. Er hatte den Rüden lebend - wenn auch nur noch aus Haut und Knochen bestehend - unverletzt aufgegriffen; nur 50 Schritt von der Stelle, wo der Rüde den letzten Kontakt zu seinem Führer hatte! Gerechnet hatte damit keiner mehr! Was ihm in der zwischenzeit wiederfahren ist, darüber kann auch heute noch nur spekuliert werden.

Doch zurück zur Ausgangssituation:

Wird zum Ende der Jagd imer noch ein Hund vermißt, so hat das grundsätzlich noch nicht viel zu bedeuten. Oftmals bringen ihn Schützen später mit zum Streckenplatz.

Dennoch sollte man nicht darauf vertrauen, denn gerade an dieser Stelle werden schon die ersten Fehler gemacht:
Der Führer setzt sich im Wald in sein Auto und fährt zum Streckenplatz. Derweil arbeitet sein Vierbeiner u.U. auf der Führerfährte zurück und findet den Platz, wo zuvor das Auto stand verlassen vor. Günstigstenfalls wartet er an dieser Stelle vielleicht noch ab, ansonsten geht schon jetzt die Sucherei nach seinem Führer los und das zu einer Zeit, in der die meisten Schützen sich auch schon am Streckenplatz sammeln. Solche Situationen sollte man unbedingt vermeiden.

Richtig wäre es entweder, mit dem Fahrzeug im Treiben zu warten und jemand anderes zu beauftragen, am Streckenplatz die Augen auf zu halten, oder am Parkplatz eine Decke bzw. eine Hundekiste zu hinterlassen, an der der Hund dann - sofern man das entsprechend geübt hat - warten wird, bis sein Führer ihn abholt. Ggf. können weitere Ausrüstungsgegenstände dort hinterlassen werden, wo der Hund zuletzt Führerkontakt hatte.

Da in der Hand des Jagdleiters alle Fäden zusammenlaufen, sollte dieser - unter Angabe der eigenen Handy-Nr. - unverzüglich über das Fernbleiben des Hundes unterrichtet werden.

Darüber hinaus muß unbedingt die Zeit genutzt werden, in der alle Eindrücke noch frisch sind, um die anderen an der Jagd Beteiligten zu befragen, wo und unter welchen Umständen der Hund zuletzt gesehen worden ist. Dabei ist es von außerordentlichem Vorteil, wenn sich der Hund durch Rasse, Färbung und/oder Signalausrüstung eindeutig von anderen Hunden abgehoben hat. Es erhöht nun einmal den Erinnerungswert.

Sofern der Vermißte beim Streckelegen noch nicht wieder eingetroffen ist, so sollte der Jagdleiter es im Streckenbericht noch einmal erwähnen und seine Jagdgesellschaft insgesamt auffordern, sachdienliche Hinweise an ihn oder den Hundeführer weiter zu geben.

Bevor die Korona abrückt, um sich auf das Schüsseltreiben vorzubereiten, empfiehlt sich unbedingt noch einmal die ausgelegten Decken oder Hundekisten zu kontrollieren. Darüber hinaus sollte es selbstverständlich sein, dass die anderen Hundeführer ihren Kollegen bei der Suche unterstützen. Bereits an dieser Stelle wird dringend geraten, die umliegenden Polizeidienststellen sowie die zuständigen Tierheime über den abgängigen Jagdhelfer zu informieren. Wird dieser u.U. im Tierheim abgegeben, ohne dass man dort unterrichtet ist, so wird es unnötig teuer, weil dort eingehende Hunde dort zunächst standardmäßig entwurmt und entfloht werden.

Das abschließende Schüsseltreiben ist oftmals letzte Gelegenheit, den vermißten Jagdhelfer noch am Jagdtag wieder in Empfang zu nehmen. Manchmal bringen Schützen oder Treiber ihn dorthin mit, nachdem sie beim Streckelegen nicht zugegen waren. Oder aber der Hund ist bei einer benachbarten Jagdgesellschaft aufgelaufen, die ihn nicht zuordnen konnten und ihn nun zum gemeinsamen Schüsseltreiben mitbringen. Die erste Suchphase geht dann damit zuende, dass die ausgelegten Ausrüstungsgegenstände noch einmal am Abend und in der Nacht aufgesucht werden, um zu prüfen, ob der Hund sich zwischenzeitlich eingefunden hat.

Am Folgetag beginnt die II. Phase der Suche zunächst mit einer erneuten Kontrolle der Ausrüstungsgegenstände. Die Erfahrung zeigt, dass die Hunde, die sonst über eine gute Orientierung verfügen, fast immer wieder dahin zurückkehren, wo die Autos standen, bzw. wo sie zuletzt Kontakt hatten.

Wird auf der Suche gerufen und gepfiffen, so muß sich im Anschluß unbedingt eine längere Wartezeit anschließen. Ist der Hund verletzt, oder auch nur völlig verausgabt, so dauert es geraume Zeit, bis dieser am Ausgangspunkt des Rufsignals angekommen ist. Traurig, wenn er dort wieder niemanden mehr antrifft....

U.U. kann auch versucht werden, den Hund durch Abgabe von Schüssen bzw. durch Hornsignale zum Zustehen zu bringen. Allerdings sollten diese Maßnahmen natürlich zuvor mit der Jagdleitung bzw. mit dem Beständer abgestimmt werden.

Bei isolierten Ortslagen ist auch unbedingt zu empfehlen, von tür zu tür zu gehen und buchstäblich "Klinken zu putzen". U.U. weiß ein Bewohner, das ein Nachbar einen süßen, hergelaufenen Hund aufgenommen hat, den seine Kinder schon sehr ins Herz geschlossen haben...

Wird der Hund jedoch nicht spätestens am Folgetag der Jagd gefunden oder aufgegriffen, so müssen weitere Aktionen zügig folgen, da mit der verstreichenden Zeit die Chancen, den Hund wiederzubekommen, immer ungünstiger werden.

Empfehlenswert ist es nunmehr, möglichst viele Stellen zu informieren, die evtl. jetzt oder später Informationen über den Verbleib geben könnten:
- umliegende Forstämter/Revierförstereien
- benachbarte Reviere
- Tierärzte der Region
- Orts- und Gemeindeverwaltungen
- Straßen- und Autobahnmeistereien
- Jägerschaftsvorsitzende und Kreisjägermeister
- Haustierregister (sofern der Hund registriert ist)
- die Geschäftsstelle des eigenen Zuchtverbandes
- Einrichtungen in der Nähe mit viel Publikumsverkehr (Ausflugslokale, Wildparks, Raststätten etc.). Eine Liste der o.a. regionalen Stellen sollte man in weiser Vorraussicht mit telefon und E-Mail-Adresse bereits vor dem Ernstfall angelegt haben.

Darüber hinaus sollten im Großraum, wo der Hund eingesetzt war, Aushänge mit Photo und Telefonnummer gemacht werden. Die Auslobung einer Belohnung erhöht den Anreiz, sachdienliche Hinweise auch weiterzugeben. Auch diese Maßnahme sollte bereits am 1. oder 2. Tag des Ausbleibens in die Tat umgesetzt werden. Es empfieht sich, für derartibge zwecke immer ein gutes Photo des eigenen Hundes, ggf. mit Sicherheitsausrüstung, parat zu haben.

Als besonders wichtig hat sich in diesem Zusammenhang herausgestellt, dass die ausgelegten Ausrüstungsgegenstände möglichst lange im Wald verbleiben und während der Suchphase - ggf. auch über mehr als 1 Woche - immer wieder kontrolliert werden. Das o.g. Beispiel zeigt, dass der Vermißte sich noch 14 Tage später dort wieder eingefunden hat, wo damals die Autos abgestellt waren und er den letzten Führerkontakt hatte.

Hilfreich ist tzudem, wenn in der Jägerschaft bei allen sich bietenden Gelegenheiten (Versammlungen, benachbarte Gesellschaftjagden etc.) immer wieder auf den vermißten Hund hingewiesen wird, um die Sensibilität und die Aufmerksamkeit hoch zu halten.

Sind auch diese Maßnahmen erfolglos geblieben, so bleibt nach 2-4 Tagen in Phase III nur der Weg in eine breitere Öffentlichkeit. Es müssen Suchanzeigen in den örtlichen Zeitungen geschaltet und örtliche Rundfunksender um die ausstrahlung von Suchmeldungen gebeten werden. Weiterhin kann der vermißte Hund auf entsprechenden Internetplattformen als vermißt gemeldet werden.

Allerdings schwinden nunmehr von Tag zu Tag die Aussichten, den Hund noch lebend aufzufinden. Nur selten wird die Sache nach 14 Tagen noch so glücklich ausgehen, wie in dem oben geschilderten Fall. Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass man die Hoffnung nicht aufgeben sollte.

Die abschließende Checkliste soll in aller Kürze im Notfall helfen, die richtigen Maßnahmen in die Wege zu leiten:

(Phase I / am Jagdtag)
- Hundedecken oder -kisten im Treiben verteilen und zwar vorrang dort, wo die Autos standen bzw. wo der Hund zuletzt gesehen wurde
- Jagdleiter informieren
- Jagdteilnehmer befragen und um Mithilfe bitten
- beim Streckelegen und beim Schüsseltreiben noch einmal auf den abgängigen Hund hinweisen
- Tierheime und Polizeidienststellen informieren

(Phase II / 1-2 Tage nach der Jagd)
- immer noch ausgelegte Ausrüstungsgegenstände kontrollieren
- nach entsprechender Erlaubnis, Schüsse und Hornsignale abgeben (danach, wie auch nach jedemRufen und Pfeifen - ausdauernd abwarten!)
- von Tür zu Tür gehen und Anwohner befragen
- Information an Forstämter, Revierinhaber, JS-Vorsitzende, KJM, Tierärzte, Verwaltungen, Haustierregister, Straßen- und Autobahnmeistereien, Zuchtverband, sonstige Publikumsmagnete
- Aushänge mit Telefonnummer, Photo, Belohnung

(Phase III / 3-4 Tage nach der Jagd)
- Zeitungsanzeigen schalten
- Suchmeldungen im Rundfunk
- jagdliche Fachzeitungen bitten, Suchmeldungen zu veröffentlichen
- Suchmeldungen im Internet

Bleibt zu hoffen, dass den Lesern dieses Beitrags die Erfahrung eines langfristig oder gar endgültig vermißten Hundes erspart bleiben möge!

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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

03.09.2007 08:20 Kampfkeiler
Ich konnte in Springe auch ein Lied davon singen. Waren das unruhige 2 Tage. Mir war alles Egal, ich wollte nur den Hund zurück, was auch geschah.

Manchmal ist die Zeit, in der der Hund fehlt schlimmer, als wenn man wüßte, dass er krank beim Tierarzt liegt.

Gerade wenn der Hund in der Familie integriert ist, heult die ganze Sippe, wenn der Hund verschwunden ist. Harte Tage sage ich dazu.
17.10.2007 20:36 Max
ich bin neu hier im Forum aber ich muss sagen das er mal wieder unheimlich gut geschrieben ist ich würde deine memoaren sofort kaufen denn hierraus kann man nur lernen also aus dem was du alles schreibst

erste sahne
DK voran und waidmannsheil
17.10.2007 20:42 Ruedemann
Max schrieb:

ich bin neu hier im Forum aber ich muss sagen das er mal wieder unheimlich gut geschrieben ist ich würde deine memoaren sofort kaufen denn hierraus kann man nur lernen also aus dem was du alles schreibst

erste sahne
DK voran und waidmannsheil


Tausend Dank! So ein Feedback tut gut!
Mit den Memoiren lase ich mir aber noch etwas zeit. Ich will noch mehr erleben...!
Wmh Ruedemann
18.10.2007 07:41 Kampfkeiler
Mein Gott, ich kann ein Lied davon singen, wer hat sowas noch nicht erlebt.
Selbst und gerade als HF hat man keine ruhige Nacht und kann nicht schlafen. Bei mir war es auch, nur eine Nacht war der Hund weg, das kommt einem aber vor wie meine Woche. Man macht sich immer wieder Gedanken und geht nochmal im Geiste alle Hinweise nach, um zu einem Ergebnis zu kommen.
Ich stelle immer die Hundetransportbox dort hin, wo das Auto steht, meistens wartet der Hund in der Box auf mich oder liegt in der unmittelbaren Nähe.

Allerdings eines hat mich immer etwas gestört. Während ich in vollster Sorge bin und sehe, wie die Schützen unbekümmert und lachend zum Schüsseltreiben gehen, überkommt mich immer der Eindruck, das es denen wohl egal ist, wo der Hund abgeblieben ist,oder sie stoßen ein kurzes Bedauern aus und wenden sich 1 Sekunde später wieder ihren Erlebnissen zu.
Dieses ist ja gott sei Dank nicht bei jeder Jagd, wie Rüdemann auch schreibt, suchen die Schützen auch mit und niemand geht zum Schüsseltreiben, bis der Hund wieder da ist, hab ich auch erleben dürfen.
17.11.2007 20:30 Anni1
Hallo Ruedemann,

ein sehr guter Beitrag, habe schon 3 mal nach meinem Hund suchen müßen.

Wahei Anni1
24.11.2007 14:50 Ruedemann
Anni1 schrieb:

Hallo Ruedemann,

ein sehr guter Beitrag, habe schon 3 mal nach meinem Hund suchen müßen.

Wahei Anni1


Vielen Dank. Ich hoffe, es bleibt Dir künftig erspart.

Gruß und Wmh
Ruedemann
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