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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Ergebnis und Erlebnis - eine Jägerfreundschaft Bärenjagd 2011  N2 Bärenjagd 2011 N3
507 mal angesehen
24.09.2011, 11.36 Uhr

Bären(be-)stimmung

Tapp-tapp, tapp-tapp, tapp-tapp machen die Füße. Ich befinde mich auf einer meiner Jogging-Runden am Fluss und genieße mit vollem Jägerherz die Natur. Der Herbst kommt in großen Schritten und so huscht mein Blick hin und her. Grau schimmert der Fischreiher, der auf der Stoppelbrache unbeweglich einer fetten Maus harrt, auf dem Fluss rudern Stockenten hin und her, von links kommt eine einsame Krähe, die die Auen systematisch nach Beute abfliegt… es ist ein herrlicher Abend.

Jetzt ist die Sonne hinter dem Horizont verschwunden und der Entenstrich beginnt. Schon höre ich hinter mir das Klingeln eines Schofes als es auch schon rauschend über mich hinweg geht. Ich schließe die Augen und vermeine, lange Fäden mit feinen Häkchen von den Enten herabkommen zu sehen, die mich mitnehmen auf Ihren rasanten Flug… ich fliege, ich flieeege… und falle…

Hart… und kalt drückt der Fels an meinen Körper. Ich liege auf dem blanken Boden in einem Hochkessel. Das Klingen der Schwingen weicht dem Läuten der Glocken der Kühe, die auf dieser natürlichen Weide grasen… Noch einmal rücke ich meinen rechten Ellenbogen zurecht, der doch zu hoch auf einem Stein ruht, korrigiere den Anschlag und schaue erneut durch das stark vergrößernde Zielfernrohr, dass mir die lang ersehnte Beute zeigt… gleich muss es knallen…

Aber langsam… Zu Anfang des Jahres nahm ein langgehegter Traum meinerseits Gestalt an: Das Jagern in den Bergen. Ein Freund hätte vielleicht Gelegenheit, mich auf einen Gamsjährling zum Schuss zu bringen. Die Erwartungen waren hoch. Viel hatte ich schon gelesen von wilden starken Jägern, Gamsteufeln im Schnee und alten Murmelbären in Büchern, die ein weiterer Freund, der Louis mir freundlicherweise auslieh… Sollte ich es dieses Jahr auch einmal packen? Na, vorbereitet wollte ich immerhin sein und so machte ich dran. Regelmäßiges Joggen und ein paar Mal lud ich Verrückter meinen Rucksack mit Hanteln auf und wanderte drauflos… Da taten die Schultern nach ein paar Kilometern schon weh… wie musste das erst bei einem Gams von über 30 kg sein? Und dann am Berg? Mein Respekt stieg.

Dann begann der Traum zu purzeln… private Dinge stellten sich vor der spontanen Möglichkeit und mit Wehmut verschob ich den Traum noch ein zwei Jahre weiter… als es wie aus heiterem Himmel geschah: Es erreichte mich eine Einladung zur Jagd auf Murmel. Ich war Feuer und Flamme und sagte sofort zu, obwohl es sicher ein anstrengendes Wochenende werden würde… aber was tut man nicht alles… für das Jagern in den Bergen…
Schneller als gedacht kam das Ereignis näher. Meinen ersten Schritt auf den tausend Kilometern machte ich zur Arbeit im Hessischen, Schritt zwei ging zum pinselschwingenden Freund Louis im Baden-Württembergischen und gemeinsam brachen wir auf gen Süden. Wie immer konnte ich den Blick im Vorbeifahren nicht von den Hängen und schroffen Graten der uns umgebenden Berge wenden… am liebsten wollte ich gleich anhalten, losrennen und hochsteigen… wunderbar, überwältigend, ergreifend… Wann waren wir nur endlich da?

Der Abend nahte schon als wir endlich in die Einfahrt zum Haus des Gastgebers einbogen. Groß war die Freude und die Begrüßung herzlich. Wir passten gleich zusammen, was man bei einem ersten Treffen ja doch immer noch als kleine Unsicherheit im Kopf hat. Es wurde am Tisch platzgenommen, Rehgehörne wanderten bewundernd durch die Hände und man tauschte sich aus über die örtlichen Gepflogenheiten bei der Jagerei. Stunde um Stunde verging und erst nach Mitternacht fiel uns ein, dass es ja um drei schon wieder hieß, aufzustehen. Dementsprechend kurz und traumlos war der Schlaf.

Wie waren wir aber trotzdem wieder voller Energie, als der Wecker ging. Ausrüstung, Büchse und Bergstöcke schnell in den Wagen geladen und schon sausten wir in unglaublichem Tempo Serpentinen herauf und herunter. Fast erschien es wie ein Traum, als wir zwei Stunden später um viertel nach fünf in den kleinen Osttiroler Ort einrollten, wo wir verabredet waren.
Noch saßen wir etwas groggy im Wagen, als wenig später der Bergführer auf einer alten Kawasaki eintraf. Das war einmal ein Bild: der Bergjäger mit Bergstock, Rucksack und der guten Steyr-Mannlicher auf dem Moppet. Da konnte man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ein unkonventioneller Mann ganz nach meinem Geschmack. Nach Klärung der Formalitäten folgten wir eine halbe Stunde später dem knatternden Gefährt in ein Seitental, wo wir nach einigen hundert Metern anhielten und nun sich zeigen würde, wie das so ist mit dem Bergjagern!

Rucksack auf die Schulter, Büchse hinterher und den Bergstock gepackt, den ich mir erst dieses Jahr im Fränkischen geschnitten hatte… natürlich nicht in einer Vollmondnacht im Januar… aber er erfüllte seinen Zweck! Steil aber kurz wurde der Weg beschrieben. Wir gingen es an. Mit dem so oft zitierten langsamen Bergjagaschritt gingen die beiden Profis voraus, wir Flachlandtiroler trotteten hinterher. Alle paar hundert Meter blieben wir stehen – also nur wir Möchtegern-Bergler – und warfen einen Blick zurück ins Tal, in das die hinter den Bergen langsam aufgehende Sonne ihre ersten Strahlen warf. Was ein Ausblick, welch Stimmung. Ich war begeistert… und in diesem Tempo konnten wir auch den recht steilen Anstieg packen. Nach zwei Dritteln des Weges kamen wir an einer Sennerhütte vorbei. Seine Kühe weideten im Hochkessel, der so langsam in den Blick geriet, eine natürlich begrenzte Weide bot und eben dort sollte es auf die begehrten Murmel gehen.

Tja, das hatten wir geschafft. Während die Spezialisten bereits daran machten, die umliegenden Hänge abzuglasen, setzten wir beide erst einmal die Rucksäcke ab und packten die Fotoapparate aus. Wir befanden uns in über zweitausend Metern Höhe und genossen den sich uns bietenden Anblick in vollen Zügen. Kurz vor acht war es und die umliegenden steinigen Hänge lagen noch im Schatten der aufgehenden Sonne. Jetzt hoben auch wir die Gläser, konnten aber so schnell nichts entdecken. Der Bergführer klärte uns auf, dass sich Murmel gerne in der Nähe von Felsen aufhielten, da sie hier schnell Schutz vor dem nicht seltenen Adler fanden. Es dauerte trotzdem eine ganze Weile, bis ich nach Einweisung vor einem Bau in vielleicht zweihundert Metern Entfernung zwei Murmel sitzen sah… mein erster Anblick mit jagdlichen Absichten… jetzt wurde es spannend, denn ich sollte zuerst mein Glück versuchen.

Schritt für Schritt pirschten wir die wie die Pharaonen vor ihrem Bau verharrenden Murmel geduckt an. Nach einigen großen Felsen wurde die Deckung immer geringer und schließlich legten wir uns der Länge nach auf den Boden. Mein Gastgeber, nennen wir ihn kurz den „Didd“, hatte mir am Vorabend das Einrichten mit zwei kleinen Säckchen genau gezeigt und im regelrechten Schneckentempo schob ich mich zurecht.
Und da lag ich nun… die Steine drückten an vielen Stellen, irgendwas wurde nass im Beinbereich… ich aber konzentrierte mich voll auf den schwierigen Schuss auf das kleine Ziel. Lustig hatte mein Adlatus kurz vor unserer Jagd noch erzählt, dass einer meiner Vorgänger sicher zwanzig Schuss benötigt hatte, um sein Murmel zu erlegen. Vielleicht Jägerlatein, aber zu meiner Entspannung trug es nicht gerade bei. Klick machte das hintere Züngel des deutschen Stechers, ruhig stand Absehen vier auf dem Blatt der halbspitz zu mir gewendeten Beute in spe. Einen rötlichen Farbeinschlag hatte dieser Prachtbursche, darum hatte ich ihn mir ausgesucht.
Es dauerte eine Weile aber plötzlich begann die Spannung von mir abzufallen. Ja, auch der Herzschlag war ruhiger geworden, so musste es klappen. Langsam glitt der Drückefinger an das vordere Züngel, krümmte sich, krümmte sich weiter und … PETSCH hallte der Knall der .222 in den Hängen wieder. Das Murmel sprang kurz in die Höhe und landete auf dem Rücken, bäumte sich noch einmal auf… und war verendet. Die beiden anderen Murmel schlieften augenblicklich ein.

So tiiiiiieeef habe ich schon lange nicht mehr durchgeatmet. Eine ganze Lawine von Steinen fiel mir vom Herzen. Vom tiefen Dank erfüllt richtete ich mich auf und bedankte mich bei meinem Führer. Dann wendete ich mich zu meinen Freunden, die mich aus sicherer Entfernung beobachtet hatten und lüftete hocherfreut den Jägerhut. Es war vollbracht! Waidmannsheil und Waidmannsdank!

Am liebsten wollte ich gleich hoch stürmen in den Hang, um meine Beute in Besitz zu nehmen… jedoch galt es jetzt, hoch oben, von wo uns die Pfiffe der erbosten Affen entgegen schallten, weitere Murmel auszumachen, denn nun sollte mein Freund – der wuilde Louis - zu Schuss kommen. Seine erhoffte Beute saß wesentlich höher und so begann ein weiteres Abenteuer. Die Pirsch ging über einen mit größeren und kleineren Felsen bedeckten Hang, möglichst nah an die begehrte Beute heran… aus so einem Gelände einen Schuss – und gerade bei dem kleinen Ziel – abzugeben, ist kein Zuckerschlecken! Und so wurde von Stein zu Stein gepirscht, sich eingerichtet – oder dieses versucht – es war ein Krimi. Die Murmel oben auf größeren Felsen im Hang verschwanden hier und da und kamen wenig später zum Vorschein… wann fiel endlich der erlösende Schuss? Sicher eine Stunde ging das so bis anscheinend der Louis „seine“ Position gefunden hatte und ein zweiter Schuss im Hochkessel hallte. In diesem Moment hatten wir Beobachter nicht die Gläser auf die Beute gerichtet, konnten aber erleichtert an den Gesten des Jagas feststellen, dass es wohl geklappt haben musste.

Jetzt endlich durfte ich mich aufmachen und flog geradezu in die Höhe zum Murmelbau, während sich weiter oben die zweite Mannschaft an das Bergen ihres Mankeis machten… eine halbe Stunde später lagen sich zwei überglückliche Murmeljäger in den Armen und erhielten vom Bergführer die Brüche überreicht. Welche Freude, was für eine tolle Jagd.
Jetzt wurde erst einmal in die Rucksäcke gegriffen. „Didd“ hatte Hirschwürste und Brot dabei. Zu seiner Flasche Wein kreiste das ein oder andere kleinere Fläschchen, der Bergführer lies uns Gamswürste kosten… es war eine richtig zünftige Jause, ein wahrer Genuss, und dass die Jäger nach dieser „Bärentat“ müde und hungrig waren, kann man sich vorstellen. Angeregte Gespräche wechselten mit dem interessanten Besuch einer Kuh, die anscheinend uns Waidmannsheil wünschen wollte und unsere Beute genauestens untersuchte.

Bei mir kam schon fast Wehmut auf als es galt, auf zu brechen. Jetzt bewahrheitete sich auch der Spruch, dass das Absteigen schwieriger ist… es zwiebelte ordentlich in Knie und Oberschenkel… aber der Bergstock tat auch hier ausgezeichnete Dienste… Mit einem letzten Schluck aus dem Bergbach erfrischten wir uns und schritten weiter… Tapp-tapp, tapp-tapp, tapp-tapp machen die Füße…
… aber es sind ja die beturnschuhten, welche mich ans Ende meiner kleinen Abendrunde am Fluss getragen haben… ein Graureiher klaftert nur wenige Meter an mir vorbei, als ob er wüsste, dass ihm heutzutage keine Gefahr mehr droht seitens der Menschen… anders als zu Zeiten, als Hermann Löns den großen Vogel mit dem Dreilauf aus dem Baum schoss…

… und wie Geschichten des berühmten Heidedichters… so kommt auch mir die erlebte Murmeljagd wie eine wunderbare Geschichte vor… habe ich das wirklich erlebt?
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

24.09.2011 12:04 Renevolution81
Ein donnerndes Waidmannsheil in die Berge Der Schreibstil erinnert an den eines großen C.K.
Grüße an den Bärenjager

P.S. ... ein wahrer "Teufelskerl" dieser Louis
24.09.2011 12:38 WiednerDerSteirer
.... beschrieben in all seinen einzelheiten, so wie murmeljagen nun mal ist, wenn es manchmal auch schnell geht,, hat es doch etwas besonderes!
wobei natürlich die bergwelt das seine dazu beiträgt!
WH
25.09.2011 18:56 Spessartnimrod
Waidmannsheil!
Tolles Jagderlebnis und die Bilder sind der Beweis, dass es kein Traum war. Die Geschichte -wie immer- schön geschrieben.
Gruß
SN
25.09.2011 21:20 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
Ein donnerndes Waidmannsheil in die Berge Der Schreibstil erinnert an den eines großen C.K.
Grüße an den Bärenjager

P.S. ... ein wahrer "Teufelskerl" dieser Louis

Waidmannsdank! Wa soll ich sagen... ein perfektes Jagderlebnis! Und ja, der wuilde Louis ist sowohl im Ost- als auch im Südtirol'schen bestens bekannt... el
26.09.2011 08:17 zerberus
weidmannsheil. kleine, aber feine beute habt ihr gemacht. freu mich auch immer wieder wenn ich so einen "almratz" vor mir liegen hab
26.09.2011 08:53 BayernFlo
Waidmannsheil zum Murmel !!
Danke fürs Einstellen, tolle Story!
Beste Grüße,
BF
26.09.2011 13:42 swinging_elvis
BayernFlo schrieb:
Waidmannsheil zum Murmel !!
Danke fürs Einstellen, tolle Story!
Beste Grüße,
BF

Habe die Ehre...
29.09.2011 18:09 Lesoni
Waidmannsheil zum Mankei.
War vor kurzem auch auf Murmel. War einer der schönsten Jagden die ich bis jetzt erleben durfte.

Grüße aus dem Westerwald
29.09.2011 21:43 swinging_elvis
Lesoni schrieb:
Waidmannsheil zum Mankei.
War vor kurzem auch auf Murmel. War einer der schönsten Jagden die ich bis jetzt erleben durfte.

Grüße aus dem Westerwald


Ja, diese saubere Jagd... Konzentration, erlegen, genießen... Klasse!
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