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Sauennacht

(12 Einträge)

Am Ende der Blattzeit...
691 mal angesehen
23.08.2011, 10.02 Uhr

Sommersauen

Der Weizen steht noch immer. Längst schon hätte er eingebracht sein müssen. Aber das Wetter macht es den Bauern in diesem Jahr wirklich schwer. Selbst wenn es die Sonne endlich schafft, die Ähren soweit abzutrocknen, dass gedroschen werden könnte – der Boden lässt dies auf vielen Flächen noch immer nicht zu. Und so haben Reh-, Rot- und Schwarzwild einen nach wie vor reich gedeckten Tisch. Und den nutzen vor allem die Sauen reichlich. Waren sie in der Milchreife noch sehr zurückhaltend, das war jetzt vorbei. Der Raps ist weitgehend runter und bietet somit zumindest keine Deckung mehr, wo die Sauen über Wochen drin stecken und nur unregelmäßig mal auswechseln.

Auch der Weizen am Grenzschlag steht noch. Ich hatte in den letzten Tagen festgestellt, dass die Sauen ihn nun scheinbar regelmäßig annehmen und mich auch abends ein paar Mal angesetzt, ohne auch nur einen Schwarzkittel zu Gesicht zu bekommen – trotz Mond. So blieb die Hoffnung, auf einem Morgenansitz mehr zu sehen…

Der Halbmond steht hoch am Himmel und gibt alles. Mit ein wenig Glück wird es reichen, um zumindest Sauen auf der Rapsstoppel und den ersten streifigen Weizenstoppeln im sonst noch stehenden Weizen vernünftig ansprechen zu können. Während ich langsam zum Ansitzbock pirsche (das Auto habe ich am Dorf stehen lassen), stelle ich fest, dass ganz flache Nebelschwaden in den Senken der Felder liegen. Wind ist nicht zu spüren. Da werde ich wohl mit weiter aufkommendem Nebel rechnen müssen.
Der Weg zum Ansitzbock an der Hecke ist beschwerlich. In weiten Bereichen steht das Wasser blank und so muss ich wirklich bei jedem Schritt aufpassen, mich nicht akustisch zu verraten.
Diese Mühe machen sich ein paar Sauen offensichtlich nicht. Ohne, dass ich zunächst was sehen kann, höre ich sie aber laut im Weizen platschen. Und schon bin ich hell wach. Noch um ein Vielfaches vorsichtiger bewege ich mich nun zum Ansitzbock, unterbreche meine Bemühungen immer wieder, um mit dem Fernglas die Sauen, die ich doch so deutlich höre zu finden. Doch alles Suchen hilft nichts, sie sind nicht zu entdecken. Leide ich etwa an Halluzinationen? Noch ein paar Schritte lege ich vorsichtig zurück, gelange auf eine kleine Anhöhe und glase den Schlag noch einmal ab. Und endlich, weit weit entfernt entdecke ich einen schwarzen Klumpen im stehenden Weizen. Aber das kann bei der Geräuschkulisse nicht alles sein. Und so laut, wie die Geräusche zu vernehmen sind, muss das Geplatsche doch viel näher verursacht werden. Und dann endlich entdecke ich zwei Teller in etwa 200 Meter Entfernung von mir. Nun ist alles klar. Die letzten 50 Meter zum Ansitzbock schaffe ich auch irgendwie, während im Osten der Horizont sich bereits deutlich aufhellt. Aber so wie es heller wird, steigt auch Nebel verstärkt auf.
Vom Ansitzbock aus habe ich das Geschehen aber noch gut im Blick. Der mir näher stehende Schwarzkittel zieht langsam Richtung Schneise. Und noch bevor er diese erreicht stehen dort schon zwei Frischlinge. Das passt doch, die Waffe ist im Anschlag und ich suche im Zielfernrohr einen der Frischlinge – vergebens. Noch bevor ich auch nur annähernd fertig bin, sind diese auf der anderen Seite wieder im Weizen verschwunden. Nur die Bache steht auf der Schneise im Gebräch. Immer wieder tauchen ein oder zwei Frischlinge auf. Doch stehen sie entweder hintereinander oder vor oder hinter der Bache. Und bei geschätzten 180 Metern denke ich nicht daran, die Kugel aus dem Lauf zu lassen. Und zu allem Überfluss zieht die Bache von mir weg.
An ein Angehen ist nicht zu denken. Der Acker fällt vom Gelände her zu mir ab, von den Sauen trennt mich ein See, den auch nicht ungehört umrunden könnte, ohne die Sauen aus den Augen zu verlieren. Mir bleibt nur, aufzupassen, wie sich das Geschehen entwickelt…

Mittlerweile ist es schon recht hell. Die Sauen sind noch immer im Weizen unterwegs. Vom anderen Schwarzen kann ich nichts mehr entdecken. Die Bache mit ihren Frischlingen umschlägt mich westlich und versucht offensichtlich, zum Wald zu kommen. Verzweifelt suche ich nach einer Möglichkeit, doch noch eines Frischlings habhaft zu werden. Aber sowohl das Tempo der Minirotte als auch die Entfernung zu dieser sind viel zu groß, als dass ich realistische Chancen hätte. Noch einmal schlägt die Bache einen Bogen und zieht parallel zur Waldkante von mir weg…

Spätestens jetzt weicht die Anspannung, die nun seit fast einer Stunde auf mir lastete purer Resignation und Enttäuschung… Ich entspanne meinen R8 und auch mich, stelle die Waffe an die Brüstung und lehne mich zurück. Noch einmal lasse ich das Erlebte Revue passieren. Ja, mir scheint, dass es der gleiche Familienverband war, dem ich vor einer Woche einen strammen Frischling abluchsen konnte. Damals auf der benachbarten Rapsstoppel zog die Bache mit ihren sieben Frischlingen immer um mich rum. Bei normalen Witterungsverhältnissen würde ich immer versuchen (so der Wind passt) sie anzugehen. Aber die Äcker sind jetzt einfach nicht geräuschlos zu passieren, zumindest nicht, wenn man es eilig hat. Und da die Sauen ebenfalls ständig in Bewegung sind und meist nur oberflächlich die Stoppel absuchen, muss man sich beeilen. Doch auf dieser Rapsstoppel kam die Bache irgendwann zu mir, ich wurde für mein Warten belohnt…

Mittlerweile hatte die Sonne sich über den Horizont geschoben. Es liegt Nebel über den Feldern, der nun langsam in die oberen Luftschichten steigt. Über den Weizenschlag verstreut äst Rehwild, einige Ricken mit ihren Kitzen. Da, wo die Sauen in den Wald wechselten, steht plötzlich ein Bock. Er sichert ausgiebig und zieht schließlich in den Weizen bis zu Leitspur im Vorgewende. Längst mustere ich ihn im Fernglas. Er muss wissen, dass wir unseren Plan längst voll haben. Vertraut wechselt er an mir vorbei, gönnt mir aber einige Augenblicke den entspannenden Anblick des sichernden Bockes im morgendlichen Gegenlicht…
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Kommentare

23.08.2011 11:36 Frankenjaeger
Sehr schön geschrieben
23.08.2011 12:33 Kija
Herrlich zu lesen
Gruß Kija
23.08.2011 13:23 anser
Frankenjaeger schrieb:
Sehr schön geschrieben


Danke! Aber die Erlebnisse sind noch genialer...
23.08.2011 13:24 anser
Kija schrieb:
Herrlich zu lesen
Gruß Kija


Danke! Ein Frischling am Ende das Ansitzes wäre noch einen Tick besser...
23.08.2011 13:31 Kija
anser schrieb:
Danke! Ein Frischling am Ende das Ansitzes wäre noch einen Tick besser...


[www.youtube.com]

Damit du noch größere Schwielen am Zeigefinger hast?
LG Kija
23.08.2011 13:46 anser
Kija schrieb:
[www.youtube.com]

Damit du noch größere Schwielen am Zeigefinger hast?
LG Kija


Ist ja gut - ich habs verstanden...

Aber: so groß können die Schwielen gar nicht werden, dass es mir leid würde...
23.08.2011 15:19 Kija
anser schrieb:
Ist ja gut - ich habs verstanden...

Aber: so groß können die Schwielen gar nicht werden, dass es mir leid würde...


kann ich mir gut vorstellen
23.08.2011 18:57 SauerlaenderJung
Toll erzählt! Als säße man neben dir!!!
23.08.2011 20:16 anser
SauerlaenderJung schrieb:
Toll erzählt! Als säße man neben dir!!!

Danke!
24.08.2011 12:52 Dackelbiene
ja, ja ... die Saubande ... macht nie das, was sie soll .
Schöne Erzählung von einem reichhaltigen Anblick/Anhörung

Biene
24.08.2011 21:35 anser
Dackelbiene schrieb:
ja, ja ... die Saubande ... macht nie das, was sie soll .
Schöne Erzählung von einem reichhaltigen Anblick/Anhörung

Biene


Aber genau das ist es doch, was die Sache so interessant macht: die Unberechenbarkeit...

Wir sind ja nicht im Tierpark oder Gatter. Und da möchte ich auch nicht sein...
25.08.2011 09:42 Dackelbiene
anser schrieb:
Aber genau das ist es doch, was die Sache so interessant macht: die Unberechenbarkeit...

Wir sind ja nicht im Tierpark oder Gatter. Und da möchte ich auch nicht sein...

Geht mir nicht anders
27.08.2011 09:22 swinging_elvis
Feines Erleben... wenn auch - oder gerade weil - ohne Schuss... El
28.08.2011 22:51 anser
swinging_elvis schrieb:
Feines Erleben... wenn auch - oder gerade weil - ohne Schuss... El


Alles ne Frage des Maßes... Wenns´nicht zur Gewohnheit wird, dass die schwarzen Teufel ungeschoren davon kommen, ist alles gut!!! Da kann ich durchaus auch einen Morgen genießen, ohne den Finger krumm zu machen...
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