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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Unverhofft in der Blattzeit...
915 mal angesehen
02.08.2011, 23.50 Uhr

Blattzeit

Jetzt weiß ich, warum die Blattzeit "Blattzeit" heißt....

... na, weil sich dabei die Blätter im Mais immer so bewegen. Doch dazu später mehr.

Freitag war es, als ich unterwegs zum Brötchenholen meine Hunde im Revier aus dem Wagen ließ, damit sie sich kurz lösen konnten. Im morgentlichen Tran gerade mal 50m gegangen, flippten sie an eienr Stelle des Weges plötzlich geradezu aus, so dass ich Mühe hatte, sie zu bändigen. Irgendetwas roch dort so gut, dass sie am liebsten geradewegs in den angrenzenden Mais getobt wären. Auf dem harten Weg ließ sich leider nichts fährten, aber im angrenzenden Weizen waren kleinere Schadstellen, die mich auf Muffel tippen ließen. Allerdings wäre auch denkbar gewesen, dass eine Katze des unweit gelegenen Resthofes die Aufregung ausgelöst hatte.

Nun irgendwann beruhigten sie sich, machten ihr Geschäft und ich sah zu, dass ich noch ein paar Brötchen abbekam.

Nunmehr, am 01.08., kam mir die Begebenheit wieder in den Sinn und ich wollte mal nach den vermeintlichen Muffeln schauen. Bereits tagsüber hatte ich vorsichtig versucht, mir anhand des Fährtenbildes einen Eindruck zu verschaffen, doch leider vergebens. In der von Mais umgebenden Wiese konnte ich zwar erkennen, dass hier Wild gezogen war - nicht jedoch welches. Nun ja, es kam halt auf einen Versuch an:

Gegen 19.45 h baumte ich abends auf. Es war ein phantastischer Abend. Die tagsüber so schwül-warme Luft wich allmählich einer frischeren Abendluft. Der Himmel lockerte zunehmend auf und tatsächlich ließ sich sogar gegen 20.00 h noch die Sonne blicken. Fasziniert leuchtete ich immer wieder mit dem Fernglas die Umgebung ab. Eine tolle Aussicht hatte man von hier oben. Nur Wild ließ zunächst auf sich warten.

Gegen 20.15 h leuchtete es dann aber plötzlich an der Maiskante rechts von mir fahl-rot auf. Durch Glas erkannte ich einen Bock, der mir zunächst Rätsel aufgab: Während ein leuchtend weißer Muffelfleck einen 2-3jährigen Bock vermuten ließ, schienen Träger und Farbe durchaus auch zu einem älteren Bock passen. Irgendetwas stimmte mit dem Gehörn nicht:

Links eine gut veranlagte 6er-Stange, rechts eine schwach vereckte Gabel. Besonders auffällig aber war, dass sich an der linken, leicht marschierenden Stange eine starke Rose abzeichnete, während die rechte Stange ohne Rose direkt auf dem Haupt zu stehen schien. Während das Gehörn insgesamt einiges an Stärke vermissen ließ, waren die Stangen doch interessant und außergewöhnlich gut geperlt. Letztlich aber gab das mit 2-3 Jahren zu junge Alter den Ausschlag: Ich ließ ihn ziehen.

Gemächlich zog er diagonal über die Wiese, um 100m vor der Kanzel im Blühstreifen zu verschwinden. 10 Min. später sah ich ihn noch einmal vor dem grünen Jagdwagen des Jagdnachbarn auftauchen, bevor er - offenkundig auf Brautschau - im Wald untertauchte.

Derweil leuchtete ich immer wieder die Umgebung ab, aber - bis auf eine Ricke auf ca. 400m im benachbarten Raps - konnte ich keine Wild ausmachen. Plötzlich hielt ich inne: Was war das für ein Geräusch gewesen?

Mir schien, dass hinter mir die Maisblätter raschelten, doch Bewegungen konnte ich zunächst nicht ausmachen. Ich wartete...

Plötzlich hörte ich es nicht nur, sondern jetzt sah ich in der Mitte des Schlages Bewegungen in den hoch aufgeschossenen Stengeln. Wie Karpfen unter der Wasseroberfläche tobte hier etwas unter dem grünen Maisdach dahin.

Ein zweites Phantom sauste der Spur des ersten hinterher. Na klar: Blattzeit !

Da trieb offenkundig ein Bock seine Ricke. Hin und her wogte die Hatz. Zwischendurch ein kurzes Innehalten und schon ging es erneut weiter. Einmal sah es so aus, als würden die Stücke unweit neben mir auf die Wiese toben, doch kurz vor dem Maisrand drehten sie ab und es ging zurück in die Mitte des Schlages. Was für eine Spannung!

Ich malte mir bereits aus, mit was für einem kapitalen Bock die Ricke vielleicht bald auf die Wiese ziehen würde...

Vielleicht aber war es auch nur ein Jährling, der jetzt, wo der Hausherr zum Nachbarn gezogen war, die Gunst der Stunde nutzen wollte. Da, wieder zog die Spur Richtung Maisrand, diesmal aber hinter mir. Gleich müßte ich die Ricke sehen können. Vermutlich zog sie gerade unter der alten Eiche in meinem Rücken hindurch in den hochgewachsenen, nur stellenweise lückigen Blühstreifen.

Für das was jetzt kam, hätte man vermutlich mein Gesicht filmen müssen, denn ich habe bestimmt mehr als verdutzt ausgesehen, als ...

- ja als plötzlich eine weißgesichtige Sau - glatt und schier - zu mir herauf sah.

"Eine Überläuferbache" - schoss es mir durch den Kopf - "die paßt!" Vorsichtig drehte ich mich um, während ich zeitgleich zur Waffe griff. Jedoch als ich in Anschlag ging, zog die Sau weiter in den Blühstreifen und - ich hatte es befürchtet - war plötzlich weg!

Irgendwo mußte ich doch noch einmal etwas von ihr sehen können...

Da - ich konnte die Rückenline erkennen. Das sollte wohl reichen: "Mittig drauf und ein wenig tiefer halten" - und schon war die Kugel raus. Die Sau klagte erbärmlich auf und schoss zurück in die schützende Deckung. Wieder wiesen die wippenden Stengel ihren Weg. An einer Stelle schließlich verharrte die Bewegung und die Blätter raschelten eine zeitlang an Ort und Stelle. Dann kehrte Ruhe ein!

Ich peilte vorbei am Kanzelpfosten einen Straßenbaum an und merkte mir exakt die Stelle. Wenn mich nicht weitere, im Mais flüchtig abgehende Sauen getäuscht hatten, sollte das Schweinchen dort eigentlich verendet sein. Der Klagelaut ließ vermuten, dass ich ihr durch die Nieren geschossen habe - sehr schmerzhaft, aber auch tödlich.

Nach 20 Min. baumte ich ab, um von zuhause ein, zwei Hunde zu holen.

Wenn ich Glück hätte, schlief mein F. noch nicht, der am nächsten Tag Frühschicht hatte. Am einfachsten würde es nämlich sein, wenn ich von der Kanzel einen Helfer, wie ihn, einweisen konnte.

Glück gehabt, er war noch auf und sagte prompt sein kommen zu. Gemeinsam mit seinem noch jungen Weimaraner sowie mit seinem Sohn,der einen meiner Terrier - gewissermaßnen als "stille Reserve" - nachführte, tauchten sie ein - ins Halmenmeer - während ich sie telefonsch in die richtige Richtung dirigierte.

Als die Korona dort ankam, wo ich die Sau vermutete, hörte ich Frank schon sagen, dass sich sein unerfahrener Hundplötzlich äußerst vorsichtig bewegen würde. Wenig später machte auch schon mein Fox einen Heidenradau: Die Sau mußte liegen!

Ruckzuck war ich unten und eilte auf den Keif meines Hundes zu. Vor uns lag eine nicht-führende Überläuferbache von knapp 45 kg. Wie vermutet, war der Schuss durch die Nieren gegangen und hatte das Stück längst verenden lassen.

Mit vereinten Kräften zerrten wir den immer wieder überraschend sperrigen Wildkörper aus dem Halmenmeer. Die rote Arbeit war schnell und routiniert verrichtet, so dass die junge Bache, noch ehe es richtig dunkel war, bereits mit Wildmarke versehen in der Kühlung hing. So macht Jagd wirklich Spaß!

Jetzt wußte ich auch, warum meine Hunde wenige Tage zuvor diesen Maisschlag so interessant fanden. Wenngleich im Mais noch keine richtiger Schaden festzustellen war, so zeigten die Wühlstellen zwischen den Saatreihen, dass sich die Schwarzkittel hier bereits seit geraumer Zeit häuslich eingerichtet hatten.

So hat mir die "Blattzeit" in diesem Jahr ganz unverhofft ein Schweinchen beschert...


offline

Geschrieben von

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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

03.08.2011 05:29 Michael1282
Waidmannsheil!
03.08.2011 07:10 steyer0_1
wmh
03.08.2011 07:36 BayernFlo
Waidmannsheil zur Wutz!!
Scheene Gschicht.
Flo
03.08.2011 07:48 RhoenerKauz
waihai
03.08.2011 08:03 IGOR82
WMH!!!
03.08.2011 10:58 anser
Weidmanns Heil!

anser
03.08.2011 13:07 Erzgebirgler
WaiHei zur Sau
03.08.2011 13:41 Ruedemann
Euch allen Weidmannsdank! So ein unverhofftes Wmh freut einen natürlich, wenngleich ich mir einen etwas besseren Schuss gewünscht hätte...
03.08.2011 17:21 Hardtimkerjun
Waidmannsheil zur Sau und tolle geschichte

wmh Hardtimkerjun
04.08.2011 09:33 Meffi
Gut geschrieben, das hast Du "drauf", ohne Frage ... zur "Art der Erlegung": Hut ab, dass Du wahrheitsgemäß berichtest, aber so und unter den Umständen hätte ich mir den Schuß sicher verkniffen.
Glück gehabt ... wmh!

Meffi
08.08.2011 19:24 Sauhut
08.08.2011 20:22 Ruedemann
Sauhut schrieb:

27.08.2011 16:02 Nimrod83
WMH
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