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Messer
880 mal angesehen
14.07.2011, 23.40 Uhr

Meine erste Sau

Letzten Herbst war es so weit, ohne das ich es ahnte, sollte die erste große Drückjagd meines erst wenige Wochen alten Jägerdaseins ein echtes highligt werden.
Mein Jagdfreund A klingelte mich wie üblich im größten Bürostress an.
" Hast Du morgen Zeit ? Ich könnte etwas Hilfe bei meinen Hunden gebrauchen " Ohne großes Überlegen sagte ich zu, war das doch bei drei jagdlich geführten DL irgendwie plausibel, sagte einige Termine ab und überzeugte meinen Chef noch flott davon, das ich am nächsten Tag ganz was wichtiges zu erledigen hätte.
Abends packte ich meine Sachen und natürlich wie JJ eben so sind viel zu viel ein. Zum Glück auch das abgebildete Messer.
Dieses hatte ich nur wenige Tage zuvor aufgrund eines Testes bezüglich Abfangmesser in der WuH beidseitig angeschliffen.
Bei meinem Nachbarn lieh ich mir noch einen Repetierer in 30.06 aus.
So langsam muß ich mal schauen, das ich ne eigene Waffe bekomme, wenn da nicht diverse andere Projekte ( Bad neu, Balkon neu, .. ) immer wieder die Kohle wegfressen würden.
Morgens trafen wir uns am vereinbarten Treffpunkt und fuhren mit vier HF+1JJ und 6 DL los.
Es war schweinekalt ( -10 ) und für unsere Verhältnisse sagenhafte 20 - 30 cm Schnee bedeckten das Land.

Wir kamen gut durch und nach knapp einer Stunde errichten wir den Sammelplatz. Während der Fahrt las ich noch mal den Artikel über das richtige Abfangen in der WuH.
Junge was war da ein Trubel. Zwei Terriergruppen, dutzende Schützen, Helfer an jeder Ecke und jede Menge Treiber bevölkerten den Platz.
In der Mitte brannte schon ein dickes Lagerfeuer und Kaffee gabs auch für jeden.
Mit lautem Hallo wurde der ein oder andere Bekannte von unseren Jagdkollegen begrüßt. Mann kannte sich.
Ich reihte mich in die lange Schlange der Wartenden ein und zeigte etwas stolz meinen "frischen" Jagdschein vor und erntete natürlich sofort ein Paar dumme Sprüche. Egal immer lächeln war die Devise.
Danach bereiteten wir uns und die Vierläufer für die kommende Jagd vor. Die Hunde bekamen die farblich zwar sehr auffälligen aber so gar nicht in die wunderschöne Landschaft passenden Westen an und ich sinnierte noch darüber wie das wohl mit der Waffe werden sollte, als mein Jagdfreund A. mir das denken abnahm.
" Hier hast Du den Strick von meinem Rüden, den nimmst DU, die Waffe brauchst Du eigentlich nicht aber wenn Du dich besser fühlst nimm das Ding mit. Ich lass dann meine Waffe hier." Ich das 8x56 runtergenommen ( das nächste mal nehme ich das Teil gar nicht erst mit ) und die Waffe geschultert.
Am Sammelplatz gabs die üblich Belehrung der Schützen und die Verteilung auf die einzelnen Fahrzeuge.
Sehr positiv fand ich, das jeder Teilnehmer ein Din A4 Blatt mit allen wichtigen Telefonnummern bekam.
Danach wurde jeder Hundeführergruppe ( 2x Terrier 1x DL ) ein ortskundiger Führer zugeteilt und das ganze noch mit den aktuellen Teilnehmern der Kurses der KJS als Treiber aufgefüllt.
Auf den Fahrzeugen, die uns zum Ausgangspunkt des ersten Treibens bringen sollten, fanden wir noch für jeden ein Lunchpaket vor. Klasse Organisation das machte schon jetzt Spass.

Dann gings los.
Wir bildeten die Treiberlinie und "mein Hund" schaute etwas blöd als er mit mir gehen sollte.
Da ich aber immer in der Nähe von A. blieb und der Hund auch nicht doof ist. Von wegen besser mit nem Greenhorn jagen als zu Hause sitzen müssen. klappte das echt gut.
Wir arbeiteten nach einem vorgegeben Plan mit unseren Hunden mehrere Schläge durch.
Die Landschaft war aufgrund der kalten Wetterlage und dem vielen Schnee wunderschön.
Die Sonne schien und der Himmel war knall blau.
Überall Eiskristalle an den Pflanzen und immer wieder kleine Sumpfecken und Teiche mitten im Wald.
Malepertus hätte bestimmt tolle Bilder gemacht.
Die Hunde stöberten sehr ruhig und brachten so einiges an Rehwild auf die Läufe. Auch die eine oder andere Sau kam in Anblick.
Bis auf einen kurzen Moment als ein Keiler von locker 140kg etwas muffig auf die Hunde reagierte, die sich aber zum Glück abrufen ließen, sodaß sich der Bail gemütlich von dannen machte, wars eigentlich ein gemütlicher bewaffneter Waldspaziergang.
Die abgestellten Schützen kamen gut zum Schuss und am Abend sollte das Kühlhaus voll sein.
Gegen Mittag trafen wir uns mit den Terrierleuten zur kurzen Pause und einem schnellen Radler.
Was waren das für HF
Abgewetzte Lederklamotten, Signalhörner wie bei den Wikingern um den Hals gehängt, braune wettergegerbte Gesichter und mordsmäßige Abfangmesser die vorne am Gürtel getragen wurden, beeindruckten mich schon mächtig.
Mein "Messerchen" hatte ich dezent unter der Überhose und Thermohose in der Zollstocktasche versteckt.
Großer Fehler !!!!

Plötzlich kam die Aufforderung des Jagdleiters " Die DL Leute aufsitzen, ich hab da noch ne Spezialecke für Euch "
Keiner von uns wußte was kommt, war mir aber auch egal waren die anderen Jagdkollegen doch schon mehrfach dabei gewesen.

An einer Dickung angekommen erwarteten uns schon die abgestellten Schützen auf Ihren Böcken.
Kurz mit Gesten verständigt wurde dann auch mir klar. Da müssen die Sauen drin sitzen. Wie gehabt bildeten wir die Treiberreihe und begannen auf das Kommando des JL langsam durchzugehen. Die Dickung war perfekt, so mit allem was einem die Klamotten zerreißen konnte und dicht an dicht keine offene Fläche. Dazwischen noch einiges an Windbruch. Der Untergrund trotz des Frostes ziemlich weich und mit kleinen Entwässerungsgräben durchzogen. Nach wenigen Metern im dicksten Dschungel gaben die Hunde auch schon laut und die Sauen kamen auf die Läufe. „Stehenbleiben wir warten auf die Hunde“ hallte es durch den winterlichen Wald“ machte Sinn, hatte bisher ja auch immer geklappt. Eine Sau war nur etwas ortsunkundig, kam wieder zurück, querte die Treiberlinie und hatte damit noch weitere Hunde auf sich aufmerksam gemacht. Ich stand da mitten im dicksten Dickicht hörte die Laute, wusste aber nichts damit anzufangen.
„HF nach hinten, die Hunde haben ne Sau gestellt“ Vollkommen irritiert hörte ich den lauten und schon etwas eindringlicheren Ruf des JL, wusste aber immer noch nicht was da gerade passierte . Erst als ich die Beinlinge meines Jagdfreundes A. im Dickicht erkannte und sah das er rannte hats bei mir Klick gemacht. A. ist einer von den gemütlichen er rennt fast nie. Ich dachte nur „schei…. was geht denn jetzt ab“ und lief so schnell es ging in Richtung der lärmenden Hunde. Erst versuchte ich krampfhaft im Dickicht etwas zu sehen, änderte jedoch nach dem zweiten Einbruch und Sturz in einen der kleinen Gräben die Taktik. Blick nach unten und volle Pulle nach Gehör durch den Wald. An jedem Ast blieb irgendwas hängen. Die Brombeeren rissen die Jacke und Handschuhe kaputt. Die Waffe war nur im Weg. A. hatte ich schon nach wenigen Metern überholt und Marlboro Thorsten hatte auch nur kurz einen Vorsprung. Nach gefühlten Kilometern endete die Dickung und ich sah die gestellte Sau im angrenzenden Hochwald in etwa 150 Metern auf einer Anhöhe. Mehrere DL gaben mächtig Laut und bedrängten die immer wieder laut klagende Sau. Und die wehrte sich nach Kräften, nicht immer schafften es die Hunde den Schlägen der Sau auszuweichen. Mir wurde schlagartig klar, das das übel enden könnte. Und das wollte ich verhindern. Den Hunden durfte nichts passieren.
Eigentlich laufe ich ja gerne und viel und ab und zu auch mal nen Halbmarathon, die Aktion war jedoch ganz was anderes. Renn mal mit den ganzen Winterklamotten und klatschnassen und morastigen Winterstiefeln bergauf durch den Wald. Ich wette mein Puls war irgendwo bei 200.

Während ich rannte und Frikadellen Thorsten überholte fummelte ich mein Messer aus der Zollstocktasche. Dumm nur das das Messer noch in der Scheide steckte und ich auch noch den Rep. in der linken Hand hatte. Was sollte ich jetzt machen ?????
Weg damit !!. Im nächsten Brombeerbusch verschwand die Waffe. Oh oh das würde Ärger geben, hatte mein Nachbar doch noch nie mit dem Ding geschossen. Jetzt hatte ich aber endlich die Hand frei um das Messer von der Scheide zu befreien. Nur noch ein HF trennte mich von meiner ersten Sau. Wenige Meter vor dem Stück Schwrazwild wurde er langsamer und kramte sein Jagdtaschenmesser aus der Buxe. Wenn ich gekonnte hätte, hätte ich laut gelacht. Da hat der Kerl mindestens 30 Jahre den JS und nur nen Fahrtenmesser dabei. Irre aber mein Glück. Aus den Augenwinkeln hat er mich kommen sehen und ist einen Schritt zur Seite gegangen. Mit vollem Schwung habe ich die Sau von der Seite umgerissen und das Messer bis zur Parierstange mitten im Leben platziert. ( Beim Football wäre das ein perfekter Tackle gewesen ) Noch einmal kräftig verkantet und die Sau sackte leblos zusammen. Ich konnte richtig spüren, wir die Luft aus der Lunge entwich. Mit fliegendem Atem und völlig alle lag ich neben der Sau und inmitten der Hunde als auch die anderen HF ankamen. Ich glaube außer bei der Geburt meiner Kinder und dem ersten Sex habe ich noch nie so intensiv gelebt.
„Mann hattest Du keine Angst, das Dir der Terrier die Eier abbeißt“ wurde ich gefragt. Welcher Terrier ?? Erst jetz nahm ich den kleinen Giftzwerg war. Zielorientierter Tunnelblick nennt man so was wohl. Der JL der die ganze Szene beobachtete wünschte mir noch ein kräftiges WmH und übergab mir grinsend den „verlorenen“ Rep. Mein Jagdfreund A. stand feixend daneben, hatte doch sein JJ die Sau gestreckt. Auf dem Rückweg zum Sammelplatz teilte ich die Fleischwurst aus dem Lunchpaket mit unseren Hunden. Irgendwie waren wir jetzt ein Team.
Den Rest des Tages bewegte ich mich wie auf einer Wolke. Das Adrenalin blieb noch bis zum nächsten Tag.
Mit etwas zeitlichem Abstand denke ich, das ich doch ein ordentliches Risiko eingegangen bin. Die Sau wog fast 50kg. Bin mir jedoch sicher, dass ich beim nächsten Mal genauso handeln würde. Unsere DL gehören eben zur Familie und da kann man auch als nicht HF und JJ schon mal etwas komisch werden.
Ganz besonders muß ich mich bei meinem Nachbarn bedanken, leiht er mir doch immer noch regelmäßig seine Waffen und auch meinem Jagdfreund A. bin ich zu Dank verpflichtet. Dank seiner Unterstützung konnte ich schon eine Menge lernen und erleben.
Das abgebildete Messer habe ich dem HF mit dem Taschenmesser geschenkt und mir ein neues besorgt.

Unser Trainer sagte beim Football immer „Speed kills“, er hatte recht.

Lotse




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Schuelerlotse

Schuelerlotse

Alter: 52 Jahre,
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Kommentare

15.07.2011 07:43 wachtelman
Tolle Geschicht!!!!
15.07.2011 08:08 Niederbayer
"Marlboro Thorsten"

Tolle Geschichte, spannend erzählt! Ein kräftiges WMH!
15.07.2011 09:10 Schuelerlotse
Niederbayer schrieb:
"Marlboro Thorsten"

Tolle Geschichte, spannend erzählt! Ein kräftiges WMH!


WmD

Na ja irgendwie muß man ja die ganzen "Thorstens" unterscheiden und der eine ist immer am qualmen und der andere futtert uns immer alles weg.
15.07.2011 09:20 Schuelerlotse
wachtelman schrieb:
Tolle Geschicht!!!!


Danke
15.07.2011 09:58 wachtelschachtel
Waidmannsheil,beim nächsten Mal die Sau immer von HINTEN angehen! Sonst kanns böse ausgehen..
15.07.2011 11:18 Aikon
Super Geschichte
15.07.2011 15:28 Goos
Sensationelle Geschichte!

Die Thorstensens ...ich lach immer noch
15.07.2011 15:54 Schuelerlotse
wachtelschachtel schrieb:
Waidmannsheil,beim nächsten Mal die Sau immer von HINTEN angehen! Sonst kanns böse ausgehen..


mach ich
versprochen
und WmD
15.07.2011 17:04 wachtelschachtel
Schuelerlotse schrieb:
mach ich
versprochen
und WmD

18.07.2011 13:37 saarjaeger62
WmH zur ersten Sau.
Sehr schön geschrieben. und vor allem
noch gut ausgegangen.

Gruß
saarjaeger62
18.07.2011 21:53 Bardigiano
Alle unheimlich gut geschrieben, man denkt, man wäre dabei gewesen
Mehr davon, meeehhhr.......
20.07.2011 23:48 Schuelerlotse
Vielen Dank für Eure netten Kommentare.
Hatte mich schon echt überrascht, das mein kleines Erlebnis so positiv angekommen ist.
27.08.2011 08:13 swinging_elvis
Adrenalin pur. 50 kg ist aber auch kein Pappenstiel! Waidmannsheil, el
21.09.2012 14:20 Treiberschnitte_das_Original
...schreib ein Buch! So klasse beschrieben und nen geilen Humor hast DU
16.04.2014 20:14 knopf2
Erstmal WmH zur ersten Sau !!!
Denk beim nächsten Mal an den Ratschlag von Wachtelschachtel und Versuch einen Hinterlauf zu erwischen.
Wichtig, es ist gut ausgegangen und bis auf die Sau sind alle anderen Beteiligten noch gesund!

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