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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

Whitetail New York Erinnerung an der Wand
744 mal angesehen
07.07.2011, 08.52 Uhr

Whitetails Teil 2

Die Zeit vor Weihachten ist etwas ganz besonderes in USA und in den Neuengland Staaten ist diese Mischung aus Vorfreude, feierliche Stimmung, Emotionen und etwas Kitsch noch etwas stärker zu spüren, da auch die äußeren Bedingungen, wie Kälte und Schnee, ihren Teil dazu beitragen. Und wenn das Alles zu viel wird, dann ist ein Jagdwochenende die richtige Abwechslung. So ganz entkommt man aber dem Weihnachtstrubel nicht, denn im Clubhaus des Pawling Mountain Clubs schmückte ein stattlicher Weihnachtsbaum das Kaminzimmer und verstärkte mit seinem Glanz und dem Fichtennadelduft die scheinbar allgegenwärtige Weihnachtsstimmung.
Es hatte leicht angefangen zu schneien und der Himmel war dicht mit Wolken zugezogen. Sandy, ein Mitarbeiter des Clubs, fuhr mich im Pickup an den äußeren Rand des Clubgeländes, etwa 4 km vom Clubhaus entfernt. Mein Plan war, im frisch gefallenen Schnee nach Fährten zu schauen und einen guten Platz für meinen Tree Stand zu finden. Ich trug die obligatorische Jacke in Orange Blaze, man kann ja nie wissen, wer noch an einem Samstag durch die Wälder streift, es war Hunting Season. Als Waffe hatte ich meine Skeetflinte, eine Remington 3200, dabei. Mit ihr hatte ich beim Probeschießen mit Flintenlaufgeschossen die besten Ergebnisse erzielt und bereits ein Weißwedelalttier (Doe) erlegt. Wir hatte zwei Wochen zuvor eine kleine Drückjagd organisiert und ein Rudel Kahlwild wechselte vor mir hochflüchtig über einen Weg. Nachdem schon mehrere Tiere den Weg überflogen hatten, konzentrierte ich mich voll auf das nächste Tier. Im leichten Voranschlag deutete ich auf die Stelle an der es erscheinen würde und als es über den Weg flog schwang ich mit und drückte ab. Kurze Zeit später erschien Sandy mit seinem Jagdterrier. Auf dem Weg war nichts zu finden aber der Terrier zog heftig in die Richtung, in die das Rudel geflüchtet war. Nach wenigen Meter fanden wir den ersten Schweiß und nach ca. 100 Metern das Stück. Der Schuss saß mittendrauf und hatte einen Ausschuss ergeben, ich war von der Wirkung von Flintenlaufgeschossen beeindruckt.
Warm angezogen, mit meiner Skeetflinte und einem Kompass ausgerüstet, machte ich mich auf den Weg quer durch den Wald zurück zum Clubhaus. Ein richtiger Wald ist das eigentlich nicht, sondern verwildertes Farmland, von dem die Bäume wieder Besitz ergriffen hatten. Es waren vor allem Espen, Ahorn und eine Art immergrüner Lorbeer, die hier wuchsen. Ich kam auch an mehreren verfallenen Farmgebäuden vorbei, die noch von Obstbäumen umgeben waren, gerade für White Tails magnetische Anziehungspunkte. Im frischen Schnee konnte ich viele Fährten ausmachen und wunderte mich, wo die Tiere den alle steckten, gesehen hatte ich noch kein einziges. Unter dem Schnee war das Laub hart gefroren, was ein lautloses Pirschen sehr erschwerte und ich kam nur langsam voran. Gegen Mittag war ich auf einer Anhöhe oberhalb einer verfallenen Farm. Über diese Anhöhe zog sich ein Streifen der immergrünen Büsche, dazwischen ein Wechsel mit einer starken Fährte. Da versucht ein erfahrener Hirsch unter Ausnutzung jeglicher Deckung durchs Revier zu streifen. Ich suchte einen Baum aus, von dem man einen guten Blick auf eine Lücke in dem immergrünen Buschstreifen hatte und der aus dem Wind war. Hier musste mein Tree Stand hin. Auf dem Weg zum Clubhaus brachte ich einige Markierungen an, um im Dunklen am nächsten Morgen den Weg wieder zu finden. Mit Sandy montierte ich noch am gleichen Tag den Tree Stand an dem besagten Baum und es dämmerte schon, als wir wieder in der warmen Lodge eintrafen.
Nach dem Dinner saßen wir noch mit einigen Mitgliedern, die auch über Nacht blieben, im Kaminzimmer bei einer Pokerrunde zusammen. Es war ein kurzweiliger Abend und ich hatte nach 5 Stunden ca. 50 Dollar verloren nachdem ich zwischenzeitlich schon einmal deutlich im Plus stand und so konnte ich mich ohne schlechtes Gewissen ins Bett verabschieden.
Der Wecker klingelte um 6:00 Uhr. Im Haus war alles ruhig und ich zog mich leise an. In der Küche belegte ich mir 2 Scheiben Toast mit Schinken und Käse und trat in eine kalte Nacht hinaus. Es war noch etwas kälter geworden und der Schnee knirschte laut bei jedem Schritt. Ich ging sehr langsam, einmal um zu viel Lärm zu vermeiden, zum anderen um nicht ins Schwitzen zu geraden, da ich sehr warm angezogen war. Als ich auf meinem Tree Stand saß machte ich mir so meine Gedanken, ob ich nicht alle Tiere im Umkreis von einer Meile verscheucht hätte. Nur langsam wurde es an diesem Morgen hell, der Himmel war noch immer bedeckt, es hatte aber aufgehört zu schneien. Um mich war alles still, man konnte kaum glauben, dass die Stadt New York nur eine Stunde entfernt liegt.
Ich saß jetzt über zwei Stunden und hatte noch keine Kreatur gesehen, die Kälte machte sich langsam bemerkbar und das Stillsitzen fiel immer schwerer. Es war inzwischen hell geworden, so hell halt, wie es an einem verhangenen Wintertag wird. Die ersten Gedanken ans Abbaumen machten sich breit, als ich ein Geräusch vernahm. Es waren die Schritte eines Tiers, das jeden Moment zwischen den Büschen auftauchen musste. Der Schnee, der meine Schritte schon widerhallen ließ, verriet jetzt das ziehende Tier. Die Umrisse eines White Tails wurden erkennbar und dann deutlich das Geweih eines Bucks. Mein Herz schlug bis zu den Ohren, noch war der Hirsch zu weit, aber er zog langsam auf dem Wechsel auf die Lücke im Gebüschstreifen zu. Nur jetzt keinen Fehler machen, langsam und geräuschlos hob ich die Flinte und zog mit dem Hirsch mit. Das Korn war auf dem Blatt, als er 30 Meter von mir entfernt zwischen den Büschen freistand. Im Schuss machte er einen Satz und fiel nach wenigen Schritten um, schlegelte kurz und es war wieder still. Ich schaute eine ganze Weile auf den Hirsch die Flinte immer noch im Anschlag und bereit, den zweiten Schuss abzugeben. Nur langsam ging mein Puls nach unten.
Der Hirsch war ein passabler Buck und ich überglücklich. Das Fleisch brachte ich zu einem Butcher, der fast aus allem Steaks schnitt, wie das in USA so üblich ist. Alle Nachbarn erhielten einen Anteil und für Weihnachten hob ich uns eine Portion auf, das Fest konnte kommen.

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Spessartnimrod

Spessartnimrod

Alter: 67 Jahre,
aus Alzenau
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Kommentare

07.07.2011 11:59 Kija
Weidmannsheil
.. und da wird seitenweise an anderer Stelle über den Notbehelf FLG diskutiert, nur weil man sich bescheiden muss
Urd
07.07.2011 15:18 Dachsbart
Ich habe beide Teile deines Berichtes sehr gern gelesen. Es war sehr spannend und detailreich beschrieben. Ich konnte praktisch mitfiebern und wünsche dir ein herzliches Waidmannsheil.
Ich hätte aber noch 2 Systemfragen.
- Man bewirbt bzw. kauft sich um eine Lizenz. Wie wird dabei die Menge der Lizenzen festgelegt?, Sind die Lizenzen nach Geschlecht/Alter gestaffelt und gibt es auch Lizenzfreie Jagd?

- Mit den Clubs hat man sich, meinem Verstandniss nach, eine Art Reviersystem geschaffen. Kann man das so pauschaliesieren?

Gruß Dachsbart
07.07.2011 18:33 Spessartnimrod
Hallo Dachsbart,
zunächst Waidmannsdank, freut mich, wenn meine Erinnerungen gefallen. Es ist erstaunlich, was einem wieder Detaills einfallen, wenn man es niederschreibt.
Zu Deinen Fragen: In USA werden die jagdbaren Tiere nach Regionen gemanagt. Sind genügend da, kann man eine Lizenz kaufen, Ist die Nachfrage nach Lizenzen größer als das Angebot muss man sich bewerben (Lotterie). Einheimische(residents) werden bevorzugt vor den „out of state“. Wenn man mit einem Guide oder Outfitter jagt, dann haben die irgendwelche Kontingente.
Reviersystem würde ich nicht sagen, eher Eigenjagd. Farmer, „land owner“ können entscheiden, wer auf ihrem Land jagen darf, oft verkaufen sie dieses Privileg an Outfitter, dann braucht der Jäger aber trotzdem eine Lizenz, in der Regel erhält man nur eine.
Gruß
SN
07.07.2011 19:02 kammerjaeger
Lese Deine Erinnerungen gerne, schön geschrieben.

Die Vorstellung eines Country Club mit Hunting Lodge, tiefen Ohrensesseln, großem offenen Kamin und viel Land herum finde ich übrigens ausgesprochen attraktiv.
07.07.2011 19:14 Dankwart
Ein sehr herzliches Waidmansheil - auf Deinem 2. Foto der "hedamount" ganz rechts, ist das ein Pronghorn ?
Wäre mein Traum, ist aber leider unerreichbar.
Habe die Ehre und
Waidmannsheil
Dankwart
07.07.2011 22:31 Spessartnimrod
Dankwart schrieb:
Ein sehr herzliches Waidmansheil - auf Deinem 2. Foto der "hedamount" ganz rechts, ist das ein Pronghorn ?
Wäre mein Traum, ist aber leider unerreichbar.
Habe die Ehre und
Waidmannsheil
Dankwart


Waidmannsdank, ja es ist ein Pronghorn von einem Jagd Trip nach Wyoming.
SN
09.07.2011 11:00 morten
Waidmannsheil es ist doch immer wieder spannend... War selbst mal in Maine auf Grouse unterwegs. Muß man mal gemacht haben wenn man wissen will, wie es ist fast ohne Reviergrenzen zu jagen...
Gruß Morten
12.07.2011 19:41 swinging_elvis
Waidmannsheil. Ganz andere Jagd, als wie sie heute kennen, aber es macht immer Sinn, mal über den Tellerrand hinaus zu schauen! el
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