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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

665 mal angesehen
24.06.2011, 22.11 Uhr

Whitetails - Weißwedelhirsche

1987 arbeitete ich in USA in der Nähe von New York. Natürlich habe ich es nicht lange ohne Jagd ausgehalten. Um auch dort meiner Leidenschaft zu folgen, hab ich mich um eine Mitgliedschaft im Pawling Mountain Club beworben. Der Club hatte erst kurz zuvor eröffnet und war gerade im Aufbau und die Mitgliedschaft war gerade noch erschwinglich. Der Club verfügte über ca. 650ha Ländereien zum größten Teil aufgegebenes Farmland. Das Herz bildete das Clubhaus mit einem Jagdpacours, der keine Wünsche übrig ließ.
Da ich ein unbeschriebenes Blatt war und auch mit keiner Empfehlung (Bürge) kam, wurde ich eingeladen und musste mich vorstellen. Es war ein lockeres Gespräch und endete in einer Runde „Sporting Clay“, bei der ich mich recht tapfer schlug. Auf der nächsten Mitgliederversammlung wurde dann meine Mitgliedschaft ab genickt.
Das Jagd in USA wird über Lizenzvergabe gesteuert, wobei jede Region (County) ihre eigenen Regel aufstellen kann. Pawling liegt im Dutchess County, was in der Größe einem Landkreis vergleichbar ist. Die Besonderheit hier war, dass die Jagd nur mit Schrotgewehren zulässig war, d.h. Whitetails oder Schwarzbären konnten nur mit Flintenlaufgeschossen erlegt werden. Da diese Art der Jagd aber erst am Wochenende vor Thanksgiving (Ende November) erlaubt ist , habe ich fleißig mit dem Bogen trainiert, da hier die Saison auf Whitetails schon im September los ging. Mit einer Lizenz kann man theoretisch in einem County überall jagen, der Grundeigentümer kann dies aber untersagen. Die Schilder „posted, no hunting“ sind in USA allgegenwärtig. Die Ländereien des Pawling Mountain Club waren auch so gekennzeichnet und waren damit für die Allgemeinheit für die Jagd gesperrt. Dies hatte den Vorteil, dass zur Jagdzeit nicht ständig Jäger durch den Wald pirschen, etwas, was auf dem sogenannten Public Land üblich ist und nicht ganz ungefährlich.
Von den mehreren hundert Mitgliedern des Clubs waren wir nur sehr wenige, die sich für die Whitetail-Jagd interessierten, mit dem Bogen war ich der Einzige damals.
Zur Vorbereitung erkundete ich mit dem Manager des Clubs, einem Engländer, das Gebiet ausführlich. Wir sahen bei diesen Rundgängen eigentlich immer Hirsche, die Kunst war nur, dicht genug an einen heranzukommen. Also ein „Tree Stand“ muss her. Dieser Sitz besteht aus Sitzfläche, Rückenlehne und Fußteil und wird mit einer Kette, die man spannen kann, in luftiger Höhe an einem Baumstamm festgemacht. Um dort hoch zu kommen, werden Sprossen/Tritte in den Baum geschraubt. Da man da oben ziemlich frei sitzt wird ein Sicherheitsgurt um den Brustkorb und dem Baumstamm gelegt. Das Ganze hat den Vorteil, dass keine Brüstung und kein Rahmen das Hantieren mit dem Bogen einschränkt, man sitzt aber wie auf einem Präsentierteller und Tarnung und langsame Bewegungen sind ein Muss.
An einem deutlich sichtbaren Wechsel, der von einem Hügel herunter führte, montierte ich den Tree Stand. Es war ein sonniger noch recht warmer Septembertag, die Montage war in recht kurzer Zeit erledigt und bis zum Abendansitz verblieb noch genügend Zeit für einige Runden Tontauben. So gegen 17 Uhr ging ich zu meinem neuen Stand. Vor mir lag ein Hang, in dem man gut einsehen konnte, da er nur locker mit Espen bewachsen war. Die Blätter fingen an, sich gerade gelb zu färben, noch 2 Wochen und die ganze Gegend würde in den tollsten herbstlichen Farben erstrahlen.

Die erste halbe Stunde passierte nichts, die Wärme des Tages wurde durch einen kühlen Abendwind vertrieben. Am Hang eine Bewegung – im Fernglas konnte ich einen Coyoten erkennen der auf der Kammlinie des Hügels trabte und bald verschwunden war. Die Dämmerung setzte bereits ein, als wieder eine Bewegung alle Sinne bei mir schärfte. Ein junger Hirsch kam am Fuße des Hügels direkt auf mich zu. Es war ein Spießer mit ca. 10cm langen Spießen. Er kam immer näher, bis er ungefähr noch 10 m von mir entfernt stand. Ich hob ganz langsam den Bogen und spannte ihn, das Hirschlein stand spitz zu mir und äste, wo soll ich da hin schießen? Ich musste den Bogen wieder entspannen, der Hirsch immer noch unter mir. Eigentlich wollte ich schon eine stärkere Trophäe, die Saison hat erst angefangen und die eine Lizenz für so einen Spießer opfern, ich war unschlüssig. Der Hirsch stellte sich breit und es wäre eine gute Gelegenheit zum Schuss, aber ich zögerte und dann war der Hirsch weg, irgendein Geräusch hat er dann doch wahrgenommen. Den ganzen Herbst und auch im darauf folgenden Jahr kam kein Hirsch mehr auch nur annähernd in Schussentfernung. „Was du versäumst in flücht’gen Stunden, das bringt kein Augenblick zurück“
Das nächste Mal erzähle ich Euch, wie ich dann doch noch zu einem passablen Whitetail gekommen bin, allerdings mit der Schrotflinte.
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Spessartnimrod

Spessartnimrod

Alter: 67 Jahre,
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Kommentare

28.06.2011 11:17 sau_hund
.....na ja als Laie kann ich mir gut vorstellen das solche Experimente mit dem Bogen auf Wild zu schießen ausschließlich zu Lasten der Kreatur gehen, YouTube zeigt genügend Beispiele!
28.06.2011 15:52 Spessartnimrod
sau_hund schrieb:
.....na ja als Laie kann ich mir gut vorstellen das solche Experimente mit dem Bogen auf Wild zu schießen ausschließlich zu Lasten der Kreatur gehen, YouTube zeigt genügend Beispiele!

Zu dieser Problematik gibt es hier einen oder mehrere Threads, dort wurden auch die unterschiedlichen Standpunkte dargestellt. Ich halte die Bogenjagd für vertretbar. Heute bin ich aus der Übung, da geht nichts mehr.
Bin auch der Meinung, dass wir die Bogenjagd auf Wild in Deutschland nicht brauchen.
Gruß
SN
02.07.2011 16:52 Jaegerbursch
Spessartnimrod schrieb:
... Ich halte die Bogenjagd für vertretbar. Heute bin ich aus der Übung, da geht nichts mehr.
Bin auch der Meinung, dass wir die Bogenjagd auf Wild in Deutschland nicht brauchen.
Gruß
SN




Vor allen Dingen weil es um mit einem (Compound)Bogen ordentlich zu treffen wesentlich mehr Übung bedarf als mit einem Gewehr ... und schon hier gibt es diverse Diskussionen. Und dann muss man noch entsprechend nah ans Wild rankommen.

P.S. habe jahrelang (sportlich) Revurve-Bogen geschossen

Viele Grüße

Marco
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