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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

Ein "schöner Bock"
516 mal angesehen
03.06.2011, 14.09 Uhr

Ein "schöner Bock"

In den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte ich Gelegenheit in der Nähe von Fulda in einem Niederwildrevier zu waidwerken. Ein Niederwildrevier hieß Jagd auf Fuchs und Reh. Hasen wurden von Jahr zu Jahr weniger, und in den letzten Jahren der Pacht wurde gar keine Treibjagd mehr organisiert, was in den Jahren zuvor immer ein Höhepunkt im Jagdjahr war. Sauen gab es so gut wie nie und Wildschaden war ein unbekanntes Ereignis.
Die Bockjagd fing noch am 16. Mai an und die Kämpfe um die Einstände waren zu dieser Zeit im vollen Gange. Die stärkeren, älteren Böcke verteidigen ihren Einstand gegen die von allen Seiten eindringenden Jungen. Zu sehen, wie sich zwei Böcke durch die Wiesen und Felder sowie durch die Hecken und kleinen Wäldchen jagen, sorgte für viel Kurzweil beim Ansitz. Irgendwie hab ich den Eindruck, dass dieses Verhalten auch nicht mehr so ausgeprägt ist, kann aber auch daran liegen, dass vor lauter Saujagd die Ansitze am Morgen deutlich weniger geworden sind.
Damals also war der Aufgang der Bockjagd das sehnlichst erwartete Ende der jagdlosen Zeit. Bei einer Erkundungsfahrt durch das Revier kam ich mit einem Bauer ins Gespräch. Er erzählte mir von einem schönen Bock, den er morgens schon öfters gesehen hätte. Auf meine Frage, ob er von einem Schafbock redet, schaute er mich etwas verstört an und betonte, dass er einen Rehbock natürlich meint, einen sehr schönen mit einem schönen Geweih. Da der gute Mann nicht vor hat die Jägerprüfung zu machen, verzichtete ich darauf ihn zu verbessern und wie wir so die Einzelheiten besprachen, um diesen Bock zu erlegen, übernahm ich seine Terminologie. Das Revier bestand in diesem Bereich aus kleinen Wäldchen und dazwischen Wiesen und Felder. Das Gras stand hoch und auch die Gerste und der Roggen boten schon Deckung. Am Rande eines Wäldchens stand eine alte, offene Leiter, die auf einem Pirschpfad durch die Bäume zu erreichen war. Von diesem Sitz müsste ich ihn erwischen können, war die klare Aussage des Bauers.
Nachdem ich schon seit mehreren Tagen einem braven Bock nachstellte, der aber alles andere als brav war, sondern sehr scheu und heimlich, war für mich klar, es mal mit dem „schönen Bock“ zu versuchen, ist ja auch selten, viele Jäger sagen, den gibt es gar nicht. Also galt diesem Phantom meine Aufmerksamkeit. Noch am selbigen Tage wurde der Pirschpfad gerecht und die Leiter kontrolliert. Sie war ziemlich zugewachsen und musste freigeschnitten werden, um einen freien Blick auf die Wiesen und Felder zu erhalten. Direkt vor der Leiter war eine Wiese, die mit Stacheldraht eingezäunt war. Der Zaun war schon an mehreren Stellen niedergedrückt, hier war die letzten Jahre kein Vieh mehr hingetrieben worden.
Als ich vor dem Abendansitz meinen Mitjägern meinen Plan eröffnete, wurde mir erst mal der genaue Grenzverlauf in diesem Bereich erklärt. Also das Wäldchen und die Wiese sind noch Revier, aber die grenzen nach oben schon an den Nachbar an. Geradeaus die Felder bis zur nächsten Hecke, etwa 200m, sind uns, dann fängt auch das Nachbarrevier an. In diesem Eck hätte man noch nie ein Stück Reh erlegt, der nahe Fußballplatz würde für zu viel Unruhe sorgen. Ich glaube, den Tipp von dem Bauern hatte ich vergessen zu erwähnen.
Gegen Abend saß ich auf der Leiter, es hatte sich zugezogen und der Himmel sah nach Regen aus. Eine Amsel über mir machte furchtbaren Lärm, was alles für diesen Abend war.
Am nächsten Morgen standen wir im Dunklen auf und machten uns fertig. In der Nacht hatte es geregnet und es war empfindlich kalt. Ich ließ mich am Wäldchen absetzen und ging auf dem Pirschpfad leise zur Leiter. Der Sitz war nass und von den Blättern über mir tropfte es noch. Ein Fils auf die nassen Bretter und die Kotze um die Schultern, so saß ich und wartete auf das erste Licht. Mit der Dämmerung fing das Konzert der Vögel an. Das Crescendo erreichte mit der aufgehenden Sonne seinen Höhepunkt. Der Wind hatte sich gelegt und der Dunst des Morgens machte einem blauen Himmel Platz. Genau das Wetter, bei dem Rehwild auf den Läufen ist, aber weit und breit war kein Stück zu sehen. Mit dem Glas kontrollierte ich immer wieder die Felder und Heckenränder nichts tat sich. Ich dachte schon an die frischen Brötchen, die Eier mit Speck und eine gute Tasse Kaffee als ich rechts von mir eine Bewegung wahrnahm. Genau zwischen Wiese und Feld außerhalb vom Zaun war ein Reh. Da im Bereich des Zaunes höhere Stauden wuchsen, konnte ich erst nur den Rücken sehen, das Haupt war gesenkt. Es war keine fünfzig Meter entfernt und wie aus dem Nichts erschienen. Äsend zog es am Zaun entlang. Als es das Haupt hob sagte ich zu mir, ja das ist er, der „schöne Bock“. Als er frei stand ließ ich die Kugel fliegen. Tiefblatt von der 7x57R getroffen lag er auf der Stelle. Als ich zu ihm hinkam war es für mich klar, der ist schöner als ein Weiber……
SN

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Spessartnimrod

Spessartnimrod

Alter: 67 Jahre,
aus Alzenau
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Kommentare

03.06.2011 14:24 Agrardesigner
Schön geschrieben und immer wieder schön, wenn man sich noch an alte Zeiten erinnern kann. Ich hoffe ich kann das auch mal sagen in 40 Jahren
03.06.2011 15:29 Kija
Agrardesigner schrieb:
Schön geschrieben und immer wieder schön, wenn man sich noch an alte Zeiten erinnern kann. Ich hoffe ich kann das auch mal sagen in 40 Jahren

genau deshalb hatte er es sicher damals schon mal aufgeschrieben
03.06.2011 15:31 Kija
Erst eine schöne Geschichte macht den "schönen Bock" zu dem, was er wirklich war; mehr als nur ein "Knochen" an der Wand.
LG Urd
04.06.2011 18:49 Dankwart
Moin,

mir ist fast, als hättest Du das Revier beschrieben, in dem ich von 1974 bis 1988 habe jagen dürfen...
Aber bei uns gab's keinen Fussballplatz....
Danke für die herrliche Beschreibung, wen es auch bei näherer Betrachtung schmerzt, was so mit der Zeit passiert.....
Habe die Ehre und
Waidmannsheil

Dankwart
05.06.2011 07:40 PShunter
Waidmannsheil zum Schönen Bock,
Nach einem Gemeinschaftsansitz sagte die Baroness ich hab Heut einen schönen BNock geschossen! Der Baron erwiderte:
„Aber Baroness ein Bock ist doch nicht schön ein Bock kann Brav sein ein Bock kann Stark sein oder Gut!“
Die Baroness lächelte und sagte:
„Bin ich der Bockes Mutter das ich weis ob er Brav ist?
Bin ich der Bockes Widersacher das ich weis ob er Stark ist?
Oder bin ich der Bockes Geliebte um zu wissen dass er Gut ist?
Ich bin eine Frau und weis was schön ist dieser Bock ist Schön!“

Schlagfertig war sie schon und der Baron schaute wie ein begossener Pudel
12.07.2011 19:31 swinging_elvis
Waidmannsheil... ja, schöner Bock, kann man so sagen... el
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