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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

573 mal angesehen
23.05.2011, 11.35 Uhr

Doe in Heat

Im hessischen Vogelsberg war ich an einer Jagd beteiligt, in der Rotwild als Wechselwild vorkam. Und kam die goldene Herbsteszeit, da zog das Rotwild zu den Brunftplätzen ins angrenzende fürstliche Revier. Die Chancen ein Stück Rotwild zu erlegen, waren nie größer, als Anfang September kurz vor der Brunft. Am Rande einer Schneise, die Orkan Wiebke in den Wald geschlagen hatte und von der junge Laubbäume anfingen Besitz zu ergreifen, stand eine Leiter mit einer Sitzhöhe von ca. 5 Meter. Im Rücken war ein Fichtenhochwald, der nach wenigen Metern in die fürstlichen Wälder überging. Nach links und rechts bot die Schneise ein gutes Schussfeld, das nach linksoben durch eine Jungfichtenkultur begrenzt wurde, nach rechtsunten schloss sich ein lockerer Bestand alter Buchen an mit reichlich mannshohem Unterwuchs. Gegenüber der Leiter war eine ca. 8 Meter hohe, sehr dichte Fichtenmonokultur.
Von dieser Leiter hatte ich im Vorjahr meinen ersten Hirsch, einen schwachen Schmalspießer geschossen. Er stand plötzlich in den Jungfichten und es war nur der Träger mit dem Haupt zusehen. Da er langsam von mir weg zog konnte ich nicht hoffen, dass er sich freistellen würde. Ich zielte auf den Träger und schoss. Im Schuss war der Hirsch verschwunden, keine Flucht, kein Knacken war zu hören. Es war alles so schnell gegangen, ich saß auf der Leiter mein Herz raste und ich sagte zu mir selbst, bleib sitzen und warte. Da ich nicht rauche, fallen diese Wartezeiten aber immer sehr kurz aus. Damit ich nicht Hals über Kopf zum Anschuss stürme habe ich mit angewöhnt, all meine Sachen ordentlich zusammenzupacken und Rucksack und Gewehr mitzunehmen, wenn es zum Anschuss geht, bzw. alles erst zum Auto zu bringen.
Mit dem Trägerschuss war der Hirsch auf der Stelle zusammengebrochen, er hat keinen Schritt mehr getan. Mein erster Rothirsch lag vor mir, kein Lebenshirsch aber der Erste und ohne Hilfe erjagt, ich war sehr stolz auf mich.
Auf diesem Sitz saß ich also, es war ein Jahr vergangen und das Licht wurde schwächer. Von rechts waren Geräusche zu hören. Erst glaubt man an eine Täuschung aber dann wurde es immer deutlicher, da kämpfen zwei Hirsche. Geweihstangen krachten aneinander und deutlich war auch das kraftvolle Stampfen der Läufe der beiden Kämpfer zu hören. Alles spielte sich unterhalb im Buchenhochwald ab, der Kampflärm war jetzt so nahe, dass ich glaubte, die Hirsche jeden Moment erblicken zu müssen. Das ging mit Pausen so weiter bis das letzte Büchsenlicht verloschen war. Dann wurde es still, kein Knacken, kein Melden, nichts, wie vom Erdboden verschwunden waren die Kämpfer und man fragt sich, ob das alles nur Einbildung war.
So erging es mir am Freitagabend und am Samstagabend. Sonntags musste ich nach Hause, eine Dienstreise nach USA stand an. Das Erlebte beschäftigte mich und ich zerbrach mir den Kopf, was man tun kann, um die Hirsche über die Grenze auf die Schneise zu locken. Im Vorjahr hatte ich es auch mit einem Hirschruf versucht, aber ohne Übung war das Ergebnis nur, dass die fürstlichen Hirsche tiefer in den adligen Wald sich zurückzogen.
In USA durchstöberte ich im Kaufhaus Sears die Jagdabteilung, die jetzt zum Aufgang der Jagd auf Whitetails mit allem ausgestattet war, was ein erfolgreicher Deer Hunter so alles braucht. Ich hatte mehrere Jahre in Connecticut gelebt und war dort auch viel auf der Jagd gewesen. So stand ich vor der riesen Auswahl an Duftstoffen und Cover Scent , Mittelchen, die helfen den menschlichen Geruch zu überdecken, bzw. dem Hirsch ein erotisches Abenteuer vorzugaukeln. Ich entschied mich für eine Sprühflasche „Doe in Heat“ , die als ultimative Wahl bei der Jagd nach dem Monster Buck angepriesen wurde. Ich dachte mir, es geht den Menschen, wie den Leut und warum soll ein deutscher Rothirsch nicht auch mal das Verlangen nach einer exotischen Schönheit verspüren und seinen sicheren Einstand verlassen.
Zurück im schönen Vogelsberg, es war wieder Freitag und ein schöner warmer Altweibersommertag.
Ich hatte Rucksack und Waffe unter der besagten Leiter abgelegt und war bereit meinen Duftangriff zu starten. Ich sprühte mir die Sohlen meiner Schuhe ein, stand so in der Gebrauchsanweisung, und umschlug den Buchenhochwald weiträumig bis ich wieder auf der Schneise ankam. Da es sich ja mehr um ein wissenschaftliches Experiment handelte, schien mir der Ausflug in den fürstlichen Bestand als tolerierbar.
Dann erklomm ich die Leiter und wartete gespannt, was passieren würde. Es war ein wirklich schöner Abend. Die sich senkende Sonne mit ihrer Wärme und den Jetlag in den Knochen ließen mich leicht einduseln. Es war kein Geräusch, was mich weckte, sondern ein Kribbeln in den Haaren. Die tastenden Finger brachten eine Hirschlaus hervor und dann noch eine. Die Viecher schienen mich wirklich für eine Hirschkuh zu halten. Es grabbelte inzwischen am ganzen Körper und ich verließ fluchtartig den Hochsitz. Vor dem Auto trennte ich mich von den Schuhen und unterzog die Klamotten einer gründlichen Schüttelreinigung. Ich hoffe, es hat niemand gesehen, wie ich gleich Rumpelstilzchen am Waldrand rumsprang.
In diesem Jahr habe ich keinen Hirsch erlegt aber mir vorgenommen, für den nächsten Herbst eine neue Strategie auszudenken.
SN,
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Spessartnimrod

Spessartnimrod

Alter: 68 Jahre,
aus Alzenau
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Kommentare

23.05.2011 11:54 platzi
Ich sag nur eins:
Das hätt ich gern gesehen....
Ich lache heir immer noch vor meinem PC.
Und ncoh eins: Weidmannsheil zum Spiesser - Das Glück hatte ich auch voriges Jahr im eigenen Revier. Die Freude war nicht minder so groß wie der Abschuss eines Hirschen im Ausland, wenn nicht größer!

Grüße

Diether
23.05.2011 13:15 zerberus
die gerechte strafe für den "ausflug" in nachbars revier
23.05.2011 14:33 Schuelerlotse
Da kann man ja als JJ mal richtig was von nem alten Hasen lernen.
25.05.2011 08:04 Spessartnimrod
zerberus schrieb:
die gerechte strafe für den "ausflug" in nachbars revier

Die kleinen Sünden straft der Herr sofort.
SN
25.05.2011 19:03 Meffi
Schöne Geschichte!



Gruß Meffi
26.05.2011 21:55 swinging_elvis
Feine Geschichte... erst dieht man in Gedanken den ungarischen Kapitalhirsch aus dem majestätischen Hochwald treten... und DANN SOWAS... Tja, so schnell mutiert man zum Monster-Buck! Allerdings kann man auch sagen dass Hiarsch-Läusel sich immer in der Nähe der Hiarsche aufhalten... vielleicht zu früh abgehauen? In Finnland ist es mit den Elchen ebenso... und den vielen E lchläusen...
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