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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

Erste Gams Gamstrophäe
770 mal angesehen
29.04.2011, 01.10 Uhr

Meine erste Gams

Noch als Jungjäger und reichlich unerfahren machte ich mich Anfang Oktober 1986 mit einem Pajero auf den Weg in die Karawanken nach Slowenien, welches damals noch zu Jugoslawien gehörte. Ich begleitete meinen Bruder, der die Reise geplant und organisiert hatte.
Die Fahrt verlief problemlos und wir erreichten das österreichische Bad Eisenkappel bei Einbruch der Dunkelheit. Die Strasse hoch zum Pass war schmal und es war auch kein weiteres Fahrzeug unterwegs. Als wir höher kamen fing es an zu schneien und keine Spur vor uns. Mein Bruder fuhr und fragte ständig, ob wir denn richtig seien. „Ja“, sagte ich, „der Pass und die Grenze müssen gleich kommen“. O Schreck, bei dem Wort Grenze fiel mir ein, dass ich die Waffe meines Vaters mit hatte, aber nicht die dazugehörige WBK. Es war eine Sauer 54 BBF im Kaliber 7x57R, wofür ich mir extra für die Gamsjagd Patronen mit dem 8gr. KS-Geschoß geladen hatte. Nach ungefähr 8 Stunden Fahrt gab es keinen Weg zurück und ich sagte meinem Bruder: „Ich mach das schon“.
Aus der Dunkelheit tauchten Häuser auf nur spärlich beleuchtet, wir waren an der jugoslawischen Grenze angekommen. Kein Mensch war zu sehen, aber ein alter Geländewagen östlicher Bauart stand dort mit 2 frisch erlegten Wildschweinen auf der Pritsche. Wir gingen in die Wachstube, um uns anzumelden. Drinnen war eine heftige Diskussion im Gange. Auch ohne ein Wort zu verstehen war klar, hier wurde die erfolgreiche Saujagd noch mal aufleben lassen. Aus unseren Unterlagen war natürlich der Reisezweck zu erkennen und wir wurden gebeten, die Waffen anzumelden. Zurück zum Auto und die Waffen geholt. Zuerst mein Bruder: Waffe ausgepackt, alle warfen einen Blick darauf, fachmännisches Nicken, ein Blick auf die WBK und fertig. Jetzt ich: die Sauer 54 ist ja eine schöne Waffe und bestand auch den jugoslawischen Geschmackstest, auf die Frage nach den Papieren zückte ich meine WBK und zeigte auf den Eintrag meiner Heym Doppelbüchse, zustimmendes Nicken, Stempel und ein paar schönen Jagdtage stand nichts mehr im Wege.
Nach kurzer Talfahrt kamen wir in der Ortschaft Solcava, auf deutsch Sulzbach, an und wurden bereits erwartet. Unser Hotel war ein großes Haus aber wir waren die einzigen Gäste, keine Saison halt mehr. Da wir am nächsten Morgen sehr früh abgeholt würden, gingen wir bald ins Bett.
Es war noch stockdunkel als wir am nächsten Morgen von zwei Jagdführern abgeholt wurden und getrennt auf die Jagd gingen. Der Aufstieg dauerte ungefähr 2 Stunden und es war ein herrlicher Tag geworden und die Sonne hatte inzwischen die Kälte des Morgens besiegt. Die herbstlichen Farben leuchteten um uns und über uns ein strahlend blauer Himmel.
Wir waren inzwischen so im oberen Bereich der Baumregion angekommen und pirschten am Berghang entlang. Als Flachländer hat es mich echt Überwindung gekostet, so manches Geröllfeld zu queren. Jeder Blick nach unten machte meine Knie nur weicher. Wenn wir abends vor dem Hotel saßen und Joseph, mein Jagdführer, zeigte, wo wir tagsüber rumgeklettert waren, dann wollte ich das gar nicht glauben.
Bis Mittag hatten wir noch keine Gams gesehen aber ich war fasziniert von der Landschaft. Wir waren auf einem Grat angekommen und ich legte mich leicht erschöpft ins Moos, während Joseph mit dem Spektiv den Gegenhang abglaste. Plötzlich sagte er Gämse, ich konnte nichts sehen. Er erklärte mir anhand von Landmarken, wo die Gämse standen und nach einiger Zeit konnte auch ich sie im graubraunen Geröll des Gegenhangs ausmachen. Sie zogen am Hang entlang als Joseph meinte, der zweite sei ein guter Bock, den ich schießen könnte. Ein Blick durch das 6fache Glas auf meiner BBF zeigte eine Gams im Absehen 1 zwischen Stachel und Balken. Beim besten Willen so ein Schuß traute ich mir nicht zu. Joseph reagierte etwas säuerlich auf meine Aussage, dass das zu weit sei.
Das war auch die einzige Gelegenheit an den ersten beiden Tagen.
Am dritten Tag taten mir alle Knochen weh, ich hatte so eine Muskelkater, dass für mich ein weiterer Aufstieg nicht mehr in Frage kam. Kein Problem meinte Joseph, wir können auch mit dem Auto hoch fahren. Der Weg, den wir fuhren, endete in einem Steinbruch, dem die Spitze eines Berges zum Opfer gefallen war und eine Art Krater geschaffen hat. In 30 bis 50 Meter Höhe über uns verlief der Grat um diesen Steinbruch. Auf diesem Grat pirschten wir vorsichtig. Joseph vermutete die Gämse in den Bäumen unter uns. Wir waren keine hundert Meter gelaufen, als er mir mit Zeichen zu verstehen gab, dass er eine passable Gams entdeckt hatte. Ca. 80 Meter unterhalb stand zwischen den Kiefern eine Gams, ich schaute mich um, wie ich hier einen sauberen Schuß anbringen konnte. Hinlegen ging nicht, Bäume waren keine in der Nähe, einzig ein Wachholderbusch mit dünnen Ästen war da. Auf meinem Hintern rutschte ich langsam zu dem Busch und strich im unteren Bereich an einem Ast an. Mein Herz klopfte, der Zielstachel hüpfte auf der Gams herum, absetzen und durchatmen, die Gams zog weiter. Wieder anstreichen und die Gams verfolgen. Jetzt stand sie frei und der Schuß brach. Joseph meinte sie hätte gezeichnet und sei nach links geflüchtet, ich hatte nichts gesehen. Wir warteten eine Weile und stiegen dann ab. Am Anschuß fanden wir Schweiß und nach kurzer Suche die Gams. Nach diesen drei Tagen war ich überglücklich eine Gams erlegt zu haben.
Wenn ich in den letzten Jahren nach Kärnten zur Gamsjagd fuhr, dann habe ich rechtzeitig meine Kondition trainiert und eine Waffe hab ich auch nicht mehr mitgenommen, sondern vertraue der Waffe meines österreichischen Jagdführers und bin damit gut gefahren.
SN
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Spessartnimrod

Spessartnimrod

Alter: 67 Jahre,
aus Alzenau
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Kommentare

07.05.2011 10:36 Sauerlandjaeger93
Waidmannsheil.
lg und wmh Sauerlandjaeger93
07.05.2011 11:06 Spessartnimrod
Sauerlandjaeger93 schrieb:
Waidmannsheil.
lg und wmh Sauerlandjaeger93


Waidmannsdank, ist zwar schon ein bisschen her, aber beim Schreiben waren all die schönen Momente wieder da.

SN
07.05.2011 11:10 Sauerlandjaeger93
Das kann ich mir denken. Ich schreibe zu jedem Ansitz egal ob ich was erlege oder nicht immer einen kleinen Text in mein jagdtagebuch macht eigentlich sehr viel Spaß.
09.05.2011 21:39 swinging_elvis
Waidmannsgeheul! Ja, danach trachte ich auch noch... einen gehörigen Muskelkater Und vielleicht ne Gams... Weiß noch nicht, ob es diesen Herbst klappt, aber trainiere schon mal provisorisch... Grüße el.
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