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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Letzte Ehre Ricke und Kitz
727 mal angesehen
03.10.2007, 23.10 Uhr

Eins und eins macht zwei

Das war mal wieder ein Jagdtag - ganz nach meinem Geschmack.

Nachdem ich nächtens versucht hatte, den Mais gegen die Schwarzkittel zu verteidigen, habe ich tagsüber das hervorragende Wetter ausgenutzt, um mich mit den Hunden mal wieder ausgiebig in allen Ecken des Reviers umzusehen. Bei dieser Gelegenheit mußte ich allerdings frustriert feststellen, dass die Sauen - nachdem ich den Nachtansitz wegen Nebel abgebrochen hatte - offenbar doch erschienen waren. Das war jetzt schon der dritte Ansitz, bei dem mir aufziehender Nebel einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Nachdem inzwischen Halbmond gewesen ist, wird dort das Licht jetzt ohnehin nicht mehr ausreichen

Angesichts dieser erfolglosen Bemühungen hatte ich mir nun aber noch vorgenommen, am Abend des Einheitsfeiertages wenigstens noch ein Stück Rehwild zu strecken. Mit dem Rehwild hat es erfahrungsgemäß so seine eigene Bewandnis:

Wenn wir bei uns den Rehwildabschuß nicht bis Mitte Oktober zu einem erheblichen Anteil erledigt haben, droht Ungemach: Einerseits verzeichnen wir - je nach Witterung - etwa von Mitte Oktober bis Mitte November die höchsten Fallwildzahlen des Jahres, z.T. über Tage mit jeweils einem Stück täglich, andererseits werden die Tage dann so kurz, dass die Sichtbarkeit spürbar abnimmt und damit die Bejagung merklich schwieriger wird.

Nun, von der Familie freigestellt, war ich um 17 Uhr soweit fertig, dass ich mit meinen Terrierrüden in Revier aufbrechen konnte. Die Frühstückleiter hatte ich mir ausgeguckt. Was hier nicht frühzeitig geschossen würde, müßte ich vermutlich ohnehin in Kürze von der benachbarten Straße ziehen. Im Übrigen steht sie an einem Rapsschlag, der für das Rehwild allzeit eine leckere Mahlzeit verheißt und an dem kein Wanderweg vorbeiführt (bei diesem guten Wetter ein sehr wichtiger Aspekt!).

Nachdem ich mich auf der Leiter eingerichtet hatte, kam ich endlich zur ruhe und ließ die Stimmung dieses goldenen Oktobertages auf mich wirken. Nach so vielen Regentagen zurückligender Wochen schien sich der Sommer noch einmal in angenehme Erinnerung rufen zu wollen.

Mehr im Unterbewußtsein registrierte ich, dass der Wind in dieser Ecke sehr unstet war. Mal spürte ich einen Hauch von vorn, mal von der Seite und auch von hinten. Wenn auch Rehwild in der Regel nicht so empfindlich ist, angesichts der jüngsten erfolglosen Ansitze auf Sauen gefiel mir das ganz und gar nicht. Zuletzt wehte der Wind sogar beständig die Waldkante hinunter, aus der ich das Rehwild erwartete. Nein, ich mußte mir etwas anderes einfallen lassen.

Eine Alternative könnte die leiter an der Trauerweide, auf der Rückseite des Wäldchens sein. Hier könnte der Wind passen. Leise baumte ich ab und Umschlug den Einstand. Noch bevor ich aber die Leiter erreichte, blies mir ein zunehmender Wind frontal ins Gesicht. So ging das auch hier nicht. Am Besten ich blieb einfach hinter der dicken Eiche an der Ecke stehen - gesagt, getan.

Ein dicker, bauchiger Vorsprung des zerfurchten Stammes bot mir Halt und eine brauchbare Gewehrauflage. Mit meiner Bw-Decke als Unterlage, war es sogar recht gemütlich. Schwarze Ameisen karabbelten vor meinen Augen in der zerklüfteten Rinde auf und ab. Mich aber, ließen sie zum Glück in Ruhe.

Vor mir erstreckte sich ein Stoppelfeld, auf dem das ausgefallene Getreide schon wieder zu üppigem Grün aufgelaufen war. Auch das müßte den Rehen schmecken. Dennoch ließen sie auf sich warten. Ungeduldig leuchtete ich die Feldränder ab - nichts. Und das, wo ich doch unlängst am frühen Abend auf diesem Schlag 5 Stück beobachtet habe...

Ein Summen in der Tasche verkündete, dass eine SMS eingegangen war. Mein Freund F. kündigte an, am Abend noch einmal sein Glück auf Sauen versuchen zu wollen - na, dann Waidmannsheil! Gerade hatte ich das Handy eingesteckt, da trollte nicht weit von mir ein Kitz auf den Stoppel. Mit einem Male war es da, ohne dass es sich auch nur mit einem leisen Rascheln angekündigt hätte. Ein Blick durchs Glas bestätigte meinen Eindruck: Ein Bockkitz! Nun, wenngleich mir ein Rickenkitz lieber gewesenwäre - die Straße macht da schließlich auch keinen Unterschied.

Noch stand der kleine Bursche immer schräg zu mir. Sobald er breit stand, wollte ich fliegen lassen. Mit einem Auge beobachtete ich die Stelle, an der er ausgetreten war. Würde vielleicht noch ein Rickenkitz folgen? Oder die Ricke? Erneut meldete sich das Handy in der Tasche. Irgendjemand versuchte mich beharrlich anzurufen. Mit der Waffe im anschlag versuchte ich es zu ignorieren. So etwa 10 Minuten äste er auf 50 Schritt vor mir, bis er mir endlich den Gefallen tat, sich breit zu stellen.

Im verhallenden Schussknall riß die Kugel ihn zu Boden. Während die Läufe noch schlegelten, hauchte er unter meinen Augen sein Leben aus. Wehmut machte sich breit. Zwar war ich mit dem festen Vorsatz rausgeganen, etwas zu erlegen, doch irgendwie fällt mir das, angesichts der besonderen Arglosigkeit beim Rehwild in den letzten Jahren immer schwerer. Zahlreiche Gelegenheiten habe ich auch schon in diesem Jahr ungenutzt verstreichen lassen, weil ich es in der situation nicht übers Herz brachte, den Finger krumm zu machen. Dennoch - aus den o.g. Gründen wurde es jetzt langsam Zeit - es mußte halt sein....

Die Minuten verrannen, weiteres Wild war noch nicht rausgezogen. Vielleicht hatte der Schußknall es auch nachhaltig vergrämt. Allerdings konnte die Ricke nicht wiet sein, ist doch die Mutter-Kind-Bindung um diese zeit noch sehr eng. Und richtig, nachdem ca. eine Viertelstunde verstrichen war, zog auch sie aus der Deckung. Auf derselben Fähre folte sie ihrem Kitz gegen den Wind. Argwöhnisch streckte sie den Träger vor. Die Schweißwitterung verhieß nichts Gutes. Im vorsichtigen Stechschritt schlug sie einen Halbkreis um das am Boden liegende, längst verendete Bockkitz. Voller Anspannung war sie jederzeit bereit, abzuspringen.

Doch bevor sie diesen Gedanken in die Tat umsetzen konnte, riß auch sie eine Kugel von den Läufen, kaum dass sie richtig breit stand. Nur 3 Schritt voneinander entfernt hatte Ricke und Kitz ihr gemeinsames Ende gefunden. Anders als nach dem Schuß auf das Kitz, machte sich in mir eine gewisse Befriedigung breit.

Einerseits hatte ich - wie gehofft - Beute gemacht, andererseits hatte es aber keine "trauernden Hinterbliebenen" gegeben. Auch wenn man unsere menschlichen Empfindungen sicher nicht eins zu eins auf die Tierwelt übertragen kann, so geht es mir doch immer wieder nahe, wenn ich aus einem Familienverband nur ein Stück streckte und hinterher beobachten muss, wie irritiert die Ricke oder das andere Kitz darauf reagieren. Da auch 20 Minuten später kein weiteres Kitz mehr folgte, verließ ich meinen Stand am Stamm der dicken Eiche.

Mit Ehrfurcht trat ich an meine Beute heran und versorgte sie jeweils mit dem obligatorischen letzten Bissen - von meiner Eiche, versteht sich!

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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

04.10.2007 17:33 Tassilo
Solche Situationen hatte ich auch schon oft und nutzte diese. Wenn schon,dann gleich die ganze "Familie", wenns passt.
Musste mir aber auch schon anhören ich wäre ein Schießer, aber letztendlich
kommt es dem Rehwild zugute, wenn man eine schwache "Familie" gesammt dem Wildbestand entnimmt; starke jedoch ziehen lässt. ( Vorrausgesetzt es gibt keine Straße in der Nähe )

Waidmannsheil zum gelungenen Abschuß

Tassilo

04.10.2007 19:19 Aikon
Hallo RM,

die Story ist mal wieder perfekt geschrieben, ich kann mir bei deinen Blogs immer ein Bild von der Situation machen. Schön das du so waidgercht jagst. Auch von mir ein Waidmannsheil!

Aikon
04.10.2007 20:48 Ruedemann
Waidmannsdank Euch beiden! Gruß R.
07.10.2007 10:12 alterDachs
Auch von mir ein Waidmannsheil zum gelungenen Abschuß
Schön beschriebene situation, man meint man wäre Zuschauer.
Gruß alterDachs
05.03.2008 09:13 Kevin_jagd
Waidmannsheil auch von mir, sehr schön beschriebene Geschichte, man stellt sich gleich vor man sitzt selbst in seinem Revier
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