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Jagdtagebuch

Jagderzählung (5 Einträge)

844 mal angesehen
17.02.2011, 07.41 Uhr

Sau(en) Nächte

Sau(en) Nächte


Der Winter zeigte sich von seiner prächtigen weißen Seite. Das Land lag seit Tagen tief verschneit. Eingehüllt in die weiße Decke, sah das Revier aus, als würde es schlafen. Die Äste der Bäume bogen sich unter dem vielen Schnee bedenklich, doch sie trugen geduldig ihre Last.
Der kalte Sauenmond stand hoch am Himmelsfirnament und doch wärmte er mich auf seine Weise. Die Kirrungen für die Sauen waren nur mäßig angenommen worden. Dennoch wollte ich mein Glück auf die Schwarzkittel versuchen. Das Auto war schnell abgestellt. Die Kanzel war noch ein gutes Stück Weg entfernt. Gut eingepackt in meine warmen Sachen, stapfte ich durch den tiefen, aber lockeren Schnee. Alles glitzerte und funkelte im Mondschein. Langsam wurde mir in meinen Sachen warm, und ich hielt inne. Mein Atem dampfte in die helle Mondnacht. Eigentlich war es fast zu hell für einen sicheren Sauenansitz. Aber was ist auf Sauen schon sicher? Wenn sie kommen würden, würden sie spät kommen. Das war sicher. Durch den Fußmarsch war mir nun endgültig ordentlich warm geworden. Zügig richtete ich mich in der Kanzel ein. Aufmerksam beobachtete ich das vor mir liegende Revier. Fast verträumt lag es vor mir. Einzelne Fährten durchzogen den Schnee. Die Sauen waren in den letzten Tagen da gewesen und jetzt keine Bewegung.
Langsam umfing mich die Langeweile und mit ihr stieg die Müdigkeit in mir auf. Da eine winzige Bewegung an der kleinen Kiefer! Vorsichtig und aufmerksam sichernd, trat eine Ricke mit Kitz auf den nun kahlen Wildacker und machte sich über die Rübenstücke her. Langsam dämmerte ich ein. Ich kuschelte mich in meine Sachen tiefer ein. Der kalte nimmermüde Winterwind pfiff um die Kanzel. Er rüttelte an den Fenstern und umschmeichelte jede Ecke und Kante. Eifrig durchsuchte er die Kanzel und hungrig biss er in jede freie Stelle, die nicht sorgfältig bedeckt war. Ich schlug den Kragen noch höher, der Schal wurde zurechtgerückt und die Mütze wurde noch tiefer ins Gesicht gezogen. Zum Glück funktionierte der neue Taschenofen einwandfrei, und mir fielen wieder die Augen zu.
Ein leises Knacken nur! Zog just in diesem Moment nicht eine einzelne Sau durch Unterholz in Richtung Kirrung? Aufmerksam suchte ich die Stelle ab, aber nichts. Sorgfältig sah ich mir noch das nahe gelegene Unterholz an. Auch dort keine Bewegung. Ich zog mich wieder tiefer in meine Sachen rein. Da wieder ein Knacken- und plötzlich zog einen einzelne Sau auf den Wildacker. Freudig hüpfte mein Herz, und ich wollte zu meiner Waffe greifen, als ich plötzlich aufschreckte. Wo war die Sau? Etwas irritiert und verschlafen schaute ich übers Revier. Ich war wohl eingeschlafen und es war nur ein kurzer Traum gewesen. Das Handy zeigte 2:30 Uhr an. Die Sauen waren nicht gekommen. Ich entlud meine Waffe und begab mich auf den Heimweg. Nach ein paar Metern drehte ich mich noch einmal um und genoss die tiefe Stille. Der Wind hatte sich mittlerweile vollständig gelegt, tief füllte ich meine Lungen mit der klaren kalten Winternacht. Das winterliche Revier vor Augen und mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit machte ich mich auf den Weg zum Auto. Ich hörte noch den Schnee unter den Stiefeln knirschen als ich in meinem warmen Bett einschlief. Irgendwie liebe ich diese kurzen Träume, denn manchmal werden diese auch wahr.

C. Koppe
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ckgauloises

ckgauloises

Alter: 43 Jahre,
aus Schkopau
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Kommentare

17.02.2011 17:33 querz
Schön erzählt..
17.02.2011 19:37 swinging_elvis
Das kann ich alles sehr gut nachempfinden... Quell einer regelrechten Dankbarkeit, dass man so etwas erleben darf... auch wenn die Bixe mal nicht geknallt hat... das Erleben, Stunde und Stimmung sind es, was zählt. Elvis, der ewige Jagdromantiker
18.02.2011 21:26 Bieber78
Das ist der "Zauber" der Sauenjagd! Solche Träume werden öfter war!!
20.02.2011 16:25 Spessartnimrod
Es bleibt unser Geheimnis, warum wir so viele Stunden auf dem Hochsitz verbringen, meist nicht zu Schuß kommen, oft keinen Anblick haben aber doch glücklich sind.
Gruß
SN
01.03.2011 17:51 Labrador
Das ist eine so schön erzählte Geschichte, man fühlt richtig mt und fühlt sich mitten drin ...

Thomas
Mein Hund - mein Herzschlag zu meinen Füßen
14.06.2011 21:03 Kevin1990
sehr schön erzählt...da freut man sich wieder auf diese winternächte...
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