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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Wo isser denn nu? Wenn man von unten nicht dran kommt, muss man es halt von oben versuchen... Er hat ihn!!!!
789 mal angesehen
12.02.2011, 21.48 Uhr

Auch kleine Beute kann Freude machen....

Nach einer Woche besten Frühlingswetters hatte der Wetterbericht– wie so oft – zum Wochenende wieder einmal ungemütliches Wetter vorhergesagt. Sogar Schnee sollte wieder fallen. Umso mehr freute ich mich, als ich Samstagmorgen aus der Tür trat und mich blauer Himmel und Sonnenschein umfing. Bei solchen Bedingungen zieht es mich mit den Hunden nach dem Frühstück immer sogleich ins Revier. Die Aufgaben, die meine Frau an diesem Tag für mich vorgesehen hatte, mussten warten - zunächst galt es die Sonne zu nutzen.

Voller Tatendrang sprangen die Terrier bereits ins Auto, während ich Flinte und Jagdtasche dazulegte. Mal schauen, was uns im Revier erwartete. In den letzten Tagen hatte ich reichlich Tauben auf den Maisstoppeln gesehen. Bei der kalten, klaren Luft würde es sicher auch Spaß machen, hier und da mal nach dem Marder zu schauen. In den Nachwehen der Ranz könnte es sich zudem lohnten, den ein oder anderen Wegdurchlass zu kontrollieren. Wir wollten es einfach mal auf uns zukommen lassen.

Bereits wenige Minuten später ließ ich den Wagen ausrollen und schaltete den Motor aus. Zunächst hatte ich mir vorgenommen, mit Atze – meinem Senior - einige Feldgehölze zu kontrollieren, in denen sich im Schatten hoher Bäume dichte Ilexverhaue befanden. Einerseits strichen die Tauben hier gern durch die Kronen der hohen Buchen, andererseits hatten wir dort aber auch schon den ein oder anderen Dachhasen erlegen können. Vom zurückliegenden Holzeinschlag lagen zudem an der Waldkante zahlreiche Reisighaufen, die es erfahrungsgemäß buchstäblich in sich haben konnten. Darüber hinaus wollte ich die Gelegenheit nutzen, die Feldkanten abzufährten. Die letzte Zeit trieben sich hier immer einige Frischlinge herum, von denen ich nur zu gern noch den ein oder anderen zu fassen bekommen hätte.

Wie immer, wenn er mit mir allein losziehen durfte, eilte Atze eifrig voraus. Sein erstes Augenmerk galt einem großen Stapel Silo-Reifen. Mit seinen 12 Jahren weiss er genau was er tut - schließlich hatten wir an diesem Stapel schon mehrfach Erfolg. Heute jedoch war hier niemand zuhaus’.

Weiter ging’s hinein in den Ilex. Links von mir sprang Rehwild ab. Mein Oldi hat es gar nicht mitbekommen – Gott-sei-Dank! So ein zwei Stunden konnte er sonst schon einmal unterwegs sein....

Ich steuerte auf einen kleineren Stapel aus Zweigen und Ästen zu. Atze hatte es gesehen und holte sich schon Wind. Irgendetwas schien sein Interesse geweckt zu haben. Gewissenhaft bewindete er vielversprechende Löcher und einzelne Zweige des Stapels. Würde er laut, könnte ich mich darauf verlassen, dass da was drin ist – gegenwärtig aber blieb er noch ruhig. Allein an der Art, wie er den Haufen absuchte, konnte ich aber erkennen, dass dort sehr wohl Witterung stand. Nun, wenn der Marder hier nicht steckte, so waren die Chancen nicht schlecht, in der näheren Umgebung auf ihn zu stoßen. Atze zog derweil immer größere Kreise und war jetzt an einer halb zusammengebrochenen Wagenremise angekommen. Auch hier zeigte er auf den Balken interessante Witterung an. Stecken konnte Weißkehlchen in den nackten Trümmern jedoch nicht – also weiter!

Hoffentlich stießen wir jetzt nicht wieder auf einen Hasen, der hier unter den Buchen gern in seiner trockenen Sassel lag. Auch dann würde ich wieder geraume Zeit warten müssen – aber nichts dergleichen geschah.

Vor mir tauchten zwei weitere Reisighaufen auf – einer klein und halb im Wasser liegend, der andere deutlich größer, mit starken Ästen und Baumstubben dazwischen. Diesem Haufen strebte Atze zu. Mal mit tiefer, mal mit hoher Nase sog er die Witterung ein.

Das sah vielversprechend aus....!

Eifrig umrundete er den ca. 3x4 m großen Haufen und schon wurde er laut – er hatte ihn gefunden!

Ob es uns allerdings gelingen würde, Weißkehlchen zum Springen zu bringen, war bei der Größe des Reisigberges mehr als zweifelhaft. Unklar war zudem, ob ich es überhaupt mitbekommen würde, sollte er tatsächlich springen:
Immerhin war er gut 1,60m hoch und grenzte unmittelbar an einen kleinen, undurchsichtigen Ilexstreifen.

Wie in jungen Jahren versuchte Atze den Marder eifrig „fest zu machen“. In bester „Fliegermanier“ schliefte er giftig kläffend in den Haufen ein, um dann – sobald sich der Marder umstellte - abzubrechen und einen anderen Zugang zu versuchen. Er kennt das Geschäft...!

Ich suchte derweil einen leicht erhöhten Stand, von wo aus ich den Haufen einigermaßen im Auge behalten konnte. Atze nahm kaum Notiz von mir. Er war beschäftigt... Hin und wieder ging sein Laut in ein wütendes Jaulen und Knurren über – ein sicheres zeichen, dass er ganz dicht dran ist. Ich erwartete schon fast, den typischen Schmerzenslaut zu vernehmen, wenn sich die Beute mit Zähnen und Krallen ihres Balgs erwehrte.

Es muss gar nicht unbedingt ein Marder sein, schoss es mir durch den Sinn. Auch ein Iltis wäre möglich, wobei die kaum zum Springen zu bringen sind. Auch Fuchs und Katze wären denkbar. So ein Reisighaufen ließ jedoch immer am ehesten einen Marder vermuten.

Atze „fräste“ sich geradezu durch den Reisig. Mit klammer Sorge malte ich mir aus, was wohl wäre, wenn er mitten darin nicht mehr vor oder zurück könnte. Bislang aber zeigte sich mein (Vor-)Ruheständler noch sehr gelenkig und gewand! Jetzt war es ihm doch tatsächlich gelungen, sich einmal der Länge nach durch den Haufen zu wühlen. Von der Beute jedoch keine Spur. Bereits wieder meinen Blicken entschwunden wurde sein Laut immer giftiger und drängender – er rückte ihm auf den Pelz.

Immer wieder jedoch schien sich der Marder – ein solcher würde es wohl doch sein – in seiner Behausung umzustellen, so dass der Laut unvermittelt abbrach. Wenig später hatte Atz’ ihn jedoch wieder in der Nase und weiter ging der wütende Keif.

Mittlerweile war mehr als eine halbe Stunde vergangen und vom Hausherrn dieser Trutzburg keine Spur. Aber Atze war sich sicher: Der steckt hier noch!

Der eisige Wind ging mir inzwischen durch bis auf die Haut. Ich wechselte die Flinte von einer Hand in die andere, um die jeweils freien Finger in der Hosentasche aufzuwärmen. Wie lange sollte denn das noch gehen? Für Atze allein war der Haufen einfach zu groß. Mein Auto mit den beiden anderen Hunden stand in Sichtweite an der anderen Seite des angrenzenden Feldes. Sollte ich meinen Stand verlassen und Aisha und Scotty dazu holen? Wahrscheinlich würde genau dann der Marder das Weite suchen...

Vor Kälte zitternd wog ich die Chancen und Risiken ab. Auch könnte ich einen meiner Jagdfreunde anrufen, uns zu Hilfe zu kommen... Was für ein Armutszeugnis! Nein, das kam nicht ernsthaft in Frage.

Während Atze die Nerven des kleinen Räubers auf eine harte Probe stellte, entschied ich mich, nun doch Unterstützung zu holen. Ich ließ Atze unter dem Gestrüpp gedämpft keifend zurück und eilte quer über den auflaufenden Weizen auf mein Auto zu. Die beiden Zurückgelassenen wussten schon genau worum es ging und zerrten heftig an den Leinen.

Gern hätte ich sie voraus toben lassen, aber die Gefahr war zu groß, dass Weißkehlchen springen würde, noch ehe ich auf Schussweite heran war. Schlag auf Schlag hallte Atzes tiefer Laut uns entgegen. Nun – fast angekommen – machte ich schon mal Aisha vom Band, die sofort giftig in Atzes Bass einfiel. Scotty wollte ich zunächst in Reserve behalten, aber an Standruhe war natürlich nicht zu denken, während seine beiden Meutegenossen sich die Seele aus dem Leib keiften. Also auch bei Scotty die Halsung runter und ab ging die Post...

Sofort stürzte er sich mitten ins Getümmel. Von verschiednen Seiten griffen sie nunmehr an und wechselten dabei immer wieder die Stellung. So musste ihm das irgendwann zuviel werden.....

Aus Erfahrung klug geworden, kreiste Atze zwischendurch immer wieder um den Haufen, um zu prüfen, ob sich der pelzige Gesell’ nicht doch bereits auf leisen Sohlen „vom Acker gemacht hätte“ – negativ - er steckte noch!

Jetzt schienen sie ihn in der hinteren Ecke eingekreist zu haben... Eigentlich musste er doch jetzt springen – Pustekuchen, nichts tat sich! Frustriert ließ ich den Blick schweifen – nichts! Meine Augen suchten auch die angrenzenden Baumkronen ab – nichts!

Wirklich nichts? Was war denn das für ein puscheliges Teil, welches dort oben neben einer Astgabel scheinbar im Wind wehte? Ein Blick durch’s Fernglas ließ mein Blut in den Adern erstarren: Weißkehlchen saß dort oben fasst vollständig verdeckt in einer Astgabel und ließ seine Rute – einer mäuselnden Katze gleich – erregt hin und her streichen.

Offenbar war er den Hunden auf der Rückseite einer Eiche, die halb im Reisighaufen stand - nach oben entkommen. Hätte seine Rute ihn nicht verraten, er wär uns nach fast 2 Stunden harter Arbeit glatt durch die Lappen gegangen....

Während die keifenden Hund noch gar nicht mitbekommen hatten, dass das Ziel ihrer Begierden „aufgeentert“ war, stürzte Weißkehlchen bereits im Hagel meine Schrote zu Boden. Auf den Schuss hin stoben alle drei aus dem Reisig, packten den verendeten Stinker und zogen ihn in die Länge. Ich ließ sie gewähren... Hauptsache, dass sie sich jetzt nicht untereinander in die Haare gerieten - aber nichts dergleichen geschah.

Nach 2-3 Minuten heftigen Beutelns – begleitet von furchterregendem Geknurre - nahm ich nun doch die Beute ab, die ich für die Welpen meines Freundes Jens hervorragend gebrauchen konnte. 2 Stunden hatte die Aktion gedauert, aber solche Jagdtage lob’ ich mir:

Blauer Himmel, tolle Hundearbeit und zum Schluss ein erfolgreicher Abschluss – was will man mehr!


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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

13.02.2011 04:34 thomasrichter
hervorragend!
13.02.2011 12:41 SauerlaenderJung
Toll erzählt. Als wäre man live dabei gewesen. Tolle Hunde die du führst! Weidmannsheil!!
13.02.2011 18:02 KLMdiego
Wirklich super Geschichte !
bei mir hat´s am Samstag nicht geklappt - aber soll ja am Mittwoch weis werden, dann warte ich geduldig an der Kirrung !

Waihei
14.02.2011 19:28 swinging_elvis
Hallo,
kann Deinem letzten Satz nur zustimmen. Kenne solche kleinen Jagden aus meiner Jugend mit meinem Vater und DJT... war stets ein Erlbnis. RoQ, el
16.02.2011 14:18 HatzWatz
Grüß dich...
schöne geschrieben...da möchte man doch gleich los

Liebe Grüße und Waihei
Melanie
16.02.2011 15:42 Ruedemann
HatzWatz schrieb:
Grüß dich...

schöne geschrieben...da möchte man doch gleich los



Liebe Grüße und Waihei

Melanie


Grüß Dich auch! Wie kommt's, dass wir uns dieses Jahr nirgends begegnet sind ?

LG+Wmh
V.
19.02.2011 14:51 HatzWatz
Ruedemann schrieb:
Grüß Dich auch! Wie kommt's, dass wir uns dieses Jahr nirgends begegnet sind ?



LG+Wmh

V.



Hey Du, habe ich auch schon drüber nachgedacht...echt schade! Ich war eigentlich auch gar nicht so oft los und wenn dann in diesem Jahr nur hier in der Gegend ...vielleicht ja in der nächsten Saison

Liebe Grüße und Wmh

Mela
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