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Füchse, Füchse, Füchse

Fuchsjagd (10 Einträge)

Waidmannsheil auf den roten Freibeuter 2 Waidmannsheil auf den roten Freibeuter 3 Waidmannsheil auf den roten Freibeuter 1
790 mal angesehen
03.02.2011, 19.14 Uhr

Der Ehrenfuchs

„Anschauen, aber nicht anfassen“ schien die Devise bei meiner Fuchsjagd dieses Jahr zu sein. Die Roten zeigten sich ab Dezember zwar immer häufiger, in schussbare Nähe wollten sie aber einfach nicht kommen. Nun gut, den Ehrgeiz, am Hallodri-Wochenende einen auf einem Kahlschlag in weiter Ferne verschlafen mausenden Reinke anzugehen hatte ich auch nicht, das muss ich gestehen. Zu oft war der Schlaumeier dann Sieger der Sinne geblieben… aber so langsam – Mittag Januar war herum – sollte die Ranz doch endlich einmal losgehen.
Zu meinem Unglück wollte die Wetterhexe auch nicht mitspielen. Anstelle der gewünschten leichten Schneelage oder zumindest einer weiß überreiften Natur präsentierte sich mein kleines Hessen-Revier mit leichten Plusgraden… ein Graus für jeden Fuchsjäger, denn da verhalten sich die roten Füchse wie die roten Hirsche im warmen September: sie brunften nicht!
So rückte das Januarende näher und immer noch hatte ich keinen Lieferant der feinen Rauchwahre auf seinen dichten Balg gelegt. Reizarien mit Vogel- und Hasenklage oder Mäusefiep blieben erfolglos wie in den Jahren davor… es grenzte schon an Selbstverachtung, wie ich dann doch wieder den jämmerlichen Schrei des sterbenden Piepmatzes erschallen ließ oder Meister Lampe mit lautem „weeeh – oh – weeeh“ sein Leben auszuhauchen drohte. Ein Fuchs wollte und wollte mir nicht zustehen. Stürmische Vormittage in Buchenrauschen verhockt, windige Morgende an der Feldkante versessen – es wollte und wollte nicht klappen.
Aber wie haben schon viele alte Fuchsjäger gesagt: Sitzfleisch, Sitzfleisch und noch einmal Sitzfleisch. Und so kam die ersehnte Chance auch wirklich immer näher. Am Morgen zog es mich in aller Frühe zur Fuchskanzel mit Blick in die weiten Felder. Hier musste einfach ein Fuchs kommen und so saß ich schon im Düstern kurz nach sechs und glaste beim ersten Grauen des Tages ohne Unterlass Felder und Wiese ab… ich wollte es regelrecht erzwingen. Die steife Briese von rechts zwang mich, die Ohrenklappen meiner dicken Fuchs-Tschapka zur Anwendung zu bringen. Ja, so hielt ich es gut aus und vielleicht verhalf mir hier die Reineke-Mütze zur Reineke-Beute.
Rund und rund ging mein Glas, von rechts nach links und wieder von vorne. Wie besessen suchte ich nach dem langen grauen Strich im ersten Dämmer. Nicht umsonst sagt man Jägern, die oft draußen sind etwas Absonderliches nach, oder auch einen siebten Sinn. Als ich wieder einmal von rechts nach links die weiten Flächen abglaste kam mir vorher der Gedanke, es doch einmal anders herum zu versuchen… was ich aber nicht tat. Am Ende meiner Runde angekommen fuhr es mir in die Glieder. Da schnürte ein recht Heller seiner Art und mein Gespür sagte mir: er hat es eilig!
Im Bewusstsein schnell handeln zu müssen hatte ich auch schon den Schaft des Dreilaufs im Gesicht und suchte durch das achtfache Glas den Räuber… vergebens… zu grau noch, zu düster. Mit Unwohlsein ergriff ich wieder das Doppelglas und gleichzeitig die Vogelklage, den Roten vielleicht auf seine hundert Meter Entfernung zum Zustehen zu bringen… ich fand ihn, er verhoffte auch kurz auf mein Klagen… machte sich dann aber umso schneller auf in Richtung Wald.
Wenig später erahnte ich, warum er es so eilig gehabt hatte als ich beim erneuten Spekulieren aus der Ferne eine Schneefront von Süd-Westen anrücken sah… plötzlich war es nur noch weiß und die Sicht schwand. Wieder war der Gänseschreck Sieger geblieben.
Am Abend baumte ich eher aus Instinkt denn nach Berechnung auf einen Sitz auf, der von Dickungen umgeben war, welche von Füchsen gerne als Tageseinstand gewählt wurden. Oft schon hatte ich einen Mäusefänger hier oder da auslaufen gesehen, in einem besonders guten Jahr konnte ich gar einen erlegen… aber sehr schnell musste man sein… Reh und Sau konnten ebenfalls vorkommen. Oft endete auch der Pass des am morgen Gesehenen in diesem Revierteil und harrte ich voller Hoffnung der Dinge, die da kommen sollten.
Ach, war das ein Abend. Nach all den verhangenen Tagen riss nun endlich einmal die Wolkendecke auf und sendete ein paar wärmende Strahlen vom Abendhimmel. Wunderbar mutete mir die doch eigentlich recht tote Natur an, ich packte meine Kamer aus und machte ein paar Aufnahmen. Herrlich, hier so an diesem sehr ruhigen Ort im Revier zu sitzen. Das Beutemachen wollte ich schon fast vergessen, als ich bei langsam schwindendem Licht eine erneute Eingebung hatte. Etwas irritiert die Stirn runzelnd griff ich den in der anderen Ecke des Hochsitzes stehenden Dreilauf und stellte ihn griffbereit direkt vor mir. Lag da was in der Luft?
Die Sonne war hinter den Wipfeln verschwunden, bei einem erneuten Rundumblick fuhr mir der freudige Schrecken in die Glieder: Aus der Dickung links vor mir schnürte ein „blonder“ Fuchs zügig auf den davorliegenden alten Ziehweg und gleich spitz von mir weg. Jetzt gab es kein Zögern, Drilling auf die Faust und sogleich hatte ich den Roten im Absehen eins… aber… immer noch hielt der die Richtung. Das war mir einerseits lieb da links von ihm die Dickung und rechts ein Windwurf lag, den Fuchs von hinten beschießen ging aber auch nicht… und das Ende des Weges im Gesträuch lag in nicht allzu weiter Ferne… „Dreh‘ dich, stell dich breit“ begann ich die mentale Kommunikation, welche ich mit einem vorsichtigen Zirpen durch die gespitzten Lippen unterstützte. Ein kurzes Sichern über die Schulter, alles zu schnell, keine Chance und weiter ging’s. „Oh, nein… Diana, lass diese Chance nicht vorüber gehen!“ schoss es mir durch den Kopf und nun griff ich zu härteren Mitteln: mein lautet „hey… hey!“ hallte laut in den Wald… der Fuchs verhielt, witterte an einigen alten Brombeerstauden, verhielt kurz, schien mein Geschrei aber gar nicht wahr zu nehmen. Das konnte doch nicht sein!
Da, jetzt schien ihn etwas am Wegesrand zu interessieren, halb spitz stand er, der Stachel wanderte hinters Blatt und schon verließ die kleine .22-Hornet mit einem giftigen PETSCH den Lauf.
Den Fuchs riss es herum und nach rechts. Weg!
Ich sah aber auch garnichts, kein weiteres Abgehen, nichts. O man, was war passiert. Ich meinte gut abgekommen zu sein, allerdings hatte ich auch noch eine letzte Bewegung vor dem Schuss wahrgenommen… ein Zeichnen? Nun, das war nicht das blitzschnelle Flüchten eines gesunden Reinekes gewesen…
Tief durchatmend sicherte ich und stellte meine Waffe in die Ecke. Lange durfte ich mit dem Nachschauen nicht warten, die Dämmerung brach zügig herrein… schon nach vielleicht fünf Minuten baumte ich ab und schritt zum vermeintlichen Anschuss, den ich mir aufgrund eines „Baumtors“ recht gut merken konnte. Und was soll ich sagen? Nichts und wieder nichts. Keine Wolle, kein Schweiß. Dass ich hier erneut mein Jagen ohne Hund verfluchte soll nur am Rand bemerkt werden. Also erneut, tief runter und die rechts Fahrspur ausgehen… nein, kein Zeichen. Nichts. Dann suchte ich ein wenig in den Windwurf hinein. Es grauste mir, als ich mir vorstellte, dass der Rote sich im Verenden in dieses Gewühl eingeschoben haben könnte. Dann könnte ich meine Beute wirklich abschreiben. Und noch einmal wollte ich die Nase wirklich richtig tief an den Boden nehmen. Ich roch auch wirklich den feinen Duft der Viole, stieß aber plötzlich an einen dünnen Zweig, der im oberen Bereich einen seltsamen rechtwinkligen Knick beschrieb… ab- beziehungsweise angeschossen? Genau so sah es aus… meine Zuversicht war damit nun wirklich begraben, gerade bei dem leichten Hornet-Geschoss… Einen letzten von wenig Hoffnung begleiteten Versuch wollte ich aber doch noch unternehmen. Vielleicht fünf Meter oberhalb führte ein halbwegs freier Wechsel in Richtung auf einen Wurzelteller zu. Vielleicht hatte ich mich ja doch in der Entfernung verschätzt. Nach dem Motto „glatter Gang – glatter Fang“ stieg ich lustlos die Anhöhe hoch als mir hinter dem Wurzelteller die Lunte des längst verendeten Fuchses entgegen leuchtete.
Man, was war das eine Freude. Ja, da lag er – oder besser sie, denn es war eine kleine Fähe. In der Mulde hinter dem Wurzelteller hatte sie ihre letzte Flucht getragen… und somit für mich unsichtbar gemacht. Überglücklich nahm ich das Füchslein auf und schritt bei nun hereinbrechender Dunkelheit zurück zum Hochsitz, um die Ausrüstung zu holen.
Dankbar war ich, froh und dankbar, dass es Diana und Hubertus anscheinend mal wieder gut mit mir gemeint hatten… und ihn mir am Ende dann doch gegönnt hatten: meinen Ehrenfuchs.
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swinging_elvis

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Kommentare

03.02.2011 19:42 IGOR82
WMH zum Fuchs Super geschrieben
03.02.2011 20:13 Renevolution81
Der lang ersehnte Rote ist endlich zur Strecke gekommen nochmals ein donnerndes WMH zur Story und Fähe jetzt gilt es als nächstes, den "Albkojoten" auf der Liste abzuhaken
Grüße aus dem Zuchtrevier!
03.02.2011 21:37 swinging_elvis
Ja, fütter ihn nur schön fett... >10kg muss es schon sein... Freue mich schon drauf, mit Hilfe von Diana und Ihrem Hubert vielleicht eines Tages den Kapitalen zu ernten. RoQ, el
Renevolution81 schrieb:
Grüße aus dem Zuchtrevier!

04.02.2011 08:30 Die_Leitbache
toll beschrieben.
danke fürs mitnehmen
gruß moni
04.02.2011 09:19 Spitzbua
Ein kräftiges WMH aus Bayern

und wie immer Super geschrieben
04.02.2011 09:24 WiednerDerSteirer
... a wirklich gute Gschicht,,,,,hättst Schreiber werden sollen
WH
04.02.2011 09:26 platzi
Ehre dem Ehre gebührt!

Weidmannsheil!

Diether
04.02.2011 10:43 kong
ein donnerndes WMH

[www.youtube.com]

es gibt einfach nichts Schöneres als die Kunst auf den roten Freibeuter zu waidwerken...
04.02.2011 13:48 BayernFlo
Dickes Waidmannsheil zum Fuchs!! Vergönnt sei er dir
Gruss aus de Berg,
Flo
04.02.2011 16:32 Spessartnimrod
Waidmannsheil!
Es ist immer spannend, wenn Du uns mit zur Jagd nimmst.
Gruß
SN
04.02.2011 20:16 SauerlaenderJung
Toll! 5 Sterne, wenns sie noch gäbe!
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