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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

808 mal angesehen
17.01.2011, 01.18 Uhr

Sitzen bleiben oder anpirschen?

Die alte Frage: Sitzen bleiben oder anpirschen?

Samstag der 15. Januar, 19:00 Uhr, ich saß in einer Christbaumkultur, mehr um meinen guten Willen zu beweisen als dass ich glaubte, hier Beute zu machen. Am Morgen kam der Bauer zur Jagdhütte und klagte, dass die „Willesäu“ seine frisch gepflanzten Bäumchen auswühlen. In der letzten Nacht seien sie dagewesen und es sähe schlimm aus.
Für solche Zwecke haben wir eine transportable Leiter, die mit dem Pickup zur Kultur gebracht und dort am Rande, mit dem ganzen Hang vor sich, aufgestellt wurde. Auf dieser Leiter saß ich und wartete auf den Mond. Es ist eine offene Leiter und als es leicht zu regnen anfing überlegte ich mir schon zu welcher schönen Kanzel ich wechseln sollte. Doch im Nordwesten wurde es heller und bald schimmerte der Halbmond durch die Wolken.
Um mich herum war es still, nur das leise Glucksen des Schmelzwassers im nahen Graben war zu hören. Ein Reh versuchte noch ein Loch im Zaun zu finden, um in die Christbaumkultur zu gelangen, das war bis 23:00 Uhr alles, was sich tat. Genug guter Wille, ich packte meine Sachen und ging zurück zum Auto. In der Zwischenzeit waren mehrere Schüsse gefallen und ich hoffte, dass die Freunde mehr Waidmannsheil gehabt haben. Im Auto schaltete ich mein Telefon an, es war aber keine Nachricht da, also saßen auch alle noch draußen. Der Mond stand jetzt fast frei am Himmel und gab gutes Licht, ich beschloss, die letzte Stunde mich noch an einer großen Wiese anzusetzen, wo an viele Stellen die Sauen gebrochen hatten. Das Auto ließ ich an einem Holzschuppe stehen und ging die letzten 100 Meter zur Kanzel einen Hang hoch. Ich versuchte keinen Lärm zu machen, was bei den nassen Wiesen nicht leicht war. Auf der Kanzel angekommen wickelte ich erstmal meine Kotze um die Beine, da es doch wieder kälter geworden war. Die Wiese vor mir hat eine Fläche von 300 mal 200 Meter mit mehreren Hecken, die am Rande auf Böschungen in die Wiese hineinragen, und einer Ausbuchtung gegenüber in südwestlicher Richtung den Hang hinauf mit einer Waldspitze 180 Meter entfernt von der Kanzel. Mit dem Fernglas kontrollierte ich die Wiese und mir fielen sofort die drei Schemen auf, die sich schwarz von der Fläche abhoben und unterhalb einer Kanzel am gegenüberliegenden Ende der Wiesen sich bewegten. Im Fernglas waren sie gut als Sauen zu erkennen. Die müssen größer sein, dachte ich mir. Was tun, warten dass sie näher kommen oder runter vom Sitz und anpirschen. Für mich eine immer wieder neu zu beantwortende Frage, die je älter man wird auch mit neuen Argumenten abgewogen wird. Der Wind war günstig, genau von vorne. Mein Überlegung war: hoch zum Waldrand und in dessen Schatten vor zur Waldspitze, von dort sind es vielleicht 20 Meter zu einigen weißen Silageballen, von denen man ein gutes Schussfeld hat. Langsam packte ich meine Sachen zusammen, befestigte den Riemen wieder am Gewehr, den ich immer entferne, sobald ich auf dem Ansitz bin.
Ein erneuter Blick durchs Fernglas machte meinen Plan zunichte, die Sauen bewegten sich nach unten. Also erst mal sitzen bleiben und hoffen, dass sie langsam vor ziehen. Von unten anpirschen ist viel umständlicher, weshalb ich an diese Möglichkeit keinen Gedanken verschwendete.
Wieder änderten die Sauen die Richtung, diesmal ging es zum gegenüberliegenden Waldrand und ich befürchtete, dass sie verschwinden werden. Ich ärgerte mich über meine Zögerlichkeit, jetzt am Silageballen hätte ich eine gute Schußmöglichkeit.
Die Sauen verschwanden nicht, sondern waren jetzt wieder dort, wo ich sie zuerst erblickt hatte. Ich ließ alles bis auf den Bergstutzen auf dem Hochsitz und stieg langsam zum Waldrand hoch. In dessen Schatten ging es bis zur Waldspitze. Ein Blick durch Zielfernrohr zeigte die Sauen brachen unterhalb der Silageballen die Wiese um. In der Hocke ging ich noch wenige Meter weiter, dann war der erste Ballen genau zwischen mir und den Sauen. In gebückter Haltung schlich ich zum Ballen, wo ich vorsichtig den Kopf hob, die Sauen waren genau vor mir, ca. 60 Meter. Langsam schob ich das Gewehr auf den Ballen und achtete darauf, dass die Mündung frei ist, bei einer ähnlichen Situation hatte ein Jagdfreund einem Silageballen eine tiefe Kerbe beigebracht. Deutlich sah ich die Drei im Zielfernrohr, sie standen jetzt spitz zu mir. Die vordere Sau hatte ich im Visier, aber sie wollte sich nicht quer stellen, da stand die hintere plötzlich perfekt breit, das Fadenkreuz war genau auf dem Blatt als der Schuß brach. Nach dem Schuß liefen zwei Sauen an mir vorbei den Hang hoch. Jetzt erst Mal durchatmen, die Sau muss liegen. Mit einer Taschenlampe leuchtete ich nach vorne, da war keine Sau, ich lief zu der Stelle, wo ich meinte, die Sau beschossen zu haben, da war auch nichts. Also erstmal einpacken und dann mit dem Hund noch mal versuchen wenigstens Schweiß zu finden, um dann zu entscheiden, wie es weitergeht.
Zurück in die Jagdhütte, es war kurz nach Zwölf. Die beiden Mitjäger waren schon zurück, sie hatten keinen Anblick und schoben es auf den Prozessor, der bis spät in die Nacht im Staatsforst tobte.
Ich erzählte kurz meine Geschichte von den drei Sauen so um die 30, 40 Kilogramm.
Mein Hund war total aus dem Häuschen, er wusste genau was Sache ist, wenn ich zurück zum Auto komme, dann schnuppert er nur an meinen Händen und der Waffe und weiß was passiert ist und wenn ich im dann noch das Geschirr anlege, dann ist er fast nicht mehr zu halten. Es war eine Sache von Sekunden, da hatte der Hund die Sau gefunden. Sie hatte einen sauberen Blattschuss und war bestimmt keinen Schritt mehr gelaufen, sie wog 12 kg und lag viel näher an dem Ballen als ich glaubte, ich hatte sie in all den umgedrehten Grasstücken übersehen, weil ich so auf eine größere Sau fixiert war. Wie man sich nachts täuschen kann, was die Größe einer Sau betrifft.
SN
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Spessartnimrod

Spessartnimrod

Alter: 68 Jahre,
aus Alzenau

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Kommentare

17.01.2011 08:09 rotwilderer
weidmannsheil. toll geschrieben, toll erlebt...

aber der utnerscheid von 12kg zu 30-40kg is schon etwas, oder?

was mich freut ist, mal zu lesen, dass du den riemen abnimmst. hab mal ne thema dazu gestartet vor einiger zeit....
17.01.2011 08:28 Spessartnimrod
rotwilderer schrieb:
weidmannsheil. toll geschrieben, toll erlebt...

aber der utnerscheid von 12kg zu 30-40kg is schon etwas, oder?

Ich bin auch immer noch leicht verstört über diese Fehleinschätzung.
Gruß
SN
17.01.2011 08:31 rotwilderer
Spessartnimrod schrieb:
Ich bin auch immer noch leicht verstört über diese Fehleinschätzung.

Gruß

SN



bei mir is immer andersrum. denk, die sau hat 20kg oder so und dann liegen da 40kg....

nochmal zum riemen abnehmen: machst du wegen der geräuschentwicklung, oder?
17.01.2011 08:40 Niederbayer
Waidmannsheil! Toll erzählt!
17.01.2011 08:57 Spessartnimrod
rotwilderer schrieb:
bei mir is immer andersrum. denk, die sau hat 20kg oder so und dann liegen da 40kg....

nochmal zum riemen abnehmen: machst du wegen der geräuschentwicklung, oder?

Ich habe mehrere Gründe, das Geräuschrisiko, die Bewegungsfähigkeit und speziell beim Bergstutzen ein Präzisionsproblem, wenn der Riemen zu straff gespannt ist und Zug auf den unteren Lauf ausübt. Hab ich hier im Forum gelesen und hatte auch am Anfang unerklärlich Schußbilder. Wenn ich mit Riemen schieße, dann liegt er locker unter dem Vorderschaft.
Gruß
SN
17.01.2011 13:44 swinging_elvis
Eine feine Jagd. Waidmannsheil! el
17.01.2011 14:41 Remmi
Waidmannsheil
super beschrieben!
17.01.2011 22:46 Spessartnimrod
swinging_elvis schrieb:
Eine feine Jagd. Waidmannsheil! el

Waidmannsdank, morgen geht es wieder raus, hoffentlich versteckt der Mond sich nicht ganz.
Gruß
SN
17.01.2011 22:47 Spessartnimrod
Bolchower schrieb:
Waidmannsheil
super beschrieben!

Waidmannsdank, wenn man etwas runter schreibt, erlebt man alles noch einmal.
Gruß
SN
18.01.2011 09:17 anser
Weidmanns Heil zum Stück und zur Geschichte!

Meine Stücke sind hinterher auch eher etwas größer als beim Ansprechen (zumindest nachts... )

Gruß
anser
18.01.2011 10:23 nighthunter68
Waidmannheil,

schön geschrieben.
Ich denke wer in der freien Feldflur schon mal Sauen bejagt hat der weiß sowas kann mal passieren.
Ist mir auch schon passiert.

Gruß

nighthunter68
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