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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Unfallort der ergebnislosen Nachsuche (s. Blog) Nachsuchenequipment Über dieses Feld führte der Wechsel (s. Blog: Ergebnislose Nachsuche)
692 mal angesehen
25.09.2007, 23.20 Uhr

Ergebnislose Nachsuche

Gerade hatte ich mich im Bett noch einmal umgedreht und im Halbschlaf den prasselnden Regen registriert, da riß mich das Telefon unsanft aus den Träumen: Wildunfall mit einer Sau! Das gibt es bei uns nicht alle Tage. An derselben Stelle sollte gestern schon ein Schwein liegen, welches sich dann aber als kapitaler Dachs entpuppte. Nun also tatsächlich eine Sau. Am Auto sollte laut Polizei beträchtlicher Schaden sein.

Flugs sprang ich in die Klamotten, packte Hund und Büchse ins Auto und machte mich auf den Weg. Der Unfallfahrer war natürlich längst weg, ebenso wie die Polizei. Wie so oft in solchen Situationen war ich auf mich allein gestellt. An der angegebenen Unfallstelle angekommen waren unschwer zahlreiche Saufährten auszumachen, die über einen blanken Acker Richtung Straße führten, auf deren anderer Seite sich hinter den Schienen der hiesigen Güterbahn ein etwa 3 Hektar großes Maisfeld erstreckte. Da waren die Sauen rein, und einige offenbar auch wieder raus. Sollte die angefahrene Sau wohl noch stecken? Mir blieb nur, auf die Erfahrung meines Hundes zu bauen. Am langen Riemen mußte er sich erst einmal lösen, bevor er gewissenhaft das Bankett links und rechts der Straße kontrollierte - bis auf zahlreiche Plastikteile, den Scheinwerfer und den Blinker des Unfallwagens - nichts! Nunmehr ließ ich meinen Rüden am Rande des Maisfeldes den Fuß des Bahndamms kontrollieren. Hier zeigte er an einer Stelle lebhaftes Interesse, doch in den ersten 2-3 Maisreihen fand ich keine Bestätigung - der Boden war hier zu hart. Also erst einmal umschlagen. Zunächst prüften wie die Seite unter Wind. Nicht selten hat er mir mit hoher Nase angezeigt, wenn Sauen steckten, doch heute - keine Reaktion. Das hieß aber nichts. Nachdem ich denSchlag 3/4 umschlagen hatte stieß ich auf braunem Acker wieder auf verregnete, aber wohl relativ frische Fährten, könnte passen. Aber der Hudn war anderer Meinung und und strebte schon wieder zurück zur Straße. Was nun?

Da er jedoch am Einwechsel so großes Interesse gezeigt hatte, wollte ich seine Einschätzung bestätigt wissen. Dank der Segnungen moderner Technik hatte ich bald meinen Freund O. am Ohr, der auch sofort sein Kommen zusagte. Schön wenn man sich aufeinander verlassen kann. Er war glücklicherweise auf dem Hof gerade abkömmlich und freute sich darüber, dass seine junge Hündin Gelegenheit bekommen sollte, Erfahrungen zu sammeln. 30 Minuten später war er bereits zur Stelle, ließ sich von mir einweisen und machte den Hund fertig.

Leider zeigte dieser sich zunächst wenig interessiert. Weder die zahlreichen Fährten auf dem blanken Acker, noch die Einwechsel in den Mais quittierte die Hündin mit "beruflichem Interesse". Das sah schlecht aus...

Nach kurzer Besprechung entschieden wir, den Schlag noch einmal zu umschlagen - gesagt, getan. Doch auch hier schien sich der Hundenase nichts zu bieten, dem sich nachzugehen gelohnt hätte. Man könnte die Mimik des Hundes mit "freundlichem Desinteresse" beschreiben. Doch plötzlich machte sie kehrt, als wollte sie sagen: " Ich glaube ich habe da eben etwas übersehen...!".

Geschäftig griff sie am Riemen 10 Schritt zurück, nahm den Rüssel runter und ab ging die Post! Ist schon toll, wie sich auch unsere Stimmung wendete. Voller Optimismus folgten wir ihr und erkannten im feuchten Gras nun auch eine Fährte, die die Reaktion des Hundes zu bestätigen schien.

Unser Weg führte uns über eine Wiesenfläche, eine angrenzende Brache, hinein in eine hochgewachsene Fichtendickung. Der Hund arbeitete sicher und beständig, so dass wir auch nicht zweifelten, als er am Ende der Dickung zu kreisen begann. Wie O. zu berichten wußte, ist das ein durchaus typisches Verhalten, bevor ein krankes Stück eine solche Deckung wieder verläßt; und verlassen hatte sie sie, denn wir fanden auf dem angrenzenden Weg ein frisches Trittsiegel einer etwa 70 kg schweren Sau. Wir waren richtig!

Unser weiterer Weg führte auf und ab durch lichten Kiefernhochwald, in dem es für die Sau wenig Gelegenheit gab, sich zu stecken. Wir nutzten jede Gelegenheit, an unbewachsenen Stellen den noch wenig erfahrenen Hund zu kontrollieren. Mehrfach bestätigte sich jedoch die Richtigkeit ihrer Arbeit, weil wir wiederholt frische Trittsiegel fanden.

Allmählich nahm der Unterwuchs zu. Auf Anweisung des Hundeführers trug ich die Büchse inzwischen schussbereit, denn er selbst wollte sich voll auf den Hund konzentrieren können. Etliche Brombeerverhaus sahen sehr vielversprechend aus, doch der Hund machte keine Anstalten inne zu halten. Weiter und weiter führte er uns am Riemen. Zwei benachbarte Revierinhaber hatte ich nun schon per Handy unterrichtet, dass wir die jeweilige Grenze überschreiten würden. Angesichts unseres guten nachbarschaftlichen Verhältnisses wäre das auch ohne Anruf kein Problem gewesen, aber so ist es mir lieber!

Inzwischen merkte ich, dass ich noch kein Frühstück hatte. Das ständige auf und ab ließ die Beine allmählich kraftlos werden. In den Brombeeren mahnte O. mich noch einmal zur Aufmerksamkeit. Nicht selten hatte er erlebt, dass ein kranker Keiler in der Deckung die Nachsuchenkorona passieren ließ, um dann von hinten anzunehmen. Auf diese Art und Weise war unlängst ein Freund und Nachsuchenkollege schwer verunglückt. Aber kein Keiler ließ sich blicken, weder von vorn noch von hinten. Inzwischen hatten wir wohl so etwa 3,5 km Riemenarbeit hinter uns und befanden uns mitten im Muffelkerngebiet, als die Hündin inmitten großer Brombeerfelder zu Kreisen begann. Sie vermittelte jetzt aber lange nicht mehr den sicheren Eindruck, mit dem wir auf der Wundfährte gestartet waren. Mal versuchte sie mit tiefer Nase, mal mit hoher Nase, Anschluß zu finden. Schließlich kehrte sie zum Hauptwechsel zurück und nahm die konzentrierte Arbeit wieder auf.

Am Riemen führte uns die Fährte über ein Kuppe hinab in ein kleines Tal. Gerade als wir einen Weg gequert und verbrochen hatten, sprangen vor uns 5 Stück Rehwild aus den Brombeeren ab. Uns schwante nichts Gutes. Würde die Hündin sich verleiten lassen, die offenbar bei weitem nicht mehr so interessante Wundfährte zu verlassen und dem Rehwild nachzuhängen? Ja, unsere Befürchtungen bestätigten sich. Die Hündin wurde heftiger und folgte der verlockenden Witterung. Wie es auch mir in solchen Situationen immer ergeht, haderte auch O. mit sich, ob es richtig wäre, die Hündin abzurufen. Auch wenn es uns wenig wahrscheinlich erschien, konnte sie schließlich doch richtig sein, und dann wäre es eine Katastropke, den jungen Hund von der Wundfährte abzuziehen.

Das ungestümer Vorwartsdrängen gab jedoch schließlich den Ausschlag. Wir brachen ab und entschlossen uns, zurückzugreifen. Leider brachte dieses keinen Erfolg mehr. Die Hündin ging buchstäblich spazieren. Von Arbeit konnte keine Rede mehr sein. Der Aufforderung, weiter zu suchen, folge sie mit verständnislosem Blick und sichtbar lustlos. Es hatte keinen Zweck mehr.

Trotz z.T. äußerst vielversprechender Passagen, mußten wir dennoch schweren Herzens abbrechen. Der Hund hat wirklich toll gearbeitet, aber die Sau war vermutlich ´nicht zu bekommen.

O. wäre froh gewesen, wenn ein wirklich erfahrener Hund unser Ergebnis noch einmal bestätigt hätte, doch dazu sollte es nicht kommen. Sein ungleich erfahrenerer Nachsuchenkollege machte uns keine Hoffnung, dass da noch etwas zu machen sei. Wenn die Sau krank genug gewesen wäre, so hätte sie sich seinen Erfahrungen zufolge spätestens nach 1-2 Kilometern gesteckt. Aus dem Umstand, dass sie genau das nicht getan hatte, schloss er, dass das Stück zweifellos nicht zu bekommen wäre.

Wir aber hatten unser Möglichstes getan! Die Sau würde also die Verletzungen ausheilen, aber schade, dass dem junge Schweißhund nach seiner hervorragenden Arbeit der verdiente Lohn vorenthalten blieb.
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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

26.09.2007 16:05 Kampfkeiler
weiter weiter weiter, bis jetzt hervorragend geschrieben, als wenn man selbst dabei ist.
26.09.2007 22:16 Ruedemann
Kampfkeiler schrieb:

weiter weiter weiter, bis jetzt hervorragend geschrieben, als wenn man selbst dabei ist.


Vielen Dank, jetzt ist der Bericht auch fertig!
Gruß R.
27.09.2007 06:47 Kampfkeiler
Sehr schön. Auch dem kleinen wird der Erfolg noch zufallen. Sehr gute Anlagen hat er, wenn ich lese das ihr 3,5 Km unterwegs wart.

Aber auch so kann eine Nachsuche enden, zwar nicht erfreulich, aber manchmal ist das Stück einfach weg. Der andere Nachsuchenführer hat Recht. Ich hätte auch erwartet, wenn eine Sau sichtbar krank ist, das es sich nach 1Km in die Brombeeren legen würde.

Ich finde es dennoch bedauerlich, dass Unfallbeteiligte und Polizei nicht den Unfallort seperat kennzeichnen. Hier hast du Glück gehabt, dass Scherben vorhanden waren.

Gruß KK
27.09.2007 11:26 Ruedemann
Kampfkeiler schrieb:

Sehr schön. Auch dem kleinen wird der Erfolg noch zufallen. Sehr gute Anlagen hat er, wenn ich lese das ihr 3,5 Km unterwegs wart.

Aber auch so kann eine Nachsuche enden, zwar nicht erfreulich, aber manchmal ist das Stück einfach weg. Der andere Nachsuchenführer hat Recht. Ich hätte auch erwartet, wenn eine Sau sichtbar krank ist, das es sich nach 1Km in die Brombeeren legen würde.

Ich finde es dennoch bedauerlich, dass Unfallbeteiligte und Polizei nicht den Unfallort seperat kennzeichnen. Hier hast du Glück gehabt, dass Scherben vorhanden waren.

Gruß KK


Nein in diesem Fall hatte ich von der Polizei den Kilometerstein, doch besagt das erfahrungsgemäß nicht viel. Die eigentliche Kollision kann immer +-100 m rauf oder runter liewgen. Gruß R.
28.09.2007 20:24 madonna
Verkehrsunfälle gehören mit zu den schwierigsten Nachsuchen überhaupt! Waihei Madonna
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